Skip to main content

Full text of "Die Kunstdenkmaeler der Rheinprovinz. Band 2: Kreis Essen"

See other formats


IfV.^.^^^.^c^-C.^-'— ^ '^•^^^ 



•M> 



l sM^ 



EKP 



DIE 



KUNSTDENKMÄLER 



DER 



RHEINPROVINZ 



^^ 



DIE 



KUNSTDENKMÄLER ^ 



DER 



RHEINPROVINZ 

IM AUFTRAGE DES PROVINZIALVERBANDES 

HERAUSGEGEBEN 
VON 

PAUL CLEMEN 



ZWEITER BAND 
III. 

DIE 
KUNSTDENKMÄLER DER STADT UND DES KREISES ESSEN 



^ 



DÜSSELDORF 

DRUCK UND VERLAG VON L. SCHWANN 

1893 



DIE 

KUNSTDENKMÄLER 

DER STADT UND DES KREISES 

ESSEN 

IM AUFTOAGE 
DES PROVINZIALVERBANDES DER RHEINPROVINZ 

HERAUSGEGEBEN 
VON 



PAUL CLEMEN 






MIT 4 TAFELN UND 47 ABBILDUNGEN IM TEXT 



^ 



DÜSSELDORF 

DRUCK UND VERLAG VON L. SCHWANN 

1893 



• • • 



• • ■ • 

• •• • . 

• • • 



950386A 



- J 



ALLE RECHTE VORBEHALTEN 



••• • • •• 



VORBEMERKUNG. 



Das vorliegende Heft, mit dem der zweite Band seinen Abschluss erreicht, 
sucht seinen Schwerpunkt in der Behandlung der beiden ältesten kirchlichen Bau- 
werke des Niederrheins, der Münsterkirche zu Essen und der Abteikirche zu Werden, 
die zugleich baugeschichtlich unter sämtlichen architektonischen Monumenten der 
Rheinprovinz in der- vordersten Reihe stehen. 

Bei der Untersuchung und Beschreibung beider Bauwerke erfreute sich der Ver- 
fasser der Unterstützung zweier durch jahrelange Studien mit ihnen vertrauten Ge- 
lehrten. In erster Linie ist er Herrn Architekten Georg Humann in Essen zum 
wärmsten Danke verpflichtet, der seit dem Beginn der Bereisung des Kreises im 
Herbst 1 89 1 mit unermüdlichem Eifer die Vollendung des Werkes zu fördern bemüht 
war; die Darstellung der Baugeschichte des Essener Münsters beruht in der Haupt- 
sache auf seinen Forschungen. Da eine umfassende Publikation des Schatzes der 
Essener Münsterkirche in Lichtdruck tafeln, von Herrn Humann im Auftrage des 
Kirchen vorstand es unternommen, in Aussicht steht, konnte die Behandlung dieser 
Kunstschätze bei der Abmessung der Zahl der Abbildungen und der Abgrenzung des 
Textes eine gewisse Einschränkung erfahren. Ebenso darf der Verfasser für die Ge- 
schichte der Werdener Abteikirche auf eine zukünftige Publikation verweisen. Herr 
Professor W^ilhelm Effmann in Freiburg (Schweiz) ist seit Jahren mit dem Abschluss 
eines umfangreichen Werkes über Werden und die karolingisch-ottonische Früharchi- 
-^ tektur beschäftigt. Das Erscheinen dieser reich illustrierten Veröflentlichung abzuwarten, 

c war bei dem planmässigen Vorschreiten der Denkmälerstatistik ausgeschlossen, der 

<?-^^ Verfasser konnte aber durch die Güte des genannten Autors von dessen wichtigsten 

^ Forschungsergebnissen Kenntnis nehmen und diese für seine, in manchen Punkten 

freilich abweichende Darstellung der Baugeschichte verwerten. 

Die Vorarbeiten wurden ausserdem in der zuvorkommendsten Weise gefordert 
durch den Königlichen Landrat des Kreises Essen, Herrn Geheimen Regierungsrat 
Freiherrn von Hövel, und durch Herrn Oberbürgermeister Zwetgert in Essen. Die 
Vollständigkeit in der Zusammenstellung des weit zerstreuten historischen Materiales 
ist dem Entgegenkommen des Herrn Wilhelm Grevel in Düsseldorf zu danken, der 
seine reiche Bibliothek wie seine handschriftlichen Sammlungen bereitwilligst zur Ver- 
fügung stellte. Bei der Aufnahme der Werdener Abteikirche wurde der Verfasser 
durch Herrn Regierungsbaumeister Senz aufs bereitwilligste unterstützt. Der letzte 
Darsteller der Geschichte der Abtei, Herr Anstaltspfarrer Dr. Jacobs in Werden, 
stellte seine reichen historischen Kenntnisse in den Dienst des Unternehmens. Herr 
Professor Dr. Geuer, der Vorsitzende des historischen Vereins für Stadt und Stift 



<\ 




VI VORBEMERKUNG 

Essen, ermöglichte die Benutzung des stildtischen Archives in Essen, Herr Professor 
Dr. AUS*M Weerth in Kessenich stellte in der liebenswürdigsten Weise seine Materialien 
an Abbildungen und Notizen zur Geschichte des Schatzes der Essener Münsterkirche 
zur Verfügung, dessen Untersuchung auch durch Herrn Kaplan Goebel in Essen 
bedeutend erleichtert wurde. 

Weiterhin ist der Unterzeichnete zum Danke verpflichtet dem Herrn Freiherrn 
Maximilian von Vitinghoff, gen. Schell Ttu Schellenberg, Herrn Freiherrn Franz 
VON ScHiRP zu Baldeney, dem Königlichen Kreisbauinspektor, Herrn Baurat Spillner, 
sowie Herrn Architekten P. Zindel in Essen, Herrn Domkapitular Schnütgen in 
Köln, Herrn Professor Averdunk in Duisburg, Herrn Geh. Archivrat Dr. Harless 
in Düsseldorf, Herrn Staatsarchivar Dr. Ilgen zu Münster i. W., den Herren Pfarrern 
Dechanten Gisbertz in Werden, Dr. Beising und Reyners in Essen, Kaplan Hellings 
in Werden, Herrn Bürgermeister Soldan in Werden, Herrn Postbauinspektor Prinz- 
hausen in Aachen, Herrn Dr. Redlich in Dässeldorf, Herrn Dr. Voullieme in Bonn. 

Die Abbildungen Nr. 12, 2 7, 28, 29, 3o, 3i sind nach Zeichnungen des Herrn 
Landbauinspektors Ludwig Arntz in Köln, Nr. 2, 6, 1 3, 1 4, 1 5, 36, 37 nach Zeich- 
nungen des Herrn Architekten Friedrich Pützer in Aachen, Nr. 3, 4, 8, 9, 1 1, 5 
nach Aufnahmen des Herrn Architekten Zindel in Essen, die ersten von dem Kirchen- 
vorstand der Münsterkirche, die letzte von Herrn Zindel selbst der Kommission zur 
Veröffentlichung überlassen, hergestellt. Es wurden femer vervielfältigt: Nr. 7 und 42 
nach den von Herrn Domkapitular Schnütgen zur Verfügung gestellten Vorlagen, 
Nr. 22, 23, 24, 4i, 47 nach Vorlagen des Herrn Professors Dr. aus'm Weerth in 
Kessenich, Nr. 25 und 26 nach Aufnahmen des Herrn Creyfelds in Köln, Nr. 43, 44, 
45 nach Aufnahmen des Herrn Wippermann in Werden, Nr. 32, 33, 34, 35 nach 
den von dem Königlichen Kreisbauinspektor Herrn K. Hesse in Biedenkopf der 
Kommission und dem Denkmälerarchiv der Provinz auf Grund der im Centralblatt 
der Bauveru'altung vom 3i. Januar i89i veröffentlichten Bitte überwiesenen Auf- 
nahmen, Nr. 38, 39, 4o sowie Taf. HI nach den von Herrn Regierungsbaumeister 
Senz in Werden zur Verfügung gestellten Vorlagen, Nr. 46 nach einer photographischen 
Aufnahme desselben Herrn. Die Lichtdrucktafeln I, II und IV sind in der Kunst- 
anstalt von B. Kühlen in M.- Gladbach angefertigt worden. 

Die Stadtverordneten -Versammlung zu Essen und der Kreisausschuss des Land- 
kreises Essen haben sich in einsichtsvoller Würdigung der Bedeutung und Nützlich- 
keit der Denkmälerstatistik deren Förderung durch Bewilligung namhafter Geldbeiträge 
angelegen sein lassen. Ein gleich grosser Beitrag, der die Druckkosten und zum Teil 
die Vervielfältigimg der Illustrationen der dem Kreise im zweiten Hefte dieses Bandes 
gewidmeten Beschreibung deckt, ist auch noch nach dem Erscheinen jenes Heftes 
von dem Ausschusse des Kreises Mülheim a. d. Ruhr bewilligt worden. 

Venedig, im Juni i893. 

PAUL CLEMEN. 



EINLEITUNG. 

Der Kreis Essen umfasst den nordwestlichen Stock des rheinisch -westfölischen 
Kohlengebirges in der grossen Krümmung der Ruhr, seine Grenzen bilden die folgen- 
den Kreise : im Norden Ruhrort, im Westen Mülheim an der Ruhr, im Süden Düssel- 
dorf und Mettmann, im Osten die westfälischen Kreise Gelsenkirchen und Hattingen. 
Er umfasst ausser der Stadt Essen, die mit 85 211 Einwohnern (i892) unter selbstän- 
diger Verwaltung steht, die Städte Kettwig, Steele, Werden nebst 21 Landgemeinden 
und hat eine Einwohnerzahl (i892) von i7465i Seelen. 

Der Kreis besteht aus den Gebieten der alten Abteien Werden imd Essen, 
die infolge des Reichsdeputationshauptschlusses vom Jahre i8o3 an Preussen gefallen 
waren. Drei Jahre darauf, nach der Bildung des Grossherzogtums Berg, verlangte 
aber Frankreich Essen und Werden ,als von Alters her zu Kleve gehörig*. Die beiden 
Territorien wurden noch 1806 von den französischen Truppen besetzt und ihre Ver- 
einigung mit dem Grossherzogtum wurde am 21. Januar 1808 durch einen besonderen 
Vertrag besiegelt. Nachdem das Grossherzogtum an Frankreich gefallen war, wurden 
die Kantone Elssen und Werden dem zum Rheindepaftement gehörigen Arrondisse- 
raent Essen zugeteilt. Im November 18 13 rückten die Truppen der Verbündeten in 
Essen ein, die förmliche Besitznahme durch Preussen erfolgte am 5. April 181 5, im 
folgenden Jahre wurden die nunmehr als Grafschaften bezeichneten Stifter Essen und 
Werden der Provinz Kleve -Berg und der Königlichen Regierung zu Düsseldorf über- 
wiesen. Der neugebildete Kreis Essen, der ausser Essen und Werden noch die frühere 
bergische Unterherrschaft Broich enthielt, war von 1823 — 1859 mit dem ehemaligen 
Kreise Dinslaken zum Kreise Duisburg vereinigt. Er wurde i8S9 in seinen jetzigen 
Grenzen abgetrennt imd nachdem i873 die Stadtgemeinde Essen aus dem Kreise aus- 
geschieden worden, war der Landkreis Essen in seinem heutigen Umfange ausgestaltet. 

Als die Legionen Cäsars zum erstenmal das rechte Rheinufer betraten, sassen 
an den Ufern der Ruhr und nordwärts bis zur Lippe hin die Sigambrer, in den 
ersten Jahrhunderten der christlichen Zeitrechnung die Tenkterer, hinter die sich an 
der Emscher herab bis nach Borbeck hin die Brukterer schoben. Die Grenze zwischen 
Sachsen und Franken ging mitten durch das Gebiet des Kreises: noch heute ist die 
Sprachgrenze deutlich xind scharf nachzuweisen. Nur gering aber sind die Spuren, 
die die lange erste Kulturperiode bis zur Einführung des Christentums in dem Land- 
strich hinterlassen hat, spärliche Grenzwehren und Erdwälle, die sich mit den Befesti- 
gungsanlagen der nördlichen Kreise nicht messen körmen. 

1 
249 



2 EINLEITUNG 

Aus dem Dunkel der Vorzeit treten im 9. Jahrhundert erst die beiden Orte 
hervor, die die frühesten und bedeutendsten Kulturmittelpunkte des Niederrheins 
darstellen, Werden imd Essen. Im Jahre 802 gründete Ludgerus, ein Liebling Karls 
des Grossen, an der landschaftlich schönsten Stelle des Ruhrthaies eine Kirche und 
ein Kloster nach den Regeln des h. Benediktus. Auf seinem Oberhofe Essen stiftete 
vor 874 Alfrid, der Bischof von Hildesheim, eine Kirche und ein Nonnenkloster. 

Bis zum i4. Jahrhundert dauert die lange Blütezeit der beiden Stifter an. Die 
grossen Kirchenbauten der karolingischen Aera wurden erst in der zweiten Hälfte 
dieser Periode durch monumentale Neubauten ersetzt : Werden erhielt in der zweiten 
Hälfte des i3. Jahrhunderts seine neue Abteikirche, der Neubau zu Essen begann 
wenige Jahrzehnte später — zwischen beiden aber liegt als ein scharfer Einschnitt 
der siegreiche Einzug des gothischen Stiles in Deutschland. Essen wie Werden sind 
durch eine Reihe von Fäden mit Obersachsen und seiner Kultur verknüpft: der Abt 
von Werden war zugleich Abt von Helmstädt, Essen war schon durch die Person 
seines Gründers mit Hildesheim verbunden, ein Jahrhundert hindurch diente die Äb- 
tissinnenwürde von Essen zur Versorgung von Prinzessinnen des sächsischen Königs- 
hauses, die ihre Kirche mit kostbaren Kunstwerken des Bronzegusses, der Gold- 
schmiedekunst, der Buchmalerei ausstatteten, welche möglicherweise in einer der sächsi- 
schen Kunststätten, etwa in Hildesheim oder Magdeburg, hergestellt waren. 

Nachdem am Ende des i5. Jahrhunderts innere Streitigkeiten und die äusserste 
Misswirtschaft die beiden Stifter arg geschädigt hatten, sehen wir nach i5oo eine 
neue kurze künstlerische Blüte, die aber am Ende des Jahrhunderts jäh abbricht. 
Essen wie Werden stehen damals vollständig unter kölnisch -niederländischem Ein- 
flüsse, der seinen glänzendsten Ausdruck in den grossen Hochaltären der beiden 
Kirchen findet. Die neuen Gedanken der Renaissance, des Humanismus und der 
Reformation fanden in Werden einen günstigen Boden; die Reformation, der der Abt 
Hermann Duden sich günstig zuneigte, ward bald verfolgt; aber erst der Beginn des 
dreissigjährigen Krieges und der Einzug der Spanier gab das Signal zur allgemeinen 
Unterdrückung. Durch zwei Jahrzehnte hindurch bildete das Gebiet der beiden Ab- 
teien den Tummelplatz der Kriegsvölker — hintereinander hausten hier Spanier, 
Holländer, Schweden, Hessen, Brandenburger und Kaiserliche. Nur langsam konnte 
sich das vmglückliche Land von den Brandschatzungen erholen. 

In der Mitte des 18. Jahrhunderts findet sich dann eine dritte kurze Blüte, die 
der Prachtliebe der Fürstäbtissinnen und der Äbte ihre Geburt verdankte. Hinter 
der grossartigen Bauthätigkeit, die die rheinischen Kurfürsten in Düsseldorf und Köln 
entfaltet hatten, sollte Essen und Werden nicht zurückstehen. So entstand der Um- 
bau des Essenschen Sommersitzes Borbeck, wuchs in Steele die riesige Anlage des 
Waisenhauses empor, beides Schöpfungen der baulustigen Äbtissin Franziska Christine, 
während in Werden eine neue und geräumige Residenz neben der im Inneren mit 
barocker Pracht schonungslos ausgeschmückten Abteikirche entstand. 

260 



EINLEITUNG 3 

Die Preussischen Rechte an den beiden Stiftern hatten sich allmählig aus der 
Vogtei entwickelt. Die ältesten Vögte von Essen waren die Grafen von Altena und 
Berg, dann die Grafen von Isenburg, bis am Ende des i3. Jahrhunderts die Vogtei 
an die Grafen von der Mark überging, von welchen sie wieder an die Herzöge von 
Kleve kam. Auch die Werden sehe Vogtei gelangte von den Grafen von Altena an 
die Grafen von der Mark und von diesen i4oi an Kleve. Nach dem Erlöschen des 
Kle vischen Regentenhauses kam i6o9 die Vogtei an Kur- Brandenburg, das freilich 
thatsächlich erst 1624 und 1666 von den beiden Gebieten Besitz ergreifen konnte. 
Vergebens suchten sich Abt und Fürstäbtissin der immer drohender anwachsenden 
Macht Preussens zu entziehen. Das ganze 18. Jahrhundert ist erfüllt von Streitig- 
keiten, Prozessen, Verträgen, Vergleichen. So konnte der Reichsdeputationshaupt- 
schluss nur erfüllen, was die vorhergehenden Jahrhunderte vorbereitet hatten. 

Erst von der Mitte unseres Jahrhunderts datiert der unerhört rasche wirtschaft- 
liche Aufschwung des Landes, der der Stadt Essen, die noch vor fünfzig Jahren ein 
unbedeutendes Landstädtchen war, innerhalb weniger Jahrzehnte einen Weltruf ver- 
schaffte. Die Namen der ersten Grossindustriellen Deutschlands, Alfred und Friedrich 
Krupp, haben den Ruhm der kleinen reichsunmittelbaren Herrscher von Werden und 
Essen verdunkelt. An Stelle der kirchlichen und municipalen Gebäude, die in Städten 
von langsamer und stetiger historischer Entwickelung das architektonische Bild be- 
herrschen und bestimmen, treten rauchende Hochöfen und das zahllose Heer riesiger 
Fabrikschomsteine dominierend in den Vordergrund. Aber der Kreis hat doch noch 
genug von bedeutenden Geschichts- und Kunstdenkmälem bewahrt, um den Faden 
einer Pflege der geistigen Lebensmacht, die in der Kunst liegt, jederzeit wieder an- 
knüpfen zu können. 

Der rasche Aufschwung ist den Schätzen zu danken, die der Boden des Kreises 
zu Tage gefördert hat. Wohl begann der Kohlenbergbau schon im i5. Jahrhundert, 
wurden Poch- und Schmelzwerke schon um die Mitte des 18. Jahrhunderts angelegt, 
aber erst die wissenschaftliche Erkenntnis der unerschöpflichen Reichtümer des Bodens 
konnte die metallurgische Grossindustrie hervorrufen. Den Grundstock des Kreises 
bildet das produktive Kohlengebirge, in das nur von Essen nach Mülheim zu eine 
Mulde von flc'Hzleerem Sandstein eingreift. Das Kohlengebirge wird direkt von den 
Schichten der Kreideformation, dem oberen und unteren Pläner bedeckt, während 
die ganze Reihe der marinen Ablagerungen fehlt. Bei Borbeck, Frintrop und Stoppen- 
berg treten kleine versprengte Partien von Lenneschiefer zu Tage, der flache nordöst- 
liche Teil des Kreises wird durch Diluvium gefüllt. Für die Bauthätigkeit bot allein der 
flötzleere Sandstein das geeignete Material, der hier im Gegensatz zu dem Nachbar- 
kreise Mülheim auch bei monumentalen und an Zierformen reichen Anlagen Verwen- 
dung fand. 



25l 



EINLEITUNG 



LITTER ATUR. 

W. Teschenmacher, Annales Cliviae, Juliae, Montium, Marcae, Westphalicae, 
Ravensbergae, Geldriae et Zutphaniae, Frankfurt und Leipzig 1I21 (abgekürzt mit: 
Teschenmacher, Ann.). — J. Th. Brosius, Juliae Montiumque comitum marchio- 
num et ducum annales, Köln i73i, 3 Bde. (abgekürzt mit: Brosius, Ann.). — C. J. 
Kremer, Akademische Beiträge zur Jülich - Bergischen Geschichte, Mannheim i776. 

— Aug. Christ. Borheck, Geschichte der Länder Cleve, Mark, Jülich, Berg und 
Ravensberg, Duisburg 1800. — F. v. Restorff, Topographisch - Statistische Beschrei- 
bung der Königl. Preussischen Rheinprovinzen, Berlin 1 83o, S. 449. — W. von der 
Nahmer, Entwickelung der Territorial- und Verfassungsverhältnisse der deutschen 
Staaten an beiden Ufern des Rheins, Frankfurt a. M. i832, S. 789, 8i3. — J. F. Knapp, 
Regenten- und Volks-Geschichte der Länder Kleve, Mark, Jülich, Berg und Ravens- 
berg, Krefeld i836. — O. v. Mülmann, Statistik des Regierungsbezirks Düsseldorf, 
Iserlohn i864, L — Beiträge zur Geschichte Dortmunds und der Grafschaft Mark. — 
W. ToBiEN, Denkwürdigkeiten aus der Vergangenheit Westfalens, Elberfeld i869 u. i873. 

— Franz Darpe, Geschichte der Stadt Bochum, Bochum 1888 — 1 889, 3 Bde. — Stati- 
stik des Kreises Essen für die Jahre i859 — 1861, Essen i863. — Statistik des Land- 
kreises Essen für die Jahre i875 — 1880, Essen i883 (mit histor. Übersicht von W. 
Grevel). — W. Velten, Beschreibnng des Stadt- und Landkreises Essen, Essen i887. 

— F. Ph. Funcke, Geschichte des Fürstentums und der Stadt Essen, Elberfeld i85i. 

— Beiträge zur Geschichte von Stadt und Stift Essen, herausgegeben von dem histor. 
Verein für Stadt und Stift Essen I (i88o)--XIV (i892). — Alb. Schuncken, Ge- 
schichte der Reichsabtei Werden a. d. Ruhr, Köln i865. — W. Flügge, Chronik der 
Stadt Werden, Düsseldorf i887, dazu Ergänzungsheft I und IL — Beiträge zur Ge- 
schichte des Stifts Werden, herausgegeben von dem histor. Verein für das Gebiet 
des ehemaligen Stifts Werden I (i89o), II (i892). — A. Tibus, Gründungsgeschichte 
der Stifter, Pfarrkirchen, Klöster und Kapellen im Bereiche des alten Bistums Münster 
mit Ausschluss des ehemaligen friesischen Teils. I. Die vom h. Ludger gegründeten 
Kirchen, Münster 186 7 — 1880. 

Chr. E. Weise, Über die Sekularisation deutscher geistlicher Reichsländer, 
Leipzig i798. — [Hardung], Staatsrechtliche Untersuchungen über die Gewalt der 
neuen Regenten in den säkularisierten Landesteilen, Düsseldorf i8o5 (unterdrückt). — 
Provinzialrecht des Herzogtums Cleve ostseits Rhein und der Grafschaften Essen, 
Werden, Elten, der Herrschaft Broich und Klein -Netterden, Berlin i837. — J. A. 
Engels, Denkwürdigkeiten der Natur und Kunst, Religion und Geschichte, SchifT- 
fahrt und Handlung, Werden 181 7, Elberfeld 18 18. — J. J. Lenzen, Beyträge zur 
Statistik des Grossherzogtums Berg, Düsseldorf 1802. — J. Schmidt, Geographie und 
Geschichte des Herzogtums Berg und seiner Herrschaften, . . des ehemaligen Stiftes 
Essen und Werden . . . ., Crefeld i8o4. — De statu civitatis Essensis et controverbiis 

252 



EINLEITUNG 5 

cum principe abbatissa illius loci: de Ludolff, Symphor. Consultat. et Decis. II, 
miscell. n. V, p. 282 und in dessen Observationes forenses I, obs. 33. — Ober den 
Wechsel der Gesetzgebung im Stift Elssen: Jahrbücher der Preussischen Gesetzgebung 
XIX, S. 9, 39. — V. Kamptz, Die Provincial- und statutarischen Rechte in der Preuss. 
Monarchie, Berlin 182?, II, S. 562. — C. D. Biester, Entwickelung der Rechtsverhält- 
nisse der verschiedenen Arten der Bauerngüter in der Provinz Essen, Essen 1818. — 
Über die Essenschen Hobs- und Behandigungsgüter: v. Gramer, Wetzlarische Neben- 
stunden IX, Abh. 7. — DE Ludolff, Observationes forenses I, obs. 101: de variis 
feudorum qualitatibus, speciatim abbatiarum Hervordiensis, Essenensis et Werdensis. 

P. Fr. J. Müller, Bestimmung der Grenzen zwischen den Franken und Sachsen 
der Vorzeit, Essen i8o4. — Ders., Über das Güterwesen, Düsseldorf 18 16. — Jacob 
Schneider, Neue Beiträge zur alten Geschichte und Geographie der Rheinlande, 
Düsseldorf 1860 — i89o, Heft i — 14. Vor allem Heft IV: Lokal -Untersuchungen über 
die Denkmäler des Altertums im Kreise Essen, Düsseldorf 18 73. — Jos. Bender, Das 
Kölnische Westfalen: Westfäl. Zs. XIX, S. i. — Werneke, Die Grenze der sächsischen 
und fränkischen Mundart zwischen Rhein und Weser: Westfäl. Zs. XXXIII, S. 33. — 
G. W. H. Sethe, Urkundliche Entwickelung der Natur der Leibgewinnsgüter, Düssel- 
dorf 18 10. — RiVE, Über das Bauemgüterwesen, Köln 1824, 1, S. 322. — J. P. Berg, 
Reformationsgeschichte der Länder Jülich, Cleve, Berg, Mark, Ravensberg, herausge- 
geben von LuDW. Tross, Hamm 1826. — C. H. E. v. Oven, Über die Entstehung 
und Fortbildung des evangel. Cultus in Jülich, Berg, Cleve und Mark, Essen 1828. — 
J. A. V. Recklinghausen, Reformationsgeschichte der Länder Jülich, Berg, Cleve und 
Meurs, III. Bd. von C. H. E. v. Oven, Solingen i837. — Ed. Demmer, Geschichte 
der Reformation am Niederrhein und die Entwickelung der evangel. Kirche daselbst 
bis zur Gegenwart, Aachen i885. 

Zu vergleichen die Litteraturangaben unter Essen und Werden und zu den Kunst- 
denkmälern der Kreise Duisburg, Mülheim a. d. Ruhr und Ruhrort. 



253 



EINLEITUNG 



ABKÜRZUNGEN 

für die häufiger genannten Werke. 

Lacomblet, U3. — Th. J. Lacomblet, Urkundenbuch für die Geschichte des Niederrheins, Düssel- 
dorf 1840—1857, 4 Bde. 

Binterim u. Mooren, E. K. — Binterim u. Mooren, Die alte und neue Erzdiöcese Köln, in Dekanate 
eingeteilt, Mainz 1828—1830, 2 Bde. Die 2. Aufl. unter dem Titel: Die Erzdiöcese Köln bis 
zur französischen Staatsumwälzung, bearbeitet von Alb. Mooren, I, Düsseldorf 1892. 

Binterim u. Mooren, D. C. — Binterim u. Mooren, Rheinisch - westfälischer diplomatischer Codex, 
Mainz 1880, 2 Bde. 

Sloet, Oork. — L. A. J. W. Baron Sloet, Oorkondenboek der graafschappen Gelre en Zutfen tot 
op den slag van Woeringen, 5. Juni 1288, 'sGravenhage 1872 — 1876. 

B. J. — Jahrbücher des Vereins von Altertumsfreunden im Rheinlande, I (1841)— XCIII (1892). 

Ann. h. V. N. — Annalen des historischen Vereins für den Niederrhein, I (1855)— LV (1892). 

Berg. Zs. — Zeitschrift des Bergischen Geschichtsvereins, I (1863)-XXVIII (1892). 

Westfäl. Zs. — [Westfälische] Zeitschrift für vaterländische Geschichte und Altertumskunde, 
I (1838)— L (1892). 

Picks Ms. — Monatsschrift für rheinisch-westfälische Geschichtsforschung und Altertumskunde, heraus- 
gegeben von Richard Pick, 1 u. II (1875, 76). — Monatsschrift für die Geschichte Westdeutsch, 
lands, herausgegeben von dems., III (1877)— VII (1881). 

Wd. Zs. — Westdeutsche Zeitschrift für Geschichte und Kunst, herausgegeben von Hettner und 
Lamprecht, I (1882)— X (1891), von Hettner u. Hansen, XI (1892). 

Nrh. — Der Niederrhein. Wochenblatt für niederrheinische Geschichte und Altertumskunde, 1878, 
1879, 1884—1886. 

Nrh. G. — Niederrheinischer Geschichtsfreund, I (1879)— VI (1884). 

Aus'm Wecrth, Kd. — E. aus'm Weerth, Kunstdenkmäler des christlichen Mitlelahers m den Rhein- 
landen, Leipzig 1857—1868, 5 Bde. Tafeln und Text. 

Brambach, C. I. R. — W. Brambach, Corpus inscriptionem Rhenanarum, Elberfeld 1867. 



^ 



254 



STADT ESSEN 



^ 




Fig. 1 Essen im 16. Jahrhundert. 



ESSEN. 



I. Allgemeine Darstellungen. M. Merian, Topographia Westphaliae, p. 25. 

— Teschenm ACHER, Ann. p. 121. — Schaten, Annales Paderbomenses I, p. i75. — 
Magazin von und für Dortmund I, i796, S. i95. — N. Kindlinger, Münsterische 
Beiträge zur Geschichte Deutschlands, Münster 1 787, II, S. 355. — Ders., Fragmente zur 
Geschichte der Vögte und der Vogtei des Stifts Essen : Westphalia, Zs. für Geschichte 
und Altertumskunde Westphalens und Rheinlands II, 1825, S. 9, i7, 25, 33, 53, 80, 87. 

— C. F. Meyer, Ansichten einer Reise durch das Clevische im J. i794, Düsseldorf 
i797. — J. Grüner, Schilderung des sittlichen und bürgerlichen Zustandes West- 
phalens am Ende des 18. Jh., Frankfurt a. M. i8o3. — v. Ledebur, Bruchstücke zur 
Geschichte des Stiftes Essen, aus einer älteren Hs. mitgeteilt: Westphalia III, 1826, 
S. 2o3, 2i7, 2i9, 227. — Einzelne Urkunden: Westphalia II, S. 36, 55, 61; III, S. 125, 
i9i, 200, 206, 2i7, 223, 232, 239, 264, 281, 286, 294, 3i9. — F. Ph. Funcke, Geschichte 
des Fürstentums und der Stadt Essen, Elberfeld i85i. — Devens, Statistik S. i. — 
Grevel, Übersicht S. 5. — v. Mülmann, Statistik I, S. 4i5. — W. Velten, Beschrei- 
bung des Stadt- und Landkreises Essen, Essen i887. — Ders., Fremdenführer durch 
die Stadt Essen und ihre romantische Umgebung, Essen 188 7. — Urkunde über die 
Grundsteinlegung zum neuen Rathause, Essen i884. — Die für die Gemeindeverwal- 
tung der Stadt Essen geltenden reglementarischen Bestimmungen, Essen 18 74. — Bilder 
aus der Geschichte Essens: Essener Volkskalender Glückauf i876 — 1880. — Gerh. 
Loebker, Wanderungen durch die Mark und das Ruhrthal, Münster i883, S. 18. 

Beiträge zur Geschichte von Stadt und Stift Essen, herausgegeben von dem histor. 
Verein für Stadt und Stift Essen. I. (imter dem Titel: Drei Vorträge, gehalten am 
16. Dec. 1880): Seemann, Der Bauernsturm von 1662. Müllers, Die Marmorsäule 
in der Münsterkirche zu Essen. W. Grevel, Das Gerichtswesen im Stift Relling- 
hausen. Dazu v. Sybels Histor. Zs. XLIX, S. 3i3. — II. W. Grevel, Die Anfänge 
der Eisenindustrie im Stift Essen. Ders., Die Anfänge der Gufsstahlfabrikation im Stift 
Essen. — III. W. Grevel, Der Essendische Oberhof Ehrenzell (Philipsenburg). — 
IV. JuL. Heidemann, Empfang der Fürstin Franziska Christina in Essen am 6. Juni 
i727. O. Seemann, Noch einmal der Bauernsturm von 1662. — V. O. Seemann, 



Litteratur 

Allgemeine 

Darstellungen 



257 



lO KREIS ESSEK 

Litieratur Die Äbtissinnen von Essen. Nach dem Brüsseler Katalog mit Varianten und Anmer- 
kungen. — VI. W. Grevel, Übersicht der Geschichte des Landkreises Essen (Ab- 
druck aus der Statistik des Landkreises Essen für die J. i875 — 1880). — VIL W. 
Grevel, Die Militärorganisation im Stift Essen. — VIII. Büscher, Die Statuten der 
früheren Gilden, Ämter und Zünfte binnen der Stadt Essen. — IX. Jul. Heidemann, 
Die Beguinenkonvente Essens. — X. O. Seemann, Über einige Hexenprozesse im 
Stift Essen, S. ii3. — XI. W. Baumänn, Die Essener Schützen und der Schützenzug 
nach Welheim, S. 87. — XII. H. Goossens, Geschichte der spanischen Einfalle in 
Stadt und Stift Essen zu Ende des 16. und am Anfang des i7. Jh. W. Grevel, 
Der Anfang der Reformation in der Stadt Essen, S. 95. — XIIL W. Grevel, Elisa- 
betha, Gräfin von Manderscheidt und Blankenheim, Fürstäbtissin von i575 — 1578. 
Ders., Der Anfang der Reformation in der Stadt Essen II, S. 99. F. Geuer, Der 
Kampf um die Essensche Vogtei, S. loS. — XIV. F. Geuer, Ein Äbtissinnenstreit im 
Stift Essen, S. 49. Ders., Zur Geschichte des Stadtrates von Essen, S. 7i. Fr. Arens, 
Die beiden Kapitel des Stiftes Essen, S. 101. 

Äbtissinnen. 2. Äbtissiiinenkataloe. Der Äbtissinnenkataloir ist in verschiedenen Fassun- 

gen erhalten. Lateinisch in Berlin, Kgl. Bibl., Man. Boruss. fol. i77, 16. Jh., Wirici 
HiLTROP catalogus abbatissarum regalis ecclesiae Assindiensis 16 14 — 1644, abgedruckt 
bei Seibertz, Quellen II, S. 455. — Stangefol, Op. chronolog. circuli Westphalici II, 
p. i53. — Ditmar bei Teschenmacher, Ann. p. 247. — Gabr. Bucelinus, Germania 
topo. chrono, stemmatographica sacra et profana, Augsburg 1662, II, p. i43 (Abschrift 
mit einigen Abweichungen Hs. A. 63 in Düsseldorf, Staatsarchiv). — Deutsche aus- 
führliche Hs. im Cod. i4742 der Bibl. du roi zu Brüssel, publiziert von Seemann in 
den Beitr. V. — Kürzere (bis i6i4) in den Farragines des Gelenius VIII, Bl. 47o , 
(Köln, Stadtarchiv). Weitere Hsn. im Staatsarchiv zu Düsseldorf und im Stiftsarchiv 
zu Essen. — Verzeichnis einiger Äbtissinnen des Stifts: J. Strange, Beiträge zur 
Genealogie der adeligen Geschlechter, Köln 1 864, VII, S. ii,42. — W. J. Biesten, 
Les deux demieres princesses abbesses d'Essen et de Thom: Publications de la societe 
d'archeologie dans le duche de Limbourg XIII, p. I24. 
Politische, und 3. Politische- und Verfassungsgeschichte. Actenmässiger Extractus in 

ge«chichte Sachen zu Essen Fürstin Abbtissin contra Bürgermeister und Rath daselbst, i73o. — 
Genuina facti species, die Vertrettung des Stiffl- Essendischen Reichs - Mannschaffts- 
Contingents betreffend, Düsseldorf 1 735. — Schiffer, Von den Hobs- und Behan- 
digungsgütem im Stift Essen, Köln 1 777. — Heberegister des Stiftes Essen: Allgem. 
litterar. Anzeiger, Leipzig i799, S. iio. — Ders. bei DoROW, Denkmäler alter Sprachen 
und Kunst, Berlin i824, I, S. 38. — Heberolle des Stiftes Essen: Lacomblets Archiv I, 
S. 9. — Harless, Die ältesten Nekrologien und Namensverzeichnisse des Stiftes Essen: 
Lacomblets Archiv N. F. I, S. 63. — H. J. Litzinger, Die Verfassung des Hoch- 
stifts Essen nach dem Vergleiche von i794: Jahresbericht des Kgl. Gymnasiums zu 
Essen i85i/52. — Über die Rechtsverhältnisse in der Stadt Essen: Jahrbücher der 
Preussischen Gesetzgebung XIX, S. 98; XXI, S. 343. — Die Schutz- und Schirm- 
pakten, wie selbige im J. i648 zwischen sr. Churf. Durchl. zu Brandenburg und der 
Frau Äbtissin zu Essen etc. erneuert und bestätiget worden. Mitgeteilt durch H. J. 
Litzinger, Gymnasialprogramm Essen i843. — Warheit, Rettung vnnd in iure et facto 
wolbegründeter Absatz . . . bewahrend der Stadt Essen summarische Remonstration etc., 
dass die Stadt Essen ein Immediat-Reichs-Stadt sey, o. O. u. J., fol. — Hofesrechte 
des Stifts Essen vom J. i454 bei J. U. v. Gramer, Wetzlarische Nebenstunden IX, 
S. i57; V. Steinen, Westphälische Geschichte VI, S. i752; v. Hymmen, Beiträge III, 

258 



ESSEN II 

S. 385; Jahrbücher der PreussLschen Gesetzgebung XIX, S. 96. Reformation der Hofes- Liueraiur 
rechte bei Lünig, Corpus iuris feudal. German. I, p. 2o4. Weitere Revisionen bei 
N. KiNDLiNGER, Von der Hörigkeit, Anl. 20», 20^ 86, 87, i32, i37, i38, i44, i48, i56, 
i72*». Churbrandenburgisches Edikt vom 3i. Aug. i678 über die Essenschen Hofes- 
rechte bei ScoTTi, Clevisch- Märkische Landesgesetze I, S. 554. — Fr. Gerss, Höfe 
und Hofesrechte des ehemaligen Stifts Essen: Berg. Zs. XI, S. i74; XII, S. 121. — 
JuL. Heidemann, Das Hofesrecht im Stift Essen und Rellinghausen : Berg. Zs. VII, 
S. 298. — W. Harless, Eine Essener Stadtchronik von i593 — 1622: Berg. Zs. XI, 
S. i4l. — Goossens, Geschichte der spanischen Einfälle in Stadt und Stift Essen am 
Ende des 16. und am Anfang des i7.Jh., Berlin 1888. — H. Pfannenschmid, Über 
,Festchen* im ehemaligen Stift Essen: Berg. Zs. XI, S. io3. — Büscher, Die Statuten 
der früheren Gilden, Ämter und Zünfte binnen der Stadt Essen: Essener Ztg., 2. Bl. 
1881, Nr. 258, 264, 27o, 276, 282, 288, 294, 3oo, 3o5; 1882 Nr. 6, 12, 18, 24, 3o, 36, 42, 48. 

4. Kirchengeschichte. Acta Essendensia, worinnen enthalten: I. Die Ver- Kirchen, 
anlassung des in der Evangelisch -lutherischen Gemein der Stadt Essen anno i7oi 
entstandenen und biss ins Jahr i7o5 continuirten Kirchen-Streits; II. Die von Herrn 
Johanne Mercker, pastore daselbst, vorgetragene streitige Lehr-Sätze, etc., Mülheim 

a. Rhein 1 7o6. — Histor. Remarques über die neuesten Sachen in Europa, LH. Woche, 
29. Dec. i7o5 (üb. Joh. Mercker). — Vorläufiger Bericht von der eigentlichen Be- 
schaffenheit und wahrhaften Ursachen des in der Stadt Essen von seinem Prediger- 
dienst removierten Pastors Herrn Johannis Merckers, Mülheim a. Rh. i7o5. — Clar- 
MUNDUS Clericus, Kurze Abfertigung jenes Förderers der Essendischen Zeitungen 
in seinen Desiderandis, die Hermhuter betreff., Dortmund i747. — Kurze Beleuch- 
tung neugewagter Kapuzinaden am sogenannten Portiunculafeste im Stifte zu Essen, 
Frankfurt 1802. — Baedeker, Die 200jährige Jubelfeier der märkischen Synode, 
Hagen 18 12, S. i57. — D. Baedeker, Über die Einführung der Reformation in den 
evangelischen Gemeinden der Grafschaft Mark, Dortmund i838, S. 100. — K. Maass, 
Erinnerung an die evangelischen Pfarrer Baehrens und Hengstenberg in Essen, Essen 
i843. — Wächtler, Geschichte der evangelischen Gemeinde zu Essen und ihrer An- 
stalten, Essen i863. Dazu C. Krafft in den Theolog. Arbeiten aus dem Rheinisch- 
Wissenschaftl. Predigerverein III, S. i37. — Ders., Die Feier des 3oo jährigen Refor- 
mationsjubiläums der evangelischen Gemeinde zu Essen, Essen i863. — Ders., Ur- 
kunden aus den ersten Jahren der Reformation in der freien Reichsstadt Essen i56i 
bis i576: Theolog. Arbeiten VI, S. 106. — F. G. H. J. Baedeker u. H. Heppe, Ge- 
schichte der evangelischen Gemeinden der Grafschaft Mark, Iserlohn i87o, S. 492; 
Nachtrag, Leipzig i89o, S. 120. — H. Heppe, Geschichte der evangelischen Kirche 
Rheinlands und Westfalens II, S. 492. 

5. Schulgeschichte und Vermischtes. F. W. Wilberg, Geschichte des schuigcchichte 

. /-.i_«i_ ""<* VermifchteB 

Gymnasmms zu Essen, Gymnasialprogramm Essen i845. — Beiträge zur Geschichte 
des Gymnasiums zu Essen, Jahresbericht des Gymnasiums 1862/63. — J. H. Zopf, 
Programma de fastigio domus Austriacae, Essener Programm, Duisburg i724. — — , 
Kurtze Nachricht von der gegenwärtigen Verfassung des Gymnasii zu Essen, Essen 
i752. — Wilhelm Buddeberg, Friedrich Laar, Essen i842. — J. B. Deussen, Fest- 
schrift zur Feier der 25 jährigen Vereinigung der gewerblichen Fortbildungsschule mit 
der Realschule, Essen i889. — Festschrift zur Feier des 25jährigen Bestehens der 
Reallehranstalt, Essen i889. — Geschichte der evangelisch -lutherischen Gemeine und 
ihrer Schulen zu Essen, Gymnasialprogramm Essen 181 5. — J. H. Zopf, Solemnia 
saecularia oder Denckmal der Essendischen Jubel -Freude über das zweyhundert- 

259 



12 KREIS ESSEN 

Littemtur jährige Gedächtniss des im J. iS55 den 25. Sept. zu Augspurg geschlossenen Reli- 
gions- Friedens, Essen i755. Dazu Essener Allgem. Polit. Nachrichten i83o, Nr. 5o, 5i. 

— Ders., Denkmal der doppelten Jubelfreude über die vor 200 Jahren, als den 
28. April i563 in der kaiserlichen Reichsstadt Essen geschehene Kirchenreform wie 
auch den allgem. Frieden vom i5. Febr. i763, Essen i8i3. — E. F. W. Baehrens, 
Geschichte der evangelisch - lutherischen Gemeinde und ihrer Schulen zu Essen, Essen 
181 5. — Gründung einer Schule in der Stadt Essen: Westphalia II, 1826, S. 95. — 
Urkundlicher Beitrag der Schulen in Essen: Westphalia III, 1826, S. 7o. — Festschrift 
zur fünfzigjährigen Gedenkfeier der am i. Mai 1824 erfolgten Anerkennung des Gym- 
nasiums zu Essen, Essen i874. — Tophoff, Nachrichten über die höheren Schul- 
anstalten, welche in Essen vor der Vereinigung derselben zu dem jetzigen Gymnasium 
(181 9) bestanden haben, Gymnasialprogramm Essen 1862. — Renier Chalon, Mon- 
naies de Tabesse d'Essen: Revue de la numismatique Beige IV, 2. serie, i854 — Zur 
Essener Münzgeschichte in alter Zeit: Essener Zeitung i877, Nr. io7, 2. Bl. — Über 
die Münzen: v. Ledeburs Allgem. Archiv IX, S. 243. — W. Baumann, Die Essener 
Schützen und ihre Feste, Essen i89o. — A. Waldthausen, Beiträge zur Geschichte 
der Familie Waldthausen, Essen i884. — Endrulat, Niederrheinische Städtesiegel 
Taf XI, I, 2. — W. Grevel, Der Oberhof Ehrenzell oder die Philipsenburg: Essener 
Zeitung 1880, Nr. 29o, 296. — Die Alfredi- Quelle bei Essen: Essener Volkszeitung, 
i5. Aug. i887. — Oesterley, Litteratur der Urkundensammlungen I, S. 2o3. 

Handschrifti. Handschriftl. Qu. Im Stadtarchiv [kurzes Inventar vorhanden, A. (I), B. (II)] : 

Smdtaichiv A. I, Gefach i«, Kaiserurkunden für die Stadt von i378, i486, i5o7, i56o, i566, i579. 

— I*» Kaiserurkunden für das Leprosen- und Siechenhaus, das Paradies, das Hospital 
S. Spiritus von i379, i475, i486, i523, i579, 1623. 

A. I, Gefach 2. Statuten, Verordnungen des Magistrats, darunter A. 2. i. statuta 
Essendensia publicata a. 1666 necnon ordinatio procuratorum publicata a. 1680 aucta- 
que a. i685. — A. 2. 2, Statuten von 1668, confirmierte Kirchenordnung der evange- 
lisch-lutherischen Gemeinde von i664. — A. 2. 3. Statuta Essendensia von 1668, Rats- 
ordnung der Stadt von i722, Processordnung von i699 etc. — o. N. Ordnung und 
Rolle der Vier und Zwantziger oder Vorsteher der Gemeinde. — o. N. Sammelbd. 
Pap. in Perg. 4®, von i467 — i54o, Eintragungen chronikalischer Art von verschiede- 
nen Stadtsekretären mit historischen Notizen und Protokollen, darin Mitteilungen über 
die Unruhen von i49i — 1495 und das Interdikt. — o. N. Convolut von Statuten 
i576 — 1769. — A. I, Gefach 3 u. 4. Streitigkeiten zwischen Äbtissin und Stadt. — 
A. 4, Gefach 20. Fürstl. Essensche resp. stift. Gesetze imd Verordnungen, i . Hofes- 
rechte des Stiftes von i454, Pap. fol. 2. Reformation der Hofesrechte von i4S4, Pap. 
fol. 3. Hobs-recht inn Stift Essen, Pap.-Bd. in Perg. bis i56i, mit Eintragungen sämt- 
licher Hofrechtstagungen bis i665. 4. Fürstl. Essendische Hof-Ordnung i58i. 5. Essen- 
dische Hobs-Rechte i678. Hofesrechte von Essen und Rellinghausen, 16. Jh. 

A. 5, Gefach 22. Gerichtsprotokolle i538 — 1546, i57i — 1573, 1601 — i6o3, i6i3 
bis 1618, i63i— 1632, i639 — i64o, i649 — 1653, 1660—1662, von i665 bis zur Mitte 
des 18. Jh. 

B. I, Gefach 1, 6. Memorienstiftungsrechnungen von i569 ab. — B. 2, Gefach i, 4. 
Rechnungen des Paradieses von i553 ab. — B. 2, Gefach 4. Rechnungen des Leprosen- 
hauses von i5i4 ab. — B. 3, Gefach 3. Kirchenrechnungen der Gertrudiskirche von 
16 18 — i8o3. — B. 4, Gefach i. Angelegenheiten der reformierten Gemeinde in Essen. 

— B. 4, Gefach 2. Urkunden über die Johannis- und Münsterkirche (23 Stück), i Bd. 
Abschriften von Essener Urkunden von Jul. Heidemann. Briefe von und an Äbtis- 

260 



ESSEN 



i3 



Handschriftl. 
Quellen 



Süfciarchiv 



sinnen i5 — i6.Jh., von i4i7 an, loo Stück Briefe von und an Stadt Essen von i326 
ab, i4.— i6.Jh. Vgl. W. Zs. I, S.4io. 

Im ehemaligen Stiftsarchiv, jetzigem Pfarrarchiv (ursprünglich geordnet, 
die Ordnung aber wieder aufgegeben): Urkunden von T297 ab. — Register der Ein- 
künfte von i395 und i426, fragmentarisch (sect. II, caps. 2, Nr. 11). — Compendium 
fundatorum festorum et anniversariorum reverendi capituli dd. canoniconim Essen- 
densium sub manu d. canonici Broehl. Sehr ausführlich, wichtige Quelle. — Ein kurzer 
Catalogus abbatissarum Essendensis. — Cathalogus fundationum rev. capituli dd. cano- 
niconim collegiatae ecclesiae Essendiensis. — Catalogus omnium anniversariorum totius 
anni, iV.Jh. — Copia litterarum pro novis altaristis, in Perg.-Bd., Anfang des 16. Jh., 
mit Urkunden von i44o — i5o5. — Kalender, Perg. fol., 9 BL, mit Nekrologium, kurzen 
Biographieen der Schenker, Verzeichnis der Altäre, i5. Jh. — Einkünfteverzeichnis der 
Kanoniker, Perg. fol. min, iS.Jh. — Rentenverzeichnis: Dusse nabeschreven renten 
sollen boeren den kyrchmeisteren sunte Johans kyrchen tot behouff der getymmers 
der vurgeschreven kyrchen, mit Urkunden von i42T — 1482, fortgesetzt bis Anfang 
des i7. Jh. — Liber memoriarum octo seniorum vicariorum, qualiter olim servatae fue- 
runt ab a. Chr. i488 et per annos'^subsequentes, zwischen i492 und i5oo, in Form eines 
Kaiendars mit verschiedenen Eintragungen. — Einkünfteverzeichnis von i536, Pap. 
fol. in Perg.-Bd., mit vielen Abschriften von Urkunden. — Registrum proventuum 
altaris s. Salvatoris in collegiata ecclesia Essendiensi a. d. i492, am Schluss: Initium 
sectae Lutheranae irrepentis in ecclesiam s. Gertrudis oppidi Essendiensis von i56i 
bis i657, Verzeichnis der Altarfun dationen. — Verzeichnis der i74o vorhandenen 
»Ziehrathen zu behueff der bildtnüss der allersehligsten jungffrau Maria aufm Altar 
B. M. V.* — Teilweises Schatzinventar vom J. i645. — Kettenbuch (,Katenat*), Perg., 
128 BL fol., lat., von 100» ab deutsch, wichtige Quelle, enthält zunächst das Verzeich- 
nis von 16 Höfen mit ihren Abgabepflichten, darnach Bona et observationes, consue- 
tudines eccl. Assindensis, sehr ausführlich (Beschreibung i. d. Beiträgen XIV, S. io9). 
Das letztere in der Schatzkammer aufbewahrt. Vgl. Wd. Zs. I, S. 4 10. 

In der Bibliothek des historischen Vereins: Register des Hauptarchivs Histor. Verein 
der Stadt Essen, von Kindlinger vom J. 1800, aus 5 Registraturen bestehend: Haupt- 
oder Stammarchiv, Reichsarchiv, Landesarchiv, Hobs- und Behandigungsarchiv, Geist- 
liches Archiv, mit Urkunden von 877 ab, mit vollständigen Regesten (5^, 4"). — Re- 
gistratur des Stift Essenschen Landes -Archives in 4 Abteilungen, darin eine Reihe 
von Weistümem aufgezählt (5^, 4^). 

In der Landesbibliothek zu Düsseldorf: C. 47. Ordinarius canonicorum 
ecclesiae Assindensis, Hs. von i5i3. — D. i. Missale mit Kalender und Nekrolog, 
9. Jh. (gedruckt Lacomblet, Archiv VI, S. 69). — B. 80. GREGORS-Homilien mit Hebe- 
register (gedruckt Lacomblet, Archiv I, S. 12. — Müllenhoff u. Scherer, Denk- 
male deutscher Poesie und Prosa S. 483). 

Im Staatsarchiv zu Düsseldorf: 982 Urkunden von 874 — i8o9. Über die 
Akten und Hsn. Ilgen, Rhein. Archiv S. 43. — i. Kapitularsachen, 2. Geistliche 
Sachen, darin Nachrichten über die Klöster, die Münsterkirche, ihre Vikarien und 
Offtcien, Kapellen, und die dem Patronat der Äbtissin untergebenen Pfarren und Bene- 
ficien; 3. Reichs- und Kreistagsachen; 4. Schirm vogtei ; 5. Regierungssachen; 6. Grenz- 
sachen; 7. Landständische Sachen; 8. Militärsachen; 9. Steuersachen; 10. Judenschaft; 
II. Flüsse; 12. Bergwerke; i3. Forst- und Markensachen; i4. Jagd und Fischerei; 
i5. Wege; 16. Stadt Essen; i7. Stadt Steele; i8. Herrschaft Breisig; i9. Lehensachen; 
20. Kameralsachen ; 21. Register über das Güterwesen; 22. Stiftsgüter in specie. — 



Düsseldorf 
Landesbibliothek 



Staatsarchiv 



261 



l4 



KREIS ESSEN 



Münster 



Handschrifti. Im einzelnen unter I, i^ u. i^: Inventar des Nachlasses der Gräfin Sibylla von Mont- 
^"^^ *" fort (ti55i) und der Gräfin Elisabet von Sain (t i588). — II, 12: Kirchenscbatz; 
Administration der Kirchenfabrik i795 — i8o3; Kirchenrechnungen von i4i4, i4i6, 
1453, i47i, i5o3, i5i5, i53o, i53i, i535, i537— 1543, i545, i546, i547, i554— 1557, 
i559 — 1572, i575— 1583, i597— 1632, i676, i679— 1684, 1686, i687, i689~-u399, 
u. s. w. bis 1802. 

Unter den Kameralsachen (Nr. 20) Rentmeistereirechnungen über die Gefälle 
der Abtei von 1600 ab. Der Katenat, Hs. A. 62, 116 Bl, mit Urbar der sämtlichen 
Oberhöfe, vorher Aufzeichnungen über Rechte und Einkünfte der capellani honorii, 
der Kapellen, der dem Patronat der Äbtissin imterstellten Pfarrkirchen etc. (Lamp- 
recht, Verzeichnis niederrhein. Urbarialien S. 9). — Das rote Buch (A. 62*), Hs. des 
i5. Jh., enthält zum Teil die im Katenat beschriebenen Oberhöfe und Ämter. — Das 
schwarze Buch (B. 67), Hs. des 16. Jh., enthält das Ceremonielle bei der Einführung 
einer Äbtissin, Verzeichnis der von der Äbtissin abhängigen Lehen, Nachrichten über 
Jagd und Fischereigerechtsame. — Ältere Hofesrechte von i4S4 (Reg. 21, 5). — Pro- 
tokollbücher der Behandigungen (Reg. 21, 6 — 19). — Kopiare des 16. u. i7.Jh. (Reg. 
21, 20 u. 42). Über weitere Urbare Lamprecht, VeSrz. niederrhein. Urbarialien S. 8. 

Hs. A. 63 Memorabilia des adligen Damenstiftes ^ssen vom Canonicus A. W. 
Brockhoff, 18. Jh. — A. 2o9 Chronik, was sich zu Essen von i593 — 1622 zugetragen, 
von Everhard Wittgen. — A. 238 J. Fassbender, Beschreibung der Entstehung 
der Rentei Essen. 

Im Staatsarchiv zu Münster i. W.: KiNDLiNGERsche Handschriftensammlung 
Bd. CIV: Nachrichten über Stiftung des Stiftes Essen im J. 877, Kaiserl. Schenkungen 
und Verleihungen an dasselbe, Belehnung der Äbtissin mit den Regalien von 899 bis 
i793. Vogteigerechtigkeit. Güter- und Renten -Verzeichnisse. Verschiedene Stifts- 
Angelegenheiten. Befestigung der Stadt Essen und Rechte derselben. Bescheinigungen 
über die adelige Herkunft mehrerer Stiftsfräulein. Verzeichnis derselben von 1222 bis 
i444. Testamente u. a., Markenrecht, Belehnungen, Reichssteuern. Päpstliche Privi- 
legien. — Bd. CV. Wahl der Äbtissinnen, deren Bestätigungen, Eidesleistungen, Re- 
galien u. s. w. — Bd. GVL Nachrichten über die Vogtei, Streitigkeiten mit Kleve. — 
Bd. CVn. Essensche Urkunden von 997 — i 7 21. — Bd. CVIH. Urkunden über die 
Stadt und das Gebiet von Essen, sowie über Rellinghausen. — Bd. CIX. Nekrolo- 
gium des Stifts Essen,. Verzeichnis der Äbtissinnen. — Bd. CX. Urkundliche Auszüge 
zur Geschichte des Stifts; Reichs-, Kreis- und Landessachen, Schatzungsregister. — 
Bd. CXL Über die Landesgrenze von Essen, Hexenprozesse, Handwerkergilden und 
Privilegien. — Bd. CXIL Verzeichnis der Essenschen Lehngüter nach alphabetischer 
Ordnung. Lehenprotokolle von i4i3 — 1488. Register über die Belehnungen, Nach- 
richten von einzelnen Lehenshöfen. — Bd. CXHL Weitere Nachrichten über die 
Lehngüter. — Bd. CXIV. Einkünfte der Abtei nach alten Verzeichnissen, alte Hof- 
rechte einiger Oberhöfe. Abschrift des sog. Essenschen Kettenbuches, Abgaben und 
Dienste der Höfe, Gewohnheiten und Rechte im Stift Essen. — Bd. CXV, CXVI, 
CXVn, CXVIII. Vermischte Nachrichten über Güter und Höfe. — Bd. CXXIIL 
Die Essendischen Höfe Arweiler, Gudesberg, Holzweiler, Kirdorf, Paffendorf, Ver- 
zeichnisse der zugehörigen Güter, Hof- und Lehensleute, deren Rechte und Pflich- 
ten, verschiedene Weistümer dieser Oberhöfe, Verpachtungen derselben, Reverse, Ver- 
gleiche des Stifts mit deren Besitzern. 

In der Kgl. Bibl. zu Hannover: Hs. XXH, i354. Privilegien von Essen (vgl. 
Westfäl. Zs. Xm, S. 27i; XLIV, S. 89). 



Hannover 



262 



ESSEN iS 

Im Staatsarchiv zu Hannover: Privilegienbestätigungen für Essen von i37o, Hundtchrifti. 
i379, i4i7 (Archiv der Gesellschaft für altera deutsche Geschichtskunde XI, S. 455). ^"*"*" 

Im Stadtarchiv zu Köln: Gesetze und Bestimmungen der Reichsstadt Essen. Köln 
Hs. des i7.Jh. (i. d. Farragines des Gelenius XVI, Bl. 27). 

• Im Stiftsarchiv zu Xanten: Des kayserlichen freyweldtlichen Stifts Essen Xamen 
hovesrechten, Abschrift vom J. i723 nach dem Essener Lagerbuch, gen. das Rote 
Buch, Bl. 281 (Pels, Sammelbd. IV, Bl. 564). 

Ansichten und Pläne: i. Ansicht bei Braun u. Hogenberg, Städtebuch III, Ansichten und 
pl. 4o, 4 1,5 X i4,5 cm, oben links in Kartouche: civitatis essensis exactiss. descrip., 
mit Angabe der Stadtmauer (Fig. i). Nachbildung, Zeichnung von G. A. Fischer als 
Beilage zur Berg. Zs. XXVIII. 

2. Ansicht bei Merian, Topographia Westphaliae p. 25, 3i,5Xio,3 cm, mit 
Mauerring. 

3. Ansicht in Meissners Thesaurus, D. 54, i4,5x7cm, bez.: essend im ber- 
gischen LAND. 

RÖMISCHE UND GERMANISCHE FUNDE. Südlich vom Dorfe Buer, Römi.chc «. 
zwischen Essen und Westerholt, sind germanische Gräber mit Urnen gefunden worden Funde 
(A. Fahne, Die Dynasten von Bocholtz I, S. 243). 

Im J. i875 wurde bei der Zeche Helene und Amalie in der Gemeinde Alten- 
essen eine fränkische oder sächsische Grabstätte aufgedeckt, darin zwei Urnen, drei 
eiserne Schwerter, ein Schwert mit Goldverzierung, eine eiserne Lanzenspitze. Dem Pro- 
vinzialmuseum zu Bonn überwiesen. Vgl. B. J. LXIV, S. i9i. — Grevel, Übersicht S.3. 

Ein Grabhügel befand sich früher auf der Frintorper Höhe. Die Römerstrassc 
von Ruhrort, die bei Lipperheiderdamm in den Kreis eintritt, geht unter dem Namen 
,alte Römerstrasse* bis Essen und weiter nach Westfalen (Schneider, Neue Beiträge 
III, S. 10; IV, S. 6). Von einer anderen Römerstrasse waren i873 in einer Waldparzelle 
noch Gräben und Wälle erhalten (Schneider III, S. i3; IV, S. 7), jetzt verschwunden. 
Eine dritte Strasse führte von Werden über Essen nach Norden (Schneider, Neue 
Beiträge IV, S. 7). 

MÜNSTERKIRCHE. Prisac im Kölner Domblatt i844, Nr. 100, loi. — Die Münsicr. 
Münsterkirche in Essen: Baudris Organ für christl. Kunst i85i, S. 89; i852, S. 3 mit Litier«iur 
Taf. — V. Quast, Die Münsterkirche in Essen: Zs. für christl. Archäologie und Kunst 
I, S. i mit Taf. und Abb. im Texte. — Die Münsterkirche in Essen, die gemeinsame 
Pfarrkirche für die katholischen Pfarren S. Johann und S. Gertrud, Essen i863. — 
G. Humann, Die Kunst des 10. Jh. in Essen: Kunst und Gewerbe XX, 1886, S. 36o. 

— Ders., Die deutsche Kunst zur Zeit der sächsischen Kaiser: Archiv für kirchliche 
Baukunst und Kirchenschmuck XII, i889, — Ders., Einzelne kunstgeschichtlich merk- 
würdige Einzelheiten im Münster zu Essen: B.J. LXXX, S. i84, Taf V. -- Ders., 
Der Westbau der Münsterkirche zu Essen : Korrespondenzblatt des Gesamtvereins der 
deutschen Geschichtsvereine i885, Nr. 11. — Ders., Der Westbau des Essener Münsters, 
Essen i89o. Dazu Dehio im Repertorium für Kunstwissenschaft XIV, S. 161 ; Clemen 
im Korrespondenzblatt der Wd. Zs. IX, S. 285. — Ders., Über die Entstehung des 
Würfelkapitäls: B.J. LXXXIII, S. i73. — Ders., Die ältesten Bauteile des Münsters 
zu Essen: B. J. LXXXXIII, S. 89. — Ders. in der Zs. für christl. Kunst II, S. 29i. — 
Dehio u. v. Bezold, Die kirchliche Baukunst des Abendlandes I, S. i55, i7i, i95, 
2i7; Taf. 4i, Fig. 5, 6, 7. — Förster, Baukunst II, S. ZZ, mit 3 Taf. — Kallen- 
BACH u. Schmitt, Die christl. Kirchenbaukunst des Abendlandes, i85o, Taf. IV, 4, 5. 

— KuGLER, Geschichte der Baukunst II, S. 3o4, 3i5; III, S. 379. — Schnaase, Ge- 

263 



i6 



KREIS ESSEN 



W 

M 
M 

r» 
? 




264 



ESSEN 



l7 



schichte der bildenden Künste IV, S. 373. — Denkmäler der Baukunst, von den Stu- Münster, 
dierenden der Kgl. Bauakademie Lief. 5, Taf. 20. — Essenwein, Handbuch der 
Architektur II, III, S. i32. — aus'm Weerth, Kd. II, S. i9. — OrrE, Handbuch der 
Kunstarchäologie I, S. 97; II, S. 33, 45, 68, 286. — Dohme, Geschichte der deutschen 
Baukunst S. 1 1, 22. — F. J. Pider, Das Ruhrthal, Werl 1881, S. 295. — Die Münster- 
kirche zu Essen: Echo der Gegenwart 1 856, 26. Juli. — Die Gründung der Abtei 
Essen: Essener Zeitung 1880, Nr. 284. — Einiges zur Baugeschichte des Essener 
Münsters: Essener Zeitung 188 1, Nr. 60. — Über die Restauration ausführlich: Cen- 
tralblatt für Bauverwaltung I, S. i56; Essener Zeitung i5. Aug. i884; 6. Jan. i885; 
Rhein. -Westfäl. Volksztg., Jan. i885, .i7. Dez. i885; Essener Volksztg., 24. Okt i885. 

Alfrid, der vierte Bischof von Hildesheim, gründete auf seinem Gute Astnide Geschichte 
ein Frauenkloster, das schon von 868 — 863 bestand (Müllenhoff u. Scherer, 
Denkmäler deutscher Poesie und Prosa S. 543. — G. Humann i. d. B. J. LXXXXIII, 
S. 98) und eine Kirche zu Ehren der h. Dreifaltigkeit, der Jungfrau Maria und der 
hh. Cosmas und Damianus, die erst 874 vollendet gewesen zu sein scheint (Lacom- 
BLET, U B. I, Nr. 69. — Funcke, Urkunden I, S. 243. — Dümmler, Geschichte des 
ostfränkischen Reiches I, S. 8o7. — Fr. Arens i. d. Beiträgen XIV, S, loi). Im 
i3. Jh. galt als das Jahr der Gründung 866 (im Äbtissinnenkatalog wird zu I265 an- 
gegeben, dass seit der fundatio Alfridi 399 Jahre verflossen seien). 

Im J. 944 oder 946 wurde das Kloster und wohl auch die Kirche durch einen Erster Bnind 
Brand teilweise zerstört (Annal. Colon.: Mon. Germ. SS. I, p. 98; XVI, p. 73 1). Der 
Brand scheint die westliche Vorhalle und den Ostchor vernichtet zu haben, während 
die Wände des Langhauses stehen blieben (B. J. LXXXI, S. 112). 

Gegen das Ende des 10. Jh. wurde an die alte westliche Vorhalle der Alfrids- Bau des lo.jh. 
basilika der Westbau angefügt und gleichzeitig ein neuer geradlinig geschlossener Chor 
an das QuerschifF im Osten angesetzt. Dem mittleren Chor traten zwei geradlinig ab- 
geschlossene Seitenchöre zur Seite. Unter dem mittleren Chor wurde die Krypta 
errichtet Gleichzeitig erhielt wahrscheinlich das Langhaus über den Seitenschiffen 
Emporen (Humann, Westbau S. 28). 

Auf diese Krypta weist anscheinend die in dem Essener Missale D. i. der 
Landesbibliothek zu Düsseldorf befindliche, aus dem Ende des 10. Jh. stammende Ein- 
tragung: Dedicatio criptae (S.Januar) (Harless in Lacomblets Archiv VI, S. 64, 68, 
— Humann, Westbau S. 3i). Als Bauherrin hat Humann (Westbau S. 33) die kunst- 
sinnige Äbtissin Mathilde II. (974 — loii) wahrscheinlich gemacht. 

Schon nach einem halben Jahrhundert wurde eine Erweiterung des Chores nötig. Erweiierung 
Die Äbtissin Theophanu durchbrach die Aussenmauem der alten Krypta und fügte 
einen neuen geradlinig geschlossenen Teil an, über dem sich der neue Chor erhob. 
Die Krypta wurde io5i durch den Erzbischof Hermann eingeweiht nach der in ihr be- 
findlichen Inschrift (s. u.). Der Äbtissinnenkatalog berichtet (Seemann S. 4) : Theophanu 
hatt die knifft (crypta) unter dem hohen chor zu Essen bawen und fundiren lassen. 

Um die Mitte des 12. Jh. fand ein Umbau des Ostteiles statt. Unter der 23. Umbau des 12. jh 
Äbtissin Ermentrud (i i4o — 11 48) hatte die Kirche viel zu leiden. Damals möglicher- 
weise wurden Querschiff und Chor mit auf Ecksäulen ruhenden romanischen Grat- 
gewölben versehen, von denen nur das südliche noch erhalten ist; ausserdem wurden 
die Innenseiten der Querarme umgebaut und durch sie und die anstossenden Seiten- 
chöre ein Laufgang geführt, die Seitenschiffe erhielten wahrscheinlich gleichzeitig Em- 
poren, auf die dieser Laufgang führte (vgl. Dehio, Kirchliche Baukunst S. 2 1 7 ; Re- 
pertorium XIV, S. 162). 



von 
rypia 



26S 



l8 KREIS ESSEN 

Münster. Bis zur Mitte des i3. Jh. bestand die Abteikirche in dieser Form: die Aussen- 

mauem des dreischiffigen Langhauses noch von dem Alfridsbau herrührend, nach 
dem Brande von 944 mit neuen flachen Balkendecken versehen, überragt von dem 
Westbau und dem io5i erweiterten Chor, dessen Umfassungsmauern sich um 2 m 
über die flachen Decken der Seitenarme des Alfridschen Querschifles erhoben, das 
nur im Innern um ii5o erneuert worden war. Die Kirche war um diese Zeit bereits 
sehr baufällig, im J. 1 246 bittet der Erzbischof von Köln um Almosen für den Wieder- 
aufbau der den Einsturz drohenden Kirche (Lacomblet, U B. II, p. XVIII). Da 

Brand von 1275 zerstörte ein grosser Brand im J. 1262, 126S oder I275 (das letztere Jahr am wahr- 
scheinlichsten: Seemann S. 33) den ganzen alten Bau. Der Äbtissinnenkatalog be- 
richtet : Bei dieser abtissin (Mathilde) zeit ist die kirch und abdey mit allen beiliegenden 
häusern durch versäumung des beckerss abgebrandt a. 1265. Bucelinus II, p. i45 
berichtet: A. 1262 .coepit Mechtildis abbatissa magnis sumptibus incendio pene con- 
sumptam ecclesiam restaurare in ea forma, in qua modo conspicitur. 
Neubau Der von Mathilde noch selbst begonnene Neubau des Langhauses wurde erst 

unter der Äbtissin Beatrix von Holte (1292 — i3i7) abgeschlossen. Äbtissinnenkatalog 
(Seemann S. ig): Bei regierung dieser abtissinn ist die münsterkirche mit der abtey 
von grundt auff" wieder erbawet. Als Architekt (artifex seu magister fabrice) erscheint 
im J. i3o4 der Meister Afar/t'n, ein Bruder des Schlosskaplans zu Monterberg (Ann. 
h. V. N. XXXI, S. i39. — Essener Zeitung 1881 Nr. 60). In einzelnen Bauperioden 
wurde bis zur Mitte des i4. Jh. der Bau von Langhaus und Hochchor durchgeführt. 
Der Gräfinnenchor und der hohe Dachreiter auf der Vierung wurden erst unter der 
Äbtissin Elisabeth von Beeck (i426 — 1445), nachdem ein neuer Brand diese Teile 
zerstört hatte, in ihrer heutigen Form errichtet. Äbtissinnenkatalog ed. Seemann 
S. i5: Diese abtissin hat den hohen chor der münsterkirchen, so hiebevor durch den 
brandt verwüstet, mit gehauwenen steinen auflführen . . lassen. Bei Zeiten dieser ab- 
tissinne ist der hohe thurm nebens dem hohen chor a. l439 durch Gerharden de 
Molheimb erbawet. Diese Nachricht ist insofern irrig, als der Gräfinnenchor mit dem 
hohen Chor verwechselt worden ist. Die Düsseldorfer Hs. A. 63, Bl. 8*», berichtet aus- 
drücklich: Chorum virginum e secto quadrato lapide ante coUapsum reparari et erigi 
curavit, iuxta chorum excelsam turrim. Der Hochchor selbst ist etwa ein Jahrhundert 
früher entstanden (Bucelinus II, p. i46 ausdrücklich: ecclesiam Assindiensem mag- 
nifice complevit). Im J. i454 wurde das Gewölbe der Vierung erneut (Beiträge I, S. i3), 
im Laufe des 16. und i7. Jh. die Bedachung verschiedentlich umgestaltet. 

Bauten des 17 Jh. Über Restauratioucn im i 7. Jh. berichtet der Äbtissinnenkatalog ed. Seemann S. 2 2 : 

bei Zeiten der abtissin Maria Clara (161 4 — 1644) ultimo fere anno ist die münsterkirche 
überall mit neuem bley bedecket und 'mit nöthigem holzwerk reparirt; S. 23: bei Zeiten 
der abtissin Anna Salome (um i65o) ist der grosse glockenthurm mit bley renovirt und 
darauff die uhrglock ad 3 man hoch ungefehr elevirt. Die alte Einrichtung der Kirche 
blieb bis i752 bestehen — in diesem Jahre wurden die meisten Altäre entfernt und 
durch schwerfällige barocke Bauten ersetzt, die erst der letzten Restauration >\ichen. 
Resuuration Die Restauratiou (Centralblatt für Bauverwaltung I, S. i56. — Essener Zeitung 

August i884, 6. Jan. i885) begann i848 auf Anregung von v. Quast. Die Gewölbe in 
Chor und Langhaus wurden ausgebessert und neu geputzt, etwas später sodann die 
südliche Umfassungsmauer nebst den gothischen Ma.sswerkfensteni und Strebepfeilern 
wiederhergestellt, i877 die Taufkapelle und die Krypta restauriert. Nachdem die 
Gefahr, in der i879 der Bau durch die Bodenbewegung infolge des unter der Stadt 
betriebenen Bergbaues geschwebt, beseitigt war, wurde 1880 mit einer neuen gründ- 

266 



ESSEK 



l9 




Münstcf . 
kirche 



i fc ^ i t M r- 

Fig. 3. Essen. Grundriss der Münsterkirche. 

267 



j>» 



20 KREIS ESSEN 

Münster, liehen Restauration durch den Architekten Zindel begonnen, die mit mustergültiger 
Pietät durchgeführt worden ist Das ursprünglich einen einzigen niedrigen Sattel bildende 
Dach wurde in mehrere Dächer gruppiert, ein neuer 25 m hoher Dachreiter aufgesetzt. 
Bei der folgenden Beschreibung werden, der Übersichtlichkeit halber, die ein- 
zelnen Bauteile nach der Zeit ihrer Entstehung angeführt. 

Baubeschreibung Die Alfri dsbasilika (ausführlich Humann, Westbau S.3) war ein dreischiffiger 

AifndsbasiUka flachgedecktcr Bau mit westlicher Vorhalle und breitem östlichen Querschiff, dem eine 
grosse Mittelapsis und zwei kleinere Seitenapsiden vortraten (Grundriss Humann, West- 
bau S. 4. — B. J. LXXXII, Taf. V). Die Längsmauern enthielten an den Innenseiten 
einen besonderen Schmuck durch je i6 Nischen, von denen an der Nordseite 12, aller- 
dings zum Teil vermauert, an der Südseite 7 erhalten sind. Der Bau bestand aus Ruhr- 
sandstein, die Basen und Kämpfer der Pilaster zwischen den Nischen sind aus Kalk- 
stein, die trennenden Pfosten und die Kuppeln von Tuft'. Die drei Nischen der west- 
lichen Vorhalle waren höher als die des Langhauses — die seitlichen Räume des 
letztern waren ehemals wohl in gleicher Höhe wie der mittlere Teil mit einer flachen 
Decke versehen, worauf die an der Nordwestecke des südlichen und an der Südwest- 
ecke des nördlichen Teils des Querschiffes befindlichen Überreste von je einem Pilaster 
mit derbem Kapital deuten (B. J. LXXXII, S. 112; LXXXXIII, S. 92, 94 mit Abb.). 

Kieuxschiffiirmc Eine sonst bei karolingischen Bauten nicht weiter nachgewiesene Form hatten 

die Nord- und Südseiten der Kreuzschiffarme, die innen dreiseitig abschliessen, mit 
einem mittleren Portal und rundbogigen Nischen in den seitlichen schrägen Flächen. 
Die Querschiffarme hatten nach Westen oberhalb der Dächer der Seitenschiffe je ein 
Fenster, die (unter dem Putz) eingeschnitten in die sichtbaren Spitzbögen erhalten 
sind. Bei der gothischen Umgestaltung blieben die oberen Teile der Mauer bestehen, 
wurden nur abgestützt und dann mit gothischen Bögen unterfangen (Humann i. d. 
B.J. LXXXXIII, S. 9i). 
• Alte An den Kreuzschiffarmen sind noch Reste der alten Ornamentation erhalten. Um 

das ganze Querschiff scheint sich ein 5o cm hoher aus Stuck (nicht Gips) hergestellter 
Fries mit kaum erkenntlichen breiten steifen antikisierenden Blattmotiven gezogen zu 
haben, der an der Ostseite des südlichen Armes von u an (Grundriss Fig. 3) 1,80 m 
unter den Trägem des Dachstuhles, erkenntlich ist. An der Innenseite derselben Mauer 
nach Westen ist 2,20 m unter dem Dachstuhl ein gemalter Zickzackfries (gebrochenes 
Band) in Rot und Grün erkenntlich, der unter der flachen Balkendecke hinlief, deren 
Fuge sich direkt darüber befindet. Die kleinen Seitenabsiden können nur sehr niedrig 
gewesen sein, da unter dem Stuckfries sich noch ein kleines Blendfenster befindet. 

Erweiterungsbau Vou dem Erweiterungsbau des 10. Th., der über der älteren Krypta errichtet 

des 10. Jh. . ° ^ ^^ 

wurde, sind unter dem Dachstuhl noch Reste nachweisbar, die Nord- und Südmauer 
des vierseitigen Chorhauses. Zwischen p und u und zwischen w und o sind Mauern 
erhalten von Tuff mit je drei Fenstern mit stark abgeschrägten Gewänden (äusserste 
Breite 75 cm), zwischen ihnen kleine Kämpfer. Die Gewände zeigen Reste von 
Malerei: auf weisser grüngesäumter Grundfläche rote vierseitige Sterne. 
WesiUu Der Westbau (Grundriss Fig. 3. — Querschnitt Fig. 4) ist rechteckig und in 

drei kleinere Rechtecke zerlegt, in deren mittelstes ein dreiseitiger Chor eingefügt ist. 
Der zwischen Chorwand und Westmauer befindliche Raum, der sich mit drei grossen 
Bögen nach dem Chore zu öffnet, ist in zwei Geschosse geteilt. In den westlichen 
Abschrägungen des unteren Raumes liegen die Zugänge zu den Treppentürmen, in 
der Westmauer befindet sich eine rechteckige Blende. Die Gratgewölbe des Raumes 
sind mittelst Durchdringung von Tonnengewölben gebildet. 

268 



ESSEN 



21 



Die darüber gelegene Empore, durch vier Fensterchen erhellt, zeigt in der 
Westmauer eine Nische mit zwei kleinen Seitennischen und in den Treppentürmen 
grosse Nischen, in die kleine Vertiefungen gebrochen sind. Die drei grossen Bögen 
sind mit doppelten Säulenstellungen ausgefüllt. Je zwei, mit attischen Basen, korin- 
thischen Kapitalen und würfelförmigen Aufsätzen versehene Säulen, die durch kleine 
Bögen verbunden sind, tragen einen schmalen Architrav, auf dem sich wiederum 
ein zweites Säulenpaar erhebt, welches mit abgeschrägten Würfelaufsätzen gegen die 
Laibungen der grossen Gurtbögen stösst. Die oberen Säulen zeichnen sich durch 
eine eigenartige Form der Basen (ohne eigentliche Plinthe) aus, ihre Kapitale zeigen 
einen einfachen ausgezackten Kelch, während die unteren Kapitale reiche korinthische 
Kompositkapitäle nachahmen (Abb. Humann, Westbau S. lou. ii). Die drei Bögen 
tragen eine Halbkuppel, nach Osten mit einem Triumphbogen abschliessend, der auf 
zwei Halbpfeilem mit Bossenkapitälen ruht, über denen sich wieder niedrige Würfel- 
aufsätze mit Deckplatten erheben. 




Münster- 
kirche 
Empore 



Fig, 4. Essen. Querschnitt durch den Westbau. 



Die beiden freien Pfeiler des Chores sihd durch je zwei Bögen abgestützt, die 
nach den Umfassungsmauern und zwar deren stärkstem Teil zur Seite der Treppen- 
türme geschlagen sind. Zwischen die Bögen sind dreieckige Gratgewölbe eingefügt. 
Die hohen Belastungsmauem, die über den Bögen errichtet sind, schliessen kleine Em- 
poren ein von hufeisenförmigem Grundriss mit kleinen Nischen in den Wänden, nach 
dem Räume G mit zweiachsigen, nach den dreieckigen Seitenräumen mit einachsigen 
Arkaden geöffnet, mit flacher Holzdecke. Die Säulchen der Arkaden zeigen attische 
Basen und jonische Kapitale über einem unteren Kelche. 

Der über dem Westchor sich erhebende dreistöckige Glockenturm (Fig. 2) enthält Glockenturm 
in den beiden unteren Geschossen je ein Rechteck mit an der Westseite abgeschrägten 
Ecken, während das oberste Geschoss aussen durch ansteigende dreiseitige Flächen, 
innen durch Pendentifs in ein oblonges Achteck übergeführt wird. Die beiden unteren 
Turmgeschosse zeigen einfache Gliederung durch Nischen und Blenden, während jede 
Seite des Achtecks von einem von einer rundbogigen Blende eingeschlossenen roma- 
nischen Doppelfenster durchbrochen wird, dessen Säulen attische Basen und korin- 
thisiefende Kapitale mit ein oder zwei Blattreihen zeigen. Die äussere Gliederung 



269 



22 



KREIS ESSEN 



Münster« 
kirche 



Seiteiiemporen 



besteht in schwachen Pilastem, die mit steilen Schrägen über dem reichen Sockel- 
gesims aufsetzen und mit Bossenkapitälen den Architrav tragen. Die Verbindung der 
Geschosse des Mittelbaues bilden die an den Ecken vortretenden achtseitigen Stiegen- 
türme, deren Stufen auf ansteigenden Tonnengewölben ruhen und weder in das Mauer- 
werk noch in die Spindel eingreifen. 

Die rechteckigen Seitenschiffe des Westbaues H und J sind an zwei Innen- 
seiten mit Laufgängen versehen, die an der Nord- und Südseite von je drei auf Pfeiler- 
vorsprüngen und zwei Säulen ruhenden Rundbögen getragen werden (die Schafte im 




Essen Grundriss der Krypta. 



Norden rund, im Süden achtseitig). Die westlichen Arme der Laufgänge erweitern 
sich zu (von gedrückten, mit Gurtbögen verstärkten Tonnen getragenen) Emporen, 
deren Abschrägungen auf Pendentifs ruhen. Die unteren Stockwerke öffnen sich mit 
grossen rundbogigen Portalen — die eigentliche Thür mit horizontalem Sturz ge- 
schlossen — gegen die Vorhalle, in die acht Stufen hinaufführen. Im zweiten Ge- 
schoss in den Westmauem Nischen, in denen die Durchgänge zu den Wendeltreppen 
liegen. Über diesen im Mauerwerk schmale Durchgänge mit Tonnen überdeckt. 
AusscngUedcrung Die AussengHcderung der Seitenschiffe des Westbaues besteht aus einer schlich- 

ten Stellung von Pilastem im ersten Stockwerk über einem schmalen Gurtgesims, die 



27o 



ESSEN 



23 



mit jonischen Kapitalen einen Architrav tragen. Das Gurtgesims setzt sich um die 
Treppentürme fort, ebenso wie das grosse Gurtgesims des Mittelbaues. Das zweite 
Stockwerk des Mittelbaues ist nach aussen durch eine reiche Gliederung von Vertikal- 
lisenen und Rundbogen fries ausgezeichnet, während das untere nur durch drei grosse 
Rundbögen abgeschlossen ist. 

Der aus dem lo.Jh. stammende ältere Teil der Krypta (im Grundriss Fig. 5 
tiefschwarz angelegt) ist durch neun Joche von aus Ruhrsandstein bestehenden Grat- 
gewölben überdeckt, die aus zwei durcheinander geschobenen Tonnen gebildet sind. 
Die vier i,65 m hohen Kalksteinpfeiler, deren abgefassten Kanten Rundstäbe vortreten, 
haben eine 1 8 cm hohe aus Plinthe und Schmiege bestehende Basis und einen 1 7 cm 



Münster- 
kirche 



Krypu 
Ältester Teil 




Fig. 6. Essen. Innenansicht der Krypu. 



hohen einfachen dreimal abgetreppten Kämpfer. An den Aussenwänden finden sich 
in der wesdichen Hälfte noch schmale Halbpfeiler, sowie in den westlichen Jochen 
an der Nord- und Südseite i,55 m hohe, 46 cm tiefe Nischen. 

Der zweite, io5i eingeweihte Teil der Krypta (im Grundriss Fig. 5 schraffiert), 
der sich um den alten Bau herumlegt, wird von vier i ,6o m hohen Pfeilern getragen 
auf Basen mit auffallend breiter, flacher Schmiege ]und dem gleichen Kämpfer wie 
im älteren Teil. Der Pfeilerkem hat in der Mitte jeder Seite eine Rinne erhalten, 
den Kanten treten Ecksäulchen vor, stärker als die Rundstäbe im älteren Teil, die 
Würfelkapitäle tragen, deren Halbrundverzierung sich um den Pfeilerkem fortsetzt. 
(Abb. Zs. für christliche Arch. I, Taf. i, S. 1 1, 12. — Otte, Roman. Baukunst S. i69. — 
Humann i. d. B. J. LXXX, S. t85, Taf. 5. — B. J. LXXXVHI, S. 182, Abb. 8). Die aus 
Ruhrsandstein zusammengesetzten Gewölbe bestehen aus durcheinander geschobenen 



späterer Teil 



27l 



24 KREIS ESSEN 

Münüter- Tonnen, die nur in A und B (nicht in dem entsprechenden C) ein vollständiges Kreuz- 
gewölbe bilden, während sich die übrigen Joche als Tonnen mit eingeschnittenen 
Kappen darstellen. Die gleiche ängstliche und befangene Konstruktion herrscht auch 
bei den Gurtbögen, die durchweg einen Halbkreis mit der gleichen Scheitelhöhe bil- 
den. Bei kürzerer Spannweite der Sehne wurde der Bogen gestelzt. An der öst- 
lichen Aussenmauer findet sich an den gestelzten Teilen der Halbpfeiler zwischen je 
zwei Kämpfern die unten wiedergegebene Stiftungsinschrift. Die Decke der Krypta 
enthält bei O O grosse achtseitige, jetzt mit einem Eisengitter geschlossene Öffnun- 
gen, die die Verbindung mit dem Hochchor hersteilen. Um diese Öffnungen regel- 
mässig zu gestalten und zugleich auch von den seitlichen Zugängen aus den Blick auf 
den Altar in der Krypta zu ermöglichen, ist der ehemals geradlinig rechtwinkelige Ab- 
schluss der Aussenmauer der älteren Krypta aufgegeben und diese abgeschrägt worden. 
WandgHedcrung Von feiner künstlerischer Wirkung ist der Abschluss der Nord- und der Südmauer 

unter den achtseitigen Durchbrechungen. Das Viereck ist durch Pendentifs in das 
Oktogon übergeführt (Fig. 6). Die Aussenmauer ist durch zwei Rundbogen geglie- 
dert, die in der Mitte auf einer monolithen Säule mit Basis ohne Eckblatt und inter- 
essantem Kapital ruhen, das unten aufrecht stehende Akanthusblätter zeigt, darüber 
je zwei Blattkelche, aus denen wieder Voluten herauswachsen. Auf dem Kapital sitzt 
ein kleiner Pfeiler mit weitausladendem Kämpfer auf, der wieder mit einem Penden- 
tif an die parallel der Aussenmauer laufende Seite des Oktogons ansetzt. In der Süd- 
mauer befinden sich vier alte Fenster mit sehr stark abfallenden Sohlbänken, denen 
nach Norden (wo die Keller der Abteigebäude anstossen) nur Blenden entsprechen, 
die nach Osten führenden Fenster sind erneut. Bei d führt eine Treppe zur Kirche 
herauf, der entsprechende Aufgang bei c ist vermauert. In die Aussenmauer der 
alten Krypta sind bei u u zwei Nischen gebrochen. 
Restourniion Bei der Restauration wurde das aus Tuffstein und Gussmörtel regelrecht kon- 

struierte Gewölbe mit einer Ziegelschicht bedeckt, die einen Belag von Mettlacher 
Fliesen erhielt. Für die Einfassung der Achtecke wurden die alten Profilsteine wieder 
benutzt. Die Stufen der Kryptentreppe sind aus Baumberger Fliesstein hergestellt. 
in»chrificii Über dcu Kämpfern der vier Halbpfeiler an der Ostseite auf 4o x 4o cm grossen 

Kalksteinplatten in 22 cm hohen Kapitalen die folgenden dem 11. Jh. angehörigen In- 
schriften (v. Quast im Correspondenzblatt des Gesamtvereins I, S. 37) von Norden 
nach Süden, die i., 3., 4. auf Altäre bezüglich, die 2. die Gründungsinschrift enthaltend. 

1. IN HAC ÄRA HABENTUR RELIQUIAE SANCTORUM CHRISTOPHORI CYRINI CYRIACI 
CORNELII CYPRIANI PANCRACII NEREI ACHILLEII (so). 

2. ANNO INCARNACIONIS DOMINICAE MILLESIMO LI. INDICTIONE IUI. V. JD. SEPT. 
DEDICATUM EST HOC ORATORIUM A VENERABILI ARCHIEPISCOPO HERIMANNO PRECATU 
NOBILISSIMAE SORORIS SUAE THEOPHANU ABBATISSAE. 

3. IN HOC ALTARI CONTINENTUR RELIQUIAE SANCTORUM JOHANNIS BAPTISTAE 
JÜHANNIS EVANGELISTAE MATHIE (so) [e]vVANGELISTAE QUINTINI MARTIRIS DIONISII 
RUSTICI SANCTORUM CLEMENTIS BLASII INNOCENTIUM GORGONII (saUCtorum innocen- 

tium gehört zusammen, und an das Ende der Inschrift). 

4. IN ISTA ÄRA HABENTUR RELIQUIAE SANCTORUM JOHANNIS PAULI MAURICII 
EXUPERH (so) LANDBERHTI CRISPINI CRISPINIANI SEBASTIANI ALBANI. 

Quer schiff Das Querschiff enthält noch die Reste des romanischen Einbaues aus der 

Mitte des 12. Jh. in Gestalt der vier Vierungspfeiler, von denen die beiden östlichen 
wahrscheinlich noch einen von der Alfridsbasilika herrührenden Kern enthalten. Die 
Gewölbe in der Vierung wie in F und A ruhen auf starken Ecksäulen mit Eckblatt- 
basen, die reich skulptierte stark unterarbeitete Kapitale tragen, bedeckt mit vortreff- 

272 



ESSEN tS 

lieh stilisierten romanischen Ranken mit Menschen- und Tierfigürchen, die Kapitale Mcin«ter- 
aus dem Klever Schloss (Kunstdenkmäler d. Kr. Kleve S. ii4) noch übertreffend. 
Von den romanischen Gewölben ist nur F alt, aus Ruhrsandstein bestehend und der 
Rippen entbehrend. Die Vierung B ist i454 durch ein gothisches Gewölbe ersetzt 
worden, E ist in Ziegeln erneut worden, als beim gothischen Umbau der Kirche 
dieser Teil des Querschiffes zugleich mit dem nördlichen Seitenchor nach Norden 
hin zum Gräfinnenchor erweitert wurde (Humann i. d. B. J. LXXXII, S. 120). Das 
alte Gewölbe in A ist erst bei der letzten Restauration erneuert worden. Das Joch 
A wird nach C und D zu abgeschlossen durch gestelzte Spitzbogen, die auf kleinen 
Kämpfern aufsetzen, welche um die Pfeilervorlagen verkröpft sind. Bei der Anlage 
des Gräfinnenchores musste auch der alte nördliche Zugang zur Krypta in Wegfall 
kommen. Dieser wurde aber später wieder als Zugang benutzt zu einem i76i unter 
dem Gräfinnenchor angelegten rechteckigen mit einem Tonnengewölbe überspannten 
Räume. An der Scheidemauer zwischen den Pfeilern p und u befindet sich nach D 
zu ein merkwürdiges Gesims, das auf eine Bogenstellung zu deuten scheint, die ehe- 
mals in der Art von Chorschranken den Hauptchor gegen die Seitenchörchen ab- 
grenzte. In der südlichen Vorlage des Pfeilers u findet sich eine Nische in der 
Höhe des Umganges. Von besonderem Interesse ist das erhaltene frühgothische Ge- 
wölbe in D, in dem die Brüche der einzelnen Dreiecke (keine vollständigen sphärischen 
Dreiecke) rechtwinkelig auf die mit Rundstäben verzierten Schildbögen stossen. In 
der Südostecke ruhen hier die Rippen auf einem Dienst mit frühgothischem Kapital, 
in den übrigen Ecken auf einer Konsole mit schlichtem fein empfundenen dreiteiligen 
Blatte. Die Zwickel bestehen aus Tuffsteinen, deren Fugen senkrecht, nicht diagonal, 
zu den Schildbögen stehen. 

Die beiden Seitenchörchen sind nach Osten durch je ein grosses zweiachsiges Sciicnchsrchen 
spitzbogiges Fenster erhellt, dessen Stäbe nicht gekehlt, sondern einfach gefasst sind, 
das alte Masswerk mit drei in Kreise eingezeichneten einfachen Vierpässen noch erhal- 
ten. In dem Fenster in D tritt die Umfassungsmauer des Hochchores vor das äussere 
nördliche Licht: der Hochchor war demnach ursprünglich nicht in dieser Breite ge- 
plant Nach Süden befindet sich in D ein einfaches einachsiges Fenster, die Pfosten 
nur gefasst, mit Dreipass, in C nach Norden ein spätgothisches einachsiges Fenster 
mit Fünfpass. 

Der dreiseitige Abschluss der Nord- und Südseite des Querschiffes der Alfrids- Abichiuin des 
basilika war bei dem Umbau um ii5o gleichfalls verändert worden. Der Umbau ist 
an der Südseite völlig erhalten. Um den Laufgang einzuschalten, wurden die seit- 
lichen Nischen niedriger gemacht und über ihnen ein Bogen geschlagen, der den 
Laufgang und die Mauer in zwei Geschosse zerlegt, von einem Rundstab eingefasst, 
der auf zwei Ecksäulchen mit zierlichen romanischen Kapitalen und Eckblattbasen 
ruht. Von den Scheiteln der beiden Nischen wurde gleichfalls nach der Höhe je ein 
Bogen geschlagen, dessen Centrum in der Achse der Thüröffnung liegt, und der sich 
wie ein Pendentif über die Portalnische legt. Das obere Geschoss der Aussenmauer 
wurde gleichzeitig erneuert, die (unter dem Putz erhaltenen) grossen Nischen wurden 
bei Anlage der Gewölbe tiefer geschlossen; das mittlere Fenster ist erst nach dem 
Anbau der Schatzkammer erneut worden. 

An der Nordseite ist der Abschluss niedergelegt worden bei der Einfügung des 
Gräfinnenchores, der ehemals in der Höhe des Chores selbst lag, zu dem jetzt zehn 
Stufen hinaufführen. Bei der letzten Restauration ist die Orgelbühne hier eingesetzt 
und die gleiche Architektur wie an der Südseite ergänzt worden, in C ist eine ganz 

273 



26 



KREIS ESSEN 



Münster- 
kirche 

Umgang 



Hochchor 



Langhaus 



neue Bogenstellung eingefügt. Der Gräfinnenchor selbst hat das Niveau des Lang- 
schiffes erhalten. 

Um das Joch D ist ein romanischer Umgang herumgeführt, der durch eine 
Thür in der Nordostecke mittelst einer Treppe vom Chor aus zugängig ist. Er ruht 
auf grossen Rundbogen, die Abschrägungen der Ecken auf Pendentifs. In der Süd- 
ostecke ein interessanter romanischer Pfeiler eingemauert, bestehend aus übereck 
gestelltem viereckigen Kern mit je zwei gekuppelten Säulchen an jeder Seite mit reich- 
gegliederter Deckplatte (Schmiege, Kamies, Plinthe, Karnies hintereinander), jedes 
der Säulchen mit einem zierlichen Kompositkapitäl gekrönt. In der Mitte der Ost- 
wand ein achtseitiger Pfeiler mit (erneutem) frühgothischem Blattkapitäl. 

Der im i4.Jh. errichtete H o c h- 
chor (Ansicht Fig. 7. — Quer- 
schnitt Fig. 8. — Längsschnitt 
Fig. 9) wird von zwei Säulen ge- 
tragen mit achtseitiger Base und 
Kelchkapitälen. Die Säulen ver- 
lassen die durch das Langhaus 
angegebene Achse und treten 
mehr nach der Mitte zusammen. 
Hierdurch sind die schmalen 
rechteckigen Gewölbejoche ver- 
mieden und wird zugleich dem 
Mittelschiff ein höchst wirkungs- 
voller Abschluss gegeben. An 
der östlichen Aussenmauer ent- 
sprechen den Säulen Halbsäulen, 
die Kapitale aus Stein mit drei 
Reihen gut stilisierter Blätter tra- 
gen (an den freistehenden Säu- 
len sind diese aus Cement ange- 
klebt), an den Pfeilern o und p je 
ein alter Dienst mit zwei jungen 
Diensten zur Seite, mit Kapita- 
len von ausserordentlich schönen 
goth. Blattkränzen. Reich und 
hohl profilierte Gurte trennen 
die Kreuzjoche, bei m und n nur von Rippenbreite. Die Ostmauer ist von einem 
grossen dreiachsigen Mittelfenster mit Fünfpass (dieser erneut) und zwei Dreipässen 
in Masswerk und zwei einachsigen Fenstern durchbrochen, nach Norden und Süden 
je ein zwei- und ein einachsiges Fenster, nach der Nordseite zu ein Drittel der Höhe 
versetzt. Bei q befinden sich neben der mittleren Halbsäule noch zwei kleine ganz 
kurze Dienststümpfe, die an der Südseite fehlen. 

Das Langhaus (Längsschnitt Fig. 9) wird von drei Paaren freistehender aus 
grossen Ruhrsandsteinquadern aufgemauerter Säulen getragen, denen im Osten und 
Westen Halbsäulen entsprechen. Die Säulen haben eine i,o5 m hohe Basis, zunächst 
achtseitig in zwei Stockwerken, darüber mit einer runden Wulst. Entsprechend ist das 
runde Kclchkapitäl gestaltet, erst rund, darüber eine achtseitige Deckplatte. Die nörd- 
liche und südliche Hälfte des Langhauses sind nicht gleichzeitig, sondern zeigen be- 




Fig 7 Essen. Blick auf den Hochchor der Münsterkirche. 



274 



ESSEN 



27 



deutende Abweichungen. Die nördliche Seite scheint die frühere zu sein. Hier sind 
die Kapitale der Säulen etwas feiner profiliert, vor allem ist der obere Saum des 
Kelches schmäler als an der Südseite. Die Strebepfeiler sind auf beiden Seiten zur 
Hälfte nach innen gezogen, ähnlich wie in den Minoritenkirchen des i3. Jh., nur an 
der Nordseite mehr als an der Südseite, wodurch auch die Bögen über dem Umgang 
an der Südseite schmäler ausgefallen sind. An der Nordseite entsprechen den Säulen 
des Mittelschiffes gemauerte Halbsäulen vom gleichen Durchmesser, die nicht direkt 
in die (inneren) Strebepfeiler übergehen, sondern von ihnen durch eine leichte Schmiege 
getrennt werden. Die Kapitale entsprechen gleichfalls denen der Mittelschiffsäulen, 
nur bei k ist der Kelch mit zwei Reihen vortrefflich stilisierter frühgothischer Blätter 
bedeckt: stark gekrümmte und unterarbeitete gleichsam angeklebte Eichenblätter. An 
der Südseite entspricht den 
Säulen ein polygonaler Pfeiler- 
kem, dem ein alter Dienst als 
Quergurtträger und zwei junge 
Dienste als Rippenträger vor- 
treten, jeder mit seiner beson- 
deren polygonalen Basis und 
besonderem Blattkapitäl. 

Der an der Innenseite 
der Aussenmauem herumge- 
führte Umgang durchbricht die 
inneren Teile der Strebepfei- 
ler mit schmalen Thürchen. 
An der Nordseite fällt seine 
ganz verschiedene Höhe und 
die verschiedene Profilierung 
der Gesimse sehr stark auf. 

Das Mauen^'erk zeigt an 
der Aussenseite Schichten 
von meist viereckigen, leicht 
mit dem Hammer gerichteten 
Kohlensandsteinblöcken, aber 
in ganz unregelmässiger Lage- 
rung und verschiedenen Grössen. Unter dem grossen östlichen Mittelfenster am Chor 
ein breiter, die ganze Breite des Mittelschiffes einnehmender Entlastungsbogen. Die 
dreimal abgetreppten Strebepfeiler bestehen aus grossen Kohlensandsteinquadem in 
ganz regelmässigem Verband. Das unter den Sohlbänken laufende Horizontalgcsims, 
das um die Streben verkröpft ist, ist wie die Fenstergewände erneut. An der Süd- 
seite der Kirche sind die zweimal abgetreppten Streben, um die das Horizontalgesims 
verkröpft ist, mit Giebeldächerchen gekrönt, der ganze Mantel ist hier aas Ruhrsand- 
steinquadem erneut. Die Nordseite ist gleichfalls gänzlich erneut und hat einen einen 
Fuss starken Mantel erhalten. Die Konsolen an der Nordmauer im Kreuzgang sind 
nach den alten, ehemals hier befindlichen erneut. 

Die Alfridsbasilika nimmt unter den karolingischen Bauten durch die ganz einzig 
dastehende Gliederung der Schmalseiten des östlichen Querschiffes einen besonderen 
Rang ein. Die westliche, ein zweites Querschiff andeutende Vorhalle erinnert an 
S. Emmeram in Regensburg, die Nischenarchitektur der Langseiten teilt sie mit S. Stephan 



Münstei- 
kirche 




Fig. 8. 



n^i l — l l l L l l l [ 1*-^ 

Esten. Querschutt durch den Hochchor der Münsterkirche- 



Uingang 



Aussensciteii 



KQnstlerische 
Würdigung 



»75 



28 



KREIS ESSEN 



Münster- 
kirche 



Künitler C 

9 

1 

5. 




und S. Emmeram zu Regensburg, der 
Luciuskirche und der Krypta der Abtei- 
kirche zu Werden, der Ludgerikapelle zu 
Helmstädt (Dehio u. v. Bezold, Die kirch- 
liche Baukunst des Abendlandes Taf. i7o, 
9, lo, ii), der Stiftskirche zu Meschede 
(Nordhoff i. d. B. J. LXXXXIII, S. 1 1 1), 
und S. Georg in Köln. 

Der Westbau, in Anlage wie Durchfüh- 
rung gleich hohe Bewunderung weckend, 
ist eine Nonnenempore, verwandt dem 
um das J. looo entstandenen Westbau zu 
Corvei und vielleicht dessen Vorbild (J. B. 
Nordhoff, Corvei und die westfälisch- 
sächsische Früharchitektur: Repertorium 
für Kunstwissenschaft XI, S. i46, i57, 396, 
4o3), ,eines der merkwürdigsten Inkunabel- 
werke der deutschen Baukunst*, das »geist- 
reichst komponierte und sorgfilltigst aus- 
geführte rheinische Bauwerk des lo. Jh.* 
(Dehio im Repertorium XIV, S. i6i; Die 
kirchliche Baukunst I, S. i95). 

Als Urheber sind deutsche, nicht aus- 
ländische Künstler anzusehen. Der West- 
bau ist keine Wiederholung der Aachener 
Palastkapelle,' sein verdienter Erforscher 
Humann geht aber zu weit, wenn er (West- 
bau S. 36 und B. J. LXXXXIII, S. io4) 
diesen Einfluss ganz abweisen will (da- 
gegen Dehio im Repertorium XIV, S. 162. 
— Clemen im Korrespondenzblatt der 
Wd. Zs. IX, S. 285). Die doppelte Säulen- 
stellung in den Bögen, die Essen mit 
Aachen und Maria im Kapitol zu Köln 
teilt, ist zu auffällig und selten, als dass 
die Verwandtschaft eine zufällige sein 
könnte. Durch diese Anlehnung wird das 
Verdienst des Essener Künstlers in Nichts 
geschmälert. »Gerade die 
ganz verschiedene Na- 
tur der zu lösenden Auf- 
gabe lässt die Bemü- 
hungen des Essener 
Meisters, Anklänge an 
Aachen, manmuss sagen 
zu erzwingen , doppelt 
merkwürdig erscheinen* 
(Dehio). 



276 



ESSEN 



29 



Die westliche Vorhalle (Innenansicht Fig. lo. — Grundriss Fig. ii), in der 
ursprünglichen Form aus dem Ende des lo.Jh. stammend (als porticus in dem Essener 
Missale der Landesbibliothek zu Düsseldorf genannt: Harless in Lacomblets Archiv 
VI, S. 64, 68. — Humann, Westbau S. 3 1) Verbindet den Westbau des Münsters mit der 
Johanniskirche, ,sein Zusatz krönt gleichsam das ganze Werk des Westbaues* (Nordhoff 
im Repertorium XI, S. 397). Er besteht aus zwei Säulengängen, jetzt mit Pultdächern 
überdeckt, die sich mit einer von je vier Säulen getragenen Bogenstellung nach dem 
Atrium öffnen. Die ganze Anlage ist durchgreifend erneuert. Die verjüngten Säulen 
sind bis auf eine, die aus drei Stücken zusammengesetzt ist, Monolithe aus rotem 
Sandstein, sie zeigen attische Basen ohne Eckblätter und (überarbeitete) mächtige 
Würfelkapitäle von Kalkstein mit einfach profilierter Deckplatte darüber. Die Bogen- 
stellung ist in Tufl' ausgeführt, der Rundbogen fries unter den Pultdächern gänzlich 
erneut. Die Dächer ruhen auf horizontalen Balken, die im Südschiff in die Mauer 
eingebunden sind, während sie im Nordschiff an der Aussenmauer auf einem auf 

Kragsteinen aufruhenden 
Querbalken lagern. Die süd- 
liche Aussenseite (Fig. 2) zeigt 
zur Seite des grossen rund- 
bogigen Mittelportales je drei 
Nischen, die in kleinen Blen- 
den stehen, durch Pilaster mit 
schlichtem Kämpfer getrennt. 
Die Blenden und die Wöl- 
bungen der Nischen sind in 
Tuff erneut, während das Ma- 
terial des Hauptbaues Ruhr- 
sandstein ist. Die Thür hat 
dreimal den Platz gewechselt. 
An der Südwestecke ist ein 
Treppentürmchen eingebaut, 
die nördl. Aussenseite (gänz- 
lich erneut) ist durch Vertikal- 

lisenen und Rundbogenfriese in fünf Felder zerlegt, über dem mittleren Portal ein 
Giebelchen, das Portal neu eingefasst mit Ecksäuich en und Rundstab. An der Innen- 
seite derselben Mauer zwei Nischen, die im Süden fehlen. 

An der Ostseite der Johanniskirche in dem Vorhofe unter einem verwitterten 
hölzernen Baldachin des 18. Jh. ein steinerner Kruzifixus (Fig. 12) in Lebensgrösse, 
ein edles gothisches Werk um i4oo, das Haupt auf die rechte Schulter geneigt, der 
Leib sehr schlank, der Rippen ansatz stark betont, ohne genaue Kenntnis des anato- 
mischen Baues, ähnlich dem zu Dinslaken (Kunstdenkmäler d. St Duisburg und d. Kr. 
Mülheim a. d. Ruhr und Ruhrort S. 5o, Taf III). 

An den südlichen Kreuzarm stösst die Taufkapelle T an, über der sich die 
Schatzkammer befindet. Die letztere ist mit einem schweren Kreuzgewölbe über- 
deckt und nur durch zwei kleine Rundbogenfenster von W^esten erhellt. Die Tauf- 
kapelle, um drei Stufen tiefer liegend als das Querschiff, ist mit einem Gratgewölbe 
überspannt und zeigt Ecksäulen mit Eckblattbasen und Würfelkapitälen mit Bogen- 
verzierung. An der Nord- und Ostwand je eine Nische. Nach Westen eine grosse 
Nische, die oben in eine Blende absetzt, mit einem kleinen rundbogigen Fenster in 



Münster* 
kirche 
Anbnuten 
Vorhalle 




Fiff. 10. Essen. Vorhalle der MQnsterliirche. 



Kruzifixus 



Romanische 
Anbauten 



a77 



3o 



KREIS ESSEN 



M ü n st e r • 
kirche 



Sakristei 



Kreuzgan^ 
Ältester Teil 



der Mitte, eingerahmt von einem Rundstab mit Ecksäulchen, entsprechend der gleichen 
Gliederimg an der Aussenseite. 

An diesen Bau ist ein zweiter zweistöckiger romanischer Bau gefügt, jünger als 
T und ursprünglich von aussen mittelst einer Treppe zugänglich, der wahrscheinlich 
als Archiv diente (jetzt Wächterwohnung), im oberen Teile durch vier kreisrunde 
und vier quadratische Fenster erhellt. In einem der letzteren eine Fensterplatte mit 

dem Namen VVENDEL- 
BOLDVS (Humann i. d. 
B. J. LXXX, S. i87, 
Taf. V). Ursprünglich 
aus Kohlensandstein 
errichtet, die Vertikal- 
lisenen und Bögen aas 
Tuff. 

Die Sakristei be- 
steht aus drei Räu- 
men, von denen zwei 
durch Stemgewölbe, 
der östliche durch ein 
einfaches Kreuzge- 
wölbe überdeckt sind, 
an der Ostseite unter 
dem Fenster eine Al- 
tarm ensa. 

Die goth. Doppel- 
fenster sind in ihrer 
Einfassung gänzlich 
neu, nach Osten er- 
halten ein altes go- 
thisches Fenster mit 
geradliniger Stabwerk- 
einfassung. Über der 
Thür zur Sakristei im 
Hochchor die In- 
schrift : HOC SACRA- 
RIUM CONSTRUCTUM 
EST ANNO l524. Die 

gleiche Jahreszahl er- 
giebt die in der Sa- 
kristei angeheftete Per- 
gamenturkunde : Anno 
domini millesimo quingentesimo vicesimo quarto, die sanctorum Petri et Pauli aposto- 
lorum consecrata est hec capella ad honorem salvatoris nostri domini Jesu Christi et 
beatae Mariae virginis matris eins necnon sanctorum Petri et Pauli apostolorum, 
Lazari, Mariae Magdalenae et Marthae, Odiliae, Erasmi et omnium sanctorum. Dedi- 
catio semper erit servanda dominica prima post Kiliani. Soli Deo gloria. 

Der an der Nordseite der Kirche gelegene Kreuzgang wurde nebst dem Abtei- 
gebäude unter der Äbtissin Beatrix von Holte (i292 — i3i7) neu errichtet und zeigt 




'r.:^J- 1 1 1 1 T 1 ^ f — L-L^^- 

Fig. 11. Essen. 
Gnindriss der MüDsterkirche mit Vorhalle, Johanniskirche und Kreuzgang. 



278 



ESSEN 



3l 



in seinen alten Teilen die frühgothischen Formen. Nur der östliche, den Abteige- 
bäuden eingemauerte Teil ist in seiner alten Gestalt erhalten (Ansicht Fig. i3). Er be- 
steht aus sieben Spitzbögen, die durch kräftige vierseitige Pfeiler mit schmaler Basis 
getrennt werden. In jeden der Bögen sind zwei schmälere Spitzbögen eingefügt, ge- 
tragen durch kurze monolithe Säulen, die wahrscheinlich noch von dem älteren 
Kreuzgang stammen, mit schmaler attischer Basis und romanischen Blattkapitälen von 
aufsteigenden Akanthusblättern. Der Ostteil besitzt noch den alten Bodenbelag, über 
den sich die Fensterbänke nur um i5 cm erheben. 

Der übrige Teil des Kreuzganges ist bei den letzten Restaurationen gänzlich erneut 
worden. Er besteht an der Süd- und Westseite aus je sieben Jochen, an der Nord- 
seite bricht er nach dem ersten Joch ab. 
Die Fensteröffnungen sind an der Westseite 
einachsig, über dem Mittelpfosten ein Me- 
daillon mit verschiedenem Masswerk, die 
Pfeiler vierseitig, an der Kante leicht ab- 
gefasst, die GewtUbe Stemgewölbe, die 
scharf profilierten Rippen wachsen aus 
der Wand heraus. An der Südseite die 
Formensprache einfacher und früher, die 
Rippen auf Blattkonsolen ruhend, die Ge- 
wölbe Kreuzgewölbe. 
Ausstattung der Münsterkirche. 

Ehemaliger Hochaltar, im nörd- 
lichen Seitenchörchen aufgestellt, Reli- 
quienschrank mit Flügeln, der Schrank 
2,65 m hoch, 3,55 m breit. Die Predella 
I m hoch, 2,7o m breit, die Bilder der 
Flügel (ohne Rahmen) 2,35 m hoch, i,53 m 
breit. Der in drei Stockwerke zerlegte 
Reliquienschrank^ gold, rot und blau poly- 
chromiert, enthält in der Mitte eine grosse, 
mit einem krabbenbesetzten Kielbogen ab- 
geschlossene Blende, die eine polychro- 
mierte Holzstatuette der Madonna, vor 
einer Strahlensonne auf der Mondsichel 
stehend, enthält. Die einzelnen Abteilun- 
gen sind durch Reihen von Baldachinen gekrönt, deren unterer und oberer Ab- 
schluss Kanten von durchlaufendem reichen spätgothischen Blätterwerk bilden, das 
ausgezeichnete kunstgewerbliche Vorbilder abgiebt. In den einzelnen Feldern Reli- 
quien, zumeist Schädel in roten Sammthüllen mit Stickerei, durch (erneuerte) rote 
Eisengitter abgeschlossen. 

Die Flügel enthalten die Gemälde des Bartholomaem de Bruyn, im J. i522 be- 
stellt, i524 vollendet und i525 aufgestellt. Der Äbtissinnenkatolog berichtet (See- 
mann S. i7): a. i522 ist die taffei (pictura) auf dem hohen chor in summo altari bei 
den weitberümten Meister Bruin bedingt zu mahlen und a. i525 auffgehangen, kostet 
allein zu mahlen 247 goldgulden (bei Braun u. Hogenberg, Städtebuch III, p. 4o: 
Georg Bruin). Der Vertrag vom 1 7. Juli i522 und eine Generalquittung vom 20. Dec. 
i525 im Stiftsarchiv Reg. H, caps. i4 erhalten (den Text giebt P. Clemen, Zu Bar- 



Mttniter- 
kirche 




Fig. 12. Essen. 
Kruzifix in der Vorhalle dor MUnsterkirche 



Neubnuten 



Ausstattung 
Hochsilur 
Schrank 



Flügel 
Künstler 



279 



32 



KREIS ESSEN 



Münster- 
Icirche 



Innenseiten 



tholomäus de Bruyn: Repertorium für Kunstwissenschaft XV, S. 245). Vgl. Baudris 
Organ für christl. Kunst i85 1, S. 29. — Woltmann-Woermann, Geschichte der Malerei 
II, S. 498. — Merlo, Nachrichten von kölnischen Künstlern S. 73. — Janitschek, 
Geschichte der deutschen Malerei S. 523. — Lübke, Geschichte der deutschen Kunst, 
S. 7o5. — FiRMENiCH-RiCHARTZ, Bartholomäus Bruyn und seine Schule S. 5o, io5. 
Lichtdrucknachbildungen der vier Tafeln wird die zu erwartende grosse Publikation 
von G. Humann bringen. 

Auf der Innenseite des linken Flügels die Geburt Christi. Maria in reichem 
dunkelblauen Gewände und weissem Kopftuch mit gefalteten Händen knieend vor 
dem auf einer Art Kiste liegenden nackten Kinde, von der anderen Seite Joseph mit 
einer Kerze, dahinter eine Reihe von Engeln, in reichen Gewändern knieend, an- 




F\g, 13. Essen. Kreuzgang an der Münsterkirche. 

betend und musizierend, mit köstlichen Köpfen, wie auf den florentinischen und 
venezianischen Geburtsbildern. Im Hintergrund Ruine mit Renaissancearchitektur, in 
der Mitte Ausblick auf offene Landschaft, durch die Thüre Hirten herbeieilend. Oben 
in den Lüften vier musizierende Engel, die zur Rechten ganz als kölnische Engel, 
die links wie italienische Putten. Hinter der Madonna kleiner die Stifterin, Äbtissin 
Monika von Oberstein. 

Auf der Innenseite des rechten Flügels die Anbetung der Könige. Im Vorder- 
grunde sitzt in tiefdunkelblauem Gewände die Madonna mit rundem Gesicht und 
weissem Kopftuch, in beiden Händen das nackte, nur mit einem dünnen Schleier 
bekleidete Kind haltend, vor ihr knieend der älteste der Könige in pelzverbrämtem 
Mantel von purpurnem Sammtbrokat, in der rechten Hand sein Barett, mit der linken 
die Hand des Kindes an seine Lippen führend, hinter ihm stehend die beiden an- 
deren Könige, zur Rechten Joseph. Als Hintergrund reiche Renaissancehalle, links 



280 



ESSEK 



ii 



Münster- 
kirche 



Auxsenseiten 



Würdigung 



ein Bogen mit Durchblick auf eine blühende Landschaft. Die Halle füllt eine Gruppe 
Zuschauer, einige mit flachen schwarzen Baretts, wahrscheinlich Porträts wie auf dem 
Xantener Bilde. Rechts in der Ecke ein Täfelchen mit der Zahl i525. 

Auf der Aussenseite des linken Flügels die Kreuzigung in offener Landschaft, 
links vom die zusammenbrechende Maria von Johannes gestützt, neben ihr zwei 
Frauen, rechts neben dem Kreuzstamm knieend Maria Magdalena, Gruppe von Kriegern 
und Reitern, an einem Hügel zur Linken Judas erhängt. Auf der Aussenseite des 
rechten Flügels die Kreuzabnahme. In weiter düsterer felsiger Landschaft einsam bis 
zum oberen Rande ragend das Kreuz, vom der Leichnam Christi, realistisch wieder- 
gegeben, langausgestreckt, von Johannes gestützt, Maria Magdalena führt knieend die 
schlaff" herabhängende Hand Christi an die Lippen. Links vier, rechts zwei weitere 
Figuren als Zuschauer mit vor- 
trefflich modellirten Köpfen. 

Die beiden Innenseiten 
sind warm und leuchtend im 
Ton, von hohem koloristi- 
schen Reiz, besonders durch 
das dunkle Blau und Rot, die 
Gestalten in weichen ruhigen 
Umrissen gezeichnet. Der Re- 
naissancecharakter ist sehr 
stark, namejitlich in den Put- 
ten, der Parklandschaft bei 
der Anbetung der Könige ent- 
wickelt. Die Aussenseiten sind 
auch dem Charakter der Dar- 
stellungen angemessen, schwe- 
rer und trüber in den Farben, 
^twas nüchterner und weniger 
geschlossen in der Komposi- 
ti(5p, bei der Kreuzabnahme 
scl^ßuen die Seitenfiguren teil- 
nahmlos zu. Das Werk bezeich- 
net den glänzenden Höhe- 
punkt der Jugendperiode des Künstlers und steht an Frische weit über dem Xan- 
tener Altarwerke (Kunstdenkmäler d. Kr. Moers S. io5). Die Flügel sind i839 durch 
Professor Busen mit Unterstützung des rheinischen Kunstvereins und des Königs von 
Preussen für iSoo Thaler schlecht restauriert worden. Das zweite Flügelpaar, das nur 
in der Passionszeit benutzt ward, ist erst in den letzten Jahren untergegangen, die 
,cleyn flogellen* von der Predelle, die die Quittung nennt, sind nicht erhalten. Das 
kostbare Werk, das einen prachtvollen Abschluss des Hochchores abgeben würde, ist 
von seinem Platz im Chor entfemt und in den Gräfinnenchor versetzt worden, wo 
zumal die Aussenseiten in unmittelbarer Nähe der Mauer langsam aber sicher ver- 
kommen, während seine Stelle ein kleiner sorgsam gearbeiteter, aber unbedeutender 
Hochaltar von Verhaegen einnimmt. 

Der ehemals in der Viemng aufgestellte Dreikönigsaltar wurde 1808 der Pfarr- Dreikönigsnhar 
kirche zu Pfaffendorf im Kreise Bergheim geschenkt, woselbst er sich noch befindet 
(Organ für christl. Kunst XII, S. 262). Über den nicht erhaltenen Kreuzaltar vgl. S. 46. 

8 
381 




Fig 14. Essen Römisches K ompositkapitäl im Westbaii. 



34 



KREIS ESSEN 



Münster. Die beiden Pfeiler bei o im südlichen Seitenschiff sind durch einen flachen 

Blenden. Bogen Verbunden mit hohlprofilierter Stabeinfassung. Der Bogen ist mit fünf kleinen 
südi"seiteMchiff°^^'^^^^*^^^^ Kleeblattbögen verziert, mit Krabben und Kreuzblumen geschmückt, 
die Pfosten zwischen ihnen auf menschlichen Büsten ruhend, dahinter eine Stab- 
werkbalustrade mit Fenstemachahmung. Den beiden Pfeilern treten kleine vierseitige 
Pfeilerchen vor, darauf die in Dreiviertellebensgrösse ausgeführten Statuen der hh. 
Kosmas und Damianus, in langen Gewändern, ein jeder mit einer flachen Haube, in 
der äusseren Hand ein Schwert, in der inneren eine turmartige Büchse, bärtig, lang- 
gelockt, in Brust und Schultern ziemlich schmal, die langen Mäntel von edlem Wurf, 
gute Skulpturen um i38o — i4oo. 
Skulpturen In der Blende eine Gruppe des h. Grabes, beinahe lebensgrosse Steinfiguren, 

um i52o, im Stile der Berendonk sehen Skulpturen in Xanten (Kunstdenkmäler d. Kr. 
Moers S. loo) aber steifer und härter. In der Mitte auf später barocker Tumba ruhend 

der langausgestreckte Leich- 
nam Christi, um ihn sieben 
Figuren, in der Mitte Maria 
von Johannes gehalten. 
Säule flH^U^BnfF"gM-i^MWIf?il ^ ^ in ' ^'i Säule im Westbau (Mül- 

lers i. d. Beiträgen I, S. 1 1), 
5,i8 m hoch, aus zwei Teilen 
bestehend, der untere kürzer, 
von Sandstein mit Kannel- 
luren, der obere, leicht ver- 
jüngt, von poliertem braun- 
gelben Marmor, die Basis 
attisch, grosses aus zwei Tei- 
len bestehendes Komposit- 
kapitäl (Fig. i4). Die Säule 
ist antik, stammt wahrschein- 
lich aus Italien und kam 
möglicherweise über Magde- 
burg nach Essen (Humann 
in Kunst u. Gewerbe XX, S. 362). Sie stand ursprünglich im Ostbau unter der Vierung 
hinter dem Kreuzaltar und trug das goldene Reliquienkreuz der Äbtissin Ida (s. u.). 
Vgl. Fr. Arens i. d. Beiträgen XIV, S. ii7, Anm. 2. 
Kapital Kompositkapitäl aus der 2. H. des 10. Jh. (Abb. Humann i. d. B. J. LXXX, 

S. i89, Taf. V, 6; Westbau S. 28; Korrespondenzblatt i884, Heft 11), als Träger eines 
gothischen pokalförmigen Weihwasserstein es dienend. 
Aifridsgnb Grab des h. Alfrid (Fig. i5), imi 1280 — i3oo, i,o5 m hoch, 2,o5 m lang, 

65 cm breit, von Kalkstein. Die Tumba, ganz ähnlich der des h. Gerricus in Gerres- 
heim, enthält an jeder der Langseiten sieben, an jeder der Schmalseiten zwei mit 
Krabben besetzte und mit Kreuzblumen abschliessende spitzbogige Blenden, zwischen 
ihnen zweimal abgetreppte Pfeilerchen mit Fialen. Die Stäbe schon leicht gekehlt, 
innen ein Rundstab herumgeführt. Vgl. Essener Volksztg., 24. Okt. 1 885. 
Grabstein Grabstein des 9. oder 10. Jh. mit der Inschrift: iii non sept alburo ob, in 

den Ecken mit Palmettenverzierungen (Abb. Humann i. d. B. J. LXXX, S. 188, Taf. V, 5). 
SuTg Sarg aus rotem Sandstein, i885 entdeckt, auf der Sargplatte die Inschrift: x 

KL novembr BILD OBiiT (HuMANN ebenda S. i9i). 




Fig. 15. EsieD. Alfridsarkophag in der Miiiuterkirche 



282 



r 



ESSEN 



35 



Über dem Eingang zur Taufkapelle ein 60 cm hoher schwebender Engel aus 
Sandstein, mit aufgerichteten Flügeln, das bekleidete Christkind in den Armen haltend, 
vollkommene imd als Abschluss höchst wirkungsvolle Figur um i5oo. 

Steife Holzfiguren der hh. Se- 
bastian und Rochus, 1,10 m hoch, neu 
polychromiert, Ende des iS.Jh. 

Lebensgrosse Holzfiguren der 
hh. Kosmas und Damianus (Fig. 16) 
im Hochchor, mit Schwert und Büchse, 
in der alten Polychromierung geschickt 
erneut, in langen gut drapierten Män- 
teln mit stark durchgearbeiteten ältlichen 
Köpfen, bartlos, vom Ende des iS.Jh. 

Grabstein der Äbtissin Elisa- 
beth vonBerge (Äbtissinnenkatalog 
ed. Seemann S. 21), vom J. i6i4, von 
schwarzem und weissem Marmor, jetzt 
im nördlichen Seitenschiff eingemauert 
Die Äbtissin auf dem Rücken liegend 
mit steifem Kragen und Reifrock, über 
ihr von zwei Engeln mit umgekehrten 
Fackeln gehalten ihr Wappen, zur Seite 
ihre Aufschwörung. Umschrift : int iaer 

NACH der GEBURT CHRISTI l6l4 DEN 
l5. JANUARII IST DIE HOCHWIRDIGH 
HOCH UND WOLGEBORNE FÜRSTIN UND 
FRAUW FRAUW ELISABETH, DES KAY- 
SERLICHEN FREYWELTLICHEN STIFTES 
ESSEN, AUCH ZUE FRECKENHORST UND 
NOTTULN ABDISSINN, GEPORNE GRA- 
VINNE ZUE DEM BERGH, IN GOTT SE- 
LIGLICH ENTSCHLAFFEN, DEREN SEELE 
DER ALMICHTIGE GNEDIG SEI. 

Im Hochchor reichgeschnitzter 
hölzerner ehemals vergoldeter Tisch, 
Stil Louis XV. Unter den Figuren der 
hh. Kosmas und Damianus reichge- 
schnitzte barocke Konsolen. 

Wandgemälde im Westbau. 
(W. TöNNisSEN, AHe Wandmalereien 
in der Münsterkirche zu Essen: B. J. 
LXXXII, S. i34. — Ders. in Prüfers 
Archiv für kirchl. Kunst XI, Nr. 11). 
Im J. i883 kam ein Cyklus von Wand- 
gemälden aus der i. H. des 11. Jh. im Westbau zum Vorschein, zwar nur in dürftigen 
Resten erhalten, aber durch die Zeitstellung — sie sind die frühesten in den Rhein- 
landen — wie die ikonographischen Beziehungen — Verbindung der traditionellen 
neutestamentlichen Darstellungen mit Bildern aus der Engelsgeschichte — von beson- 
derem kunsthistorischen Wert 



Munster- 

kirche 
Skniptureo 




Grabstein 



Tuch 



Konsolen 



Wandgemälde 
im Westbau 



Fig. 16. Essen. HoUfigur des h. Kosmas. 



283 



8» 



36 



KREIS ESSEN 



Münster* 

kirche 
Handele uppel 



Miitelempore 



Sänger tribünen 



Gurtbögeii 



Die grosse mittlere Hängekuppel des Westbaues enthielt eine einzige grosse 
Darstellung des jüngsten Gerichtes auf tiefblauem rotgesäumten Grunde. In der Mitte, 
zu Unterst war die Auferstehung der Toten dargestellt, die aus den Särgen, deren 
Deckel zurückgeschlagen sind, aufsteigen, die ganze Darstellung durch eine Mauer 
eingeschlossen. Über ihnen wahrscheinlich S. Michael, darüber in Mandorla Christus 
thronend. Nach Norden Adam und Eva kenntlich. 

Die beiden apsidenartigen Nischen der mittleren Empore zeigen gleichfalls zwei 
grössere Darstellungen, nach Norden eine schlecht erhaltene Darstellung: Christus und 
die Apostel, von denen nicht viel mehr als die Köpfe erkennbar sind (Fig. i7). Die 

in dem Gewölbezwickel darüber be- 
findliche Gestalt hält ein Spruchband 
mit der Inschrift (nisi) v(i)D(e)RO in 
M(a)N(i)B(us) (Joh. XX, 25). Damach 
war in der genannten Nische die Scene 
zwischen Christus und Thomas dar- 
gestellt. In der gegenüber im Süden 
gelegenen Nische war Christus bei den 
Jüngern von Emmaus abgebildet, auf 
dem Tisch drei Schüsseln, die eine mit 
einem Fisch, der eine Jünger wendet 
sich, die Hände anbetend erhebend, 
Christo zu, der ihm das Brot reicht. 
Die Mauerflächen der dreiteiligen 
Sängertribünen im Umgang trugen zur 
Seite der oberen Fenster wie in den 
Zwickeln der unteren Bogen die fol- 
genden Bilder: Im Norden zur Seite 
des oberen Doppelfensters ein Engel in 
kurz geschürztem Gewand, der einen 
mit Reisestab versehenen Jüngling an 
der Hand führt, also wohl Raphael 
mit Tobias. Gegenüber eine knieende 
Männergestalt, den Kopf einem hinter 
ihr stehenden Engel zugewendet, mit 
der Inschrift: egressvs svm vt do- 
CEREM TE, demnach Gabriel, dem Pro- 
pheten Daniel erscheinend (Fig. i8). Die entsprechenden Darstellungen im Süden ent- 
halten zwei Engel, der eine auf einer Leiter vor einem schlafenden Manne stehend: 
das Gesicht Jakobs von der Himmelsleiter. In den Zwickeln der unteren Bögen je 
eine männliche, nicht näher zu bestimmende Einzelfigur. An den Kappen des drei- 
eckigen Gewölbes im Norden wiederum eine Darstellung des auferstandenen Christus 
unter seinen Jüngern, im Süden Petri grosser Fischzug (?). 

Die Gurtbögen, welche — auf jeder Seite zwei — zwischen die fünf Haupt- 
räume der Empore eingespannt sind, trugen je fünf runde Medaillons mit blaugrauem 
Grunde, während die Laibungen gelb mit roten Säumen bemalt waren. Im äusseren 
südlichen Gurt sind drei Medaillons ganz, zwei teilweise erhalten, im inneren Reste 
von drei, im inneren nördlichen Gurt eines vollständig, Reste von zwei, im äusseren 
zwei ganz, Reste von drei. Dargestellt ist zumeist eine lehrende Figur mit Zuhörern, 




Fig. 17. Essen. Reste der Wandgemälde im Westbau. 



284 



ESSEN 



37 



wohl Apostel. Im äusseren südlichen Bogen erkenntlich Philippus und der Kämmerer 
der äthiopischen Königin. 

Die Zwickel der doppelten Säulenstellung innerhalb des mittleren grossen Rund- 
bogens tragen in rotbraunen Säumen auf kobaltblauem Grunde weibliche Brustbilder 
en face mit gelben Nimben, die Köpfe schema- 
tisch, aber sorgfältig ausgeführt, wahrscheinlich die 
Porträts der Äbtissinnen (Fig. i9). Die Laibungen 
dieser Bögen zeigten als Verzierung dunkelrot- 
braunen Grund mit gelb aufgemalten die Mosaik- 
technik nachahmenden Punkten, von gelben Rän- 
dern eingeschlossen, die mittlere mit einem, die 
seitlichen mit drei Medaillons. In der Laibung 
des grossen nördlichen Rundbogens gelbe vier- 
blätterige Sterne auf rotem Grunde (dasselbe 
Motiv wie in Werden, s. u.), eines der Medaillons 
zeigt das Brustbild einer mit einer Reifenkrone ge- 
schmückten Gestalt en face in rötlichem Mantel 
mit braungelbem Saum, vielleicht einer der sächsi- ' 
sehen Prinzessinnen. Weitere dürftige Reste sind 
nicht zu deuten. 

Die Technik besteht in starker rotbrauner 
und schwärzlicher Konturvorzeichnung, skizzierend 
aufgetragen, von Farben nur zwei verschiedene 
Töne von Blau (hell und dunkel) für den Grund 
gebraucht, ausserdem Ockergelb und Rot in zwei 
Tönen, rein und bräunlich, für einzelne Gewänder 
noch weiss. 

In dem östlich von der Vierung gelegenen 
Gewölbejoche sind i88i bei dem durch die in 
der Längsachse entstandenen Risse notwendig 
gewordenen Abbruch Deckenmalereien zum 
Vorschein gekommen, die auf dem erneuten Ge- 
wölbe nach den aufgefundenen Resten durch den 
Maler Stummel aus Kevelaer wiederhergestellt 
worden sind (Fig. 20. — W. Heilermann, Kosmas 
und Damianus: B. J. LXXIII, S. 89, Taf. V, mit 
Darstellung des Befundes bei der Aufdeckung). 
Die Gemälde gehören dem Ende des 12. Jh. an, 
sie sind etwas jünger, als die zu Brauweiler und 
Schwarzrheindorf; doch erscheint es aus stilkriti- 
schen Gründen ausgeschlossen, sie erst der Zeit 
nach dem Brande von I265 zuzuweisen. 

Dargestellt sind vier Scenen aus der Legende der hh. Kosmas und Damianus, 
der alten Patrone der Kirche. An der Südseite: sie werden ins Meer geworfen, an 
der Westseite: sie werden ins Feuer geworfen, an der Nordseite: sie werden, an 
Kreuzen hängend, gesteinigt und mit Pfeilen beschossen, an der Ostseite enthauptet 
(genaue Erklärung bei Heilermann a. a. O,). Die Figuren waren in gelben Linien 
entworfen, mit vielen Pentimenti, die Gewänder meist rot, alles Nackte gelb, der 



Münster- 
kirche 



Zwickel 




TechDik 



Deckengemälde 
des 12. Jh. 



Fig. 18. Essen. Daniel und Gabriel, 
Wandgemälde aus dem Westbau. 



285 



38 



KREIS ESSEN 



Münster- 
kirche 



Wandmalereien 
an den Pfeilern 



Hintergrund blau. Die Schildbögen trugen einfache Blattfriese, der Gurtbogen ein 
fortlaufendes Blattornament mit phantastischen Tierfiguren'; beide wurden bei der 
Restauration durch reicheren Farbenschmuck ersetzt. 

Aus der Mitte des i4.Jh. sind an den Kreuzschiffpfeilern Reste von Wand- 
malereien erhalten (durch 5///w;w^/ wiederhergestellt). Am nordöstlichen Pfeiler ein 
grosser Salvator mundi (Fig. 21) nach rechts geneigt, in beiden Händen haltend ein 
langes dünnes Spruchband mit der Inschrift: Hic est panis qui de celo descendit 
ET QUI MANDUCAT. Der Mantel in reichem Wurf, die Säume erhaben im Putz mo- 
delliert. An den Pfeiler gegenüber die Madonna mit dem Spruchband: ex hoc 

BEATAM ME DICENT OMNES GENER ATIONES (gänzlich emeut). 




Fig. 19 Esten. Porträt einer Äbtissin aus dem Westbau. 



Gemälde 



An dem ersten Pfeiler nach Westen übereinander drei Bilder, zuerst ein jugend- 
licher König mit der Überschrift propheta und dem Spruchband: hic est deus 
DEUS Nüster in eternum et in seculum seculi; ipse reget nos in secula. Dann 
der h. Ambrosius mit dem Spruchband : illa que fuerunt in utero virginis sunt 
IN HOC. Endlich der h. Augustinus mit dem Spruchband: tu es deus absconditus 
IN HOC PANE. An der Ostseite des Pfeilers Eusebius und Paulus (erneut), an dem 
östlichen Pfeilerpaar Laurentius und Stephanus (emeut). Die ganze Kirche wird 
augenblicklich durch Friedrich Stummel ausgemalt. Die Fenster haben neue Glas- 
gemälde von de Beihune in Gent erhalten. 

Im Hochchor über dem Eingang zur Sakristei niederländisches Gemälde um 
i5oo, Holz, Maria Magdalena in ganzer Figur. 



286 



ESSEN 



39 




Münster- 
kirche 



Fig 20. E^sen Deckenmalereien im Chore der Münsterkirche. 



287 



4o 



KREIS ESSEN 



Münster- 
kirche 



Epitaphien 



Leuchter 



Stiftung 



Kreuzigung mit zwei fast ganz abgeblätterten Nebenscenen, Anfang 16. Jh., 
ohne Wert. 

Himmelfahrt Christi, Holz, i. Hälfte des i7.Jh., deutsche Arbeit. 
Kniestück, den h. Engelbert darstellend, neben ihm auf einem Tisch eine Rolle 
mit Ansicht der Münsterkirche. 

Im südlichen Querschiff zwei Ölgemälde 
auf Leinwand in barockem Rahmen, vortreff- 
liche Werke nach i7oo, mit fein abgewogenem 
Halbdunkel in virtuoser Behandlung, darstellend 

P ^ das Martyrium des h. Stephan sowie Christus 

4 p^'^^^ ^it^^^ W ^B und Thomas. 
^''-' ' ^ '^^m ^B Vier lebensgrossehandwerkmässige Heiligen- 

bilder vom alten Hochaltar. 

Barockes Epitaph der Anna Salome von 
Salm und Reifferscheid von weissem Marmor 
auf der Orgelbühne. In der Mitte vor einem 
Tischchen, über dem sich ein Kruzifix erhebt, 
nach rechts gewendet die Verstorbene in 
Lebensgrösse knieend. In der Krönung ihr 
Wappen zwischen zwei allegorischen Figuren, 
neben den seitlichen Pfeilern, an denen die 
Aufschwörung der Toten angebracht, zwei 
weitere Figuren stehend, unter dem unteren 
Architrav zwei Engel mit ausgebreiteten Flügeln, 
halb schwebend, halb stützend, zwischen ihnen 
eine Muschel. 

Epitaph der am 16. Nov. i69i verstorbe- 
nen Äbtissin Anna Catharina von Salm imd 
Reifferscheid (jetzt durch die Orgel verdeckt). 
Siebenarmiger Leuchter von Bronze, 
2,33 m hoch, 2 m breit, auf Basis von weissem 
Marmor von 58 cm Höhe und quadratischer 
Grundfläche mit 84 cm Seitenlänge (Fig. 22. — 
AUS*M Weerth, Kd. Taf. XXVIII, vortreffliche 
Abb., II, S. 36. — Chr. W. Schmidt, Kirchen- 
möbel und Utensilien Taf. 29 mit Grundriss 
des Fusses. — Annales archeologiques i85i, 
p. 295, pl.; i858, p. 322. — v. Quast i. d. 
Zs. für christl. Archäologie und Kunst I, S. i4; 
II, S. 259. — Schnaase, Geschichte der bil- 
denden Künste IV, S. 668. — Baudri, Organ 
für christl. Kunst II, S. i9, Taf. — Otte, Hand- 
buch d. Kunstarchäologie I, S. i65. — Humann 

i. d. B. J. LXXX, S. i84 über die Details. — Seemanns Kunsthistorische Bilderbogen 

Taf. i49, 5). 

Der Leuchter ist ein Geschenk der Äbtissin Mathilde IL (974 — 10 11). Um den 

untersten Knauf befindet sich die Inschrift: t mahthild abbatissa me fieri iussit 

ET CHRISTO consecravit f (Facsimile bei aus'm Weerth, Kd. II, S.36). Der deutsche 




Fig. 21. Essen. 
Wandgemälde aus d. Hochchor der Münsterkirche. 



288 



ESSEN 



4i 



Äbtissinnenkatalog berichtet (Seemann S. 4): , Diese abtissin het auch die kuffer oder 
die 7 grosse leuchter gegeben, welche vor s. crucis altar stehen.* Der Leuchter ist in 
einzelnen Cylindem und Trommeln gegossen, die mit starken Eisenstangen zusammen- 



MQntter- 

kirche 
Beschreibung 




Fig4^' Essen. Siebenariniger Leuchter mit Details 

gesetzt sind (nur die unter den Leuchtertellem hingeführte horizontale Stange ist 
späterer Zusatz). Die Bronze war ehemals vergoldet, in die Knäufe waren Krystalle 
und Edelsteine eingefügt (jetzt durch farbige Glasflüsse ersetzt). Die Ciselierung ist 



289 



Münster- l • 1 
kirche 

( * M 



Würdigung 1 . 



Ausstattung der 
Krypta 

Skulpturen 



Epituphien 



\ '... 



Schatzkammer 




o 



w 



42 KREIS ESSEN 

Münster- mit technischer Virtuosität durchgeführt. Der Leuchter ruht mit vier Löwenfüssen auf 
dem marmornen Untersatz. Die sechs Dübellöcher, die sich in dessen Seiten befin- 
den, weisen auf ehemaligen Metall beschlag. Die nägelartig rund herum auf den Unter- 
satz aufgesetzten Löwenköpfe sind verlötet. An den vier Ecken des Fusses ehemals 
die vier Winde, zwei abgebrochen, nur der Aquilo ganz erhalten, sitzende halbnackte 

Würdigung menschliche Gestalt mit Spruchband aber Tierkopf mit Hörnern. E. aus*m Weerth 
(Das Siegeskreuz der byzantinischen Kaiser Konstantinus VIL Porphyrogenitus und 
Romanus IL, S. i9) hatte schon auf die Verwandtschaft dieser Figürchen mit denen 
am Fusse der Bemwardssäule zu Hildesheim hingewiesen, G. Humann (Die Kunst 
des IG. Jh. in Essen: Kunst und Gewerbe XX, 1886, S. 36o) sucht die Verwandtschaft 
mit den Hildesheimer Werken abzuweisen. Der Leuchter steht in der vollendeten 
Ausbildung der Ornamentik über den Hildesheimer Arbeiten. Von den bekannten 
romanischen siebenarmigen Leuchtern im Dom zu Braunschweig, in S. Gangolf zu 
Bamberg, in der Bustorfkirche zu Paderborn, im Dom zu Prag und in Klosterneu- 
burg, steht der erstere dem Essener am nächsten (Kallenbach, Album mittelalter- 
licher Kunst, Heft 2, Nr. 6. — Görges, Beschreibung vom S. Blasius-Dom zu Braun- 
schweig Taf. 3. — W. A. Neumann, Der Reliquienschatz des Hauses Braunschweig- 
Lüneburg, Abb.) 
Ausstattung der In der Krypta auf dem Altar Pieta, Holz, 9o cm hoch, Ende des i5. Jh., 

neu polychromiert. 

Skulpturen Holzfigureu der h. Elisabeth, i m hoch, des h. Johannes Evangelist, 1,10 m 

hoch, nach i5oo, in eckigem Faltenwurf, beachtenswert die auf dem Saum einge- 
schlagenen hölzernen Nägelköpfe. Figuren der Maria Magdalena, 1,10 m hoch, vom 
Anfang des 1 6. Jh., des h. Antonius und einer weiblichen Heiligen aus der Mitte des 
i5. Jh. in alter Polychromierung. Reste barocker Figuren. 

Epituphien Epitaph der Äbtissin Katharina von Tecklenburg, gravierte Bronzetafel, 

78x57 cm hoch, in Holzrahmen; unter von zwei Pilastem getragenem Bogen die 
Wappen des Grafen Otto von Tecklenburg und der Gräfin Irmgard von Rietberg 
mit frei behandelten Helmdecken. Zwischen den Wappen vor dem Kruzifix knieend 
die Äbtissin mit Spruchband: o her erbarm dich meiner. Oben Kartouche mit: 
H. G. M. G. i56o. Links Täfelchen mit: selich seind die fridtfertigen dan sie 

WERDEN GOTTES KINDER HEISSEN. MATHAEI 5. CAP. RechtS KartOUChe mit: ANNO 
l56o DEN 9. MARTII DP DEN MIDDACH STARF DIE EDEL UND WALGEBAREN KATRINA 
V. G. GNADEN DES KEISERLIKEN FREIWELTL. STIEFTES ESSEN ABDIS, GEBAREN GRAFIN 
ZG TEKENBORGH, WELKE IM FRIDE REGIERT UNT IN FRIT GESTORVEN IS, DER SEL 
GOT GNADE. 

Epitaph der Gräfin Agnes von Bichlingen, gravierte Bronzetafel mit aus- 
gehobenem Grunde, i,i5xo,83 cm, aus zwei Stücken bestehend, in der Mitte in 
gothischer Umralimung das prächtig gezeichnete AUiancewappen der Beichlingen und 
Mannsfeld, in den vier Ecken Vierpässe mit weiteren Wappen. Umschrift: in dem 

JAIR UNSERS HEREN DUYSENT VYFFHUNDERT UND DREINDDERTTICH DP DES HILLIGEN 
SACRAMENTSDACH, DEN TWELFFTEN DACH DES MAINDTS JUNII, IST GESTORVEN DIE 
EDELL UND WAILGEBOREN AGNES GRAEFFIN ZG BICHLINGEN, DES VRYEN WERLTLICHEN 
STIFFTS ESSEN PRAESTINNE, WELCHER SIELE GOTT ALMECHTICH IN DEM FREDE WILL 
LAITEN RASTEN. 

Schatzkammer Schatzkammer. 

aus'm Weerth, Kd. H, S. 22. — Die Kunstschätze der Münsterkirche zu Essen: 
Baudris Organ für christl. Kunst II, i852, S. i7, 26. — Die goldene Kammer der 
Münsterkirche: Essener Volksztg., i885, Nr. 120. — Vgl. kunsthistor. Ausstellung zu 

29o 



. \ 






c 



3 

cd 



s 

tn 

c 
O 



W 



k 



^ItKni^"-' 






ESSEN 



43 



Köln, i876, Nr. 535, 538, 539, 543—46, 557—62, 575—79, 58i, 583. — Didron, Quel- 
ques jours en AUemagne: Ann. archeol. XVIII, p. 273 — 87, 3i3 — 3o. 

Den wertvollsten Teil des Schatzes bilden die vier grossen goldenen Vortrag- 
kreuze (Abb. Taf. I u. II. — aus'm Weerth, Kd. Taf. XXIV u. XXV, i— 4; XXVI, 
1 — 4. — Labarte, Recherches sur la peinture en email. — Ders., Histoire des arts in- 
dustriels II, p. I lo. — Kugler, Zur Geschichte des Emails: Deutsches Kunstblatt i858, 
S. 69. — E. Garnier, Histoire de la verrerie et de remaillerie, Tours i886, p. 396. 

— V. Quast, Beiträge zur Geschichte der ältesten Arbeiten in Schmelzwerk: Zs. für 
Christi. Archäologien. Kunst II, S. 259. — Baudris Organ II, S. i7. — Bucher, Ge- 
schichte der technischen Künste I, S. i9. — G. Humann, Die Kunst des lo. Jh. in 
Essen: Kunst u. Gewerbe XX, i886, S. 36o. — Otte, Handbuch der Kunstarchäologie I, 
S. i52. — J. V. Falke, Geschichte des deutschen Kunstgewerbes S. 35. — Rohault 
DE Fleury, La messe V, p. i3o. 

Als verwandte Arbeiten zu vergleichen vor allem das Lotharkreuz in Aachen 
(aus*m Weerth, Taf. XXXIX, i. — Bock, Pfalzkapelle I, Fig. i5, i6), das in einer 
deutschen Werkstatt zwischen dem Ende des lo. und dem Anfang des 1 1. Jh. angefertigte 
Kreuz von Velletri (Borgia, De cruce Velitema 1 78o. — Verkleinerung bei Martigny, 
Dictionnaire des antiquites chretiennes p. 216. — Kraus, Realencyklopädie II, S. 242. 

— Stockbauer, Kunstgeschichte des Kreuzes S. 220. — Grimouard de Saint- Lau- 
rent i. d. Revue de Tart chretien X, p. i), das Soltykoff kreuz (7234 — 60) des South- 
Kensington Museums. — Abb. J. Hungerford Pollen, Gold and Silver Smith's 
Work, London i883, p. 94), das Prachtkreuz des Museums zu Ronen (Revue des arts 
decoratifs i889, II, portefeuille), das Kreuz aus der Abtei von Frassinovo im Museo 
civico zu Modena, das Kreuz von S. Peter zu Fritzlar (Rohault de Fleury, La 
messe V, pl. 4o9. — Katalog der Ausstellung kunstgewerblicher Altertümer in Düssel- 
dorf 1880, Nr. 6o3), die beiden Gertrudenkreuze des Weifenschatzes (Neumann, Re- 
liquienschatz S. 93, 97), das Giselakreuz der reichen Kapelle zu München (Neumann 
S. loi. — Labarte, Hist. I, p. i43; II, p. 11 5, Album pl. 11 3), das Goldkreuz zu 
Münster (Rohault de Fleury, La messe V, pl. 4o9, p. i3o), das Kreuz der Kirche 
zu Senden (Lübke, Die mittelalterliche Kunst in Westfalen S. 4i2), das Kreuz der 
Johanneskirche zu Herford (Düsseid. Katalog 1880, Nr. 6o3«), als echt byzantinische 
Arbeit des 10. Jh. das Sevastianoffsche Kreuz in der Sammlung Botkin in Petersburg 
(Labarte, Hist. III, p. 424. — Schulz, Sammlung Swenigorodskoi S.4t. — Kopie von 
Owtschinikoff im Suermondt- Museum zu Aachen). — Vgl. femer van Drival, La croix 
d'Oisy et autres croix anciennes: Revue de Fart chretien II, p. 3o6, 348, 48 1 ; III, p. 49. 
Weiterhin Revue de Tart chretien XIV, p. 34o. 

Alle vier Kreuze sind unter byzantinischem Einflüsse entstanden, zeigen Nach- 
ahmung byzantinischer Werke, drei von ihnen enthalten auch echt byzantinische Emails, 
die ganze Arbeit ist aber eine deutsche und kann ebensowohl am Rhein (Köln oder 
Trier) wie in Hildesheim angefertigt sein, worauf mannigfaltige Beziehungen verweisen. 
Alle vier sind cruces Stationales. Das Theophanukreuz ist von Labarte (Hist. d. arts 
ind. II, p. 1 1 o) ohne Grund als byzantinische Arbeit bezeichnet worden, in den Re- 
cherches sur la peinture en email p. i58 als deutsche Arbeit, ebenso als byzantinisch 
von J. Schulz (Der byzantinische Zellenschmelz, Frankfurt i89o, S. 5i). 

I. Erstes Mathildenkreuz, 44 cm hoch (Taf. I, 3. — aus'm Weerth, Kd. 
Taf. XXIV, i; II, S. 23, 29. — Otte, Handbuch I, S. i54, Fig. 56. — v. Falke S. 35, 
Fig. IG, Köln. Ausstellung Nr. 557), Holzkem, auf der Vorderseite mit Goldblech, an 
den Seiten und auf der Rückseite mit Rotkupferblech überzogen, die beiden Seiten- 



Müniter 
kirche 



Kreuze 



Verwandte 
Arbeiten 



Ursprung 



Erstes 
Mathildenkreu2 



29 1 



44 



KREIS ESSEN 



Münster- 
kirche 



Zweites 
Mathildenkreuz 



arme und der untere stark beschädigt. In der Mitte der schlanke Christuskörper mit 
langem Lendentuch, hinter dem bärtigen leicht zur Seite geneigten Haupt Nimbus 
von Filigran mit drei Steinen. Die Eckstücke, auf die dreieckige Felder aufgesetzt 
sind, mit starkem Goldfiligran bedeckt. Unter dem Trittbrett, auf dem die Füsse mit 
zwei Nägeln befestigt sind, die Schlange. Die Ränder besetzt abwechselnd mit einem 
grossen ovalen oder viereckigen Edelstein und zwei kleinen Perlen. Über dem Kreuz 
Inschrift in Grubenemail (blaue Füllung): jesus nazarenus rex judeorum, unter 

ihm ein Täfelchen in deut- 
schem Zellenemail, auf rotem 
Boden in blauem Grunde 

MAHTHILD ABBA und OTTO 

Dux darstellend, gemeinsam 
das von ihnen geweihte Kreuz 
auf hoher Stange haltend. 
Die Rückseite im 12. Jh. gra- 
viert (Fig. 23), ähnlich der 
Gravierung auf dem vierten 
Kreuz. Der Fuss auf einer 
Krystallkugel. Die Schenk- 
geberin ist die Äbtissin Ma- 
thilde IL (974— loii), die 
Tochter von Ottos I. Sohne 
Ludolf. Da ihr Bruder Otto, 
Herzog von Baiern und Schwa- 
ben, schon 982 starb, ist die 
Entstehungszeit des Kreuzes 
auf 974 — 982 bestimmt. Un- 
richtig die Angabe des Äb- 
tissinnen kataloges, der sie eine 
Tochter Ottos II. nennt, und 
die Meinung Kuglers, der 
dies und das folgende Kreuz 
für eine Stiftung der Äbtissin 
Mathilde III. und des Her- 
zogs Otto von Nordheim hält 
(vgl. B., Wer war die Ge- 
schenkgeberin der mit dem 
Namen Mathilde bezeichne- 
ten Kreuze in Essen: Baudris 
Organ XIV, S. 2 7o, 283). 
2. Zweites Mathildenkreuz, 45 cm hoch (Taf. I, i. — aus'm Weerth, Kd. 
Taf. XXIV, 2, II, S. 27, 3o. — Köln. Ausstellung Nr. 558), Holzkern, vorn mit Gold- 
blech, auf den Schmalseiten und der Rückseite mit Rotkupferblech überzogen, das in 
Gravierung des 1 2. Jh. in der Mitte das Lamm, auf den Ecken die vier Evangelisten- 
symbole zeigt (Abb. aus'm Weerth Taf. XXVI, 2). In der Mitte aufgestiftet der 
gegossene und vergoldete bärtige Kruzifixus, der Nimbus mit kleinen Perlen besetzt. 
Die Eckstücke sind mit Filigran bedeckt und mit einzelnen grossen Steinen in der- 
selben Fassung wie beim ersten Kreuz besetzt, der überladene Rand enthält mit ovalen 




Fig 23. Emcd. RttckcDgravierung des ersten Mathildenkreuzes. 



292 



ESSEN 45 

oder rechteckigen Steinen abwechselnd kleine rechtwinkelige Plättchen von byzan- Münster, 
tinischem Zellenemail mit geometrischen Teppichmustem. Zur Seite des Christus und 
am Fusse weit gröbere deutsche Zellenemails, oben Sonne und Mond, unten in grü- 
nem Grunde die Madonna mit dem Kinde auf dem Schosse thronend, vor der die 
Stifterin mit dem Kreuz auf einem Stabe kniet. Die Inschrift lautet links: mathild 
ABBATi(ssa), darüber a h h L v m (wahrscheinlich: Accipe has hostias; largire, virgo 
Maria . . . )» ^i^ drei auf der rechten Seite stehenden Zeichen nicht zu deuten. 

Auf dem linken Kreuzarm ein antiker Intaglio (Krieger vor Herme), auf dem rech- 
ten ein antiker Cameo (Kleopatra mit Schlange), unter dem Kreuz ein Cameo mit einem 
Löwen. Der Fuss auf geschnittenem Krystall (Abb. aus'm Weerth, Taf. XXXIX, lo). 

3. Theophanukreuz, 45 cm hoch (Taf. II, i. — aus'm Weerh, Kd. Taf. Theophanukreui 
XXIV, 3; II, S. 28, 3o. — Köln. Ausstellung Nr. 56o), Holzkem, mit vergoldetem Rot- 
kupfer überzogen, auf der Rückseite graviert in der Mitte die Halbfigur des bärtigen 

Christus, in den Ecken die Evangelistensymbole (aus'm Weerth, Taf XXVI, 3), 
unter dem Fuss ein 7 cm hoher geschnittener Krystall (Abb. aus'm Weerth, Taf. 
XXXIX, 9). Die Kreuzarme sind der Länge nach in drei Streifen zerlegt, der mittlere 
ist mit Goldfiligran überkleidet, die seitlichen in Goldfiligran abwechselnd mit einem 
von vier Perlen umgebenen ovalen Stein und einem Zellenemail. Auf den Eckstücken 
je zwei Emailtäfelchen, oben mit Adlern, links mit Löwen, rechts mit Greifen, am 
Fusse mit Bäumen. In der Mitte auf einer aufgesetzten kreisrunden mit Filigran be- 
setzten Platte ein mit lilienförmigen Zähnen gehaltener grosser ovaler Bergkrystall. 
Die auf den Schmalseiten der Arme befindliche Inschrift: ed . T . . egali genere 
NOBILISSA THEOPHA . . . HOC s . . . (Edita regali genere nobillissima Theophanu hoc 
Signum dedit) weist auf die Äbtissin Theophanu (io39 — io54) als Geschenkgeberin. 
Die Emails, die in den breiten goldenen Stegen eine Vorbereitung des Grubenschraelzes 
zeigen, zwischen die die Goldlamellen des Zellenschmelzes eingesetzt sind, sind erst 
nachträglich und zwar wohl in Essen selbst aufgenietet, da für sie in dem Filigrannetz 
nicht überall Raum gelassen ist. Die geschwungene Form deutet ausserdem, zumal 
bei den oberen sechs auf die Arme aufgesetzten Emails, auf ursprüngliche Zugehörig- 
keit zu einem kreisförmigen Gegenstand. Diese sechs Stücke weichen auch in der 
Farbengebung mit dem krystallinisch grünen Grunde und der Ornamentik ziemlich 
von den übrigen Emails des Theophanukreuzes ab. Auf der Paxtafel (s. u. Nr. 7. 
— Taf. II, 3) finden sich vier zugehörige Emails von der gleichen Grösse, Form, 
Farbe und Zeichnung. Alle zehn Stücke zusammen bilden einen Zweidrittelkreis, der 
genau als Nimbus auf das Haupt der Essener Madonna (s. u. Nr. 6. — Fig. 24) 
passt, deren Nimbus in der That fehlt, während der emaillierte Nimbus des Kindes 
erhalten ist (Ähnliche emaillierte Nimben in der Sammlung Swenigorodskoi : Schulz, 
Der byzantin. Zellenschmelz Taf. 16, i9, 20). 

4. Viertes Prozessionskreuz, 46 cm hoch (Taf. II, 5. — aus*m Weerth, Kd. vien« 
Taf. XXIV, 4; II, S. 28, 3i. — Köln. Ausstellung Nr. 559.), Holzkem, auf der Vorder- '°""*°"' ""' 
Seite mit Goldblech überzogen, auf den Schmalseiten und auf der Rückseite mit gra- 
vierten Rotkupferplatten des 1 2. Jh., auf der Rückseite Lamm und Evangelistensymbole, 

der Grund wie bei dem 2. u. 3. Kreuze punziert (Abb. aus'm Weerth, Taf. XXVI, 4). 
Die Ausführung des feineren Filigrans und die Fassung der Steine und Perlen in 
hohen aufgebogenen, mit einem Goldkördeichen umwundenen Kasetten, bei den 
grösseren Steinen auch mit übergreifenden Zähnen (en cabochon) ist hier vollendeter 
und kunstvoller als bei den übrigen Kreuzen. Auf dem mittleren Streifen grosse ovale 
Steine und Perlen, am Fusse ein Cameo mit Kopf aus Chalcedon. Auf dem 16 cm 

293 



46 



KREIS ESSEM 



MQnster« 
kirche 



EmaiU 



Idakreiu 



Theophanu« 
handschrift 
Vorderseite 



Elfenbein 



breiten Rande abwechselnd ein von vier Perlen eingefasster ovaler Stein mit 7 x lo cm 
grossem Täfelchen von byzantinischen Zellenemails, die wie bei dem zweiten Mathilden- 
kreuz geometrische Teppichmuster und einige pflanzliche Motive zeigen. Das Mittel- 
feld und die vier Eckstücke bedeckt mit einheimischen Zellenemails, auf den Ecken 
die vier Evangelistensymbole, in der Mitte der Gekreuzigte zwischen Maria und Johannes 
mit Sonne und Mond. 

Die Ausführung des figürlichen Emails verrät dieselben ungeübten deutschen 
einheimischen Hände wie bei den beiden Mathildenkreuzen: die auf den Rand auf- 
gesetzten Zellenemails, unvergleichlich feiner und mit vollkommener Beherrschimg 
der Technik ausgeführt, sind sicher von ganz anderen Künstlern gefertigt und mit 
grösster Wahrscheinlichkeit als byzantinische Importartikel zu bezeichnen (genau die- 
selben geometrischen Zickzackmuster an sicher byzantinischen Arbeiten: Schulz, Die 
byzantinischen Zellenemails der Sammlung Swenigorodskoi S. 38, Taf.; Der byzan- 
tinische Zellenschmelz Taf. i7), die dort fabrikmässig — wie heute die Millefiori — 
hergestellt, ins Ausland versandt und hier von den Goldschmieden zur Ausschmückung 
ihrer Arbeiten verwendet wurden. Das vierte Kreuz reiht sich durch die enge Ver- 
wandtschaft mit dem zweiten Kreuze den übrigen Mathildenkreuzen an, und ist wahr- 
scheinlich gleichfalls eine Stiftung der Mathilde, übertrifft aber die beiden anderen 
durch die Feinheit der Ausführung und die geschmackvolle Verteilung des Schmuckes. 
Dass die gleichen Emails auch auf anderen Arbeiten — so vor allem am Haupt des 
h. Oswald in Hildesheim — vorkommen, bedingt noch keine enge Verwandtschaft 
zwischen diesen und den Essener Arbeiten. 

Ein fünftes grosses goldenes Kreuz befand sich ehemals auf der Marmorsäule 
im Westbau, eine Schenkung der Äbtissin Ida (um 1120). Der Äbtissinnenkatalog 
berichtet: (Seemann S. 6): Haec abtissa auream crucem in columna marmorea dedit 
cum hac inscriptione: Ida abatissa me fieri fecit. Das Kreuz ist verloren, die Inschrift 
ist noch erhalten, eine 52 xi5 cm grosse auf Holz aufgeheftete Tafel von vergoldetem 
Kupferblech mit der Inschrift in grossen Kapitalen: t istam crucem ida abbatissa 
FIERI lUSSiT •.• Vgl. Beiträge I, S. i3. Am Fusse des Kreuzaltares, hinter dem die 
Säule stand, befand sich eine Tafel mit neun Hexametern, enthaltend das Verzeich- 
nis d^r in dem Kreuz enthaltenen Reliquien (Beiträge XIV, S. 11 7, i47). 

5. Deckel der Evangelienhandschrift der Theophanu vom J. io39, 
26 X 35,5 cm gross, mit ii,7 x i7 cm grossem Elfenbein in der Mitte (Taf. I, 2. — aus'm 
Weerth, Kd. Taf. XXVII, i; II, S. 32. — Baudris Organ II, S. 18, Nr. i. — Schnaase 
IV, S. 656. — Köhi. Ausstellung Nr. 562). Der Holzkem des Deckels ist mit Gold- 
blech überzogen, das in sorgfältig getriebenen Figuren zu oberst in der Mandorla 
thronend den bartlosen Christus mit Buch und Kreuzstab zwischen zwei Engeln mit 
Sonne und Mond zeigt, auf den Seiten unter rundbogigen Arkaden Petrus und Paulus 
und Kosmas und Damianus, zu unterst zwischen zwei Säulen, um die die zurück- 
geschlagenen Vorhänge geschlungen sind, die en face thronende Madonna, zu deren 
Füssen die Schenkgeberin mit der Beischrift: theophanu abbatissa knieend die 
Handschrift niederlegt, von links S. Pinnosa, von rechts S. Walburga. Der schmale Rand 
ist mit feinem Goldfiligran besetzt, die abfallende Schmiege mit getriebenem entarteten 
Akanthusblattfries. Das Elfenbein ist von einem Rahmen umgeben, der zwischen 
Filigran ovale Steine in Kasettenfassung zeigt, nach den Ecken diagonale breite Streifen 
mit grösseren Steinen. 

Die Elfenbeintafel, mit Geschick behandelt auf glattem Grund mit harten parallelen 
Schnitten, ist von einem Akanthasblattfries umgeben und zeigt in den Ecken die Ge- 



294 









J5 
'■J 

S 



3 



C 

D 



ü 
o 



o 
"c 



; ^-#*-;^ ^'^-•• 



O 



T 



46 



MQnster* 
kirche 



EnuiiU 



Idakreuz 



Theophnnu* 
hnndschrift 
Vorderseite 



Elfenbein 



brei 

groi- 1 • : 

krev. 

feld 

die . 

mit . 

einh 

gese^ 

der 

gros • 

selb»-. 

byzc. 

tinis 

herg 

ihrei 

warn 

sehe 

durc 

Dass 

h. O / . 

zwisc' 

im "N 
beric 
cum 

ist n 

Kupf« 

FIERr ; -^ 
Säule . . 

nis d 

26X.;. ... 

WeEI ■ :. i 

IV, s 

blech 

thron' . 

Sonne . 

und K -M» • 

gesch). ., i: ■ ^ 

Füssen i;. 

Handh ' i-r . 

ist mii ! . • 

AkantI 

Filigrar .. r 

mit gr ' • ' :i - :' 1 • 

i . I ! ... Im •• 
Schnit- •. V. ji •:' 



t .'IM. n J- 

;i Ka"^ t- ' 



r 







CA} 

S 

0) 

CO 

3 
C 
'S 

I 



O- 

d 
ü 

'75 



T,;E NHW YORK 
PUBLIC LIBRARY 






ESSEN 



47 



stalten der vier Evangelisten mit ihren Symbolen, in der Höhe die Himmelfahrt, in 
der Mitte die Kreuzigung — neben Christus Longinus imd Stephaton, Maria und 
Johannes, Ecclesia und Synagoge, am Rande die Schacher und die aus den Gräbern 
steigenden Toten, — zu unterst die Geburt Christi. Vgl. Westwood, A descriptive 
catalogue of the fictile ivories in the South Kensington Museum p. 448. 

Die Rückseite des Einbandes ist mit gepresstem Purpurleder überzogen, mit 
silbernen Eckstücken und Mittelmedaillon des i8.Jh. Die Hs. enthält jetzt die An- 
fänge der vier Evangelien (für die Fronleichnamsprozession), ausserdem einen kurzen 
Äbtissinnenkatalog, 1688 geschrieben, bis 1826 fortgeführt Inschrift: theophanu, eze- 

LINI COMITIS PALATINI FILIA, 
ABBATISSA ASNIDENSIS, MXXXIX 
FIERI FECIT. FRANSISCA CHRIS- 
TINA PRINCEPS, EODEM SAN- 
GUINE ORTA, EADEM DIGNITATE 
ABBATIALI AUCTA, SEPTEM SAE- 
CULORUM ETATE MINOR, SEPTEM 
TITULORUM SPLENDORE MAIOR, 
ANNO CHRISTI MDCCXXVII, RE- 
GI MINIS PRIMO, AVITAE LIBE- 
RALITATIS MONUMENTUM REFICI 

MANDAViT. Über die ursprüng- 
lich im Einband enthaltene Hs. 
vgl. unten. 

6. Madonnenstatuette 
(Fig. 24. — aus'm Weerth, Taf. 
XXIV, 5; II, S. 3i. — Köln. 
Ausstellung Nr. 56 1), aus Gold- 
blech getrieben über sehr mor- 
schem Holzkem, 75 cm hoch, 
vom Anfang des 11. Jh. Die 
Madonna sitzt auf einem vier- 
beinigen lehnenlosen Sessel (die 
vier runden Beschläge am Stuhl 
über dem Sitz fehlen), ihre 
Rechte hält einen reich ge- 
schmückten Apfel, mit der Lin- 
ken stützt sie das ältliche, in 
lange Gewänder gehüllte Kind, 

das, stark zurückgelehnt, ein Buch mit der Linken an sich drückt Die Augen sind 
in Email eingesetzt, die Lippen rot bemalt, die Ärmel, das Buch, der Apfel mit 
Steinen verziert. Der Nimbus des Kindes ist noch der ursprüngliche, mit Zellenemails 
verziert, durch drei viereckige mit Steinen en cabochon und Perlen geschmücke Platten 
imterbrochen, der Nimbus der Madonna ist in einzelne Teile aufgelöst und auf das 
Theophanukreuz (s. o. Nr. 3) und die Paxtafel (s. u. Nr. 7) aufgesetzt. Der Adler- 
schmuck auf der Brust der Madonna mit dem reichen Anhänger ist spätere romanische 
Zuthat Überaus charakteristisch ist die Gewandung, der Mantel durchaus wie ein 
antikes Gewandstück um den Rücken gelegt Die auf dem Haupte der Madonna be- 
findliche Krone (Taf. II, 2) besteht aus einem Reifen mit drei lilienblattförmigen Auf- 
sätzen, ist mit schweren Steinen, am Rande mit Perlen dicht besetzt imd stammt aus 




Fig. 24. Essea. Madonnenstatue aus Goldblech. 



Münster- 
kirche 



Rückseite 



Madonnen 
Statuette 



395 



48 



KREIS ESSEN 



Münster- 
kirche 




Fig. 25. Essen Armreliquinre und Prachtschwert aus der Schatzkammer. 

296 



ESSEN 



49 



dem 12. Jh. Das Bild ist am nächsten verwandt der etwa gleichzeitigen 65 cm hohen 
Madonnenstatuette im Schatze zu Hildesheim (Nr. 82) und der Statuette von Conques 
(RoHAULT DE Fleury, La messe II, pl. i59, p. i7i). 

7. Paxtafel (Taf. II, 3. — Köln. Ausstellung Nr. 61 1), 12,5 x i3,5 cm, in Gestalt 
eines vierseitigen Kastens mit Holzkem, in der Mitte mit einem grossen flachge- 
schliffenen Bergkrystall, der eine Kreuzpartikel enthält. Der breite Rahmen mit Gold- 
blech verkleidet, das mit feinem Filigran bedeckt ist. Der innere Saum um den 
Krystall besonders aufgestiftet und mit Filigran und Steinen besetzt. Der Rahmen 
enthält vier Zellenemails vom Nimbus der Madonna (Nr. 6, die übrigen am Theophanu- 
kreuz Nr. 3), vier kleinere Emails in den Ecken, dazwischen grössere Steine und 



MüBSter. 
kirche 



PaxtJifel 




F\g, 26. n Essen. Kopfreliquiar des h. Msrsus. 



Perlen. Die aus dem 11. Jh. stammende Tafel im Anfange des i4.Jh. mit dreiteiligem 
Aufsatz (mit in c^bochon gefassten Steinen besetzt) und Untersatz nebst Hülse für 
eine Stange versehen. 

8. Prachtschwert (Fig. 25,3. — aus'm Weerth, XXVII, 2; II. S. 35), die Pwchuchwen 
Scheide 84 cm lang, der Griff noch I2,5 cm lang. Die Scheide, um iioo, besteht aus 

dünnen Holzplättchen, mit Goldblech belegt, das in getriebener Arbeit Ranken mit 
Löwen, Adlern und Greifen zeigt Das Schwert, um i4oo, die Klinge graviert mit 
Darstellung der hh. Kosmas und Damianus und der Inschrift: gladius cum quo 
FUERUNT DECOLLATi PATRONi NOSTRi. Aus derselben Zeit die Einfassung der Scheide. 

9. Armreliquiar (Fig. 25, 4. — Köln. Ausstellung Nr. 535), 46 cm hoch, Anfang Armreiiqu 
des 12. Jh., Holzkern, mit dünnem Silberblech überzogen,, roh und hart modelliert. 
Auf dem Rücken der Hand Medaillon mit Hand auf Kreuz und Umschrift: dextera 



297 



5o 



KREIS ESSEN 



Mfinster> 
Icirche 



Kopfreliquicir 



Agraffen 



Reliquiar 



Ostensorhim 



DEi. Die Säume des inneren und äusseren Ärmels aus vergoldeten Rotkupferstreifen, der 
obere 2,5 cm breit mit einfachem gravierten Ornament, der untere mit der Inschrift: 
SANCTE BASiLi SERVE DEI vivi BENEDic Nos und einer I cm breiten romanischen Ranke. 
IG. Armreliquiar (Fig. 25, 2. — Köln. Ausstellung Nr. 538), 72 cm hoch, ent- 
haltend den Arm des h. Kosmas, um i3oo. Die zierlich aufgerichtete Hand von 
Silber hält mit spitzen Fingern das Modell eines sechsseitigen gothischen Türmchens. 
Der Fuss von Rotkupfer mit vier Löwenklauen. Um den Arm drei breite Bänder 
gezogen von Silberblech mit aufgelötetem Filigran und ungeschliffenen Steinen. Auf 
der einen Seite ein Thürchen, darauf in Niello die Donatorin en face, die Hände 
über der Brust gefaltet mit der Umschrift: Beatrix abba asnidensis de holthe me 

FIERI FECIT (l292 — 1326). 

11. Armreliquiar (Fig. 25, i. — Köln. Ausstellung Nr. 539), 55 cm hoch, ent- 
haltend den Arm des h. Quintinus, i5.Jh. Der Untersatz getragen von vier kleinen 
Engelsfigürchen mit den Leidenswerkzeugen Christi, umwunden von einer freigearbei- 
teten geschnittenen Blattranke, mit einer nicht völlig zu entziffernden Inschrift Der 
faltige Ärmel mit vergoldeten Gravuren bedeckt, auf der einen Seite ein zweiachsiges 
Fenster, darüber das Wappen derer von Castell. Die Hand mit unter die Finger- 
nägel geschlagenen Eisennägeln. 

12. Armreliquiar, 53 cm hoch, von vergoldetem Silber, i5.Jh., der Untersatz 
von drei reizenden massiven musizierenden Engelsfigürchen getragen, auf dem Ärmel 
graviert ein spätgothisches Stoffmuster. 

i3. Kopfreliquiar des h. Marsus (Fig. 26), von vergoldetem Rotkupferblech, 
Ende des i5. Jh. Bartloser, besonders um Auge und Nase gut und weich modellierter 
Kopf mit reicher Lockenfülle. Auf dem priesterlichen Kleide grosse ungeschliffene 
Steine in spätgothischer Fassung. 

i4. Sechzehn Agraffen der Essener Äbtissinnen, jetzt auf einem Bande von 
rotem Sammet befestigt, das auf der Abb. 26 um die Schulter des Kopfreliquiars ge- 
legt ist, alle mit Goldemail bedeckt, das farbig auf den getriebenen und gravierten 
Grund aufgetragen ist, besetzt mit Perlen und echten Steinen, einige mit figürlichen 
Darstellungen, im Entwurf wie in der technischen Ausführung gleich vollendet, von 
sehr bedeutendem Werte. Vortreffliche farbige Publikation von A. Verhaegen, Collier 
en or conserve dans le tresor de l'eglise d'Essen in der Revue de Tart chretien i887, 
3. Heft, Taf. 3 u. 4 (Köln. Ausstellung Nr. 618). 

i5. Agraffe (Abb. aus'm Weerth, Taf. XXIV, 6. — Köln. Ausstellung Nr. 6o3), 
von vergoldetem Silber, um 1 5oo, in der Form eines Vierpasses mit durchgeschobenem 
achtseitigen Stern, die Einfassung mit reich profiliertem Stabwerk. In der Mitte unter 
reichem spätgothischen Baldachin mit umgebogenen Blumen die Madonna, zur Seite 
die hh. Kosmas und Damianus. 

16. Reliquiar, 44,5 cm hoch, aus vergoldetem Rotkupfer, um i4oo, mit Fuss 
von sechsseitigem Stern und sechsseitigem Knauf. Der Behälter bestehend aus einem 
hortizontalen und einem vertikalen Cylinder mit Reliquien der hh. Komelius und 
Simeon. Über dem mittleren Cylinder ein kegelförmiges Türmchen mit einer Madonnen- 
statuette, zur Seite des liegenden Cylinders würfelförmige Aufsätze mit emailliertem 
Grunde, auf denen vierseitige Türmchen mit den Figuren der hh. Kosmas und Da- 
mian stehen. 

17. Ostensorium in Monstranzenform, 49 cm hoch, von vergoldetem Silber, 
aus der 2. H. des i5. Jh., der glatte Fuss auf der Seite ä jour durchbrochen, zierlicher 
sechsseitiger Knauf mit Zinnen und Ecktürmchen, über dem Glascylinder, der einen 



298 



ESSEN 



Sl 



Zahn der h. ApoUonia enthält, ein sechsseitiger zweigeschossiger Aufbau mit offenem Mamter. 
einachsigen Fenster, auf dem Dach als Krönung ein Engel, im ganzen ziemlich schwer- 
fällig und plump (Köln. Ausstellung Nr. 578). 

i8. Monstranz, 58 cm hoch, von vergoldetem Silber, Mitte des i5.Jh., mit MoMtr«iu 
glattem Fuss aus der sechsblättrigen Rose (zwei Blätter zugespitzt), der Knauf mit 
sechs aufgesetzten Rosetten, der Glascylinder oben und unten von Gitten»*erk einge- 
fasst, über der Kuppel vierseitiger Aufsatz mit silberner Madonnenstatuette, zur Seite 
zwei durchbrochene Strebepfeiler mit je einer Heiligenfigur. 

i9. Ostensorium in Monstranzenform, 46,5 cm hoch, von vergoldetem Rot- Otteasonum 
kupfer, vom J. i458. Auf dem aus der sechsblättrigen Rose konstruierten glatten Fuss 
die Inschrift: dedit Albertus past... .r anno m cccc lviii. Über dem Cylinder 
vierseitiger durchbrochener Aufsatz, von einem Kreuz gekrönt, die Strebepfeiler mit 
rohen Gravuren. 

20. Monstranz, 78 cm hoch, von vergoldetem Silber, i4 Pfund schwer, aus Moiwtr«n« 
der 2. Hälfte des i4.Jh. Der sechsseitige Stemfuss (vier Blätter, zwei mit je zwei 
Spitzen) mit gothischen Gravuren bedeckt. Um den auffallend massigen und schweren 

Schaft ein prächtig durchgearbeiteter sechsseitiger Knauf mit den Figürchen der Ma- 
donna, Christi, der hh. Kosmas, Damian, Petrus, Paulus unter Giebeln auf emailliertem 
Grunde. Der Unterbau des Glascylinders mit dem Schaft durch zwei grosse ge- 
schnittene Krabben verbunden. Das doppelte Strebesystem zur Seite des Glascylinders 
besteht aus übereck gestellten vierseitigen Pfeilerchen, die Krönung des Ganzen bildet 
ein vierseitiges durchbrochenes Türmchen, gekrönt von einem Pelikan (Köln. Aus- 
stellung Nr. 546). 

21. Ostensorium, 56 cm hoch, von vergoldetem Silber, vom J. i385. Der Ostensorium 
Fuss in Gestalt einer vierblättrigen gedrückten Rose mit reichen gothischen gravierten 
Blattarabesken, am Rande durchbrochen, mit der Inschrift: Elizabeth de nassauwe 

ABBA. essendiensis mccclxxxv. Der sechsseitige Knauf mit kleinen Fensterchen, 
der Schaft in den Untersatz übergeführt durch verschnittenes Blattwerk (Motiv das 
wenig stilisierte Weinblatt), an den Ecken durch schlanke langgewandete Engelsfigür- 
chen mit Sonne und Mond in den Händen. Auf dem polygonalen Untersatz der 
kreisrunde Reliquienbehälter, zur Seite ein doppeltes Strebesystem, das Ganze gekrönt 
durch ein zierliches vierseitiges dreistöckiges Türmchen, im zweiten Stock an den 
Ecken mit musizierenden Engelsfigürchen, darüber eine langgewandete weibliche Fi- 
gur mit Spruchband und Lilie. Auf dem Untersatz reizvolle musizierende Engels- 
figürchen, mit ausgebreiteten Flügeln knieend, von höchster Anmut in ihren über- 
schlanken Formen, mit Harfen, Handpauken, Dudelsack und Glocken (Köln. Aus- 
stellung Nr. 575). 

22. Monstranz, 62 cm hoch, von vergoldetem Silber, um i4oo — i43o, durch MonstMnx 
seine schlanken, graziösen und reinen Formen ausgezeichnetes Werk. Der Fuss in 

Gestalt eines dreiseitigen Sternes, am Rande k jour durchbrochen, auf eine Rotkupfer- 
platte der gleichen Gestalt aufgelegt, deren Blätter zwischen die des ersten Fusses 
treten. Alle sechs Blätter besetzt mit grossen Medaillons mit email champleve. Der 
äusserst zierliche sechsseitige Schaft von der Gestalt eines Pfeilerbündels mit hervor- 
tretenden Diensten ist ähnlich der Monstranz von Donauwörth (Abb. Ferd. de Las- 
TEYRiE, Histoire de Forfevrerie p. 252, Fig. 49. — Bucher, Geschichte der tech- 
nischen Künste II, S. 261) durch drei Stützen abgestreift. Ober dem mit drei massiven 
Figürchen verzierten Knauf schliesst der Schaft mit drei Greifen ab, die mit Kopf 
und Flügeln den sechsseitigen Aufsatz tragen. Zur Seite des Glascylinders ein drei- 



299 



4» 



53 



KREIS ESSEN 



Mäntter* 
Icirche 



Reliquiare 



Kreuz 



Reliquiare 



Kelche 



Reliquien* 
kästchen 



faches Strebesystem, die Halbkuppel gekrönt von einem zweistöckigen offenen Turm- 
bau mit den Figuren der Madonna und des h. Antonius (Köln. Ausstellung Nr. 543). 

23. Kreuzreliquiar, 4o cm hoch, vom Anfange des iS.Jh. Auf dem Fuss 
in Gestalt des sechsseitigen Sternes erhebt sich der dünne sechsseitige Schaft, der das 
Kreuz trägt, dessen Balken aus Achaten mit ovalen Opalen an den Ecken bestehen, 
in der Mitte ein Medaillon mit einem Krystall, hinter dem die Reliquien geborgen 
sind (Köln. Ausstellung Nr. 58i). 

24. Reliquiar, 33 cm hoch, von Rotkupfer, feine Arbeit, um i4oo. Auf dem 
Fuss in Gestalt des sechsseitigen Sternes zweimal die gleichen Wappen. Der runde 
Schaft trägt einen sechsseitigen, von fein stilisierten Blättern gestützten Knauf, dessen 
Pasten sechs jugendliche Köpfe vortreten. Den Hauptkörper bildet ein achtseitiges 
horizontales Krystallgeßlss, über dem sich eine grosse rote Koralle erhebt (Köln. Aus- 
stellung Nr. 544). 

25. Kreuz, 1,20 m hoch, vom Ende des i5. Jh., von Holz, der Schmuck von 
Silber. An den Ecken schöne Eckstücke von vierblätterigen Rosen mit durchbrochenem 
Masswerk, im Mittelmedaillon die reliefierten Figuren der vier Evangelistensymbole. 
Der 65 cm hohe getriebene Christuskörper mit dem auf die rechte Schulter gesenkten 
Haupt, ziemlich weich in den Formen, enthält Reliquien. Sehr beachtenswerte und 
wirkungsvolle Arbeit. Das Kreuz enthält die ehemals in dem Kreuz der Äbtissin Ida 
(noch i454 restauriert) befindlichen Reliquien (Beiträge I, S. i3). 

26. Reliquiar, 44,5 cm hoch, von vergoldetem Silber, ursprünglich ein gothisches 
Ostensorium, um i5oo, von dem der Schaft mit seiner interessanten Überführung, der 
mittlere Baldachin und die Streben erhalten sind. Im J. i643 wurden zwei senkrechte 
Glascylinder eingefügt, zwischen denen sich zwei ovale, auf beiden Seiten mit Glas- 
platten abgeschlossene Kästchen befinden. Als Krönung die Figuren tler Madonna 
und der hh. Kosmas und Damian. Inschrift: maria clara dei gratia abbatissa 

NATA EX COMITIBUS DE SPAIR ME FIERl FECIT ANNO l643. 

27. Getriebenes silbernes Rokokoreliquiar, 45 cm hoch, Mitte des 18. Jh. mit 
Strahlensonne. 

28. Kelch, 16,5 cm hoch, interessantes Werk des i4.Jh., auf vollständig rundem 
und plattem Fuss, auf dem ein kleiner Kruzifixus aufgestiftet ist, der Knauf mit sechs 
ehemals mit blauem Email verzierten Pasten, der Schaft rund mit leicht gravierten 
Bändern, spitze Kuppe. Inschrift des 18. Jh.: calix m. ecclesiae essendensis. 

29. Kelch, 22 cm hoch, von vergoldetem Silber, um i5oo, der Fuss in Gestalt 
der sechsblätterigen Rose, um die eine zweite ebensolche gelegt ist, auf einem der 
Blätter aufgestiftet eine Kreuzigungsgruppe. Der Schaft als spätgothisches Säulen- 
bündel mit vortretenden Diensten. Inschrift: dominus Johannes vorman dedit 

ISTUM CALICEM CANONICUS ESSENDENSIS. 

30. Kelch, i9 cm hoch, von vergoldetem Silber, Anfang des 16. Jh., auf dem 
Fuss graviert die hh. Kosmas und Damianus und die Inschrift: calix dominorum 
canonicorum diaconorum ecclesiae assundensis. 

3i. Rel iquien kästchen von Holz mit abgewalmtem Dach, vom Ende des 12. Jh., 
von hohem Interesse durch die Vereinigung von Schnitzerei, Intarsia und Metall beschla- 
gen, an den Seitenflächen in einem breiten Rahmen mit in Kerbschnitt ausgeführtem 
polychromierten Palmettenfries verziert. Das Kästchen diente seit dem i5. Jh. zur Auf- 
bewahrung der Reliquien des h. Alfrid. Ausführliche Beschreibung mit farbiger Abbildung 
von G. Humann in Kunst und Gewerbe XIII, i879, S. 2i7. Ein ähnliches Kästchen im 
Schatz der Kathedrale zu Chur (Mitteil. d. antiquar. Gesellsch. zu Zürich XI, Taf. VII, 2). 



3 00 



ESSEN 



53 



32. Kasel und zwei Dalmatiken von neuem roten Sammet mit flandrischen 
Stickereien um i52o von grosser Schönheit, auf Goldgrund in Plattstich, mit dem 
Faden modelliert. Auf dem Kreuz der Kasel der Stammbaum Christi, in der Mitte 
die Madonna, auf dem Stab der Vorderseite die Madonna mit den anbetenden drei 
Königen. Die Dalmatiken enthalten auf den Längsstreifen der Vorderseiten die Einzel- 
figuren von je drei Heiligen, auf der Rückseite je zwei, in der Mitte die Wappen 
Christi, auf Grund von Flockstich, auf dem Riegel der einen die Verkündigung Maria, 
der anderen die Madonna zwischen den hh. Katharina und Barbara in feiner Bouillon- 
stickerei. 

Zwei kleinere Elfenbein tafeln des 1 1. Jh. (abg. aus'm Weerth, Kd. Taf 26, 6), 
im Stile den Quedlinburgem ähnlich, eng verwandt den Platten der Sammlung Rohde 
Hawkins (Westwood, Catalogue p. i57), sind zur Zeit nicht nachweisbar. 

An Bilderhandschriften (ausführlicher beschrieben in den , Bilderhandschriften 
der Rheinprovinz*) bewahrt der Schatz (Hümann i. d. Wd. Zs. III, S. 4i8): 

Evangelienhandschrift des 8. Jh., i87 Bl., 23x34 cm, kostbares Werk der 
Schule von Corbie, mit reichverzierten Kanonestafeln, Initialen imd Titelbild mit 
Brustbild Christi und den vier Evangelistensymbolen. Vgl. ausführlich G. H um ANN, 
Ein Evangeliar der Münsterkirche zu Essen: Berg. Zs. XVII, S. 121, mit 5 Taf. — 
Ann. h. V. N. XXXVIII, S. i45. 

Evangeliar aus der i. H. des 11. Jh., 35,5X25,5 cm, mit einfachen Kanones- 
tafeln, vor jedem Evangelium drei Zierblätter, auf dem ersten das Bild des Evangelisten. 
Den Deckel der Handschrift bildet die Platte mit dem Elfenbein (s. o. S. 46, Nr. 5). 

Evangeliar aus dem 11. Jh., 21x16 cm, die Kanonestafeln von Gold- und 
Silberranken umzogen, vor jedem Evangeliar zwei Zierblätter. 

Glocken. Die älteste aus dem i3.Jh. mit der Inschrift in frühgothischen Ma- 
juskeln: DUM SONG SIGNO CHRISTUM DE LIGNO CLAMANTEM. Die ZWeite VOn l546 

mit guten Renaissanceornamenten, Reliefs: Madonna (zweimal), Christus mit Lamm 
und Wappen. Inschrift: Jesus, maria, s. cosmas, s. damianus, s. Marcus, s. chri- 

STOFFORUS. DAVIT PSALMO NONO: PERIIT MEMORIA EORUM CUM SONITU ET DOMINUS 
IN ETERNUM PERMANET. — SIBILLA GEBAREN GRAFIN TZO MUNTFORT UND ROTEN- 
FELTZ, ABDISSE TZO ESSEN, CATRINA GEBAREN GRAFIN TZO TECKELENBORCH, COSTERSSE 
VAN GÖTZ GEN ADEN. — TZO ESSEN GERHARDUS WESSEL WERCKMESTER l546. 

Im Dachreiter zwei Glocken, die erste von i525 mit der Inschrift: wei got 
WEL deinen, dei bidde VOR DE KRESTEN SEILEN. ANNO i525. Die zwcite von 1600 mit 
der Inschrift: nunquam te crastina fallet hora. dr. Joannes a geldren, cano- 

NICUS ET AEDILIS ECCLESIAE ASSNIDENSIS, FIERI FECIT anno 1600. JOHANN NEELMAN 
VON BOEIST GOEIS MICH. 

Der goldene Schrein der hh. Marsus und Lugtrudis, der von der Äbtissin 
Theophanu (io39 — io54) gestiftet worden war, nachdem Mechtild II. die Reliquien 
des h. Marsus nach Essen gebracht, ist nicht erhalten. Die Inschrift davon giebt nur 
der lateinische Äbtissinnenkatalog (Bucelinus II, p. i43): 

HOC OPUS EXIMIUM GEMMIS AUROQUE DECORUM 

MECHTILDIS VOVrT, QUAE THEOPHANUM QUOQUE SOLVIT, 

ABBATISSA BONA MECHTILDIS CHRISEA DONA 

REGI DANS REGUM, QUAE REX DEPOSCIT IN AEVUM 

SPIRITUS OTTONIS PASCIT CAELESTIBUS ORIS. 

Eine Abschrift ex ipsa perigraphe sacrae tumbae enthält das Stiftsarchiv sect. II, 
caps. i4, Nr. 3: 



Münster- 
kirche 
Paramente 



Bilder, 
handscbrtfien 



Glocken 



Goldener 
Schreio 



Inschrift 



3oi 



54 



KREIS ESSEN 



MOnster. 
kirche 



GiebeUeite 



Hoc opus eximium gemmis auroque decorum 
Mathildis vovit, Theophanu quod bene solvit, 
Regi dans regum Mathildt haec crysea dona 

um 

Spiritus Ottonis pauset caelestibus o 

Am Fusse der Tumba die Verse (Buceunus II, p. i43): 

HOCCE DECUS GEMMIS COSMA DAMIANEQUE VOBIS 

FECIT MATHILDIS MEREANS AETERNA CADUCIS 

THEOPHANU CAELIS ETC 

Die genannte Abschrift im Archiv und ebenso im Museum Alfterianum XLVII, 
Bl. 8i*> (Köln, Stadtarchiv) giebt die Ansicht einer Giebelseite. 

DOMINA ME FIERI 

MATHILDT ^/'^ ^^^ lUSSIT. 

t 

MIA 

EN 

xa 
niTOS 

KA2 
lA 



EFFIGIES 


AT 

ro 


OTTONIS II. 


KPA 


IMPERATORIS 


TOP 




PQM 




Alan 




EO 



Una in Christo 
firma germanitas. 



Quae sie latine interpretor: 



Imperator 
Romanorum gloriosus 
Otto [Bvöo^og *Ott(o) 
Timiba horum sanctorum mero ex auro gemmisque pretiosissimis et penitus raris 
elaborata. Donum Ottonis secundi imperatoris et Theophaniae Augustae eins coniugis; 
tunc Ascetenio Assindiensi collatum, quando ibi Mathildis, eorundem Augastorum filia 
illustrissima, tum pietate tum generis splendore praesedit. In den Farragines des Ge- 
Reiiquien LENius XXI, Bl. 673 (Köln, Stadtarchiv) findet sich eine Specificatio reliquiarum in 
tumba inventarum von i5oi. Vgl. F. Gerss, Das Heiligtum von Essen: Berg. Zs. XI, 
S. 108. Das Compendium fundatorum festorum im Stiftsarchiv (vgl. o. S. i3) enthält 
zum 6. Okt.: S. Marsi reliquiae praesertim in aurea hyerotheca a Mechtilda antistita, 
filia Ottonis rev. imperatoris et Theophana dono datae sunt caputque eiusdem sancti 
in argentea theca asservatur (s. o. S. 5o Nr. i3) cuius et statua in summo choro erecta 
ad columnam prope sacrarium conspicitur. 
Untergegpngene Über weitere zu Grunde gegangene Denkmäler enthalten die verschiede- 

Denkmäler .. ö © o 

nen Fassungen der Äbtissinnenkataloge noch weitere Nachrichten: 
GnibBchrift Das Grab der ersten, nach 878 gestorbenen Äbtissin Gerswida trug die Inschrift 

(BucELiNUS II, p. i43): 

QUISQUIS IN HOC TEMPLO CHRISTUM REVERENTER ADORAS, 

SIS SIMUL IPSE MEMOR GERSUIDAE ISTHIC TUMULATAE. 

HAEC ALIIS DIVES, PAUPER SIBI REBUS, ALUMNIS 

PRIMA MONASTERIUM FUNDANS EREXERAT ISTUD 

EXEMPLISQUE REGENS SANCTIS MONUMENTA RELIQUIT. 

(desiderantur aliqua.) 

CLARA SUI RERUM LUCRIS ET DOGMATE 

OBIIT CHRISTI FAMULA 3. KAL. JAN. 

Evangeiiar Die Äbtissin Suauahild (um io7o) hatte ein kostbares Evangeliar geschenkt, 

dessen Deckel, ähnlich der Tumba eine Inschrift in griechischen Lettern trug (Buce- 



3o2 



ESSEN 



55 



LINUS II, p. I44): EXTAT HODIE ASSINDIAE LIBER QUATUOR EVANGELIORUM AURO Münster. 
ET GEMMIS ORNATUS, IN CÜIUS FRONTISPICIO DEPICTA EST IMAGO DEIPARAE VIRGINIS ^^'^^^ 
GESTANTIS CHRISTUM INFANTEM, AD CUIUS PEDES A DEXTRA ET A SINISTRA DUAE 
VESTALES VIRGINES PROCUMBENTES CONSPICIUNTUR CUM HAC INSCRIPTIONE: SUANE- 
HILDIS ABBATISSA, BRIGIDA. ADDITO HOC VERSU RITHMICO GRAECIS FERE CHARAC- 

TERiBUSEXORNATo: A^ nPOnPlQM NATQM &EP NQ2TPSIM VlPm 

nPFFPÄTQM. AD PROPRIUM NATUM TER NOSTRUM VIRGO PREGRATUM. 

Zur Erinnerung an den Neubau des Langhauses befanden sich dort zwei Glas- Gia»geinäide 
gemälde mit Darstellungen des Königs Rudolph von Habsburg und der Äbtissin Ma- 
thilde BuCELiNUS II, p. i45: Superest adhuc perantiqua fenestra vitrea, ...cum hac 
inscriptione : 

MECHTILDIS ABBATISSA, HUIUS CONVENTUS OLIM MATER PIA JANUA PATET, 

QUAE PARATAE SUNT, INTRENT. SERVITE DOMINO IN TIMORE. MECHTILDIS DE HAR- 
DENBERG. 

Versus antiqui in eadem fenestra circa effigiem Rudolphi: 

ANNO MILLESIMO DOMINI DECIESQUE VICENO 

CUM SEXAGENO QUINTO CURRENTEQUE DENO, 

GREX HIC COMBUSTA RECTRICE FIDE BONA NOTA 

FORMA SUB CERTA FUNDENS IN NOS SUA VOTA 

INNOVANDO STATUM IURIS SOLITUM QUOQUE MOREM. 

Vgl. auch Seemann S. ZZ. 

Das Epitaph der i36o verstorbenen Äbtissin Katharina von der Mark trug die Orabschriften 
Inschrift (BucELiNUS II, p. i46): 

GRATIA DIVINA SICUT lUSSIT CATHARINA 

VIRTUTÜM LATRIX ET EARUM SEMPER AMATRIX, 

ISTHIC PRAELATA, QUAM NOBILIBUS GENERATA, 

DE MARCA DICTA, CARNALI MOLE RELICTA, 

oh! heu NATURAE SOLVEBAT DEBITA DURAE. 

MCCCL SIMUL X, COSMAE FESTO VOCAT HANG REX. 

Die Inschrift vom Grabmal der i525 verstorbenen Äbtissin Moena von Ober- 
stein (Seemann S. i7. — Bucelinus II, p. i47) lautete: 

ILLUSTRIS moena DE LAPIDE SANGUINE CLARA 
ABBATISSA PIA MORITUR MAI DIE QUINTA. 

JOHANNISKIRCHE. Essener Zeitung i887, 16. Aug. — Fr. Arens i. d. 
Beiträgen XIV, S. 121. Ursprünglich schloss der porticus, die Vorhalle, nach Westen 
mit einem einfachen Oratorium ab (dedicatio oratorii in porticu S. Johannis baptistae, 
Eintragung im Essener Missale des lo.Jh: Harless in Lacomblets Archiv VI, S. 64, 
68). Die Kapelle war vermutlich der h. Walburg, als zweiter ehemaliger Patronin 
(neben der h. Gertrud), ausserdem dem h. Johannes Bapt geweiht (vgl. Seemann S. 8). 
Bei einem ersten Erweiterungsbau wurde von den Arkaden der Vorhalle auf jeder 
Seite ein Stück abgeschnitten. 

Die alte Pfarrkirche (tit s. Johannis) wurde unter der Äbtissin Sophia von Gctchichie 
Gleichen (i4S9 — 1489) abgebrochen und i47i neu aufgebaut. Der Äbtissinnenkatalog 
berichtet (Seemann S. 16): Bey dieser zeit ist die pfarrkirch s. Joannis abgebrochen 
und wieder mit gehawenen steinen erbawet a. i47i. 

Die Kirche (Ansicht Fig. 2, Grundriss Fig. 1 1 A) ist ein dreischiffiger gothischer Beschreibung 
Hallenbau aus grossen Kohlensandsteinblöcken von fast quadratischer Form, mit drei 
Satteldächern überdeckt, im Westen über dem mittleren risalitartig mit übereckgestellten 
Streben vorspringenden Schiff ein sich über dem Dachgesims noch imi zwei Stock- 
werke erhebender mit achtseitiger geschieferter Haube gekrönter Turm, im Oberstock 



Johannis* 
kirche 



3o3 



56 



KREIS ESSEN 



John nnis* 
kirche 



Inneres 



AussU*Uiing 

Hochnlur 

Chor^estühl 

Taufstein 
Glocken 



Gertruden- 
kirche 



Monstranz 



an jeder Seite zwei nasenbesetzte Fenster. An der West-, Nord- und Südseite über 
dem ziemlich hohen Sockelgesims je drei grosse spitzbogige Fenster mit abgeschräg- 
ten Gewänden (das Masswerk herausgeschlagen), nach Westen zwei mit Flachbogen 
überspannte Thüren. An der Nord- und Südseite, i,5om unter dem Dachgesims hin- 
laufend, eine zweite Horizontallisene. An der Nordseite die Sakristei, später Anbau 
von i763, das Obergeschoss schlecht aus Fachwerk. 

Das Innere wird von vier unregelmässig gebildeten Pfeilern getragen. Das im 
Osten eingebaute alte Oratorium (Fig. 1 1, S. 3o) bestimmte die Breite des östlichen 
Mitteljoches. Um dieses mit den inneren Trägern des Westturmes, dem die Breite eines 
Drittels der Fa^ade bestimmt war, in Verbindung zu setzen, mussten die mittleren 
Gurte in den Längsachsen eine schräge Richtung erhalten. Von dem alten Oratorium 
sind noch die nördliche und die südliche Aussenmauer erhalten, aus sorgfältig ab- 
gepassten Hausteinen errichtet, in die nördliche Mauer später eine geradlinig ge- 
schlossene Thür und zwei Fenster mit abgeschrägten Gewänden gebrochen, darüber 
nach Norden eine grosse Öffnung für die Orgel, nach Süden eine kleinere für eine 
eingebaute hölzerne Tribüne. Nach Osten eine grosse spitzbogige Blende, in ihr ver- 
mauert drei schmale Fenster und ein Rundfenster. Das Stemgewölbe ruht mit Kelch- 
kapitälchen auf Dreiviertelssäulen, die in Mannshöhe über dem Boden mit polygonaler 
Konsole oder Kopf abschliessen. Die beiden Seitenjoche liegen um zwei Stufen tiefer, 
in beide sind im i8. Jh. Emporen eingespannt, wobei die Gewölbe ausgebrochen 
wurden. Die beiden Turmpfeiler zeigen ganr unregelmässigen Grundriss mit 9o cm 
hoher um 1 2 cm vorstehender polygonaler Basis. Die Rippen wachsen ohne Ansätze 
aus ihnen hervor. 

Die Ausstattung ist in dem dürftigen Barock um i7oo gehalten, in der Gesamt- 
wirkung von hübschen Verhältnissen, an einzelnen Stellen derb und verdorben durch 
den hässlichen grünen und weissen x\nstrich. 

Hochaltar, mit grossem Aufbau, gekrönt von der Figur des Auferstandenen, 
im Mittelbild die Kreuzigung zwischen zwei Paaren gewundener Säulen. An den Seiten 
auf Konsolen die Figuren der hh. Nepomuk und Joseph. 

Chorgestühl, ursprünglich auf jeder Seite 10 Sitze, mit Löwenköpfen und 
Festons, i699 von Georg Dollar in Münster gefertigt (Akens i. d. Beiträgen XIV, 
S. III, Anm. 3), zwei Nebenaltäre, Orgel und Kanzel in der gleichen Ausführung. 

Taufstein, i,iom hoch, von Granit, schweres Becken mit Spitzbogenfries und 
kurzem cylindrischen Stumpf, iS.Jh. 

Die drei Glocken sind im J. i787 von Henricus und Everardm Petit gegossen 
worden, die erste dem S. Joannes Evangelista, die zweite dem S. Joannes Baptista ge- 
weiht, die dritte ohne Heiligennamen. 

KATHOLISCHE PFARRKIRCHE (tit. s. Gertrudis), von Architekt y?iWiJ- 
lake erbaut und im J. i877 vollendet, dreischiffiger frühgothischer Bau. Vgl. Deutsche 
Bauzeitung X, S. I23. 

Monstranz (aus'm Weerth, Kd. Taf. XXIX, i; II, S. 37), 9i cm hoch, von 
vergoldetem Silber, mit der Jahreszahl i52i, ausserordentlich reich in Gliederung und 
Schmuck. Auf dem Fuss graviert der Baum Jesse, der Knauf mit sechs kleinen 
Figürchen, jedes unter reichem architektonischen Aufbau, auf dem sechsseitigen Unter- • 
satz zur Seite des Glascylinders zwei hohe Strebesysteme mit den Statuetten der hh. 
Petrus und Paulus, Sebastian und Christoph. In dem dreistöckigen sechsseitigen Auf- 
satz die Figuren der h. Gertrud, Gottvaters, Christi und des h. Geistes, der oberste 
Baldachin in spätgothischer Manier ausgebogen. 



3o4 



ESSEN 



57 



Kelch, i7 cm hoch, Ende des i3. Jh., von dünnem vergoldeten Silber, mit Gertruden. 

•^ kirche 

rundem Knauf und Schaft. Kelche 

Kelch, 18 cm hoch, Anfang des i4. Jh., mit rundem Fuss und gothischem Knauf. 

Kelch, i5 cm hoch, i5. Jh., mit Fuss aus achtseitigem Stern. 

Kelch, 16 cm hoch, i4.Jh., mit rundem Fuss und Knauf mit sechs Pasten. 
Renoviert 1621. 

Kelch, i7 cm hoch, i4. Jh., von der gleichen Form, bezeichnet calix s. stephani. 

Es bestanden in Essen eine weibliche Kongregation genannt Konvent beim GeiitUch« An- 
Turm, eine zweite genannt Kloster im Zwölfling, ein Nonnenkonvent genannt im 
Dunkhaus, eine weibliche Kongregation genannt zum neuen Hagen, ein Kloster zum 
alten Hagen, später Congregation de notre Dame, ein Jesuitenkollcgium. Von den 
Gebäuden und Kapellen dieser 

geistlichen Anstalten sind bemer- ^.^^^^^^^^^^^^^^BB S^ 

kenswerte Überreste nicht erhalten. 

MARKTKIRCHE (ev.). ■ IT! ^v^ -v^ | n ill M.rkikirche 

Fr. Arens i. d. Beitr. XIV, S. 126. 

Die Kirche wurde in der IIim^ ^M ^M M Oetchichte 

2. H. des n. Jh. erbaut, wahrschein- 
lich 1066 vollendet (Funke, Gesch. 
von Essen S. 5i. — Evelt i. d. 
Westßll. Zs. XXXI, S. i32) und der 
h. Gertrud geweiht. Eine durch- 
greifende Umgestaltung und Ver- 
grösserung erfolgte am Ende des 
1 5. Jh. Der Äbtissinnenkatalog be- 
richtet (Seemann S. 16): St Ger- 
truden pfarrkirch ist nach dem 
markt heraus erweitert a^ i478. 
Im J. i522 wurde die Kirche dem 
Kanonichenkapitel der Stiftskirche 
inkorporiert (Düsseldorf, Staatsar- 
chiv, Urkimde Essen 4oo *''•), i563 
von den Reformierten eingenom- 
men. Im J. i786 wurde das süd- 
liche Seitenschiff umgebaut, seiner 

Gewölbe beraubt, die Aussenmauer erhöht und eine kleine Vorhalle angefügt Gleich- 
zeitig wurde wohl das Mass werk aus den Fenstern herausgeschlagen. 

Dem romanischen Bau gehört noch das Mittelschiff mit dem eingebauten ge- Beschreibung 
waltigen Westturm und zum Teil das nördliche Seitenschiff an, das letztere jedoch 
im iS.Jh. umgebaut und erweitert. 

Der Turm ruht auf kolossalen schweren Mauern, die Turmhalle ist mit einem 
Gratgewölbe überspannt, in der Ecke kleine Eckpfeiler mit Kämpfern; es öffnet sich 
nur mit einem einzigen niedrigen Rundbogen gegen das Mittelschiff. Die Pfeiler des 
romanischen Baues wurden ursprünglich durch zwei durcheinandergeschobene Recht- 
ecke mit in die Ecken gestellten Diensten gebildet, sie sind indessen nur zum Teil 
erhalten. Die Rippen der Kreuzgewölbe ruhen auf den Diensten mit Kelchkapitälen 
unter polygonaler Plinthe, die Pfeiler selbst zeigen ein reichgegliedertes Kämpfer- 
gesims. Die Quergurte im Mittelschiff zeigen Rundbögen, die Arkaden Spitzbögen. 




Fig. 27. Esten. Gnmdrus der Marktkirche. 



3o5 



58 



KREIS ESSEN 



Kapuziner* 

kloster 

Geschichte 



Kirche 



Ausstattung 



Marktkirche Im nördlichen Seitenschiff an Stelle der Gurte eine Rippe, die als Dienst an der 
Aussenmauer herabgefiihrt ist, ihr zur Seite zwei ganz kurze Dienststümpfe für die 
Diagonalrippen. Die Rippen des romanischen Mittelschiffes zeichnen sich durch ihre 
schwere und plumpe Profilierung vor denen des gothischen Seitenschiffes aus. 

Im Äusseren zeigt der fünfstöckige Turm im obersten Geschoss auf jeder Seite 
vier durch Vertikallisenen getrennte und Rimdbogenfriese geschlossene Blenden, die 
mittleren mit Rimdbogenfenster. Das Mittelschiff und das nördliche Seitenschiff sind 
von einem gemeinsamen Satteldach überspannt, während das südliche Seitenschiff sein 
besonderes Dach besitzt. 

Ehemaliges KAPUZINERKLOSTER, jetziges KATHOL. KRANKEN- 
HAUS. Das Kloster hiess ursprünglich Kloster Kettwig, 1288 gestiftet durch den 
Essenschen Kanonikus Heinrich de Kettwig, es wurde 161 5 von den Kapuzinern ein- 
genommen, die neue Klosterkirche i746 eingeweiht (nicht i764: Fr. C. L. Meyer, 
Werden und Hehnstädt S. 7o). Im J. i83i aufgehoben und der katholischen Gemeinde 
übergeben. 

Einschiffiger, mit einem Tonnengewölbe überdeckter Bau mit je vier Fenstern 
in den Langseiten. Im Westgiebel über dem Portal in einer Nische die lebensgrosse 
Figur der Madonna, das nackte Kind mit einem Speer die Schlange unter den Füssen 
der Mutter durchbohrend. Am Giebel die Zahl mdccxlvi. 

Hochaltar, riesiger, aber flacher und leerer Aufbau der Mitte des 18. Jh., 

, zwei Seitenaltäre von der gleichen Form. Wertlose bemalte Holzfiguren der hh. 

Johann von Nepomuk, Joseph, Anna, Michael. 

Abteigebäude ABTEIGEBÄUDE. WiLH. Grevel, Das Abteigebäude zu Essen: Essener 

Zeitung 1882, Nr. 277, i883, 7., 29. Febr., i7. März. — Essener Volkszeitung i883, 

Nr. 2, 39, 69, 7o. — Rhein. -Westfäl. Zeitung i883, Nr. 65, 2. Bl. 

Das alte Gebäude war im J. 1265 abgebrannt und wurde unter der Äbtissin 
Beatrix von Holte (1 29 1 — i3i7) neu aufgeführt (Seemann, Äbtissinnenkatalog S. 10). 
Der grosse Saal in der Abtei wurde unter Elisabeth von Beeck (1426 — 1445) erbaut 
(Seemann S. i5). Das Kapitelshaus der Kanonichen wurde i5i6 errichtet. Die capella 
s. Panthaleonis in aula abatiali Hess Elisabeth von Manderscheid (i588 — 1598) erneuern. 
Den versus meridiem (nach dem jetzigen Zeughaus zu) gelegenen Teil Hess Anna Salome 
i658 aufrichten (Münster, Staatsarchiv, Kindlingersche Sammlung CIX, p. 77). 

Das Abteigebäude diente schon seit dem i4. Jh. nicht mehr als Residenz, son- 
dern nur noch zu Repräsentationszwecken und Festlichkeiten (so i377 für Karl IV.). 
Im J. i787 war es ganz unbewohnbar, 181 5 wiurde das Stadt- und Landgericht hinein- 
verlegt, 1823 beim Abbruch des Steeler Thores ein Teil demoliert, endlich i883 das 
Ganze niedergelegt. Veröffentlichung der letzten Reste in den Beiträgen zu erwarten. 

Das RATHAUS, ein gothischer Prachtbau, i878 vom Architekten Paul Zindel 
in Essen begonnen, mit neueren Skulpturen, Gemälden imd Glasgemälden reich aus- 
geschmückt, enthält von älteren Werken nur 

Drei Holzfiguren der hh. Kosmas, Damian und Sebastian, 55 cm hoch, vom 
Ende des i5.Jh., mit fein durchgeführten Köpfen. 

Wächterhorn in Tubaform aus dem 16. Jh. 

Zwei stählerne zweischneidige Richtschwerter des 16. Jh. 



Rathaus 



Skulpturen 

Hörn 
Schwert 



3o6 



KREIS ESSEN 



,$^ 



BALDENEY. 



Schloas 



SCHLOSS. F. A. Humann, Der Rittersitz Baldeney: Berg. Zs. VII, S. 75. 
Vorher in der Essener Zeitung i863, Nr. i5. — v. Steinen, Westfälische Geschichte 

IV, S. 735. — Grevel, Übersicht S. 25. — L. Bender, Der Isenberg S. io6. — 

V. Mering, Geschichte der Burgen in Rheinland I, S. iio. — Flügge, Chronik von 
Werden S. 73. — Jacobs, Geschichte der Pfarreien im Stift Werden S. 8o. 

Baldeney war Werdensches Lehengut, ursprünglich im Besitz derer von Leytene. G««chichie 
Theodor und Eberhard von der Leiten stiften i337 hier eine Kapelle. Durch Heirat 
kam das Gut im Anfange des i5.Jh. an den Ritter Kraft Stecke zu Mylendonk und 
Meiderich, darnach an die von Vitinghoff, i563 an die von Eyll, 1612 an die von Neu- 
hoff, i655 an die von Drimbom. Im J. i737 gelangte es an die Generalin von der 
Leiten, die es 1 747 ihrem Vetter, dem Freiherm Franz Ernst von Bodlenberg gen. 
von Schirp übermachte. Im Besitz der Familie ist das Haus bis heute geblieben. Der 
jetzige Besitzer ist der Freiherr Franz von Schirp. 

Den Grundstock des Schlosses bildet der aus Ruhrsandstein aufgeführte schwere Beschreibung 
dreistöckige Bergfrid, an den sich von drei Seiten spätere Anbauten angelehnt 
haben. Die Fenster sind neu eingesetzt, über dem Portal das Wappen der Schirp. 
Die im Westen und Osten anstossenden Wohngebäude sind in diesem Jahrhundert 
gänzlich umgebaut. 



BORBECK. 



RÖMISCHE ANLAGEN. Nach Hölzermann, Lokaluntersuchungen S. 122, 
ist der Borbecker Friedhof angeblich ein römisches Lager. Spuren nicht nachweisbar. 

KATHOLISCHE PFARRKIRCHE (tit s. Dionysii m.). Schon i3i3 ge- 
nannt (Kampschulte, Kirchlich-polit. Statistik, Lippstadt i869, S. 102). Ursprüng- 
lich Filiale der Johanniskirche zu Essen, im i4.Jh. neu erbaut imter der Äbtissin 
Katharina von der Mark (i336— i36o). Vgl. Äbtissinnenkatalog ed. Seemann S. i i. — 
KoESTER, Streitschrift S. 1 1. — Grevel S. 74. In den J. 1861 — 1864 ersetzt durch 
einen dreischifFigen gothischen Neubau von Regierungsbaurat Krüger nach einem 
reicher gehaltenen Plan von Vincenz Siatz. 

Madonnenbild, Holz, Ende des iS.Jh., neu polychromiert, lebensgross, mit 
zierlichem Faltenwurf. 

Epitaph der i598 verstorbenen Äbtissin von Essen, Elisabeth von Mander- 
scheid und Blankenstein, kunstvoll aus Baumberger Stein gearbeitet (Seemann, Äbtis- 
sinnenkatalog S. 20: ,gar zierlich und artig ausgehauen*), Mittelfeld zwischen zwei 
kanellierten Säulen, die einen reichen Architrav mit Muschelaufsatz und drei Statuetten 
tragen, mit der Darstellung der vor einem Kruzifix knieenden Äbtissin. Ober ihr 



Römische 
Anlagen 



lC«thol. 
Pfarrkirche 



Skulptur 



Epiuph 



3o9 



62 



KREIS ESSEN 



KathoL 
Pfarrkirche 



Schloss 
Geschichte 



Schild mit: in te domine confido, non erubescam quoniam speravi in te. Dar- 
unter Inschrift in Kartouqhe: im jähr i598, sambstag den 2. may, ist die hoch- 
würdige und WOLGEBORNE fürstine und FRAUWE ELISABETH, DES KAYS. FREIWELT- 
LICHEN STIFFT ESSEN ABTISIN, GEBORNE GRAFFIN ZUR MANDERSCHEID UND BLANKEN- 
HEIM IN DEN HERRN SELIGLICH ENTSCHLAFFEN, IHRES ALTERS ACHT UND FÜNFFZIG 
lAHR, DER SELEN GOTT GNEDIG. 

SCHLOSS. Grevel, Übersicht S. i5. — Borbeck war ursprünglich ein Oberhof 
im Besitz der Herren de Borbeke (noch 1257 genannt: Wilmans, Westßll. ÜB. HI, 
Nr. 63o), der 122? durch Ritter Hermann an die Äbtissin Adelheid von Essen ab- 
getreten ward (Westphalia IH, 1826, S. 254). Die Burg wird zuerst i372 erwähnt: in 




Fig. 28. Borbeck. Ansicht des Schlosses. 



Beschreibung 
Hauptkchloss 



diesem Jahre verlegt Karl IV. hierher den Essener Freistuhl (Lacomblet, UB. HI, 
Nr. 734). In den J. i59o und i593 hatte das Schloss in den Kriegsunruhen schwer 
zu leiden. Die Äbtissin Elisabeth von Manderscheid und Blankenheim (i588 — 1598) 
Hess das Schloss daher neu in Stand setzen (Äbtissinnenkatalog ed. Seemann S. i9). 
Von da an war es neben Steele Sommerresidenz der Essener Äbtissinnen. Im J. i744 
erfolgte durch die Äbtissin Franziska Christina, Pfalzgräfin bei Rhein, der letzte durch- 
greifende Umbau. Ein i79o geplanter (Düsseldorf, Staatsarchiv, Stift Essen Reg. V, 2) 
Neubau unterblieb. Im J. i8o4 wurde es an den Grafen von der Recke -VoUmestein 
verkauft und kam von diesem an die Reichsfreiherren von Fürstenberg. Der jetzige 
Besitzer ist der Herr Reichsfreiherr Leopold von Fürstenberg auf Hugenpoet bei 
Mintard. Das Hauptschloss (Fig. 28) ist ein rechtwinkeliger dreistöckiger Bau, an 
der Fa9ade von zwei vierstöckigen Ecktürmen mit quadratischem Grundriss flankiert. 
Die ganze Aussenarchitektur zeigt die nüchternen Formen des Umbaues vom J. i744. 



3io 



BREDENEY — HEISINGEN 



63 



Der Giebel ist geschweift, die Türme tragen geschweifte Hauben mit kleinen poly- 
gonalen Aufsätzen, jede der Längsseiten zeigt je acht Fenster und sechs Mansarden, 
auf dem Dache ein kleiner achtseitiger Dachreiter mit Schelle. Das ganze Schlots ist 
von tiefen und breiten Gräben umgeben und nur zugänglich auf einer i3m langen 
Brücke mit zwei an den Kanten abgefassten Mittelpfeilem, die je drei Kugeln tragen. 
Die Brücke führt auf das Hauptportal zu, über dem, voix zwei Löwen gehalten, das 
Essen sehe Wappen angebracht ist. Darunter die Inschrift: von gottes gnaden fran- 

ZISCA CHRISTINA PFALZGRÄFIN HEY RHEIN UND D. H. R. R. FÜRSTIN UND ÄBTISSIN DER 
KAYSERLICHEN FREIWELTLICHEN STIFTER ESSEN UND THORN, IN BAYERN, ZU GÜLICH, 
CLEVE UND BERG HERZOGIN, FUERSTIN ZU MOERS, GRAFIN ZU VELDENZ, SPONHEIM, 
DER MARCK UND RA VENSBERG, FRAV ZU RAVENSTEIN, BREYSIG, RELLINGHAUSEN 

H . . . RE . . . (erloschen) anno i744. 

Westlich von dem vor dem Schloss gelegenen Rasenplan die schlossartigen Wirt- 
schaftsgebäude, i842 vom Reichsfreiherm Klemens von Fürstenberg errichtet. Im 
Giebel eingemauert einige Renaissanceköpfe aus Schloss Horst (Kr. Dorsten). Das 
prächtige schmiedeiseme Gitter am Eingange zum Vorhof, vom Ende des i7. Jh., 
stammt von Schloss Hugenpoet bei Mintard. 



Schlosi 



Wirtschnfts« 
gebäude 



BREDENEY. 



RÖMISCHE UND GERMANISCHE FUNDE. Der äussere Arm der 
älteren Grenzwehren, die durch den Kreis Ruhrort führen, durchschneidet unter dem 
Namen ,Landwehr* einen Teil des Kreises (Schneider, Lokaluntersuchungen im Kr. 
Essen S. i). Spuren sind bei dem Hause ,auf der Landert*, westlich von Bredeney, 
erkennbar, Wallreste an der Bredeney-Kettwiger Chaussee. Jenseits der Ruhr in Form 
eines Grabens in dem ,Tälchen*, durch das die Velberter Chaussee führt, sichtbar bis 
zum Hause Kimmeskamp ,an der unteren Landwehr^ Die alte Strasse, die bei Kettwig 
die Ruhr überschneidet, folgt der Bredeney- Rellinghausener Chaussee (Schneider S. 7). 

KAPELLE in der Klüse (tit. s. Aegidii). Grevel, Obersicht S. 24, 75. — 
Flügge, Chronik S. 247. — Jacobs, Geschichte der Pfarreien S. 78. 

Der Ort 875 zuerst genannt (Crecelius i. d. Berg. Zs. VI, S. 36), im J. !o36 
hier eine Kapelle geweiht (Schuncken, Geschichte der Abtei Werden S. 67). 

Die jetzige Kapelle ist ein spätgothischer Bau aus dem i5. oder i6.Jh., im J. i777 
erneut, bestehend aus einem QuerschifT, 4,2o m lang und 3,65 m breit, und einem 
kurzen 6,35 m langen, 2,80 m breiten Langschüf, flachgedeckt mit sichtbarer Balken- 
lage. Die romanischen Zierformen später eingesetzt 

Inschrift mit Chronikon, das zweimal die Zahl i777 ergiebt: 
aLoIsIVs broCkhoff CanonICVs essenDIensIs has aeDes qVa reCtor 

CapeLLae restaVrarI feCIt, 
qVas sVo tVteLa et patroCInIo sanCtI aegIDII serVet oMnIpotens. 



Römische u. 

Germanische 

Funde 



Kapelle 

Geschichte 

Beschreibung 

Inschrift 



HEISINGEN. 



HAUS HEISINGEN. Grevel, Obersicht S. 24. 
Werden S. 77. — Jacobs, Geschichte der Pfarreien S. 89. 
der Herren Staßl von Holstein. 



Flügge, Chronik von 
A. Fahne, Geschichte 



Haus 



3ii 



64 



KREIS ESSEN 



Hiiut 
Quellen 



Geschichte 



Beschreibung 



Inschriften 



Handschriftl. Qu. Im Staatsarchiv zu Düsseldorf: Akten Reg. Werden 
VIII. b. 2972- — Verzeichnis der vom Junker Staöl von Holstein i592 — i6o5 er- 
hobenen Gefälle. — Registrum redituum der Ländereyen des Hausses Heissingen, 
von i738. 

Heisingen wird schon 796 genannt (Lacomblet, U B. I, Nr. 6, i7, 48. — 
Crecelius in der Berg. Zs. VI, S. 9). Der Haupthof, später Rittersitz, ursprünglich 
Hof Kofeld genannt, war im i5. u. i6.Jh. im Besitz der Herren Stael von Holstein, 
(Fahne a. a. O. S. 26, i72), die i556 als Staill tho Hesingen erscheinen. Im J. i7o9 
verkauft Johann Georg Graf von der Hauben, Gemahl der Amalie Eleonore Sta61 
von Holstein das Haus an den Abt Coelestin von Werden, der es gründlich restau- 
rieren liess (ScHUNKEN S. 2o7). Im J. 1802 die Besitzung zerstückelt. Das Haus 
angekauft vom Freiherm von Diergardt in Viersen, darnach von der Zeche Wasser- 
schneppe. 

Das Haupthaus liegt auf dem Rande des Plateaus nach den Wiesen der Ruhr 
hin und ist ein schlichter zweistöckiger Bau mit abgewalmtem Dach, das seltsam 
grosse Zwiebelknöpfe trägt und verzierte runde Mansardenfenster. Hinter dem Ge- 
bäude fällt der Abhang steil ab. 

Breiter und geräumiger Wirtschaftshof, aus drei rechtwinkelig aneinander stossen- 
den Trakten bestehend. Über dem grossen Portal die Inschrift: reverendissimüs 

ET ILLUSTRISSIMUS DOMINUS D. BENEDICTUS S. R. I. ABBAS WERDINENSIS ET HELM- 
STADIENSIS ME EXTRUXIT A. I|i4|||. 

Über der Thür die Inschrift: reverendissimüs et illustrissimus dominus 

CAELESTINUS, MONASTERIORUM IMPERIALIUM ET IMMEDIATORUM EXEMPTORUM WER- 
DINENSIS ET HELMSTADIENSIS ABBAS, HANG ARGEM GUM OMNIBUS lURIBUS ET PER- 
TINENTIIS IMPERIALI ABBATIAE S. LUDGERI INGORPORAVIT ANNO MDGGIX EAMQUE 
VETUSTATE GOLLAPSAM RESTAURAVIT ET IN MELIOREM FORMAM APTARI FEGIT. 

Ähnlich die Inschrift über einem Kamin im ersten Stock (Flügge, Chronik 
2. Ergänzungsheft, Anhang). 



ISENBERG. 



Germanische 
Funde 



Schlots 
Litteratiu 



Geschichte 



GERMANISCHE FUNDE. Bei Aufräumung der Fundamente eines Turmes 
fünf Urnen (?) entdeckt. Grevel, Obersicht S. 2. 

SCHLOSS. Harless, Die Burg Isenberg bei Werden: Berg. Zs. I, S. 265. — 
L. Bender, Der Isenberg und die Geschichte seines Hauses, Langenberg i864, 1883. 
Dazu Harless in der Berg. Zs. II, S. 266. — Cregelius, Die zwei Isenbei^e: Berg. 
Zs. VII, S. 82. — V. Mering, Geschichte der Burgen im Rheinlande I, S. 11 o, 11 5. — 
Grevel, Übersicht S. i7, 26. — Sghunken, Geschichte von Werden S. io4. — J. A. 
Engels, Die Reise nach Werden S. i5i. — Flügge, Chronik von Werden S. 75, i99. 

Das Schloss Alt-Isenberg bei Hattingen an der Ruhr, zuerst im J. 1 200 erwähnt 
Lagomblet, U B. IV, Nr. 643), nach dem Chronicon Honselerianum (Berlin, Kgl. 
Bibl., Cod. Boruss. fol. 57o, p. i45) im J. 1208 erbaut, der Stammsitz der Grafen von 
Altena-Isenberg, war nach der Ächtung des Grafen Friedrich 12 25 oder 1226 zer- 
stört worden und wurde nicht wieder hergestellt (Kremer, Akad. Beiträge II S. i35. 
— KiNDLiNGER in der Westphalia I, 1825, S. 28. Beide mit falscher Datierung). 
Von Friedrichs ältestem Sohne, Graf Dietrich — nicht schon vom Abt Liudbert von 



3l2 



ISENBERG 



65 



Werden um 1 1 20 — wurde zum Schutz seiner Vogtei über Rellinghausen ein neues 
Schloss auf dem 47 o Fuss hohen Bromberge an der Ruhr errichtet. Aber schon 1 247 
musste er auf das neue Schloss zu gunsten des Erzstifts Köln verzichten (Lacom- 
BLET, ÜB. II, Nr. 323), 1248 trat der Abt von Werden als Lehnsherr den Grund 
und Boden des Schlosses ab mit Ausnahme zweier Wohnungen (Lacomblet, U B. II, 
Nr. 339. — Kremer a. a. O. II, Nr. 49). Die Burg wurde 1288 durch Graf Adolph 
von der Mark zerstört (Lacomblet, U B. II, S. 532. — Levold v. Northoff, Chro- 
nik: Seibertz, Quellen I, S. 29). Das Schloss wurde indessen wieder aufgebaut (dieser 
Bau ganz unabhängig von dem in geringer Entfernung gelegenen Haus zum Vitinghoffe), 
bestand noch im i5.Jh., wie eine ausführliche Beschreibung im Archiv zu Schellen- 
berg bekundet (Blätter zur näheren Kunde Westphalens i869, Nr. 8, S. 69. — Bender 
S. 81), und ging erst im 16. Jh. zu Grunde. 

Die Beschreibung lautet: Det hues van den Isenberg ligt in det revier van de 
Roer op enen hohen berge, in det suden tegen det closter Relinghusen, tegen norden 
utsehende na en plat feldt, na osten tegen de berge un strüeke, so ok na westen. 
Et is gen togang anders als ut dem felde na dem huese, en grefte in de velsen ge- 
hauen mot man overgohen un dan dor de grote tom met de obtreckende brugge. 
Det erste oder onderhues heffl 8 tomen dick van steenen mit syne woningen, stelle 
vor perde un det andere vehe, det husgesin over 4oo syn in desen ondehuse, so vor 
de rovers acht hebben moten; van deren plas gabt men met i5 trappen na det 
hoverhus, ock dür enen tom, da de Juncker wont, veer tomen stöhn op de ecke un 
de tom an de bmgge is de viffte; ob desen plas kan men te ganze revier van de 
Roer oversyn un det hues hefft so veel kammers, dat ock so as ob det onderhues 
4oo mans wonen kunnen. De kellers syn in de steenen gehauen, un met 2 74 trappen 
is men in de tyt wen de pott geen water hebt gegoen 

Ruinen in grösserer Ausdehnung decken den Rand des Hochplateaus nach 
der Ruhr zu, sie gestatten aber keine Rekonstruktion des Gmndrisses. Die mäch- 
tigen abgesprengten Stücke weisen auf eine Zerstörung durch Pulver. Erhalten ist 
vor allem das Fundament des Bergfrides, 5,5o m im Viereck im Lichten, die 1,80 m 
starken Mauem bis 2,5o m hoch aufstehend. Genau nach Süden ein 4,8o m hoher, 
1,65 m starker Rest der Ringmauer. Die ganze Terrasse unter der jetzt dort befind- 
lichen Restauration ruht auf altem Mauerwerk. Nach Westen zu finden sich die 
Reste von zwei parallel laufenden Mauem, mit einer Art von Thorturm und Vorburg. 

In den Addenda zum Äbtissinnenkatalog von Essen (Seemann S. 3o) die An- 
merkung: Bei zerstömng der bürg Isenburg ist folgende inskription auff der pforte 
geschrieben gefunden : constrüctum furto durabit tempore curto. Da man aber 
den autorem davon nicht hat können antreffen, ist die meinung, der teuffel soll dies 
Carmen geschrieben haben. 

Das HAUS VITINGHOFF, der eigentliche Stammsitz der Familie Viting- 
hoff, lag am Kortenbusch nahe bei dem Schlosse Neu-Isenburg und war wahrschein- 
lich von den Grafen von Limburg auf ihrem alten Allodium beim neuen Isenberg 
erbaut worden. (Grevel, Übersicht S, i7. — Berg. Zs. II, S. 26?; VII, S. 82. — 
Vgl. die Urk. von i37o bei Lacomblet, U B. III, Nr. 697). Bei der Erbteilung der 
Brüder Wilhelm und Dietrich von Limburg im J. i4i2 fällt es dem ersteren als dat 
slaet to dem Vitinckhoeve zu (v. Steinen, Westfälische Geschichte XXXI, S. i332), 
später i454 und i5oi dem Kapitel von Rellinghausen verkauft (Grevel S. 27). 
Nur Gräben und Wälle, die ein Rechteck umgeben, dicht bewachsen mit Buschholz, 
sind erhalten. 



Schloss 



Alte 
Beschreibung 



Ruinen 



Inschrift 



H»us 
Vitinghoff 



3i3 



66 



KREIS ESSEN 



KETTWIG. 



Germitnische 
Funde 



EvRngel. 
Pfnrrkirche 



Litteramr ' W. Grevel, Übersicht S. 23. — Hermann, Zs. für die Lande zwischen der 

Weser und Maas 182?, S. 663; 1828, S. 665; 1829, S. 552. — Nrh. G. i883, S. 128. 
— J. M. D. L. Deegen, Denkmal einer Jubelfeier, begangen in der evangel. Gemeinde 
zu Kettwig den 20. Juli 182 1, Essen 182 1. — A. Chr. Borheck, Archiv für deutsche 
Gesch., Erdbeschreibung etc. der deutschen Nieder-Rheinlande 1, 1 800, S. 42. — F. Floth- 
MANN, Aus vergangenen Tagen: Kettwiger Zeitung 1886, Nr. 112, i38, t4o, i4i, i43, i48, 
i5o. — V. MüLMANN, Statistik I, S. 432. — Jacobs, Gesch. der Pfarreien S. 76. — 
Flügge, Chronik von Werden S. 7i. — v. Recklinghausen, Ref.-Gesch. III, S. i64. 

GERMANISCHE UND RÖMISCHE FUNDE. Vgl. Kettwiger Zeitung 
1886, Nr. i4o. Germanische Gräber wurden bei den Hinninghofer Höhen gefunden, 
hinter der Meisenburg Urnen mit Knochenresten. Auf dem , Boxmörder' im »Sonnen- 
schein* eine Schwertklinge und eine Lanzenspitze gefunden. 

EVANGELISCHE PFARRKIRCHE. Der Ort wird zuerst io52 genannt 
(Lacomblet, U B. I, Nr. 188. — Crecelius, Tradit. Werdin.: Berg. Zs. VI, S. 59. — 
FöRSTEMANN, Ortsnamen, S. 937). Die Kirche wird i372 zuerst erwähnt (Lacomblet, 
ÜB. III, Nr. 73 1), i387 das Kirchspiel genannt (Grevel S. 23 Anm. 6). Die Kirche 
war dem h. Petrus geweiht. Das Jus patronatus hatte im i7.Jh. der Kurfürst von 
Brandenburg (Engels, Reise nach Werden S. loo). 

Der vierstöckige Turm der Kirche, aus Bruchsteinen von Kohlensandstein mit 
grossen unregelmässigen Eckquadem errichtet, stammt aus dem i4.Jh., das Langhaus, 
ein grosser saalartiger Bau wurde im J. i72o errichtet. An jeder der Langseiten drei 
grosse rundbogige Fenster, an der Süd- und an der Nordseite einfaches Portal, von 
Pilastem eingefasst, im Süden die Inschrift: nVnC porro sIt ChrIstVs operIs 
fVnDaMen et fInIs (i72o). 

Kanzel, interessantes Schnitzwerk aus dem 18. Jh., freistehendes sechsseitiges 
Gehäuse auf einem Palmbaum, durch einen horizontalen Gang mit geschnitztem Ge- 
länder mit der Mauer verbimden. 

KATHOLISCHE PFARRKIRCHE (tit. s. Petri ap.). Die Gemeinde i8o3 
neu gegründet, die Kirche 1826 begonnen, i83o eingeweiht. Vgl. Westfälischer An- 
zeiger 1806, Nr. 56. — Rheinisch -Westfälischer Anzeiger 1826, Nr. io4, Beilage. — 
Essener Zeitung 1880, Okt. — Jacobs S. 76. 

BRÜCKE über den Mühlenkanal, i785 erbaut mit dem Wappen des Abtes 
Bemard von Werden und dem Chronikon : pro opportVnIorI rVrae transItV pons 
oLIM CoLLapsVs sVb bernarDo abbate resVrgIt. Vgl. F. Flothmann in der 
Kettwiger Zeitung 1886, Nr. i4i. Das Wappen der Werdener Abtei mit der Jahres- 
zahl i725 auch an der früheren Abteimühlb, die jetzt zu den Fabrikgebäuden der 
Firma Joh. Wilh. Scheidt gehört. 
Kmtenturm KATTENTURM, Haus Oefte gegenüber hart an der Ruhr gelegen, der 

letzte Rest der Burg Luttelnau, die schon I295 genannt wird und deren Besitzer 
später die Herren v. Oefte waren. Die Burg wahrscheinlich schon im i4. Jh. zerstört. 
(Grevel, Übersicht S. 28. — Vgl. Kunstdenkmäler des Kr. Mettmann unter Oefte). 

Von dem Kastell sind an der Ruhr auf einem kleinen Hügel die Mauern eines 
dreistöckigen Turmes erhalten, mit 1,80 m unterer Mauerstärke, das Erdgeschoss ehe- 
mals mit Tonnengewölbe versehen, im zweiten Stock die Reste eines Kamins und 
zwei schartenartige Fenster. 

3i4 



Turm 



Inschrift 



Kiinzel 



Kathol. 
Pfarrkirche 



Bracke 



RELLINGHAUSEN 67 



RELLINGHAUSEN. 

W. Grevel, Obersicht S. lo. — Das Hofesrecht im Stift Rellinghausen: Berg. Uttemtur 
Zs. VII, S. 284. — Fr. A. Humann, Das Stift Rellinghausen: Berg. Zs. VII, S. 6i 
(zuerst erschienen in der Essener Zeitung 1862, Nr. 243, 258, 393). — Ders., Die Isen- 
berger Vogtei von Rellinghausen und die Entstehung der freien Herrschaft Biefang: 
Essener Zeitung 1862, Nr. 243. — Ders., Rellinghausen, seine Klosterstiftung und 
älteste Gerichtsverfassung: Essener Zeitung 1862, Nr. 2 5 8. — W. Grevel, Das Ge- 
richtswesen im Stift Rellinghausen: Beiträge II, S. i5. — Karsch, Zur Geschichte des 
Stiftes Rellinghausen im Zeitalter des 3ojährigen Krieges: Beiträge IV, S. 24. — Grevel, 
Die neue Bürgermeisterei Rellinghausen und die Grenze zwischen Alt -Sachsen und 
Alt -Franken: Essener Zeitung 1 876, Nr. 2 u. 3. — Akten und geschichtsmässige Auf- 
klärung über die Immunität, Exemtion und Immediätät des Kayseriichen-Fre)rweltlich- 
Adelichen Damenstifts zu Rellinghausen, i777. — Gerichtswesen und Hexenprozesse 
im Stift Rellinghausen: Rhein. -Westfäl. Ztg. 6. April i889. 

Ehemaliges ADELIGES FRÄULEINSTIFT. Zu Rellinghausen, das 947 und Frauieinitift 
974 als selbständiger Oberhof genannt (Lacomblet, U B. I, Nr. 97, 1 17) wird, gründete 
Äbtissin Mathildis II. von Essen um das J. 1000 eine Kapelle, an die sich bald ein 
Nonnenkloster anschloss (Äbtissinnenkatalog ed. Seemann S. 3), das im i3.Jh. in ein 
adeliges Fräuleinstift überging. Erst die Essener Äbtissin Adelheid (1216 — i24i) gab 
dem Konvent einen eigenen Propst aus dem Prämonstratenserorden, was ihre Nachfol- 
gerin I24i bestätigte (Lacomblet, U B. II, Nr. 255). Das Stift wurde i8o4 aufgehoben, 
im selben Jahr in veränderter Form wiederhergestellt und erst 181 1 endgültig aufgelöst. 

Die ehemaüge STIFTSKIRCHE, jetzt KATHOLISCHE PFARR- Stiftskirche 
KIRCHE (tit. s. Lamberti m.) wurde 1822 bis auf den Turm abgebrochen und von 
1826 — 1838 durch eine neue ersetzt, die i852 konsekriert ward. 

Der alte romanische Turm ist fünfstöckig, aus Bruchsteinen von Kohlensandstein Turm 
errichtet, ohne Horizontalgliederung, im letzten Stock ehemals mit Rundbogenfries und 
Vertikallisenen (abgeschlagen), im vierten und fünften Geschoss nach Süden mit je 
zwei kleinen rundbogigen Fenstern. Die Turmvorhalle von 5 m im Quadrat mit einem 
Gratgewölbe überdeckt, an den Seiten Schildbögen, nach Westen zu zwei Dienste. 

Taufstein, mächtiges rundes Becken des 12. Jh., ähnlich dem zu Stoppenberg Taufitein 
(s. u.), 7o cm hoch, i m im Durchmesser mit vier sehr kleinen Eckköpfen. 

Romanisches steinernes Weihwasserb ecken, halbrund, mit Zickzackfries. Weihwasser. 

Die Kirche liegt auf einem Hügel, der nach Norden in der Entfernung von 
23 Schritt vun 5 m aufgemauert ist. Der geringe Raum nach Westen (nur 16 Schritt) 
spricht gegen die Annahme einer angeblich vorhanden gewesenen Kreuzkirche mit 
Vierungsturm wie in Bedburg (Kunstdenkmäler d. Kr. Kleve S. 1 2). Von den Stifts- 
gebäuden sind gleichfalls nur Reste vorhanden. Zunächst ein fünfachsiges zweistöckiges 
Gebäude von Kohlensandstein mit flachem Satteldach überdeckt, das »Steinhaus* Steinhaus 
genannt, ursprünglich mit grossen, von Flachbögen überspannten Fenstern, in die 
kleinere in Backsteinrahmen eingesetzt sind. Im Keller grosse 5 m breite Tonnen- 
gewölbe. Diesem gegenüber in dem Garten der Kaplanei lag das Stiftshaus, von Stifuhau« 
dem sich Fundamente vorgefunden haben. 

Das Grabmal der Äbtissin Mathilde (t loii), eine tiefe mit Bruchsteinen aus- Grabmal 
gemauerte Gruft mit der Inschrift: mechtildis sororum nostrarum fidissima cura 

3i5 



68 



KREIS ESSEN 



Kreuz 



St. Annen- 
kapelle 



Stiftskirche (Berg. Zs. VII, S. 67), wurde bei dem Neubau entdeckt. Im i7. Jh. waren noch die 
Enden von drei weiteren Zeilen erhalten: . . . quae transivit.. vis ornanda fide- 

LES . . . HUIC MISERERE DEUS (BUCELINUS II, p. l44). 

Das Stift besass als Geschenk der Äbtissin Theophanu von Essen (io39 — ioS6) 
ein Prachtkreuz, ähnlich den in Essen erhaltenen. Seemann S. 5. — Bucelinus II, 
p. i44: i3. Donavit Theophanu abbatissa ecclesiae Rellinckhausanae argenteam auro 
obductam crucem cum hac inscriptione et antiquo clypeo Palatinatus Rheni: 
Christe Deus! Votum Theophanae ceme benignum 
Qui crucis hoc mire Signum fecit redimire. 
Pro servis dominum credimus quo flamine passum, 
Qui nunquam meruit vulnera sustinuit. 
Disce redemptoris pietatem, disce fidelis, 
Haec, homo, perpendas, quae fuerit pietas. 
ST. ANNENKAPELLE. Vgl. ausführlich Niederrheinisch -Westfäl. Kreis- 
kalender, Köln i766, S. i3o. — Grevel, Übersicht S. 75. 

Im J. i5i6 in kleinerem Mafsstabe erbaut, zur Erinnerung an einen Diebstahl 
von Hostien, die in einem Domstrauch wiedergefunden wurden, i7o7 ersetzt durch 
einen einschiffigen Bau mit dreiseitigem Abschluss, gedrücktem Tonnengewölbe, auf 
dem gewalmten Satteldach kiemer Dachreiter mit Schelle. 

Gemälde des i7. Jh., darstellend die Legende vom Hostiendiebstahl, mit der 
Inschrift: contigit anno i5i6. 

EVANGELISCHE PFARRKIRCHE. J. Karsch, Geschichte der evangel. 
Gemeinde Rellinghausen : Beiträge X, S. t. — Baedeker u. Heppe, Geschichte der 
evang. Gemeinden der Grafschaft Mark, Iserlohn i879, S. 5o6; Nachtrag S. 122. 

Der erste Bau, i67o vollendet, wurde von den französischen Truppen in den 
nächsten drei Jahren verbrannt, von i772 — 1775 wurde an Stelle der baufälligen 
hölzernen zweiten Kirche ein neuer massiver Bau errichtet. 
Gerichishaus TURM von dem Gerichtshaus, 6,5o m im Quadrat, die Mauern 80 cm 

stark, aus dem i4. oder iS.Jh., aus schweren und grossen Kohlensandsteinblöcken 
(an den Aussenseiten leicht verwittert) aufgemauert, mit Epheu dicht umzogen. Eigen- 
tum der Civilgemeinde. 



Gemälde 



Evangel. 
Pfarrkirche 



SCHELLENBERG. 

Schiois SCHLOSS. Grevel, Übersicht S. 16. — L. Bender, Der Isenberg S. 106. 

Quellen H an dschriftl. Qu. Im Archiv zu Schloss Schellenberg: 4oo Urkunden 

von i325 ab, das Familienarchiv beginnend mit i432 (genaues Repertorium vom J. i8o4, 
die Urkunden benutzt von Lacomblet). Nachrichten über die Herren von Vitinghoff 
gen. Schell und die Güter Schellenberg, Ripshorst, Wittringen, Burg, [Heck, Overfel- 
dingen. — Geschichte von Schellenberg von Humann vom J. i864. 

Geschichte Das Haus hiess ursprünglich nur das ,Haus aufm Berge* und war im Besitz 

der Herren von Broich, von denen es an die Familie von der Horst kam. Im J. i3i3 
verkauft Heinrich von der Horst das Haus an Noldo von Kückelsheim (Lacomblet, 
ÜB. III, Nr. 586), i388 geht es durch Heirat über an Pilgrim von der Leiten und 
i452 an Johann von dem Vitinghoff gen. Schele. Im J. i477 bei der Erbteilung 
zwischen Cord und Bemdt von dem Vitinghove erhielt Cord das Haus auf dem Berge, 



3i6 



SCHEIXENBERG 



69 



"^'L. 




Schlots 



Fig. 29. Schellenberg. Ansicht des alten Schlosses von Norden. 



H «In 



der die Schellenberger Linie der Familie stiftete. Der jetzige Besitzer ist der Erbdrost im 
Fürstentum Essen und Ritterhauptmann Maximilian Freiherr von VittinghofF gen. Schell. 

Das jetzige Schloss (Fig. 29) stammt im wesentlichen aus drei Perioden. Der Beschreibung 
älteste Teil ist der Bergfrid mit dem angebauten Steinhaus und der Kapelle, der 
aus dem i4. Jh. stammt (im Grundriss Fig. 3o tiefschwarz), im i7. Jh. wurde das Schloss 
wiederholt erweitert, zuerst i66o, danach 1 67 2 — 1674 (im Grundriss doppelt schraffiert), 
der letzte Anbau geschah 1820 (im Grundriss einfach schraffiert). 




Fig. 30. Schellenberg. Grundriss des Schlosses. 

3i7 



7o 



KREIS ESSEN 



Speisesaal 



Schioss Der älteste Teil C erhebt sich in vier Stockwerken, die beiden oberen unverändert 

mit kleinen Fenstern und unbenutzt, die unteren 1820 umgebaut mit den Wappen der 
von Spee-VitinghofF. Die Kapelle A wird von vier Kreuzgewölben überwölbt, von 
einem schweren Mittelpfeiler mit Kämpfer getragen. Der nördliche Teil gehört noch 
dem älteren Bau an, die Gewölbe des südlichen sind in Holzverschalung erneut. Die 
einachsigen gothischen Fenster neu cingefasst. Äusserlich zeichnet sich die Kapelle 
durch ein im 1 7. Jh. aufgesetztes achtseitiges geschweiftes Dach mit achtseitigem Türm- 
chen aus. Die Kapelle wurde i67o umgebaut nach der an der Aussenseite befind- 
lichen Inschrift: anno i67o. Wilhelm frantz von vitinghoff genannt schell, 

DER HOHEN THUMSTIFFTER PADERBORN UND MUNSTER RESPECT. THUMCANTOR SENIOR. 

Anbau Der im J. 1660 angefügte Anbau, der die Wappen der VitinghofT-Ossenbroeck 

trägt, schliesst mit einem dreistöcki- 
gen vierseitigen, von einer geschweif- 
ten Haube gekrönten Türmchen ab, 
das im unteren sehr tief liegenden 
Geschoss eine offene Renaissance- 
halle zeigt, deren Rundbogen auf 
schweren Rundsäulen ruhen. 

Der grosse Speisesaal B enthält 
eine barocke magere Stuckdecke 
und Stuckomamente an den Wän- 
den, über den Thüren die vier 
Elemente, dazwischen allerlei Jagd- 
trophäen und Musikembleme, in 
der Mitte der Decke ein grosses 
Ölgemälde der Flora, umgeben von 
vier Eckmedaillons mit weiblichen 
allegorischen Gestalten. Der süd- 
liche dreistöckige Trakt, mit flachem 
Dach imd kleinen Türmchen, mit 
fünf Achsen und südlicher Veranda 
wurde erst 1820 angefügt. 

Der nördliche Anbau ist mit 
dem Thor durch eine Mauer ver- 
bunden, auf der sieben wirkungsvolle Büsten und drei allegorische Gestalten aufge- 
pflanzt sind, dazu zwei Löwen als Schildhalter, alle aus dem i7.Jh. stammend. In 
die Mauer ist ein ovaler Gedenkstein eingelassen (ehemals über der Thür des 
Inschrift Binnenhofes) mit der Inschrift: 

CHRISTUS REX REGUM, QUI NOS DOMINATUR IN AEVUM, 

PROTEGAT HANG AEDEM NECNON SINE CRIMINE PLEBEM, 

UT LICEAT DIVOS SUPERORUM SCANDERE CLIVOS. 

HOC, PATER (omnipotens), rogo te per Stigmata christi, 

PURPUREUMQUE ROREM, FUSUM IN MONTE CRUOREM 
AETERNUMQUE FLAMEN SIC OPTO MEDULLIBUS. AMEN. 

Park In dem Park, dessen herrlicher Baumschmuck dem Orkan des Sommers i89i 

Pavillon zum grössten Teil zum Opfer gefallen ist, nach Süden ein hübscher barocker Pavillon 

von i674 (Fig. 3i), achtseitig, mit grosser zwiebeiförmiger Haube und achtseitigbm 

Türmchen (die Bedachung i892 erneut), über der Thür, zu der eine Freitreppe mit 




Fig. 31. Schellenbcrg. Pavillon • rom J. 1674. 



3l8 



SCHEPPEN — STEELE 



7l 



Steinerner Brüstung hinaufführt, das Vitinghoffsche Wappen und die Inschrift: wil- Schioi» 

HELM FRANZ VON VITTINGHOFr GENANNT SCHELL ZU PADERBORN UND MUNSTER. Ein 

zweiter vierseitiger Pavillon nach Westen zu. 

Von den dem Hauptbau gegenüber gelegenen Wirtschaftsgebäuden stammt die 
hintere Wand mit den Wapjjen der Vitinghoff-Bönen vom J. 1660, der Vorderbau 
mit der Holzgallerie und den Wappen der Vitinghoff-Galen wurde i78o erneut. Der 
im Süden sich vorschiebende Trakt wurde i672 errichtet. 



SCHEPPEN. 



HAUS. Grevel, Übersicht S. 26. — Flügge, Chronik von Werden S. i3. 
Ursprünglich mit Baldeney zusammengehörig und Werdensches Lehengut, im i4.Jh. 
im Besitz derer von Scheppen, darnach derer von der Leiten, weiter derer von Steepe, 
von Vitinghoff, von Eyll, von Neuhoff, von Drimbom kam es an die Freiherren 
von der Reck, i7i7 an den Freiherm Friedrich von Bottlenberg gen. Schirp, end- 
lich an den Freiherrn von Ritz. Jetziger Besitzer ist Herr Landrat August Freiherr 
von Hövel zu Essen. 

Das Haus besteht aus vier rechtwinkelig aneinanderstossenden, aus Bruchsteinen 
von Kohlensandstein erbauten Trakten, der vordere zweistöckig, ehemals mit grossen 
Doppelfenstern mit Steinpfosten (drei erneuert), abgewalmtem Ziegeldach, flankiert von 
zwei dreistöckigen Türmen mit stumpfem Pyramidendach. Über der rundbogigen 
Durchfahrt das Wappen ausgebrochen. Rechts vom Eingang die flachgedeckte Ka- 
pelle, vor dem (erneuten) Altar Grabstein der am 2?. Aug. i786 verstorbenen Frau 
Theodore von Ritz geb. Freiin von Bottlenberg gen. Schirp. Totenschilder des Joh* 
Wilhelm von Bottlenberg gen. Schirp (t 18. Aug. i783), und der Anna Kasparina von 
Schirp (t 10. Febr. i767). 



Haut 
Geschichte 



BeachreibuDg 



Kapelle 



STEELE. 

W. Grevel, Übersicht S. 9, 74. — Ders., Materialien zur Geschichte der Stadt Litieretur 
Steele, Steele i879 und Ruhrbote i878, Nr. 95, i879, Nr. 100. Darunter: Die alten 
Thore der Stadt Steele. — Ders., Die Statuten der früheren Gilden und Ämter in 
der Stadt Steele: Essener Zeitung 1882, Nr. 116, 122, 127, i33, i39, i45. — Ders., 
Die märkischen Gemeinden des Kirchspiels Steele: Hattinger Zeitung 188S, 10. Nov. 
— V. MüLMANN, Statistik I, S. 45i. — Devens, Statistik des Kr. Essen S. 11. — En- 
DRULAT, Niederrhein. Städtesiegel, Taf. XI, S. 36. — J. D. v. Steinen, Westphälische 
Geschichte I, S. 533; XVI, S. 2 74. — Baedeker, Über die Einführung der Refor- 
mation in der Grafschaft Mark, Dortmund i838, S. 47, 58. — W. Grevel, Der Reichs- 
tag zu Steele unter Otto dem Grossen: Beiträge zur Geschichte von Stadt und Stift 
Essen X, i887, S. i. — Ders., Die Anfänge der Stadt Steele: Beiträge X, S. 53. Mit 
Anhang, Die ältesten Statuten der Stadt Steele. 

Handschriftl. Qu. Im Stadtarchiv (Wd. Zs. I, S. 4io): Bürgerbuch mit Quellen 
den ältesten Statuten und Ordnungen von i549— i7o2, 39 beschriebene, 59 unbe- 
schriebene Blätter. — 8 Perg.-Urk. von i575 — i75i. — Akten von i643 an. —-Ver- 
schiedene Urkimden und Akten im Besitz des Herrn Wilhelm Grevel zu Düsseldorf. 



3i9 



72 KREIS ESSEN • 

K.thoi. KATHOLISCHE PFARRKIRCHE (tit. s. Laurentii m.). Nach Fahne 

(bei V. MüLMANN a. a. O.) war ein Teil der alten Pfarrkirche noch romanisch. Die 
erste Erwähnung findet sie im J. i3i4 (Düsseldorf, Staatsarchiv, Urkunden Essen 
Nr. i59), sie war Filiale von Essen (Binterim u. Mooren, E. K. I, S. 449). 

Die alte Kirche wurde i87o abgebrochen und i87o — 1873 durch einen präch- 
tigen dreischiffigen gothischen Neubau von August Rinklake ersetzt. Nach Entwürfen 
von Tüsshaus in Düsseldorf (Chor) und Jansens in Utrecht (Langhaus und Oktogon) 
ausgemalt von Maler Büskens. 
Waisenh.us KATHOL. WAISENHAUS, gegründet für Waisenkinder des Essener Stifts- 

gebietes von der Äbtissin Franziska Christina (i726 — 1776) um die Mitte des iS.Jh., 
i794 eingeweiht. 

Ein mächtiger Bau aus Kohlensandstein errichtet, nur die Fac^ade architektonisch 
ausgeschmückt, die der Chausseestrasse zugekehrte Fa^ade zeigt zwei lange zwei- 
stöckige siebenachsige Flügel, an jedem Ende eine Art von vorspringendem Pavillon 
mit gebrochenem Dach. In der Mitte springt die Kirche nach der Strasse zu vor, 
der wieder ein Risalit mit abgerundeten von Pilastern eingefassten Kanten vortritt. 
Der wirkungsvolle Giebel ist geschweift und mit Horizontalgesimsen versehen, ein aus 
dem Viereck in das Achteck übergeführtes Türmchen mit anmutiger Glockenhaube 
schliesst ihn ab. Das Portal zeigt eine zierliche Rokokoeinrahmung, darüber ein ovales, 
zur Seite je ein rundbogiges Fenster. 
AuMuttimg Die innere Ausstattung der flachgedeckten Kirche ist sehr einfach. Der Haupt- 

bau bildet ein Achteck, an das nach Osten ein Chorhaus mit halbrundem Abschluss 
angefügt ist. 

Drei grosse Rokokoaltäre, der mittlere mit Säulen, die seitlichen mit Pilastern, 
alle drei mit Strahlensonnen im Aufsatze. Zur Seite des Hauptaltares, der ein Bild mit 
der Himmelfahrt Maria enthält, die Holzfiguren der hh. Franziska und Christina, auf 
dem linken Seitenaltare ein Bild des h. Joseph, auf dem rechten eines des h. Aloysius. 

Über den drei Beichtstühlen und dem seitlichen Eingang interessante Aufsätze, 
je eine Spitzpyramide mit Putten. 

Im Mittelgang der Grabstein der Gründerin, der i776 verstorbenen Äbtissin 
Franziska Christina, ihr Totenschild an der Wand, 
s c h lo s t Das S C H L O S S der Essener Äbtissinnen, ,auf der Luft*, an der Stelle des jetzigen 

katholischen Pfarrhauses befindlich, wurde i699 errichtet (Kindlinger, Essensche 
Registratur I, II. Abt., i I.Fach, Nr. 35), im i9.Jh. abgebrochen. 



STOPPENBERG. 

FräuieinMifi ADELIGES FRÄULEINSTIFT. Grevel, Übersicht S.i 3.— Th. Lindner, 

Anno IL, der Heilige, Leipzig i869, S. ii5. 
Quellen Handschriftl. Qu. Im Staatsarchiv zu Düsseldorf: 49 Urkunden von 

io73 — i8o5. — Kalender vom Ende des iS.Jh. (Hs. A. 21 5), mit gleichzeitigen und 
späteren Aufzeichnungen über die Stiftungen und Schenkungen, am Schluss Urbar, 
9 Seiten, bez. : Dyt synt dye rente inde guede, dye in dye praesencie hört to Stopen- 
berch in dat capittel, vom J. i493. — Bona, redditus et proventus ecclesie et capituli 
in Stopenberge in hoc libro tamquam auctentico continentur successive conscripta 
(Reg. 12), Perg., fol., Notarielle Kopie des Stiftsregisters von i357, i527 geschrieben, 

3ao 



Düsseldorf 



STOPPENBERG 



73 



Geschichte 



am Schluss in 37 Abschnitten: Statuta ind aide lavelyche gewonheyt. Vgl. Ilgen, Fräuleinstift 
Rhein. Archiv S. 45. — Lamprecht, Verzeichnis niederrheinischer Urbarialien S. 9. 

Im Geh. Staatsarchiv zu Münster: Statuta des Kapitels von Stoppenberg Münster 
vom J. i6i I (KiNDLiNGERsche Sammlung CXVII, p. 463). 

Im J. io73 wurde durch die Äbtissin Suanehild von Essen (Äbtissinnenkatalog 
ed. Seemann S. 5) in monte, quem vulgari lingua vocant Stophenberch, ein Oratorium 
gebaut, das Erzbischof Anno II. von Köln noch im selben Jahre einweihte (Lacom- 
BLET, ÜB. I, Nr. 2 1 7. — Westphalia II, 1826, S. 62; III, S. 25o). 

Die Kirche, die Anfangs nur Hülfspfarrkirche für Essen war, ward schon im 
12. Jh. in ein grosses Nonnenkloster verwandelt, wie die grosse Empore ausweist 
Erst 1224 (Düsseldorf, Staatsarchiv, Urkunde 2. — Lacomblet, U B. II, Nr. 116) er- 




Fig. 32. Stoppenberg. Südansicht der Stifukirche. 

fahren wir bestimmt, dass sich ein weiblicher Konvent daran angeschlossen habe, 
der bis 122S mit Rellinghausen einen gemeinsamen Praepositus hatte (Lacomblet, 
U B. II, Nr. 255). Im J. 1227 nimmt Kaiser Heinrich VII die ecclesia s. Marie bea- 
tique Nicolai in seinen besonderen Schutz (Lacomblet II, Nr. i47). Das Stift wurde 
am 3. Mai i8o3 aufgelöst (Essener Allgemeine Politische Nachrichten i8o3, Nr. 36), 
darnach freilich reorganisiert und erst unter der Grossherzoglich Bergischen Herrschaft 
endgültig aufgehoben. Das romanische Kapitelshaus wurde 1826 auf den Abbruch 
verkauft. 

Die STIFTSKIRCHE, jetzige KATHOLISCHE PFARRKIRCHE Stiftskirche 
(tit s. Nicolai ep.), ist eine hochinteressante dreischiffige romanische Pfeilerbasilika ^"^^^^""* 
mit quadratischem Chorhaus, Apsis und kleinem Westbau. Das Material ist Kohlen- 
sandsteinbruchstein, die Kanten und Lisenen von sorgfältig abgepassten Quadern, die 
Bogen von Tuff. Der ursprüngliche Bau bestand nur aus drei Quadraten mit Seiten- 
schiffen (je zwei kleine Quadrate auf ein Mittelquadrat) neben den beiden westlichen 



32^1 



74 



KREIS ESSEN 



Stifttkirchc und hatte möglicherweise einen geradlinigen Abschluss. Die Apsis gehört jedenfalls 
einer zweiten Bauperiode an, da der an der Südseite des Chorhauses sichtbare 
Schmuck von Vertikallisenen und Rundbogen sich auch an der Ostseite und zwar 
hinter der Apsis fortsetzt. 

Mit der Apsis zusammen wurde im 12. Jh. der Westbau angefügt und damit die 
Empore erweitert. Zugleich wurden an Stelle der früheren flachen Holzdecke Ge- 
wölbe eingesetzt. Da aber für Widerlager nicht gesorgt war, gab der Bau nach aussen 
nach. Im iS.Jh. wurde das nördliche Seitenchörchen (jetzt Sakristei) angebaut, im 
J. i676 wurden die Fenster zum Teil umgeändert und der südliche Windfang vor- 
gebaut. Der ganze Bau ist stark gewichen, die Aussenmauem hängen nach aussen, 
an der Nordseite auf 2,So m Höhe um 25 cm. Sie haben daher sehr starke Streben 




Fig. 33. Stoppenberg Gnindriss der Stiftskirche. 

und Absteifungen erhalten. Es ist zweifelhaft, ob die Kirche ursprünglich auf einen 
Westturm berechnet war, jetzt besitzt sie nur einen kleinen dreistöckigen südlichen 
Glockenturm, der im Untergeschoss romanische Formen zeigt, dessen beide oberen 
Stockwerke aber erneut zu sein scheinen. 
Inneres Im Inneren ist Mittelschiff und Chorhaus mit drei Kreuzgewölben überwölbt, 

die aus Ziegeln hergestellt sind und hohlprofilierte Rippen zeigen. Die einzelnen 
Hauptpfeiler sind durch ein verhältnismässig reiches Kämpfergesims gekrönt, während 
die Arkadenpfeiler nur in der Längsachse ganz einfache Kämpfer zeigen. Im süd- 
lichen Seitenschiff sind an den Aussenmauem noch Vorlagen mit einfach profilierten 
Kämpfern angebracht, im nördlichen Seitenschiff treten an ihre Stellen einfache Kon- 
solen, die Gewölbe der Seitenschiffe sind einfache Gratgewölbe. Der Westbau ist mit 
einem rechteckigen Kreuzgewölbe überdeckt, dessen Rippen nicht auf Kämpfern, 
sondern an der Westseite auf runden Diensten ruhen, über deren Kelchkapitälen 
noch einfache romanische Blattkapitäle eingefügt sind, nach Norden und Süden je 



322 



STOPPENBERG 



75 



ein einachsiges Fenster mit neuem Masswerk. Das Mittelschiff zeigt im ersten Joch Stifukirche 
im Obergaden je ein, im zweiten je drei rundbogige Fenster mit stark abfallenden 
Sohlbänken. Im Chorhaus in der Nordwand ein einfaches Rundfenster, nach Süden 
ist später ein grösseres, tiefer heruntergehendes gebrochen. Die Apsis enthält drei 
nmdbogige Fenster, das mittlere versetzt 




Fig. 34. Stoppenberg . Lftngsschiiiu der Sdfukirche. 

Die grosse Nonnenempore, neben der zu Elten (Kunstdenkmäler d. Kr. Rees 
S. 7o) eine der frühesten am Rhein, wird von vier flachen durch Gurte getrennten Grat- 
gewölben überwölbt, die nach Osten auf einem schweren niedrigen Pfeiler (Fig. 33, d) 
mit einfachemJKämpfer, in der Mitte auf einer kräftigen i ,4o m hohen Säule (Fig. 33, c) 
mit niedriger Basis und merkwürdigem aus dem Würfel herausgeschlagenen Kapital 
(das mit dem Würfel selbst 
nichts zu thun hat) ruhen. 
Nach Westen zwei kleine 
rundbogige Fenster. 

Im nördlichen Seiten- 
chörchen ruhen die scharf- 
profilierten Rippen auf klei- 
nen Konsölchen, in der Mitte 
bei s imd t auf kurzen Dien- 
sten. Der morsche Dachstuhl 
hat sich gesenkt, so dass die 
Querbalken zum Teil schon 
auf den Gewölbescheiteln auf- 
liegen und dadurch die Mau- 
ern noch mehr auseinander 
drücken. 

Tauf stein, 95 cmhoch, 
rundes Becken von schwer- 
fälliger Form mit vier sehr 
kleinen, nur wenig hervortre- 
tenden Köpfen und kleinen Ansätzen in der Mitte, auf schwerem Mittelcylinder mit 
Ecksäulen, von der ganzen bekannten Gruppe (Kunstdenkmäler d. Kr. Kempen S. i6) 
wohl der älteste, aus dem 12. Jh. 



Empore 




Taufitein 



Fig. 35. Stoppeaberg. Osunsicht der Stiftskirche. 



333 



76 



KREIS ESSEN 



stiftikirche Kascl von purpumem Sammet, auf den breiten weifsseidenen Stäben die Wappen 

des Job. Dederich v. Neuhoff gen. Ley und der Magdalena Maria v. Westrem. 
Glocken Glocken. Die älteste aus dem i4.Jh., ohne Jahreszahl: ave maria gratia 

PLENA DOMINUS TECUM. 

2. SANCTA MARIA ET SANCTUS NICOLAUS PATRONI ANNO l694. 

3. S. ANDREAS PATRONUS ANNO l694. 

4. EVERHARDUS PETIT. S, MARGARETHA ANNO l792. 



WERDEN. 



Litteratur 

Allgemeine 

Darstellungen 



Teschenmacher, Ann. p. 221. — M. Merian, Topographia Westphaliae p. 7o. 

— Chr. Brower, Sidera illustrium et sanctorum virorum, qui Germaniam praesertim 
magnam olim gestis rebus omarunt, Mainz 16 16, p. i9, 76. — Gabriel Bucelinus, 
Germania topo-chrono-stemmatographica sacra et profana, Augsburg 1662, II, p. 3o6. 

— [Cocceji], Kurtze . . . Vorstellung der Befugnuss S. K. Maj. in Preussen als Hertzog 
zu Cleve . . . gegen den vermeintlichen Abt zu Werden, o. O., i7ii. — JoH. Hobbe- 
LiNG, Beschreibung des ganzen Stifts Münster, Dortmund 1 742, S. 93, 226. — Chr. 
Jac. Kremer, Akademische Beiträge zur Gülch-Bergischen Geschichte II, S. i95; III, 
S. 1 ff. — J. Grüner, Schilderung des sittlichen und bürgerlichen Zustandes West- 
phalens am Ende des 1 8. Jh., II, S. 66. — Niederrheinisch -Westphälischer Kreis- 
Kalender aus dem J. i766, S. 256. — Beschaffenheit des Stifts Werden im J. i784: 
Weddigens Westphäl. Magazin I, i784, S. 34. — O. Bender, Das Kölnische West- 
phalen S. i7. — Thaler der Äbte zu Werden: Wöchentliche historische Münzbelusti- 
gung, 25. Stück, 21. Juni i74i; Weddigens Westphäl. Magazin I, i784, S. 374. — Y. Z., 
Die Abtei Werden: Aschebergs Niederrheinische Blätter für Belehrung und Unter- 
haltung I, 1801, S. 6o7. — Nachrichten über die Einkünfte des Stifts Werden in älte- 
ren Zeiten: Niesert, Münsterisches Urkundenbuch II, S. io5, i37. — v. Kamptz, Die 
Provinzial- und statutarischen Rechte in der Preussischen Monarchie, Berlin 1827, II, 
S. 575. — Lag Werden a. d. Ruhr in Altsachsen oder in Altfranken?: Möller im 
Pfarrer von Elsey I, Abh. 4, S. 34. — Sig. Abel, Jahrbücher des fränkischen Reiches 
unter Karl dem Grossen, I, S. i83, 220, 383, 393, 49i. — K.J. K. von Fahnenburg, 
Promemoria, ob der Herzog von Braunschweig-Lüneburg dem Herrn Reichsprälaten 
von Werden und Helmstädt aus dem Vermögen des höchstdemselben zugetheilten 
Klosters Helmstädt eine Pension zu ertheilen schuldig seyen oder nicht, Regensburg 1 8o3. 

— P. Fr. Jos. Müller, Vertheidigung der Rechte der Abtei Werden gegen die Krone 
Preussen, o. O., i8o7. — L, Meyer, Kurze Nachrichten von den Reichsprälaten der 
beiden Stifter Werden und Helmstädt, Essen 18 10. — Ders., Werden und Helmstädt, 
ehem. kaiserl. freie und unmittelbar exempte Abteien (geschr. 1825, fortgesetzt bis i83o 
von Fr. C. Ludw. Meyer), Düsseldorf i 836. Dazu Forst, Bemerkungen und Er- 
gänzungen zu Meyer, Hs. im Kölner Stadtarchiv. — Jon. Adolf Engels, Die Reise 
nach Werden, mit Kupfern, Duisburg 181 3. — Ders., Sammlung kleiner Schriften, 
Krefeld 1827. — Ders., Denkwürdigkeiten der Natur und Kunst, Elberfeld 18 18. — 
G. M. de Ludolff, Symphor. Consultat. et decis. I, fasc. XX, p. 439. — Ders., Observat. 
forenses I, p. 439. — Über das Heergewedde im Stift Werden: Westphalia von Tross 
1824, S. i33. — J. U. V. Gramer, Über die wahre Natur der Hobs- und Behandigungs- 
güter in seinen Wetzlarischen Nebenstunden IX, Abh. 7. — C. Simons, Reise des 
Kronprinzen von Preussen durch Rheinland -Westfalen im Herbst i833, Iserlohn i834, 



324 



WERDEN 77 

S. 38. — P. Fr. Jos. Müller, Geschichte der Abtei Werden, 4i6 S., ohne Schluss uttemtar 
und Titel (nicht vollendet, weil konfisziert). — Ders., Beytrag zur Bestimmung der 
Gränzen zwischen den Franken imd Sachsen der Vorzeit, Duisburg i8o4, S. 38, 53, 
74, 77. — Vorlesung über die Befreiung Deutschlands von der französischen Herr- 
schaft, Werden i8i3. — Devens, Statistik S. 1 7. — Grevel, Übersicht S. 22. — v. Mül- 
MANN, Statistik I, S. 456. — Ann. h. V. N. XXXII, S. i99. — R. Hempel, Geschichte 
der evangelischen Gemeinde zu Werden a. d. Ruhr, Werden i85o, Langenberg i883. 
Dazu C. Krafft i. d. Theolog. Arbeiten a. d. Rheinisch - wissenschaftl. Predigerverein 
III, S. i36. — Eine Werdensche Klosterlegende: Berg. Zs. II, S. 27 1. — W. Crecelius, 
Bericht des Abtes Konrad IL von Werden über das Eindringen der Reformation in 
das Stift: Berg. Zs. VII, S. 84. — Alb. Schuncken, Geschichte der Reichsabtei 
Werden a. d. R., Köln i865. — Lacomblet, Archiv für die Geschichte des Nieder- 
rheins III, S. 16. — H. Höfer, Die Benediktinerstiftungen in den Rheinlanden: Studien 
und Mitteilungen aus dem Benediktinerorden IX, S. 463 ; X, 488, 493. — A. TiBUS, 
Gründungsgeschichte der Stifter, Pfarrkirchen, Klöster und Kapellen im Bereiche des 
alten Bistums Münster, Münster i867, I. — W. Flügge, Erinnerung an Werden, 
illustrierter Führer durch Werden und Umgegend, Werden i887. — Ders., Chronik 
der Stadt Werden, Düsseldorf 188 7, dazu Ergänzungsheft I u. II. — P. J. Pider, Das 
Ruhrthal, Werl 1881, S. 3o7. — Gerh. Loebker, Wanderung durch die Mark und das 
Ruhrthal, Münster i883, S. 44. — Geschichte und Rechtsverhältnisse der vormaligen 
Abteischule und jetzigen lateinischen Schule zu Werden a. d. R., Gladbach 1881. — 
Beiträge zur Geschichte des Stifts Werden, herausgegeben von dem historischen Verein 
fiir das Gebiet des ehemaligen Stifts Werden. I. Kranz, Die Gilden und Ämter der 
Stadt Werden, Werden i89i. II. P.Jacobs, Geschichte der Pfarreien im Gebiet des 
ehemaligen Stifts Werden I, Düsseldorf 1 892. — Die Schützenfeste der Stadt und ehe- 
maligen freien Reichsabtei, Werden i884. 

Die vitae s. Liudgeri ed. Wilhelm Diekamp: Geschichtsquellen des Bistums ÄUetie Quellen 
Münster IV, 1881. Mit kritischer Einleitung und ausführlicher Litteraturangabe. Ver- 
zeichnis der Drucke auch bei Potthast, Bibl. hist. medii aevi p. 785 u. Chevalier, 
Repertoire des sources historiques du moyen Sge, p. i428. Die vita auct Altfrido 
deutsch bei Hüsing, Der h. Ludgerus, Münster i878, S. i74 u. Pingsmann, Der h. Lud- 
gerus, Freiburg i879, S. i99. — Fundatio monast. Werthinensis : Ficker, Die Münste- 
rischen Chroniken i85i, S. 352; Diekamp, Vitae Ludgeri, p. 286. — Catalogus abba- 
tum Werthinensium ed. Eckhart, Comment. Franciae oriental. II, p. 9i8; Bucelinus 
a. a. O. II, p.3o6; Mon. Germ. SS. XIII, p. 288. — Sylloge abbatum Werthinensium ab 
Henningo Hagen elaboratum : Leibnitz, SS. rer. Brunsvic. III, p. 600. — Calendarium 
necrol. Werdinense de 801 — i4oo: Leibnitz, SS. III, p. 747 ; Böhmer, Fontes IV, p.389. 
Vgl. Martene, Coli. VI, p. 679. Notizen aus einer Berliner Hs. im Archiv der Gesell- 
schaft für ältere deutsche Geschichtskunde VIII, S. 842. — Uffingus, Carmen de S. Lud- 
gero: Acta SS. Bolland. 26. Mart. III, p. 659; Diekamp S. 223. — Liber de conversatione 
et miraculis S. Idae : R. Wilmans, Die Kaiserurkunden der Provinz Westfalen I, S. 469. 

— P. W. Behrends, Leben des h. Ludgerus, Neuhaldensleben i843. — L. v. Born- 
stedt. Der h. Ludgerus und die Bekehrung der Friesen und Westfalen, Münster i842. 

— J. B. Heirmann, De heil. Ludgerus, eerste Bisschop van Münster, Gent 1861. — 
MoNE, Übersicht der niederländ. Volkslitteratur, S. 372. — v. Olfers in der Westföl. 
Zs. XIX, S. 355. — Rettberg, Deutschlands Kirchengeschichte II, S. 425, 538. — 
Strunck, Westphalia sancta ed. Giefers, Paderborn i855, p. 56. — L. Th. W. Pings- 
mann, Der h. Ludgerus, Apostel der Friesen und Sachsen, Freiburg i879, S. 9o. 

325 



78 



KREIS ESSEN 



Littentur Herm. Conring, Dc antiquissimo Statu Helmstadii et viciniae coniecturae, Helm- 

stadt i66S. — Fr. Aug. Ludewig, Geschichte und Beschreibung der Stadt Helmstedt, 
Helmstedt 1821. — P. W. Behrends, Geschichte des ehem. Benediktiner Mannsklosters 
S. Ludgeri vor Helmstädt, i842 — 46. — Das S. Ludgerikloster bei Helmstädt: Rett- 
berg, Deutschlands Kirchengeschichte II, S. 479. — Wilh. Diekamp, Das angebliche 
Privileg des h. Ludger für das Kloster Werden: Westfäl. Zs. XLI, S. i48. — Speci- 
fication der Hofesrechte, welche die Abdinkhöve zu Werne und Seperade von alters 
her gehabt und gehören nach dem Berkhoff des Abts zu Werden: Westphalia I, 1825, 
S. 66. — K. Ed. Verhoeff, Das Kartularium Werthinense, Geschichte der Stiftung 
der ehemaligen Benediktinerabtei in Werden a. d. Ruhr im 8. und 9. Jh. : Westfäl. 
Zs. XI, S. I imd Münster i849. — Zwei Heberegister der Abtei Werden aus dem 8. 
und 9. Jh.: Lacomblets Archiv II, S. 2o9; III, S. 181. — Zwei Werdener Register 
aus dem i5. und i7.Jh.: Ann. h. V. N. XLIV, S. i98. — Wilh. Crecelius, CoUectae 
ad augendam nominum propriorum Saxonicorum et Frisiorum scientiam spectantes. 
I. Index bonorum et redituum monasteriorum Werdinensis et Helmonstadensis saec. 
X. vel XI. conscriptus, Elberfeld i864 (Gymnasialprogramm). — II". Indices anti- 
quissimi eorum quae monasterio Werdinensi per Westfaliam redibant. pars. I, Elber- 
feld i869. — III*. Traditiones Werdinenses I (auch Berg. Zs. VI, S. i), Berlin i869. 

— III*>. Traditiones Werdinenses II (auch Berg. Zs. VII, S. 1), Berlin i87o. — Wilh. 
Erben, Die älteren Immunitäten für Werden und Corvei: Mitteilungen des Instituts 
für Österreich. Geschichtsforschung XII, S. 46. — Crecelius, Das Güter- und Ein- 
nahmeregister der Abtei Werden: Neue Mitteilungen des thüring.-sächs. Altertums- 
vereins XI, S. 5i8. — Ders., Aufzeichnung über die von Abt Johann von Werden 
i332 vorgenommenen Belehnungen: Zs. des histor. Vereins für Niedersachsen i87o, 
S. i77; i874, S. 98. — H. Oesterley, Wegweiser durch die Litteratur der Urkunden- 
sammlungen I, S. 546. 

Ansichten Ansichten, i. Grosse Ansicht bei Braun u. Hogenberg, Städtebuch III, 

pl. 4o, 4 1,5 X 18,3 cm, links oben Kartouche mit: civitatis werdenae exactis. des- 
CRiP. Vgl. Ann. h. V. N. XXXVI, S. i79. Nachbildung, Zeichnung von G. A, Fischer, 
als Beilage zur Berg. Zs. XXII. 

2. Stich, Ansicht von der Ruhr, 1 7,3 x 8,7 cm, nach Braun u. Hogenberg, bei 
Merian, Topographia Westphaliae, p. 7o. 

3. Stich von E, Theloti, i7,5xii cm, vom Anfang des i9.Jh., bez.: werden an 
DER RUHR im GROSSHERZOGTUM BERG, Ausicht vou Abtei und Schloss. 

Handschriftl. Qu. Im Pfarrarchiv: i59 Urkunden von i io3 an (geordnet, 
aber ohne Repertorium). — Registrum receptorum et expensorum Theoderici abbatis 
Werdenensis ab a. i477. — Verzeichnis der Geldgeschenke der Abtei von 1600— i6i3. 

— Annales imperial, immediatarum liberarum et exemptarum ecclesiarum Werdinensis 
et Helmstadensis, von Greg. Overham i724, 484 p. mit Index (Abschrift). — Index 
des alten Stiftsarchives vom J. i782, Pap. fol. — Catalogus abbatum, wohl von Bern- 
hard Rosskamp (t i7o5), in zwei Fassungen. 

Im Stadtarchiv: Städtische Privilegien von 1600 — 1681 (II, i), Kriegsbeschwer- 
den u.a. von 1600— 1684 (XI, i3, i4), Religionsbeschwerden i6i8—i774 (XIII, i), 
Städtische Rechnungen von 161 1 ab (XIX, 3— XXII), Hebezettel der Stadt i5oo bis 
i79o (XXVIII, 1), Urkunden von i554 an. 
DüsMidorf Im Staatsarchiv zu Düsseldorf: 679 Urkunden von 802 — 1806, 4 aus dem 

9., 3 aus dem 10., i3 aus dem 11., 16 aus dem 12., 65 aus dem i3.Jh. — 53o Lehens- 
urkunden und Schuldbriefe von i4o2 — 1802. Vgl. Ilgen, Rhein. Archiv S. 49. 



Handtchriftl. 
Quellen 
Werden 



326 



WERDEN 



79 



Die Aktenregistratur in i3 Abteilungen: i. Abtswahlen, Regalien, Auf- 
nahme von Konventualen, 2. Pfarrkirchen und Kapellen, 3. Bursfelder Kongregation, 

4. Vogtei über Stift Werden und Herrlichkeit Friemersheim, 5. Abtei und Stadt Helm- 
städt, 6. Stifts- u. Landeshoheit, Wissenschaftliches, 7. Stadt Werden und Dorf Kettwig, 
8. Lehensachen, 9. Hofesverfassung und Hofesgüter, 10. Rechnungen, 11. Reichs- und 
Kreissachen, 12. Kriegslasten, i3. Zunft- und Gewerbesachen. Von alten Rechnun- 
gen erhalten: Computus officiorum parvorum, granarii, fabricae von i33o, i423 bis 
1475 (X, I, 2), Computus cellariae von i432 ab (X, 3), Computus abbatiae von i392 
bis 1438 ff. (X, 4). 

An älteren Heberegistern und Urbaren (vgl. Crecelius, CoUectae Einl. und 
Lamprecht, Verzeichnis niederrhein. Urbarialien S. 33) vor allem Hs. A. 88, Hebe- 
register des 10. — 1 1. Jh., 4®, 4o Bl. (Lamprecht Nr. 1. — Lacomblet, Archiv II, S. 2i7; 
III, S. i79. — Crecelius, Collect I, p. 24). — Hs, A. 89, Heberegister des 10. — 11. Jh., 
Sammelbd. 8®, 3o Bl. (Lamprecht Nr. 2). — Hs. A. i33, Heberegister vom J. io32, 
4®, 22 Bl. (Lamprecht Nr. 3). — Hs. A. i34, Prepositure antiquissimum registrum, 
conscriptum tempore Wilhelmi 32. abbatis (t 1160), fol., 32 Bl. (Lamprecht Nr. 5. — 
Berg. Zs. II, S. 3o6). 

An Kopiaren: Hs. B. 5972» Liber privilegiorum maior monasterii Werdinensis, 
um 1 160, fol., 66 BL, enthält die traditiones und privilegia, vom Bl. 4i* ab Heberegistei 
des 12. Jh. (Lamprecht Nr. 4. — Crecelius III", S. 2. — Lacomblet, Archiv II, 

5. 2o9; III, S. 180). — Hs. B. 59 Vi, Liber minor privilegiorum Werdenensis, i4.Jh., fol., 
48 BL, mit Index, die i. Urkunde von 1002 (Berg. Zs. VI, S. 1; VII, S. i). — Reding- 
HOVENsche Hs. A. 24, BL 45* Decani eccL Werd., 47« Scholastici, BL 33 1» Catalogus 
dom. abbatum. 

In der LandesbibL zu Düsseldorf: Hs. G. 7, Annales imperialium imme- 
diatorum monasteriorum Werthinensis et Helmstadensis, a viro historiarum gnaro d. 
Gregorio Overham, praeposito Helmstadensi, quondam cellerario, archivario et priore 
Werthinensi, studiose concinnati, bis i646 geführt, i836 aus der Bibl. Büloviana er- 
worben (Abschrift). 

Im HerzogL Braimschweig. Landesarchiv zu Wolfenbüttel (vgL Jacobs 
S. 6) : Annales monasteriorum Werthinensis et Helmstadiensis autore Greg. Overham, 
foL, 583 BL, bis i646 (VII, B. 21), Originalhs. — Cod. Ludgeri Werdinensis. Varia sub 
diversis abbatibus actitata, Urkunden-Abschrift und Auszüge von Ad. Overham (VII, 
B. 22). — Werdensia von der Hand Ad. Overham.s, Auszüge aus dem Kalendarium, 
Einkünfteverzeichnisse, alte Grabschriften, Catalogi abbatum etc. (VII, B. 26). Collectanea 
Adolphi Overham in 8 FoL-Bänden (Inhalt verzeichnet von Ficker in der Westfäl. 
Zs. XIII, S. 2 76). — Chronicon monasterii Werthinensis 7i9 — 1685 (VII, B. 27). — 
Catalogus abbatum Werdinensium, verfasst i693 vom Propst Aemil. Rhamann. — 
Catalogus fratrum Werdinensium professorum de a. i658 — 1774 (VII, B. 25). 

In der HerzogL BibL zu Wolfenbüttel (WestßlL Zs. XIII, S. 29i): Cod. 69o 
Heimst. 4. Kollektaneen Ad. Overhams über Werden und Helmstädt, BL i — 8 Wer- 
dener Urkunde aus dem Liber privileg. maior et minor, BL 11 1 — 161 Abschrift des 
alten registrum praepositurae Werthinensis (Original in Düsseldorf). — Cod. io5. 
Heimst, fol. Pap., i5.Jh., Liber privilegiorum monast. Helmenstadensis, mit vielen Ur- 
kunden Werdener Äbte aus dem 12. — i5.Jh. 

In der UniversitätsbibL zu Leiden: Cod. Voss. 55, Traditiones Werthin enses, 
II. Jh., am Ende unvollständig, das erste Werdener Chartular enthaltend (Archiv der 
Ges. für ältere deutsche Geschichtskunde VII, S. 997. — Lacomblet, U B. I, S. xi). 



Haadiehrim. 
Quellen 



Wolfenbüttel 



Leiden 



327 



8o 



KREIS ESSEN 



HandschriftL 
Quellen 
HnnDover 



Köln 



München 



Xnnten 



Berlin 



Münster 



Abteilcirche 
I<itteratur 



Geschichte 



In der Kgl. Bibl. zu Hannover: (Westföl. Zs. XIII, S. 264; XXII, S. 6i5) 
Schrank i3, Markana: Werthinensia, Notizen von Meibom u. Leibnitz mit Urkunden 
in Abschrift. — Chart. 4®, i7.Jh., 12. BL, Catalogus abbatum bis 16 r 4, nebst Verzeich- 
nis der zu Werden gehörigen Pfarreien. — Epitaphien der ersten Äbte bis Hilde- 
grim IL — Abtskatalog des 16. u. i7.Jh. 

Im Stadtarchiv zu Köln: Abschriften von Urkunden in den Farragines des 
Gelenius IV, El. i — 29. — Observationes ex bibliotheca imperialis liberae abbatiae 
Werdenensis i646: Farragines XIV, Bl. 587. — Catalogus dominorum abbatum Wer- 
theimens. et Helmenstedens. bis i667, fortgeführt bis 181 5: Farragines XX, Bl. 629. 

— Hs. 48, Forst, Materialien zur Geschichte der Abteien Werden und Helmstädt, 
i9.Jh. (Mitteilungen aus dem Stadtarchiv zu Köln XX, S. 73). 

In der Kgl. Bibl. zu München: In der Redinghovenschen Sammlung, Cod. 
germ. 22i3, Bd. V, Bl. 288« Privilegien von 888 ab, Bl. 297»> Epitaphien; XIV, Bl. 279«, 
285 ^ 299« Urkunden von 888, i3i7, i5i 1, i575, i579; XV, Bl. ii4 — 139, Urkimden 
von 802 ab; XVI, Bl. 66« älteste Diplome; XVII, Bl. 96 Index der Urkunden; XXXI, 
ßl. 532 Privilegien. 

Im Stiftsarchiv zu Xanten: Kurzer Abtkatalog von 777 — i78o bei Pels V, 
Bl. 378. 

In der Kgl. Bibl. zu Berlin: Cod. Borrus. fol. 578, Pap., von i58o, Bl. 16«: 
Insignis monasterii s. Ludgeri Uuerthinensis annales et catalogus abbatum, bis i572, 
aus dem Besitz von L. Tross 1826 (vielfach abweichend von Bucelinus u. O verkam). 

Im Staatsarchiv zu Münster i. W.: Urkundenabschriften u. a. in der Kind- 
LiNGER sehen Sammlimg Bd. XI, XV. 

ABTEIKIRCHE. Reisak, Bau und Ausstattung der jetzigen Abteikirche: 
Der Sprecher, rheinisch-westßll. Anzeiger 1 834, Nr. 6, S. 89. — Prisac, Kirchen und 
Bauwerke: Kölner Domblatt i844, Nr. 100. — Wulff, Die Abteikirche in Werden 
a. d. Ruhr: Baüdris Organ für christliche Kunst XVI, S. 97; XVII, S. 8. — Kölner 
Domblatt 1861, S. 200. — H. Geck, Die Abteikirche zu Werden, Essen i856. Dazu 
Kugler im deutschen Kunstblatt VII, S. 24o; B. J. XXIX, S. 254; Baudris Organ VI, 
S. 168; V. Quast in der Zs. für christliche Archäologie und Kunst I, S. 47. — Cremer, 
Die Stiftskirche zu Werden: Rombergs Zs. für praktische Baukunst i853, S. i9S, 
Taf. 27. — Stüler u. Lohde, Die Abteikirche zu Werden: Zs. für Bauwesen VII, 
i857, S. i63, 55 1, Bl. 20—25. Dazu B. J. XXVIII, S. 99. — Kugler, Geschichte der 
Baukunst II, S. 3i6, 339. — Lotz, Kunsttopographie I, S. 620. — Otte, Geschichte 
der romanischen Baukunst S. i87. — Schnaase, Geschichte der bildenden Künste V, 
S. 363. — Otte, Handbuch der Kunstarchäologie II, S. 9i. — Dohme, Geschichte der 
deutschen Baukunst S. 126, i33. — Dehio u. v. Bezold, Die kirchliche Baukunst des 
Abendlandes Taf. 42, 4, 4«; 44, 6; i7o, i; 182, 4; Text I, S. i64, i92, 2i7. — Prinz- 
hausen, Über die Restauration der Abteikirche: Essener Zeitung i883, Nr. 26, 2. Bl. 

— Bericht von Prinzhausen im Kultusministerium zu Berlin, Abschrift in Werden. 

— W. Sauer, Verzeichnis der Reliquien in der Abteikirche: Picks Ms. II, S. 474. — 
W. DiEKAMP, Die Reliquien des h. Ludger: Westfäl. Zs. XL, S. 5o. — Ders. im 
Sonntagsblatt für katholische Christen, Münster 1881, Nr. 5. — H. Graf, Beiträge zur 
Entstehungsgeschichte der kreuzförmigen Basilika: Repertorium für Kunstwissenschaft 
XV, S. 94. — Ein umfassendes Werk von W. Effmann befindet sich unter der Presse. 

Ludger, der nachmalige Bischof von Münster, der zu Utrecht und York seine 
geistige Ausbildung empfangen, gründete vor dem Jahre 796 in Uuerithina im Wenas- 
walde an der unteren Ruhr (ursprünglicher Name Diapenbeci von dem gleichnamigen 



328 



WERDEN 



8i 



Bach: Lacomblet, UB. I, Nr. ii, 12, i3, i7, r9) ein Kloster, um die Sachsen im Abteikirche 
Christentume zu befestigen. Am 24. Febr. 796 geschieht die erste Schenkung für das 
Kloster (Lacomblet, U B. I, Nr. 6). 




Fig. 36. Werden. Nordwesuin«icht der Abteikirche. 

Im J. 800 begann Ludger den Bau einer Kirche (Schenkung vom J. 800 ad Äiie«ter Bru 
construendam ecclesiam: Lacomblet, U B. I, Nr. 16), die am 8. Mai 801 noch nicht 
vollendet war. Sie ward wahrscheinlich erst 8o4 eingeweiht (Jacobs S. i7). Das 
Diplom Karls des Grossen vom 26. April 802, das die Kirche schon vollendet nennt, 



3a9 



'^2 fJcfRiErrs »essf:?! 

Abteikircbe ist unccht (LÄcoMBLEft, Ü B. I, Nr, 26. — BÖHMER -MÜHLBACHER, Hegesten dcs 
Kaiserreichs unter den Karolingern Nr. 38o. — Erhard, Regesta hist. Westfal. I, 
p. 82). — Diese erste Kirche war, wie Effmann nachgewiesen hat, die bis in das i8. Jh. 
vorhandene Stephanskirche, die i534 wiederhergestellt wurde (Wolfenbüttel, Herzogl. 
Staatsarchiv, Varia VII, Bd. XXII, p. 3oi. — Bucelinus II, p. 322: ecclesiam anti- 
qiiam Salvatoris a sanctissimo . . Ludgero olim excitatam et dedicatam ante maiorem 
basilicam iam tum ruinam minitantem solidissime restauravit et quasi novara perfecit). 
Orabeskirche Nach dem Tode des h. Ludger im J. 8o9 wurde östlich (Vita s. Ludgeri I, lib. 

II, c. 8 : extra ecclesiam in parte orientis) von der alten Kirche eine von ihr unab- 
hängige Grabeskirche errichtet, in der sich das Grabmal des h. Ludger befand (Vita 
s. Ludgeri I, lib. III, c. 6: in ea porticu, quae est ante basilicae ianuam, infra quam 
s. sacerdotis sepulchrum susceptum est). Vgl. Diekamp in der Westfäl. Zs. XL, S. 60. — 
Wulff i. Organ f. christl. Kunst 1866, S. 121. — Graf i. Repert. XV, S. io3, A. 36— 4i. 
Saivatorkirchc Der Bau der grossen Salvatorkirche wurde gleichfalls von Ludger begonnen 

(nach dem Wortlaut der Einweihungsurkunde), aber erst 875 vollendet. In diesem 
Jahre kam der Kölner Erzbischof Willibert nach Werden, um mit dem letzten der 
Ludgeriden, dem Abte Hildegrim IL, zusammen die Kirche zu weihen (Niesert, 
Münsterisches U B. II, S. 7. — Erhard, Regesta hist. Westfal. III, Nr. 448. — Hu- 
mann in den B. J. LXXXXIII, S. igt. — DäaaeWorf, Staatsarchiv, Hs. A. 88, Bl. iS»). 
Die Basilika wurde nach Osten Über das Grab des h. Ludger hinweggebaut, so dass 
der Hochaltar über der Grabkammer zu liegen kam (Vita s. Ludgeri II, c. i3: cripta 
necdum peracta erwähnt). Sie erstreckte sich, wie die Nachgrabungen der letzten 
Jahre ergaben, von der Ostseite des Westbaues bis zum Abschluss der Choranlage 
und besass kein Querschiff. 

Weatbflu von 943 Im J. 943 wurde durch Erzbischof Wigfrid von Köln eine Marienkirche ge- 

weiht. Der Liber privilegiorum maior (Berg. Zs. VI, S. 46) redet Bl. 26 nur von 
einer turris s. Marie, das Kalendar des Cod. lat. 358 saec. XI. der Kgl. Bibliothek 
zu Berlin, Bl. 106, enthält aber die Eintragung: XII. Kai. Sept. Dedicatio ecclesie 
s. Marie sive turris (Westfäl. Zs. XLIV, S. 74). Über die Lage Wulff im Organ 
für christl. Kunst 1866, S. i99. Dieser Marienturm kann nichts anderes sein als der 
spätere Petersturm, turris s. Petri, der jetzige Westturm, der demnach erst aus dem 

Resiaurmion der T. 943 stammt. Im J. io59 Stellt der 20. Abt, Gero, die verfallene Krypta wieder her 

Krypta von 1059 •' ■' ' -^ ^ 

luid errichtet vier Altäre m ihr. Bucelinus II, p. 3i4: antiquam et collapsam monu- 
mentis celebratam ac miraculis illustrem W^erthinensem criptam restauravit (Cod. 
Boruss. 578 zu Berlin fügt hinzu: maioris ecclesiae), Erzbischof Anno IL von Köln 
weihte sie ein (Th. Lindner, Anno IL, der Heilige, S. 1 1 1). 
ii?9-iirs6 ^"^ J- i^i9 zerstörte eine Feuersbrunst den grössten Teil der Kirche (Buceli- 

nus II, p. 3i5. — Cod. Boruss. 578, Bl. 21^ — Overham p. 3o7: coenobium cum 
basilica, prout a primis episcopis fundatoribus constructa fuerat, conflagravit. — 
ScHUNCKEN S. 73, 106). Der Neubau der Klosterbaulichkeiten erfolgte sofort unter 
Abt Berengozus (11 20 — 11 25). Cod. Boruss. 578, Bl. 2i*>: Iterum orsus fuit coeno- 
bium igne consumptum reaedificare, domos et habitacula pro fratrum commoditate 
necessaria construere. Ein zweiter Brand erfolgte unter Abt Gerhard von Grafschap 
(1228 — 1252). Overham p. 273: basilica Werth. tristi incendio cum multo ornatu, 

I Sacra supellectile et nonnullis sacris lipsanis conflagrasse legilur. Ein dritter Brand 

äscherte im J. 1256 Kloster und Kirche aufs neue ein (Bucelinus II, p. 3i7. — 

1 Overham p. 3o7. — Schuncken S. 106), und diesmal vollständig bis auf den West- 

! hause« V2ö7"r275 bau und die Krypta. Abt Albero, Graf von Teklenburg (i257 — 1277), imtemahm 

I 

I 33o 



WERDEN 



«3 



Restauration 
des 19 Jh. 



sofort den Neubau, der achtzehn Jahre in Anspruch nahm: erst 12 7S konnte die Abte ikir che 

Kirche durch Albertus Magnus eingeweiht werden (Overham p. 3o8. — Schuncken 

S. io7. — BucELiNUS II, p. 3i7: Hie caepit ecclesiam Salvatoris combustam iteruin 

aedificare, quae completa est an. circiter XX. Tota nova basilicae structura a summo 

altari usque ad turrim s. Pctri, structura vere basilica in circuitu, id est, ad latera 

diversis quondam sacellis uti etiam supra inferiores utriusque lateris fomices, ubi nunc 

foris fabrefacta peristylii spectatur forma 9 choris Angelorum stipata, totidemque spiri- 

tibus caelestibus erectis altaribus, quorum adhuc quaedam supersunt, quaedam tem- 

poris lapsu collapsa sunt (so). 

Unter Abt Johann III. von Spiegelberg (i382 — 1387) hören wir von einem Restaurationen 
Neubau des Turmes S. Petri (Bucelinus II, p. 32o. — Schuncken S. i33). Einer 
der Werdener Türme brannte i455 bei einem Donnerwetter aus (Chronik des Johann 
Kerkhörde: Deutsche Städtechroniken XX, I, S. 12 7). Eine erste Restauration der 
Kirche fand dann unter dem 54. Abt, Johann V., statt (i5i7 — iS4o). 

In den J. i588 und iS98 hatte Werden unter den Spaniern zu leiden, 1629, Zerstörungen 
i632 und i633 durch die Schweden, i634 endlich unter den hessischen Truppen. 
Stadt und Kloster wurden geplündert, vom Turm der Salvatorkirche Hess der Haupt- 
mann Wolfesdorf, homo obscurus et infamis, wie Overham p. 475 sagt, die Bleiver- 
deckung abreissen, um Kugehi daraus zu giessen. Die alte Ausstattung, die bei den 
einzelnen Plündenmgen des i7.Jh. schwer gelitten hatte, würde unter Abt Ferdinand, 
Freiherm von Erwitte (i67o — i7o6) durch eine neue reiche barocke Ausstattung ersetzt. 

Die noch nicht abgeschlossene Restaurationsperiode des i9. Jh. begann 1808 
(Ausführlich Flügge S. 23 i). Das Gitter, das den Chor lettnerartig nach Westen 
abschloss, wurde entfernt, der Boden des Chores geebnet, die beiden nach Süden 
in die Kreuzgänge führenden Portale vermauert, das grosse Nordportal offen gelegt. 
Im J. 181 1 wurde die Kirche gekalkt, 1823 der Turm gründlich repariert und mit 
Blei gedeckt. Infolge des Besuches des kunstsinnigen Kronprinzen Friedrich Wil- 
helm am 23. Oktober i833 wurde i839 eine umfangreichere Wiederherstellung be- 
gonnen, i844 — 1845 wurden die Kreuzgewölbe über den Emporen eingesetzt und die 
Dächer über denselben hergestellt, die massiv-steinernen Treppen, die zur Orgel und 
zu den Emporen führen, errichtet, i846 — 1847 die Zwiebelhaube des westlichen Turmes 
abgebrochen und durch eine polygonale ersetzt, die Krypta neu überdacht, die Nord- 
portale erneut In den J. i848 — 1849 wurde das Innere ausgebessert, mit Ocker ange- 
strichen, i85o — i85i um die Krypta ein Entwässerungsgraben angelegt. Die Leitung 
der Arbeiten lag in den Händen des Baumeisters von Lassaux und der Bauinspektoren 
Felderhoff und Oppermann. Die zweite Periode der Restauration der Abteikirche be- 
gann im Juni 1886 nach den von dem damaligen Regierungsbaumeister Prinzhausen 
ausgearbeiteten Projekten. Die Oberleitung der Arbeiten lag in den Händen der 
Kreisbauinspektoren Niedieck und Baurat Spillner in Essen und unterstand der Auf- 
sicht der Königlichen Regierung in Düsseldorf (Regierungs- imd Bauräte Lieber und 
Hasenjäger) sowie der Ministerien der öffentlichen Arbeiten und des Kultus (Geheime 
Ober-Bauräte Adler und Persius.) Die Spezial-Bauleitung war nacheinander anvertraut 
den Regierungsbaumeistem Nienburg 1886 — 1887, Klehmet i887, Kmttge i889 bis An- 
fang i892 und Senz von i892 ab. Von grösseren Arbeiten dieser Periode sind zu 
nennen: das Öfl&ien des grossen Westfensters im Hochschiff, die Herstellung des Vie- 
rungsturmes, dessen holzreiches, gedrehtes Dach durch ein eisernes mit Kupfer ge- 
decktes ersetzt wurde, femer die Erneuerung des Hochschiflfdaches, dessen First der 
ursprünglichen Anlage entsprechend gesenkt wurde, wobei auch hier die hölzernen 



33 1 



ö» 



j 



84 



KREIS ESSEN 



Beschreibung 
Grabeskirche 



Abteikirche Binder einer Eisenkonstruktion weichen musstcn, sowie schliesslich die Versteifung und 
Umdeckung der sämtlichen übrigen Dächer. Die Kosten der genannten Herstellungs- 
arbeiten belaufen sich bis jetzt auf ii4ooo Mark. 

Der älteste Teil der jetzigen Kirche ist die nach 8o9 als selbständiger Bau 
errichtete Grabeskirche des h. Liudger, in deren Vorhalle der Heilige (s. o. S. 82) 
beigesetzt worden ist. Sie ist zum grössten Teil erhalten in dem östlichen Haupt- 
bau der Krypta. Ursprünglich bestand sie wahrscheinlich aus einem nahezu qua- 
dratischen Bau, dessen Ostteil im Inneren mit halbrunden Nischen versehen war, wäh- 
rend die Vorhalle als Begräbnisort diente. Der Bau war äusserlich durch Pilaster und 
Rundbogenblenden gegliedert (Rekonstruierte Ansicht und Grundriss, beide etwas 
phantasievoll, im Organ für christl. Kunst XVI, Beilage zu Nr. 11, Bl. II, 23; Beilage zu 
Nr. i5, Bl. IV, i4. Vgl. ausführlich Wulff ebenda S. io9, 121). 




Fig. 37. Werden. Innenansicht der Grabeskirche. 

Umbauten Nach dem Einsturz im J. io59 (s. o. S. 82) wurde an die Ostseite eine halbrunde 

Apsis angefügt (ihre spätere Ergänzung in die Augen springend, da sie die Blenden - 
architektur jäh unterbricht) und gleichzeitig in die Ostmauer ihr zur Seite grössere 
Rundbogenfenster gebrochen, die obere Hälfte der eingestürzten Südseite wurde 
erneut (an der unteren sind die Pilaster noch sichtbar), die nördliche erhielt eine 
75 cm starke Vorlage (die Trennungsflächen der beiden Mauern sind in den Fenster- 
laibungen noch sichtbar), später eine zweite So cm starke. Die Südmauer ist bei der 
Anlage des Entwässerungsgrabens durch fünf Bogen abgesteift worden. Der Umstand, 
dass die Grabeskirche beinahe die gleiche Fussbodenhöhe mit der alten Peterskirche 
(der alte Fussboden im Längsschnitt Taf. III eingezeichnet) hatte und ihre Aussenarchi- 
tektur beweisen, dass sie nicht als halb in die Erde versenkte Krypta geplant war. 
Innenarchitektur Die Innenseiten der Krypta zeigen im Norden und Süden Nischen mit zweimal 

abgetreppten Gewänden, in die zum Teil kleine Rundbogenfenster eingebrochen sind. 



332 



WERDEN 



85 



Nach Osten in der stärkeren Mauer drei grössere Nischen für Altäre, die mittlere Abteikircbe 
durch die Apsis ersetzt. Die Wandpfeiler haben ganz flache in den Stein hinein- 
geschnittenc in einer Nachahmung des Kerbschnittes gearbeitete Kapitale mit Akan- 
thusblattmotiven (Abb. Organ für christl. Kunst XVI, Beilage zu Nr. i7, Bl. V, 8). 

Die vier monolithen 2,55 m hohen Säulen auf ihren steilen eckblattlosen attischen s&uien 
Basen mit den sorgsam ausgeführten antikisierenden Blattkapitälen (Abb. Organ für 
christl. Kunst XVI, Beilage zu Nr. i7, Bl. V, lo), die beiden östlichen mit zwei Reihen 




-f-4 1 1 ! 



^ 



-:?• 



Fig. 38. Werden. Grundriss der Krypta und der Gnibeskirche. 



von Blättern übereinander, darüber kleine Voluten, die beiden westlichen mit zwei 
Reihen von Akanthusblättem, darüber eine ausgeschweifte Deckplatte mit Mittel- 
köpfen, weichen sowohl in der stilistischen Formensprache wie der Ausführung von 
den Wandpfeilern der Krypta und den Kapitalen im Westbau so stark ab, dass sie 
nebst den in Tuffstein ausgeführten Kreuzgewölben dem Erneuerungsbau nach io59 
zuzuweisen sind. 

Die litterarischen Nachrichten sind bestimmt genug, um darnach die Grabeskirche 
im Ganzen, nicht aber in ihren einzelnen Teilen genau bestimmen zu können. Doch 



Zeit 



333 



86 



KREIS ESSEN 



Abteikirche rein Stilistische Merkmale, einmal die für das 9. und lo.Jh. höchst charakteristische 
Nischenarchitektur (s. u. S. 93), sodann der in die Augen springende Unterschied 
zwischen der technischen Behandlung bei den archaisch unbeholfenen Pilasterkapitälen 
und den freieren Säulenkapitälen, endlich die deutlich zu scheidenden zwei Perioden 
im Mauerwerk scheinen mir, trotz Effmanns Widerspruch, auf den karolingischen Ur- 
sprung der Anlage hinzuweisen. Die Nachricht von der Wiederherstellung der Krypta 
im J. io59 redet ausdrücklich nur von einer Restauration, nicht von einem Neubau. 
An der eigentlichen, unter dem Chor gelegenen Krypta, die durchaus die Formen 
des Baues von 875 zeigt (s. u. S. 93), ist aber von einer Restauration nichts bemerk- 
bar — die Nachricht kann sich also nur auf die Grabeskirche beziehen. 
Kiypt« Die unter dem jetzigen Chor und unter der Apsis der 875 (nicht erst unter 

Abt Adalwig um io7o, wie Graf a. a. O. S. io5 will) eingeweihten Salvatorkirche 
gelegene eigentliche Krypta (Fig. 38. — Dehio u. v. Bezold, Taf. 42, 4, 4», i7o, i) 
besteht aus der i,4o m breiten mit einer Tonne überdeckten Grabkammer K, die 
auch von Süden durch einen nur 75 cm breiten Gang zugängig ist und den im 
Halbrund um sie geführten 1,2 5 m breiten, 2,10 m hohen mit Tonnen überspannten 
Gängen 00 in Gussmauer^'erk. Die Apsis wurde in der Weise an die Westmauer der 
alteren Grabeskirche angefügt, dass das neue Mauerwerk direkt in jene eingebunden wurde. 

Mosaikfuasboden Die Grabkammer K bewahrt zwei verschiedenartige Reste eines Mosaik fuss- 

bodens aus dem i4. Jh., die beide das Mäandermotiv nachahmen; der eine zeigt auf 
weissem Grunde einfache schwarzblaue Bänder, der andere ist noch durch eine rote 
Mittellinie reicher ausgestaltet (Kalkstein und Ziegelstücke). Abb. Organ für christl. 
Kunst XVI, Beilage zu Nr. i3, Bl. III, 18. — E. aus'm Weerth, Der Mosaikfussboden 
in S. Gereon zu Köln, Bonn i873, S. 11. — Ähnliche Muster in Köln, S. Gereon und 
S. Severin (Abb. bei aus'm Weerth) und in St. Denis (Revue de Tart chretien I, p. 98). 
— In der Tiefe von i5 cm unter dem jetzigen Fussboden der Grabeskirche wurde 
der gleiche Mosaikbodenbelag entdeckt, nach ihm der neue sorgsam hergestellt (Eff- 
mann i. d. Zs. für christl. Kunst I, Sp. 368). 
Wesibau Der zeitlich am nächsten stehende Teil ist der 943 vollendete Westbau (Fig. 36 

und 39 A). Der Westturm erhebt sich über der in i m Höhe über dem Ansatz der 
Pultdächer sichtbaren, über die Mauer nicht vorspringenden Horizontallisene in der Höhe 
von drei Stockwerken. In dem untersten befanden sich ehemals nach Norden und Süden 
je zwei hohe rundbogige Fenster, zwei weitere breitere in dem zweiten Geschoss. Beide 
Paare sind vermauert, an die Stelle der oberen sind bedeutend schmälere getreten, 
in denen — in der Mauerstärke — an hölzernen Achsen die Glocken aufgehängt 
sind. Über den Gewölben sind an den Innenseiten der Turmmauem nach Westen, 
Norden und Süden grosse rundbogige Blenden sichtbar. Der grosse Bogen, der sich 
nach dem Langhaus öffnet, ist von einem Entlastungsbogen überwölbt, zwischen 
beiden Bögen ist eine Hand breit Raum gelassen, damit der untere Bogen, sofern 
der obere sich setzen sollte, nicht gedrückt werde. An der Nordwestecke des Turmes, 
befindet sich ein vierseitiger, an der Nordostecke ein halbrunder Vorsprung, deren 
Bestimmung nicht feststeht (Rest eines Treppenturms oder Aufsatz für Skulpturen?). 
obergctchoM Das in den vierziger Jahren unseres Jahrhunderts neu aufgesetzte Obergeschoss 

zeigt auf jeder Seite je zwei grosse rundbogige Doppelfenster von schweren und 
wuchtigen Formen, mit zweimal abgetreppten Gewänden und einer Mittelsäule mit 
Würfelkapitäl. Den oberen Abschluss bildet ein Rundbogenfries, darüber ein aus auf- 
steigenden Akanthusblättem gebildeter Fries, der ebenso die acht niedrigen Giebel 
des Turmes einrahmt. Das niedrige Dach ist sechzehnseitig. Vor der Restauration 



334 



WERDEN 



87 



trug der Turm eine einfache Zwie- 
belhaube des i7. Jh. (Abb. i. d. Zs. 
für Bauwesen i857, Bl. 21). Die 
früheren Turmhauben sichtbar in 
der Ansicht i (s. o. S. 78). 

Die Aussenmauem der Sei- 
tenschiffe des Westbaues schliessen 
mit einem KJötzchenfries ab, im 
oberen Stockwerk drei vermauerte 
Fenster, im unteren gleichfalls drei 
Fenster von sehr einfachen For- 
men. Der Obergaden der Seiten- 
schiffe war ursprünglich durch 
grosse rundbogige Blenden geglie- 
dert, von denen nur an der West- 
seite und an der Nord- und Süd- 
seite je eine erhalten sind — an 
der Südseite sind in sie zwei 
schmale rundbogige Fenster ein- 
gebrochen. Die westlichen Schmal- 
seiten der beiden Seitenschiffe zei- 
gen im Erdgeschoss je eine kleine 
vermauerte Thür. Die Westfa^ade 
ist durch die Restauration von 1886 
stark verändert worden. Der (er- 
neute) Giebel ist durch Rundbogen- 
fries eingerahmt und durch drei 
Rundfenster belebt, in der Mitte 
der Wand zwischen zwei wenig vor- 
springenden spitzbogigen Blenden 
ein grosses dreiachsiges Fenster 
mit einem Sechspass und zwei 
Dreipässen im Couronnement des 
Masswerk^ 

In den Seitenschiflfen des 
Westbaues befinden sich zwei mit 
Tonnen überspannte kapellenartige 
Räume, die trennenden schweren 
und ungegliederten Pfeiler sind 
durch i,i3 m breite etwas abge- 
flachte Bögen mit den Aussen- 
mauem verbunden. Nach den 
Aussenseiten in jeder Tonne je 
ein wenig abgeschrägtes Rund- 
bogenfenster. 

In dem westlichen massiven 
Teil führen zwei nur 1,20 m breite 
Gänge nebeneinander her, die die 




Abteiicirche 



Aiissenmauern 



Seitenschiffe 



Fig. 39. Werden. Grundriss der Abteikirche. 



335 



88 



KREIS ESSEN 



Abteikirche 



Emporen 



Vorhiille 



Pönal 



Paradiet 



Neubau 

de* 13. Jh. 

Äussere« 



ZU den Emporen führenden Treppen enthalten. In den äusseren Gängen wölben sich 
unter den Treppen aufsteigende Tonnen, der Raum öffnete sich nach Westen ur- 
sprünglich mit einem rundbogigen Portal; dieses wurde später vermauert und dafür 
ein kleines Rundbogen fenster eingesetzt. 

Die Emporen des Westbaues sind von zwei durch Gurte getrennten Grat- 
gewölben überspannt, den Gurten entsprechen an beiden Seiten Halbpfeiler mit ein- 
fachen Kämpfern. An der Nordseite des Westturmes sind über den jetzigen Gewöl- 
ben der Seitenschiffe bedeutende Ansätze von leicht nach aussen geneigten Tonnen- 
gewölben sichtbar. Die Emporen des Langhauses liegen um fünf Stufen höher als 
die im Westbau. Letztere öffnen sich nach dem Mittelschiff mit je drei Doppel- 
fenstern. Das äussere westliche Paar gehört nebst dem darüber befindlichen Fenster 
der Bauperiode vom i3.Jh. an, die beiden unter dem Turm gelegenen Paare haben 
die Formen des alten Baues rein bewahrt. Sie zeigen tief herabgehende einfache 
Rundbögen, in die die Fensterbögen direkt eingespannt sind. Die Bögen werden 
getragen von je einer 2,55 m hohen Säule mit hoher und steiler Basis. Das Kapital 
besteht bei einer Säule aus einem doppelten Blätterkranz mit darüber gestellten rohen 
Voluten, bei den anderen drei aus umgeklappten pilzartigen Kelchen mit dreimal 
abgetreppten Kämpfern, eine Form, in der Dehio u. v. Bezold (S. i93) eine spezifisch 
angelsächsische Übung sehen. 

Im Westen tritt der Kirche eine mächtige Vorhalle (Fig. 36 und 39, B) vor, die 
sich nach Westen mit einem einzigen 5,8o m breiten Rundbogen öffnet, der auf i,o5 m 
breiten Halbpfeilern ruht. Vorlagen von gleicher Breite treten an den äusseren Ecken 
nach Westen wie Süden und Norden risalitartig vor; um alle zugleich ist der einfache 
aus Deckplatte und Schmiege bestehende Kämpfer herum verkröpft. Nach Westen 
wird der Bogen von einem (in Backstein erneuten) flachen Giebel gekrönt. Die durch 
die wuchtigen Formen und die bedeutenden Spannungen äusserst wirkungsvolle Halle 
ist von einem aus Tuffziegeln aufgeführten Kreuzgewölbe getragen, dessen Schildbögen 
auf um 2 5 cm vorstehenden Eckpfeilern ruhen. Die Seitenwände sind durch je ein 
romanisches Doppelfenster gegliedert mit schwerem Bogen, einfachem Kämpfer und 
Mittelsäule mit Würfel kapital. Eine breite Freitreppe von zwölf Stufen, die den ganzen 
Raum der Halle einnimmt, führt zu dem Portal empor, dessen innere Gewände mit 
abgefassten Kanten zweimal abgetreppt sind und das in den Abschrägungen je zwei 
Säulchen enthält, die sich über den einfachen Kelchkapitälen als Rundstäbe fortsetzen. 
Der vordere Teil der Portalgewände bildet eine Tonne, in der drei zu einem Bündel 
vereinigte auf Konsolen ruhende Rundstäbe als Gurt herumgeführt sind (Instruktiver 
Längsschnitt durch Westbau und Vorhalle bei Dehio u. v. Bezold, Taf 44, 6). Hinter 
dem jetzigen Portal befindet sich, durch das erstere verdeckt, in der Westwand der 
Kirche das alte Portal von dem Bau vom J. 943 (angegeben in Taf. IH). 

Die Vorhalle selbst gehört wahrscheinlich einem der Umbauten des 1 1. oder 12. Jh. 
an. Bei den Restaurationsarbeiten des J. i89i — 1892 ergab sich, dass sie nicht in 
den Westbau eingebunden war, und dass die Mauer, an die sie angelehnt ist, ursprüng- 
lich mit Malerei bedeckt war. 

In der Entfernung von 6,3o m nach Westen zieht sich eine Mauer hin, an der 
den Stirnrisaliten der Vorhalle Ansatzstümpfe entsprechen; der Vorhalle gegenüber 
öffnet sich eine flache und gedrückte Apsis C von 5 m Sehnei)spannung — die ein- 
zigen Reste des vor der Vorhalle gelegenen Paradieses. 

Der Neubau des i3.Jh., in den prächtigen Formen des rheinischen Übergangs- 
stiles aufgeführt, bildet eine dreischiffige Kirche mit Querschiff, achtseitigem Vierungs- 



336 



WERDEN 



89 




Abteikirche 



4^ 



■+- 



^ 



F\g, 40. Werden. Querschnitt durch das Kreuischtfl* der Abieikirche. 

337 



9o 



KREIS ESSEN 



Abteikirche turm und Emporen über den niedrigen Seitenschiffen, von denen zwei Gewölbejoche 
zusammen einem MittelschifFjoche entsprechen. Die lichte Länge dieses Teiles beträgt 
46,1 m, die lichte Breite 21,2 m, das QuerschifF ist 28,4 m lang und 8,8 m breit. 
Obergaden Der Obergaden des Mittelschiffes ist unter dem Dachgesims durch einen Rund- 

bogenfries gegliedert und durch vier grosse aus der achtseitigen Rose konstruierte 
Rundfenster belichtet. An den Westecken und zwischen dem zweiten und dritten 
Fenster eine Vertikallisene (Fig. 36). 
Seitensehiflre Die Seitenschiffe zeigen drei grosse dreiteilige Fenster von höchst einfacher 

Gliederung, im Spitzbogen geschlossen, die einzelnen Lichter nur wenig abgeschrägt. 
Darüber je ein einfaches rundbogiges Fenster. An der Stelle des vierten westlichen 
Fensters befindet sich an der Nordseite ein grosses romanisches Portal, i847 durch- 
weg in Haustein erneuert, mit je zwei Säulchen in den abgetreppten Gewänden, die 
sich über der durchlaufenden Deckplatte als ornamentierte Rundstäbe fortsetzen. Die 
Ornamentik roh und missverstanden (Fig. 36). 
Querarme Die Querarme setzen in Dachgesims und Rundbogenfries die Gliederung des 

Mittelschiffes fort. An den äusseren Kanten der Nordseite sind breite, um 10 cm vor- 
stehende Lisenen niedergeführt, die am Fusse die ausserordentliche Breite von i,5om 
erreichen. Die Ost- und die Westwand sind durch je ein grosses rundbogiges Fenster 
belebt, die Stirnseiten durch drei Fenster (im Norden in grosse, leicht spitzbogige 
Blenden eingebrochen), von denen das mittlere im Norden um i m höher hinauf- 
gerückt ist, die die Sohlbänke fortsetzende Horizontallisene schlägt dieselbe treppen- 
förmige Abstufung ein. In der Giebelwand darüber drei in Medaillons eingezeichnete 
Vierpassfenster. An der Nordseite ist i847 an Stelle des alten ein grosses, prunk- 
reiches Portal errichtet worden, mit je drei Säulchen in den abgetreppten Gewänden, 
der Giebel darüber getragen von zwei völlig freistehenden Säulen. Das alte Südportal 
gleichzeitig vermauert. (Der Sockel liegt i m unter dem aufgeschütteten Boden.) Es 
zeigt in den Gewänden zwei Säulen mit Ringen, die sich als Rundstäbe fortsetzen, 
über der Thüröffnung das Tympanon ganz leer (für Bemalung bestimmt). 
Apuden Die an die Ostseite eines jeden der Kreuzarme angebaute Apsis war ehemals 

nur durch zwei dünne Vertikallisenen an der Seite und einen Rundbogenfries aus 
Tuff gegliedert und von einem grossen Rundbogenfenster erhellt. Sie wurden mit 
den Seitenschiffen des Chorhauses durch eingefügte runde Treppen türmchen in Ver- 
bindung gebracht, um die der Rundbogenfries verkröpft ward. 

vierungiturm Der achtseitige Vierungsturm ist mittelst — im Inneren sichtbarer — Penden- 

tifs aus dem Viereck übergeführt, denen im Äusseren Abdeckungen von Niedermen- 
diger Basaltlavaplatten mit im stumpfen Winkel gebrochenen Kanten entsprechen. Die 
acht Seiten sind durch Vertikallisenen und einen Spitzbogenfries eingeschlossen und 
enthalten je ein einachsiges Fenster von höchster Einfachheit der Gliederung. Auf- 
fallend reich im Gegensatz hierzu erscheinen die kleinen Giebelchen darüber. Die 
Horizontallisene unter ihnen wie die Giebelgesimse zeigen nebeneinander einen Klötz- 
chen- und einen Schuppenfries; jeder Giebel enthält ein dreiteiliges Spitzbogenfenster, 
der mittlere gestelzte Bogen von zwei freistehenden Säulchen getragen. Die neue 
eiserne mit Kupfer bekleidete Turmhaube ist achtseitig. 
Chorhaus Das Chorhaus ist wie das Mittel- imd Querschiff im Obergaden unter dem 

aus zwei Wülsten und einer Kehle gebildeten Dachgesims mit einem Rundbogenfries 
abgeschlossen. An der Ostseite befinden sich drei Rundfenster, darüber ein in ein 
Rundmedaillon eingezeichnetes Vierpassfenster. Jede der Längsseiten ist durch zwei 
grosse aus der achtblätterigen Rose konstruierte, von einem Rundstab eingefasste Rimd- 



338 



Tii 


E N£W YORK 


PUB 


LIC LIBRARY 


AS'l 


^^(, LLNOX AND 


TILDl 


:n KüUNDAllUN» 


R 


L 



WERDEN 



9l 



Chor 



Inneres 
Langhaus 



fenster belebt An der Südostecke auf einem vorgekragten Halbrund ein gut stili- Abteikirche 
sierter steinerner romanischer Löwe. 

Das nördliche Seitenschiff des Chorhauses ist nur an der Längsseite durch einen 
Rundbogenfries gegliedert. Die alten romanischen Fensteröffnungen sind zum grossen 
Teil vermauert; erhalten ist nur an der Ostseite ein schmales Fenster im Obergaden, 
und im Untergeschoss ein kleines, den südlichen Zugang zur Krypta erhellendes Rund- 
fenster. Im Hauptgeschoss ist ein grosses spitzbogiges Fenster eingebrochen. 

Der Chor ist fünfseitig und mit einem fünfseitigen sternförmigen, mit Zinkblech 
verkleideten Dach eingedeckt, über den fünf Feldern in Tuffstein i846 aufgesetzte 
Giebelchen mit eigenen Satteldächern. Jede der fünf Seiten ist durch Vertikallisenen 
und aufsteigenden Rundbogenfries eingerahmt und enthält je ein schlankes rundbogiges 
Fenster mit herumlaufendem Rundstab. 

Das zwischen das Querschiff und den Westbau eingespannte Langhaus (Taf. III) 
besteht im Inneren aus zwei Doppeljochen, die durch einen an den Kanten abge- 
fassten auf Pfeilervorlagen ruhenden Gurt getrennt sind. Die Hauptpfeiler bestehen 
ähnlich den Vienmgspfeilem im Grundriss aus zwei durcheinander geschobenen Recht- 
ecken, während die Zwischenpfeiler einen einfach quadratischen Grundriss besitzen. 
An den Ecken der Doppeljoche steigen Dienste empor, die dazwischen liegenden 
Rippenansätze ruhen auf dünneren mit einem Ring versehenen Dreiviertelssäulchen, 
die unter der durchlaufenden Horizontallisene mit einer reichskulptierten Konsole ab- 
schliessen (Proben Rombergs Zs. für prakt Baukunst i853, Taf. 2? und Zs. für 
Bauwesen i857, Bl. 25). 

Die unteren Arkaden zeigen nur nach den Laibungen zu einen Kämpfer, in 
die Arkadenbögen ist ein zweiter eingerückter Bogen mit niedrigerem Scheitel einge- 
spannt. Die Emporenfenster sind zweiteilig, von einem gemeinsamen Spitzbogen über- 
spannt und von einem auf Ecksäulen ruhenden Rundbogen umrahmt, die Fensterbögen, 
wiederum mit eingerücktem niedrigen Bogen, ruhen auf zwei gekuppelten Säulchen 
mit Blatt- oder Knospenkapitälen unter gemeinsamer Deckplatte. Im Obergadeti in 
jedem Doppeljoch zwei achtblätterige Rosettenfenster, von einem Kreis mit Rundstab 
umrahmt. Die im i7.Jh. zerstörten Gewölbe der Emporen sind i847 erneut worden. 

Die Seitenschiffe sind mit einfachen Kreuzgewölben überspannt, deren Rippen 
Rundstabprofile mit zwei Kehlen zur Seite zeigen. An den Hauptpfeilem ruhen die 
trennenden Gurte auf Vorlagen, denen an den Aussenmauem Halbpfeiler entsprechen, 
ah den Zwischenpfeilem und entsprechend an den Aussenmauem auf Dreiviertels- 
säulen. Der aus Deckplatte, Kehle und Rundstab bestehende Kämpfer ist um die 
ganzen Pfeiler und die Wandvorlage herum verkröpft. Die dreiteiligen Fenster zeigen 
eine interessante und wirkungsvolle Umrahmung durch Rundstäbe, die vor den beiden 
Pfosten auf je einer Säule mit Knospenkapitälen ruhen. 

Die Vierung wird von vier schweren reich gegliederten Pfeilern getragen. Die 
inneren vier Vierungsbögen selbst ruhen auf stämmigen Halbsäulen. Eine gemeinsame 
Deckplatte ist über den Knospenkapitälen um den ganzen Pfeiler verkröpft und wird 
nur von den in den Ecken aufsteigenden jungen Diensten durchbrochen, die das 
horizontale, an den Seiten auf Klötzchen ruhende Gesims tragen, über dem die aus 
dem Viereck in das Achteck überfahrenden leicht gewölbten Pendentifs aufsetzen, 
die nicht aus übergekragten Schichten bestehen, sondern kuppeiförmig gewölbt sind. 
Die vier Bogenwände über dem Gesims sind gegliedert und erleichtert durch je drei 
Spitzbogenblenden, der mittlere Bogen gestelzt, von Rundstäben eingefasst, mit je 
zwei Paaren von gekuppelten Säulchen. Die Kuppel zeigt ähnlich wie der Chor- 



Seitenschiffe 



Vierung 



339 



92 



KREIS ESSEN 



Kreunrme 



Chorhaus 



Abteikirche abscliluss eine Überaus reiche Gliederung, indem alle Kanten abgefasßt und durch 
Rundstäbe ersetzt sind. Die acht breiten Rippen des Gewölbes ruhen auf kurzen 
Diensten, die oberhalb der Pendentifs mit Konsolen abschliessen, die acht Bogen- 
laibungen werden zweimal von verschieden starken Säulchen mit Rundstäben belebt. 
Die einachsigen Fenster selbst haben dafür eine durchaus schwere, einfache Profi- 
lierung. Kuppel und Rippen bestehen aus Tuff. Der ganze Turm befindet sich in 
Bewegung. Die Scheitel der Bögen sind schon in der Anlage des i3.Jh. nicht ge- 
nügend belastet, da durch die Bögen der grösste Teil des Druckes auf die Ecken 
übergeführt wird. 

Die beiden Kreuzarme werden überwölbt von quadratischen Klostergewölben 
mit Diagonalrippen und senkrecht zu den Schildbögen im Scheitel der Kappen ge- 
zogenen Nebenrippen, die wie im Chorhaus aus einem Rundstab mit zwei Kehlen 
zur Seite bestehen, während die Rippen im Langhaus das gewöhnliche Schienenprofil 
zeigen. Die Diagonalrippen wie die dünnen Rundstäbe der Schildbögen ruhen auf 
schlanken Diensten, die Nord- und Südwand ist durch je drei, die Ost- und West- 
wand durch je ein höchst einfaches rundbogiges Fenster belebt. Die Emporen schliessen 
nach dem Querschiff zu mit einfachem Doppelfenster mit zwei gekuppelten Mittelsäulen 
von den Dimensionen der Emporenfenster des Chorhauses ab (Fig. 4o). Die kleinen 
Seitenapsiden sind von mit drei Ringen versehenen Rundstäben eingerahmt und durch 
je ein (vermauertes) Rundbogenfenster erhellt. Daneben öffnet sich der Zugang zur 
Krypta — der südliche hat im i5. Jh. eine rechtwinkelige Stabwerkprofilierung erhalten. 

Das Chorhaus (Taf. III) bildet ein Quadrat, das gegen das Querschiff um zwei 
Stufen erhöht ist. Der Altarplatz selbst steigt erst um sechs, dann um eine Stufe auf. 
Die Rippen und die Rundstäbe der Schildbögen ruhen in den Ecken wie im Lang- 
haus und Querschiff mit Knospenkapitälen auf langen und schlanken Diensten. Die 
Rippen sind mit von Anfang an auf Polychromie berechneten Rosetten besetzt. Die 
mittlere Rippe ruht an den Längsseiten auf einem dünneren nur bis zwei Drittel der 
Höhe herabgeführten, mit einem Ring versehenen Dienste, der mit einem Affchen und 
einem kauernden Menschen abschliesst. 

An den Längsseiten setzt sich über dem durchlaufenden Gurtgesims die Gliede- 
rung des Langhauses fort. Zuerst die Empore mit je zwei Doppelfenstern mit Eck- 
säulen, gekuppelten Mittelsäulen und einrahmendem Rundstab, nur wenig schmäler 
als im Langhause und ohne die Abtreppung der inneren Bögen. Darüber je zwei 
achtblättrige, von einem Rundstab umrahmte Rosettenfenster. 

Der Obergaden über dem Triumphbogen ist von drei Rundfenstem durch- 
brochen. Der Triumphbogen selbst gewinnt durch einen mit fünf Ringen versehenen 
Rundstab über dünnen Dreiviertelssäulchen an Feinheit der Gliederung. 

In dem fünfseitigen Chorabschluss tritt jeder Kante eine Vorlage und dieser 
ein alter, die Rippen des Stemgewölbes tragender Dienst vor, dem wieder zwei 
schmälere junge Dienste, welche die die Fenster einrahmenden Rundstäbe tragen, 
zur Seite treten. Das Knospenkapitäl mit der polygonalen Deckplatte ist nebst zwei 
Ringen um das ganze Säulenbündel samt der Vorlage verkröpft. Die Gliederung wird 
eine überreiche dadurch, dass der Bogenabschluss über den Fenstern noch ein schmales 
Profil erhalten hat und die Fenster selbst von einem weiteren dünnen Rundstab ein- 
gefasst sind. Der Chor wird von einer aus fünf Rundbogenkappen gebildeten Halb- 
kuppel bedeckt. 

Das Material des Westbaues ist Ruhrkohlensandstein in Bruchsteinen, ebenso 
das des Baues des i3. Jh., an dem aber die Fenster, Bögen, Gewölbe und profilierten 



Chorabschlus« 



Material 



34o 



WERDEN 



93 



Teile aus Brohlthaler Tuff hergestellt sind. Das spätere Westportal besteht aus Tuff. Abteikirche 
Bei der Restauration wurde das neue Westfenster 1886 aus Oberkirchener Sandstein 
eingefügt, die älteren Teile aus den vierziger Jahren sind in Ruhrkohlensandstein er- 
gänzt. Der Aufsatz auf dem Westturm besteht aus Backstein mit Tuffverblendung, 
der Vierungsturm aus Bruchstein mir Tuffverblendung. Alle Gesimse bestehen aus 
Sandstein. Der Langhaus-Dachstuhl und der Helm des Vierungsturmes sind in Eisen 
erneuert, Querschiff und Langhaus eingeschiefert, beide Türme mit Kupfer gedeckt. 

Die Grabeskirche des h. Ludger, jetzt die äussere Krypta, stellt in ihrer Künsiieriiche 
ursprünglichen Form einen der interessantesten karolingischen Bauten dar. Mit der crabeikirche 
Alfridsbasilika und der älteren Krypta zu Essen (s. o. S. 23, 27), S. Stephan und Emme- 
ram in Regensburg, der Ludgerikirche zu Helmstädt (Dehio u. v. Bezold, Taf. i7o, 
9, 10, n), der Stiftskirche zu Meschede (B. J. LXXXXIII, S. iii), S. Georg zu Köln, 
zeigt sie die dieser Gruppe eigentümliche Nischenarchitektur, die sonst nur vereinzelt 
an älteren Bauten Italiens, so der im 8. Jh. umgestalteten Kirche S. Maria in Cos- 
medin in Rom (Rohault de Fleury, La messe II, pl. i37) oder in S. Apollinare in 
Classe zu Ravenna vorkommt In ihrer Bestimmung als Grabeskirche nimmt sie eine 
durchaus einzigartige Stellung ein. Hohe Bewunderung erweckt die Art und Weise, 
wie der Baumeister der Salvatorskirche diese mit der Grabeskirche in Verbindung 
brachte. In ähnlicher Weise zog beim Bau einer neuen Klosterkirche zu Helmstädt 
Abt Bernhard v. Wefelkoven (112S — 11 38) die Felicitaskirche als Krypta mit in den 
Umfang des Neubaues. In der Anlage der Kathedrale zu Carcassonne schliesst sich 
gleichfalls an den Hochchor eine freigelegene niedrige ursprüngliche Grabeskirche 
an. Die eigentliche Krypta, die in die Grabeskirche eingreift, zeigt das System Krypu 
von mittlerer Grabkammer mit seitlichen Gängen, wie es neben den altchristlichen 
Kirchen nur noch der Grundriss von St. Gallen, die Krypten von Konstanz und 
Soissons, und etwa das Grab des h. Quentin in der Kirche Saint-Quentin zeigt (Gh. 
GoMART in der Revue de l'art chretien V, p. 3 20, 326). 

Der Neubau der J. 1257 — 1275 ist die letzte und glänzendste Verkörperung des Langh»u« 
rheinischen Übergangsstiles. In den Formen steht er S. Quirin zu Neuss am nächsten, 
dessen achtseitigen Vierungsturm er zumal in der Innengliederung vollständig wieder- 
holt, in der Bildung der Emporenfenster, aber nur in diesen, der Abteikirche zu 
Gerresheim und dem Langhaus von Limburg a. d. Lahn. 



Ausstattung. 

Hochaltar (Taf IV). Alte romanische steinerne Mensa, i,o5 m hoch, i,45 m 
breit, 2,55 m lang, mit Ecksäulchen und Rundbogenfries, die Bogen auf Blattkonsolen 
ruhend. Der in schwarzem und vergoldetem Holz um i7oo (s. o. S. 83) aufgeführte 
sehr wirkungsvolle und bedeutende Oberteil, der nur für den Chorraum etwas allzu 
machtvoll erscheint, enthält als Mittelbild eine Darstellung des h. Ludgerus in Ver- 
zückung, in reichem Goldrahmen, darüber von zwei Löwen gehalten das Wappen des 
Abtes Ferdinand von Erwitte (i67o — i7o6). Den Aufbau tragen Pilaster und gewun- 
dene Säulen mit korinthischen Kapitalen, zur Seite stehen Ludgerus und Karl der Grosse. 
Im Aufsatz, der mit einem geschweiften durchbrochenen Giebel abschliesst, ein gutes 
Mittelmedaillon mit der in Wolken thronenden Madonna, ganz frei herausgearbeitet 
und fast an italienische Arbeiten erinnernd, darüber die Gestalt Christi mit der Welt- 
kugel zwischen zwei knieenden Engeln. 

Hinter dem Altar war schon unter Abt Adalwig (H. Graf im Repertorium XV, 
S. io5) auf vier monolithen Säulen ehemals der Schrein des h. Ludgerus aufgestellt 



AuMtattung 



Hochaltar 



Schrein 



341 



94 



KREIS ESSEN 



Alter Altar 



S«itenaltäre 



Mensa 



Chorgestiihl 



Abieikirche (zwei davoH im nördlichen Querschiff). Hinter dem Altar öffnet sich in einer Blende 
ein Fenster mit Aussicht auf die Krypta, zur Seite zwei Reliefs aus gelblichem 
Sandstein (Fig. 4i. — aus'm Weerth, Kd. Taf. XXIX, 3; II, S. 39), 7o cm hoch, 
zwei Geistliche darstellend, ii.Jh., von einem früheren Bau herrührend. 

Der ehemalige Hochaltar, dessen Verbleib unbekannt ist, war im J. i5i2 von 
Meister Johannes /ö^/ö« Wesaliensis, insignis Apelleie artis pictor angefertigt und i54i 
durch den Maler Bariholomem Fuscus aus Köln gefimist worden (Düsseldorf, Staats- 
archiv, Reg. Werden II, i, Nr. 7). Der Meister kann mit dem früher von Förster 
(Denkmale XII, S. 25; Geschichte der deutschen Kunst II, S. i53) in die Litteratur 
eingeführten Meister von Werden nicht identificiert werden. 

Seitenaltäre in den Seitenabsiden, barock, die geschweiften und durchbrochenen 
Aufsätze getragen von je zwei marmorierten Säulen mit vergoldeten Kapitalen, auf 
den Kanten in sehr kühnen Posen Jünglingsfiguren, Engel, in fliegenden Gewändern. 
Im nördlichen Seitenaltar neues Gemälde der thronenden Madonna von Mintrop, 

darüber in reich geschniztem Holzrahmen die h. 
Dreifaltigkeit (um i7oo), auf dem südlichen Seiten- 
altar Himmelfahrt und Gottvater, beide um i7oo. 
Im Westbau in der nördlichen Seitenkapelle 
gothische Mensa, i,8om breit, mit nasenverzierten 
Spitzbogenblenden, aus dem i4.Jh. Einfache barocke 
Altaraufsätze. 

Chorgestühl von dunkler Eiche (um i7oo), 
von schwerfälligen, aber kräftigen und wirkungs- 
vollen Formen, zweireihig, mit hoher Rückwand, 
die Felder mit polygonaler Einrahmung und Ara- 
besken, die trennenden Pilaster mit Frucht- und 
Blumenschnüren, unter dem Architrav Engelsköpfe. 
Als Krönung dienen geschweifte Giebel, darüber 
Medaillons mit den Reliefporträts der Heiligen 
S. Rupertus, S. Haimo, S. Wilhelm v. Aquitanien, 
S. Reinoldus (nur diese erhalten). Die Wangenstücke der hinteren Reihe mit Karyatiden 
und Engelsköpfchen, der vorderen mit sehr reichen Arabesken und Engelsköpfchen. Nur 
die eine Hälfte des Gestühls vollständig erhalten, die andere zerteilt in den Seitenschiffen. 
Barocke Kanzel, sechsseitiges Gehäuse mit den vergoldeten Figuren der vier 
Evangelisten, Treppengelände mit geschnitztem Ranken werk, über der Thür das Abtei- 
wappen, grosser Schalldeckel mit der Gestalt des auferstandenen Christus. 

Lebensgrosse Holzfigur der Madonna, i5. Jh., neu bemalt, der schmale 
Körper leicht ausgeschweift, mit lieblichem Köpfchen, charakteristisch die steifen und 
hölzernen Unterarme mit dem mangelnden Handgelenk, das Kind ganz bekleidet. 

Im südlichen Querarm entsprechend die stark bewegte barocke Holzfigur 
des h. Joseph. 

Romanisches Steinrelief, i3.Jh., über den Südeingang der Krypta eingemauert, 
mit i4 Heiligen, Fragment (Abb. aus*m Weerth, Taf. XXIX, 5). 

Steinrelief des ausgehenden i5. Jh., im südlichen Eingang der Krypta, 5o cm 
hoch, I m breit, das Martyrium des h. Erasmus darstellend, dem die Gedärme ausge- 




Fig 41. Werden. 
Romanische Reliefs hinter dem Hochaltar. 



Kamel 



Skulpturen 



wunden werden. 

Lebensgrosse bemalte Holzfiguren der hh. 
Nepomuk (um i7oo), unter barocken Baldachinen. 



Erasmus und Johannes von 



343 



I / 




5 



o^ j m .^^ » ^Ik.-a 



n.-r 'h-r .^ ' 



Abteikirche 



Alter Altar 



^ 



Seitenaltäre 



Mensa 



Chorgestühl 



. '• » '. '•■'[(' ,Uti> ]• ■ '..J . 
> ■ ]■ '.'?, . <"i>-iust \- •■. '.I» ' ■ 

■ t I Kil-'. -i ] ; S. ; > \n ■:- 

« '. i ..'. ' r •':•..•-' ». -■•'\'Jl. \\v'. •' il- 
iL h '^ <"..'< ij Ml!* • t _ !.'• ». ' K: 
' .*" >--^i'J.; r. ?:. ]...^«-:. ''■ '• " Af l 

' * ] i i,cv M-rnijr'-.i. i. '^' ... »■• 

' fiiinn. ••;!.' . t '' .<i t • ' ^ . " '. ' • 
';;i v/.-s • .1= n Im •• :■•; ... : 



< r *• 



S — i/.- . 
d.. . •IL..-' .. 

Kamel *;..i'.- ''-'.. 

W.'.q- : . LT- ^ .- • 

Skulptureo j r' i ..,s^> j 

K . ' )( i« '■ .:■:•-.;•" ■ 

hc • r:. ■ IJjjU.'iiriii^ mit 

de^ !• I ^ -jh. 

K .iii.'-iis« l.'-s M»!"n r 

S t '^i ni ;-I !(•} .i» ' .'iU-i 

hoi i. I I i hr( il. cl.'s .Nic"S 
wuTHi'^n vvtrdc'ti 

i 'n'H 11 '•^>'- ""O'h. ■' 



Tafel IV. 




Werden. Chor der Abteikirche, 



r /iJC LIBRARY 



Ar ; OH, 1-E.NOX ANU 



WERDEN 



95 



WflndKemälde 



Grabstein des Abtes Anton Grimhold (Fig. 42. — W. Effmann i. d. Zs. für Abteikirche 
chrisü. Kunst II, Sp. i9 mit Abb.), 3,2o m x i,45 m, an der Nordseite des Chores. ®"^«*'"« 
Der Abt ruhend dargestellt, mit dem Hirtenstab im Arm, gut behandelter charakte- 
ristischer Kopf. Umschrift: reverendissimo patri Antonio grymolt, omnis virtutis 

ET PIETATIS SANCTO CULTORI . . ., HUIUS MONASTERII ABBATI SECUNDO RELIGIOSISSIMO, 
SUCCESSOR ET FRATRES M. L. (monumenti loco). ANNO DOMINI l5l7, l3. MENSIS JULII. 

Ausserdem im Muttergotteschore die Grabsteine der Äbte Ferdinand (i67o 
bis i7o6) mit lebensgrosser Figur desselben, Coelestin (i7o6 — i7i8), Anselm (i7.S7 
bis i774), Simon (i727) und des Herrn 
Ferdinand Wilhelm von Doomigh 
(Jahreszahl unkenntlich). Im Apostel- 
chore Grabsteine der Äbte Heinrich V. 
(i646 — 1667) mit lebensgrosser Figur 
und Adolf IV. (i667— i67o). Im nörd- 
lichen Seitenschiff der Peterskirche 
Grabstein des Abtes Conrad II. (1601 
bis 161 4). Im Mittelschiff der Peters- 
kirche Grabstein der Äbte Heinrich IV. 
(i572 — 1601) und Theodor IL (i7i9 
bis i727). 

Die ganze Kirche war nach i2 75 
prächtig ausgemalt worden. Die 181 1 
überkalkten Wandgemälde konnten 
nicht konserviert bleiben, da der Mörtel 
sich ablöste. Erhalten nur die Gestalten 
der vier Erzengel in Diakonentracht, 
Scepter und Reichsäpfel in den Händen 
haltend, auf den Pendentifs der Kuppel. 
Ober dem Triumphbogen ursprünglich 
Maria zwischen Ludgerus und Karl 
dem Grossen. Die Dienste waren blau 
imd von goldenen Bändern spiralisch 
umwickelt bemalt, die Kapitale zeigten 
vergoldete Blätter auf rotem Grunde. 
Die Gewölberippen waren wie die 
Dienste blau mit goldenen Bändern 
umwickelt oder mit goldenen Sternen 
besät. An den Gesimsen erschienen 

die Farben Rot, Blau und Gold, die Laibungen der Triforienbögen zeigten gelbe 
Rankenverzierungen mit abwechselnd grünen und roten Blättern, in der Vierung 
war über den Pendentifs der Kuppel ein Fries gemalt, der grün und violett ge- 
maltes palmettenähnliches Laubwerk auf rotem Grunde zeigte (Lohde i. d. Zs. für 
Bauwesen i857, S. i7o, farbige Tafel, BI. 23. — Beissel u. Stummel i. d. Zs. für 
christl. Kunst I, Sp. i67. — Baudris Organ für christl. Kunst XII, S. 208). Reste der 
Bemalung in den Kapellen des Westbaues erhalten: grosse vierteilige Sterne in Rot 
und Gelb. Das in der Pfarrkirche bewahrte Missale von Goswinus de Blanken- 
steyn (t i457) giebt die an den Vorderseiten der Pfeiler im Mittelschiff befind- 
lichen Bilder an: Antonius, Jodocus, Barbara, Ludgerus, Katharina, Maria Magdalena. 




Fig. 42. Werden. Grabstein des Abtes Anton Grimhold. 



^' 



•ri0^ 



343 



96 



KREIS ESSEN 



Gemälde 



Grab des 
h. Ludger 



Abieikirche Dazu die Eintragung: In anno i5i5 hae picturae per dealbationem ecclesiae dele- 
tae sunt. 

Eine Reihe sehr verblichener und wertloser Gemälde des i7. und i8.Jh. Die 
Heiligenbilder von dem Pater Ludger Gebhardsöder (i678 — i73o) herrührend 
(ScHUNCKEN S. 2o3). Im nördlichen Querschiff zwei gute deutsche Gemälde des 16. Jh., 
leider ganz verblichen: Elias mit dem Engel und der Mannaregen, auf dem ersten 
als Hintergrund eine ziemlich genaue Ansicht der Abteikirche. 

Das Grab des h. Ludger befand sich ursprünglich Östlich von der von ihm 
errichteten Kirche (s. o. S. 82. — W. Diekamp, Die Reliquien des h. Ludger: Westfäl. 
Zs. XL, S. 5o), in der Vorhalle der Grabeskirche, in ea porticu, quae est ante basi- 
licae ianuam, infra quam s. sacerdotis sepulchrum susceptum est. Vita I, Hb. II, c. 8, 
vita II, c. 7, 16, 27, 3 1. — H. Graf im Repertorium XV, S. io3, io5. — Cod. Boruss. 
578 der Kgl. Bibl. zu Berlin erzählt Bl. i7*: A. 81S s. Ludgeri sepultura ac monumen- 
tum novo templo desuper extructo quasi pyramido splendidius dedicatur atque ab illo 
ob illius honorem nomen sortitur monasteriumque s. Ludgeri Werthinensis appellatur et 
in hodiernum retinet. Quod successu temporis, a. videlicet 1 1 1 9, igne conflagratum et 
denuo per abbates piorum opera extructum atque secundo sub Alberto abbate, anno a 
priori incendio centesimo super XXXVIL, iterum in favillis redactum, tandem ab ipsius 
successore Albero comite de Teckeneborgh d. d. imp. Rom., regum, ducum ac comi- 
tum amplis largitionibus adintus multo magnificentius et splendidius . . . pyramidem ex 
quadrato lapide super aditum templi, quod chorum vocant, in altum eleganter pro- 
tensam et a successoribus postea extructam, quam turris S. Petri vocant, quem ad- 
modum de praesenti conspicitur (so), conditum fuit, et ab Alberto Magno Ratispo- 
nensi ep., a. vid. 1275, consecratum. — Bl. 21* Adaluuigus (1066 — 1081) ossa s. Ludgeri 
e crypta in umam argenteam in plerisque locis auro puro obductam et exomatam 
coUata, et ad summam aram ita ut in fronte per cancellos conspici possit, super duas 
columnas marmoreas cum hac rithmatica inscriptione per eum posita sunt. 

In summitate dextrae columnae versus australem plagam aurichalco circum- 
ducta habetur: confer adaluuigo Requiem, deus, in paradiso. 

Ad calcem columnae: Qui peragebat opus, quo nitet iste locus. 

In summitate alterae columnae versus septentrionem, similiter arculo ex aurichalco 
circumposita: inter coniunctas fidei compage columnas. 

In pede: vivorum lapidum, da sibi, christe, locum. 

Kürzer die Berichte bei Bucelinus II, p. 3i4. — Cincinnius, vita Ludgeri: 
Geschichtsquellen IV, S. 265. Abbildungen der beiden Tumben möglicherweise in der 
Berliner Hs. der Vita S. Ludgeri (Westßll. Zs. XXXVIII, S. i76). Die Reliquien ruhen 
jetzt in einem hölzernen Kasten hinter dem Hochaltar. Erhebungen fanden im J. l8o9 
und 1860 statt (Verzeichnis der Reliquien bei HOsing, Der h. Ludger S. 168 und i. d. 
Westföl. Zs. XL, S. 67. — Vgl. Kölner Domblatt 1861, Nr. 200 und das Reliquien- 
verzeichnis i. d. Westföl. Zs. XLIV, S. 78). 

Ausser Ludger wurden die vier ersten Ludgeriden in der Krypta beerdigt Die 
Tumben wurden i783 entfernt, ihre Lage ist in einer Zeichnung des i7. Jh. im Cod. 64*» 
Heimst, zu Wolfenbüttel erhalten (Westfäl. Zs. XL, S. 61. — Über den früheren 
Zustand Meyer, Werdensche Chronik S. 8. — Pingsmann, Der h. Ludgerus S. 25o). 
Drei Steinsärge wurden i889 bei den Nachgrabungen Effmanns aufgedeckt (Jacobs 
S. 24, Anm. 2). 

Die Inschriften bei Browerus, Vita S. Ludgeri p. 9o. — Bucelinus II, p. 3o8. 
— Düsseldorf, Staatsarchiv, Reg. Werden II, i. — Wolfenbüttel, Landesarchiv, Over- 



Inschrifteii 



Grabmäler der 
Ludgeriden 



Epitaphien 



344 



WERDSK 



9? 



HAMS Coli. XXVI, I. — Berlin, Kgl. Bibl., Cod. Boruss. foL 578, Bl. i7*, i8*, i8«>, i9«. Abteikj;ch€ 
— Jacobs S. 20: 

de s. hildegrimo. 

ab eodem cornu versus hortüm. 

julii tredecimis resolutüs carne calendis 

hilügrimus tümulo claüditur opposito: 

frater ludgeri, coepiscopus atque beati, 

compak hüic meritis sicut in officiis. 

de s. gerfrido. 

ab eodem cornu versus hortum. 

gerfridi patris tumbam venerare fidelis, 

cuius apud dominum forte viget meritum, 

idus septembris persoluit debita carnis 

deponens massam pridie corpoream. 

de s. thiedgrimo. 

a cornu epistolae luxta altare s. ludgerl 

hac recubant fossa thiedgrimi praesulis ossa, 

' terra tenet corpus, pneuma fovet dominus. 

IDIBUS IN FEBRUI SENIS OBIT ASSCILA (Adler) CHRISTI, 

PROMERITUS VITAE GAUDIA PERPETUAE. 

DE S. ALTFRIDO. . 

A CORNU EVANGELII lUXTA ALTARE S. LUDGERI. 

ALTFRIDUS TUMULUM PRAESUL SIBI VENDICAT ISTUM, 

PNEUMA CREATORI DANS, CINEREM CINERI. 

OBIIT IN DECIMIS MAII PATER ISTE CALENDIS 

CUIUS NOS SACRIS PROTEGIMUR MERITIS. 

Bronzenes Kruzifix, i m hoch (Abb. aus'm Weerth, Kd. Taf. 29, 2, 2»; II, Krwifix 
S. 38), durch die Grösse hervorragendes Werk vom Anfang des 12. Jh. (nicht früher), 
aus fünf Stücken zusammengesetzt. Der lange hagere Körper bis zu den Knieen von 
einem Schurz bedeckt, die Füsse nebeneinander gelegt, das gesenkte Haupt mit den 
fest angedrückten Lockenstrahnen von finsterem, starrem Ausdruck, in der anatomischen 
Durchbildung (Abgrenzung des Rippenkastens, falscher Ansatz des Ohres) unvoll- 
kommen. 

Elfenbeinpyxis des 6. — 7. Jh. (Fig. 43. — aus'm Weerth, Taf. XXIX, 6; II, Eifenbeinpy»« 
S. 4o. — Garrucci, Storia della arte cristiana VI, pl. 447, i, p. 69. — de Rossi im 
Bulletino i865, p. 26. — Mitteil, der K. K. Centralkoramission i876, S.5o. —Westwood, 
Catalogue of the fictile ivories in the South Kensington Museum p. 474. — Rohault 
de Fleury, La messe V, p. 66. — Max Schmidt, Die Darstellung der Geburt Christi 
in der bildenden Kunst i89o, S. 37. — Kraus, Realencyklopädie II, S. 678), derbe 
Arbeit mit altchristlichen Reminiscenzen, 10 cm hoch mit Durchmesser von 1 1 cm, der 
Boden mit drei alten ornamentierten Silberblechnieten. Auf dem Mantel dargestellt 
die Geburt Christi und die Hirten auf dem Felde; der Knabe unter der Hürde wohl 
nicht Samson, den Tempel niederreissend (Kraus), sondern ein einfacher Hirt. Sti- 
listisch am nächsten stehend die aus Aachen stammende Pyxis der Sammlung Walter 
Sneyd in Keele Hall, Newcastle (Rohault de Fleury V, pl. 372). 

Reisekelch des h. Ludger (Fig. 44. — aus*m Weerth, Kd. Taf. XXIX, 4; ReU«keich 
II, S. 39. ~ Schnütgen i. d. Ann. h. V. N. XXXII, S. 206. — Th. W. Pikgsmann, 
Der h. Ludgerus, Freiburg i879, S. 248. — Münsterische Geschichtsquellen IV, S. 276, 
Anm. 5. — Martene et Durand, Voyage litteraire III, p. 23. — Meyer, Werden 
und Helmstedt S.6. — Otte, Handbuch der Kunstarchäologie I, S. 221. — Diekamp 

7 
345 



58 



kkEIS ESSEK 



At)teikirche i. d. Wcstföl. 2s. XL, S. ö9. — Katalog der kunsthistorischen Ausstellung in Köln 
i876, Nr. 48o, von Münster Nr. 269, von Düsseldorf Nr. 567. — Rohault de Fleury, 
La messe IV, p. 99, pl. 295. — Ch. de Linas i. d. Revue de Fart chretien XXXI, 
i88i, p. 54), aus Rotkupfer getrieben und vergoldet, 12,2 cm hoch mit 7 cm oberem 
Durchmesser, durch eine moderne Schraube zusammengehalten. Auf dem trichter- 
förmigen Fuss in 9 mm hohen Kapitalen die Inschrift: hic calix sangvinis dni nri 
IHV XRi (die zugleich ein Chronogramm mit der Zahl 788 bildet), um den Rand der 
Kuppa die Worte: agitvr hec svmmvs per pocla trivmphvs. Nächst dem Thassilo- 

kelch im Stift Kremsmünster (Cle- 
— men i. d. B. J. LXXXXII, S. 65 

mit Litt.), der zwischen 777 und 
788 entstand, der älteste der deut- 
schen Kelche. Im Werdener Re- 
liquienverzeichnis von 1 5 1 2 nicht 
erwähnt 

Trinkgefäss M^^^T^ /ID^'S,^^ ^^^^M^^T^WV^^^^ Trinkgefäss von Silber 

(aus'm Weerth, Taf. XXIX, 4, 
II, S. 39. -^ Otte I, S. 232. — 
• Diekamp i. d. Westßll. Zs. XL, 
S. 7o. — Abb. Rohault de 
Fleury, La messe IV, p. 99, 
pl. 295), um den äusseren Rand 
leicht vergoldet, lange Zeit als 
Patene fälschlich mit dem Kelch 
in Verbindung gebracht, 4,5 cm 
hoch, mit Durchmesser von i9,7 
cm, aus dem 11. — 12. Jh.. Am 
Boden eine flache Büchse, um 
den Rand die Inschrift in Ma- 
juskeln vom Anfang des i3.Jh.: 

IN HOC CIPPO CONTINENTUR SAN- 

Guis s. ludgeri et pars de cin- 

GULO EIUS, DE CILICIO EIUS, DE 
S. HUPERTO, DE S. GEORGIO, DE 

sociis MAURiTii. Im Reliquien- 
verzeichnis vom J. 1S12 als ,der 
nap s. Ludgers* erwähnt (Mün- 
sterische Geschichtsquellen IV, 
S. 2 76). Verwandt die Trinkschale des h. Scrvatius in Maastricht (Bock u. Willemsen, 
Die mittelalterlichen Kunstschätze zu Maastricht, Köln i872, S. 21). 

Reliquienkasten (Fig. 45. — Westföl. Zs. XL, S. 7i. — Katalog der Aus- 
stellung zu Düsseldorf 1880, Nr. 988) von Eichenholz, 39,4X21X22 cm, auf das mit 
Bronzestiften im i4. Jh. Beinplatten befestigt sind. Die Rückseite mit feinem rotbraunen 
Seidenstoff überspannt, auf den in Gold und Grün ein romanisches Muster aufgemalt 
ist. Die Vorderseite und die Schmalseiten zeigen Streifen mit fortlaufendom Flecht- 
werk, in den Ecken und am Rand Medaillons, an der Vorderseite drei verschieden 
grosse Beinplatten eingesetzt: i. Christus bartlos mit Kreuznimbus, beide Hände flach 
zur Seite erhebend, langes Gewand bis zum Knie, unten zwei Drachen, oben zwei 




Fig 43 Werden. Elfenbeinpyxis. 



Reliquienkasten 



346 



WERDEN 



99 



Greife. 2. Christus, bärtig, stehend, Gewand bis zur Mitte des Oberschenkels, unter Abteikirche 
seinen Füssen zwei Drachen, oben zwei Greife, die Arme (abgeschnitten) waren ehe- 
mals seitwärts flach ausgestreckt. 3. Engel, bärtig, mit ausgebreiteten Flügeln, die 
Hände erhoben, zu seinen Füssen zwei Drachen. Die Schmalseiten mit je vier Feldern, 
rechts alle omamental, links zwei ornamental, im dritten zwei symmetrisch zu einander 
gestellte Drachen, im vierten vor einer mannshohen Hand ein Mann, der, vorüber- 
gebeugt, sich das Schwert durch die Brust stösst. Auf dem Deckel neun Beintafeln 
(eine fehlt), jede mit einem fuchsartigen Tier, das, sich zusammenkrümmend, sich in ' 
den Schwanz beisst Identisch 
mit dem , indischen Elfenbein- 
kasten mit Elefantenreliefis* (aus'm 
Weerth, Kd. n, S. 4i, Anm. 2). 
Die Beintafeln sind irische oder 
angelsächsische Arbeiten des 8. 
bis 9. Jh., nahe verwandt mit der 
grossen Platte im Musee des 
antiquites zu Brüssel Nr. 48 c 
(Abb. Weale et Maes, Album 
des objets d*art religieux exposes 
ä Malines en i864 pl. i. — West- 
wood, Facsimiles of the minia- 
tures of anglosaxon and irish 
manuscripts p. i5o, pl. 52. — 
Clemen i. d. B. J. LXXXXII, 
S. 125), einem Kästchen aus Wal- 
rosszahn im Britischen Museum 
(G. Stephens, Old- Northern 
Runic Monuments, London 1866, 
I, p. 47o. — Palaeographical So- 
ciety II, pl. 228, 229), von dem 
eine Platte (Inv. 25) sich im Bar- 
gello zu Florenz befindet, und 
einer Elfenbeinplatte des Musee 
Cluny (Nr. io54). 

Lederner Gürtel des h. IMK^^ ^^^^^^g^^^^^^^^^^^^^^ Gnn^x 

Ludgerus, aus feinem Leder, mit 
Pferdehaaren gefüllt, unbestimm- 
ten Alters, Schloss von vergolde- 
tem Silber mit Gravierungen der Madonna und des h. Ludgerus vom Anfang des 16. Jh. 
(Diekamp i. d. Westfäl. Zs. XL, S. I2). Wenn auf den Stifter bezüglich, auf starke 
Gestalt des Heiligen deutend. Reliquienverzeichnis von i5i2: De gordel s. Ludgers, 
dar men swangere frauen mede umbegordt (Münsterische Geschichtsquellen IV, S. 276). 

Kästchen aus Bein, i4.Jh., 12x8x8 cm, mit Beschlägen von vergoldetem Kästcheu 
Rotkupfer, auf dem Schlösschen Löwe und Adler. 

Bt^chse aus Bein gedreht, i4. Jh., i3 cm hoch, mit Rotkupferbeschlägen, sehr Reiiquiwe 
sauber gearbeitet. 

Kreuzreliquiar, Ende des i5. Jh., 26,5 cm hoch, aus vergoldetem Rotkupfer, 
in der Mitte ein Krystall. 




Fig. 44. Werden. Reisekelch des h Ludger. 



347 



950386A 



loo 



KREIS ESSEN 



Abteikirche 
Kreuz 



Lavabokessel 



Paramente 



Kapitelskreuz, aus vergoldetem Silberblech, 88 cm hoch, i4.Jh., umi7ooneu 
gefasst, durch Baeumers restauriert. Alt der etwas derbe Kruzifixus und der h. Lud- 
gerus am Fuss; die getriebenen Eckstücke mit den Evangelistensymbolen und Weih- 
rauchfässer schwingenden Engeln barock. 

Kupferner Lavabokessel des i5. Jh. mit zwei Ausgussrohren von der üb- 
lichen Form. 

Kleiner unbestimmter Rest eines Gewandstoffes, bezeichnet: de casula s. lud- 

GERI IN QUA FUIT SEPULTUS. 

Stück eines Ärmels von der Grab alba des h. Ludger, byssusartiger orien- 
talischer Stoff, bestickt mit systematisch sich wiederholenden, in Gold- und Purpur- 
fUden aufs feinste durchgeführten rautenförmigen Mustern, von zwölf ebenso behan- 
delten Rosettchen umgeben, mit Pergamentstreifen des i3.Jh.: manica una de cami- 




Fig. 45. Werden. Deckel des Reliquienkastens. 
SIA IN QUA SANCTUS LUDGERUS SEPULTUS lACUIT. DiEKAMP i. d. Westf^l. Zs. XL, 

S. 73. — ScHNÜTGEN i. d. Ann. h. V. N. XXXII, S. 206. — Münsterische Geschichts- 
quellen IV, S. 2 77, Anm. 5. — Katalog der Ausstellung kunstgewerblicher Altertümer 
in Düsseldorf 1880, Nr. 523. 

Kasel von violettem Sammetbrokat mit reliefartig aufgelegtem Granatapfelmuster, 
nach i5oo, auf dem Kreuz der Kruzifixus, darüber Gottvater, darunter Maria und 
Johannes, zur Seite die hh. Katharina und Barbara. Die Figuren appliziert und in 
Bouillonstickerei ausgeführt, die Gewänder in Lasurmanier und Flockstich, die Ranken 
ehemals mit Perien besetzt (Katalog der Düsseldorfer Ausstellung 1880, Nr. 535). 

Kasel von neuem rotem Sammet mit i3 cm breiten Kölner Borden besetzt, treff- 
liche Arbeit der 2. H. des i5. Jh., mit Gabelkreuz, bestickt mit den Figuren der Ma- 
donna und der hh. Servatius, Viktor, Benediktus, Helena. Ursprünglich für Xanten 
bestimmt. Inschrift: d. henricus muc il|| Ileus xanctensis (Katalog der Düssel- 
dorfer Ausstellung 1880, Nr. 543). 



348 



WERDEN 10 1 

Kasel von purpurnem flandrischem Sammetbrokat mit reliefiertem Granatapfel- Abteikirche 
muster von sehr grossem Dessin auf goldenem Grunde, die Früchte frises en or, 
Anfang des i6. Jh. Auf den Stäben Christus am Kreuz zwischen drei Engeln, Gott- 
vater, Maria, Johannes und S. Ludgerus, Petrus, Stephanus und Paulus. 

Psalterium des i5. Jh., 29,5 x 56 cm, mit Initialen und reichen Miniaturen, Handschriften 
i584 zu Xanten neu gebunden. Vgl. Humann i. d. Wd. Zs. III, S. 4i8. Proben und 
Titelblatt Zs. für christl. Kunst J, wSp. i75, 229, 281, 293; II, Sp. i9, 343. 

Die übrigen wertvollen und zum Teil reich mit Bildern verzierten Werdener 
Handschriften sind nach Düsseldorf oder Berlin gelangt. In Berlin vor allem die 
vita S. Liudgeri (über ihre Miniaturen Diekamp i. d. Westßll. Zs. XXXVIII, S. i55). 
Die übrigen verzeichnet von Diekamp i. d. Westfäl. Zs. XL, S. 74; XLIV, S. 58. 
Vgl. ausserdem Pertz im Archiv VIII, S. 84 1. — Wattenbach im Neuen Archiv 
IX, S. 624. — Krabbe, Geschieh tl. Nachrichten über die höheren Lehranstalten in 
Münster 5. 25. — L. v. Bornstedt, Der h. Ludgerus S. i77. — Nordhoff, Buch- 
binderkunst und Handwerk in Westfalen: Westfäl. Zs. XXXIX, S. i56, j84. 

Glocken. Bis i889 im Vierungsturm aufgehängt sechs Glocken. Die grösste Glocken 
von i674 mit der Inschrift in zwei Distichen: laudo deum sanctosqüe meo clan-'" Vicrungtturm 

GORE PATRONOS, PETRE ET PAULE DIU PROPITIARE MIHI, FULMINA DISPELLAT VENTOS- 
QUE TONITRUA, STRIGAS ET MALA CUNCTA PROCUL ME RESONANTE DEUS. Auf dem 

Mantel: in honorem sanctorum apostolorum petri et Pauli reverendissimus 

D. FERDINANDUS ABBAS WERDINENSIS ET HELMSTADIENSIS ME FIERI FECIT ET BENE- 
DIXIT A. l674. 

Die zweite vom J. i658 mit dem Chronikon: In honoreM sanCtI LVDgerI 

REVERENDISSIMUS ET AMPLISSIMUS D. D. HENRICUS DUCKER ME FIERI FECIT. M. AN- 

THON PARIS ME FECIT. Mit schönen Spätrenaissanceomamenten verziert. 

Die dritte gleichfalls von i658 mit dem Chronikon: aD honoreM sanCtI 

GREGORII pVLsOR, reverendissimus et AMPLISSIMUS D. D. HENRICUS DUCKER ME 

FIERI FECIT. Mit Ornamenten und Reliefs (Kreuzigung, Madonna) geschmückt. 

Die vierte von i748 mit der Inschrift: LeVItae stephano praesens CaMpana 
VoVetVr, tVteLa et pater est DVXqVe perennIs erIt. in honorem s. stephani 
protomartyris reverendissimus et illustrissimus d. benedictus abbas werdi- 
nensis et helmstadiensis me fieri fecit et benedixit. durch feur und flam 

BIN ICH GEFLOSEN, CARL ENGELBERT UND SEIN SOHN PETER HENRICH FUCHS HABEN 
MICH IN COLLEN GEGOSSEN l748. 

Die fünfte mit der Inschrift: benedictus dei gratia abbas werdinensis et 

HELMSTADIENSIS IN HONOREM S. JOANNIS BAPTISTAE ME FIERI FECIT. CARL ENGEL- 
BERT UND SEIN SOHN PETER HENRICH FUCHS HABEN MICH IN COLLEN GEGOSSEN l748. 

Die sechste i854 umgegossen. 

Im West türm befinden sich drei Läuteglocken. Die grösste vom J. i674 mit i« westturm 
der Inschrift: ad tibi petre fieri me fecit honorem ferdinandus praesul. laudo 

SONANDO DEUM A. l674. SANCTE PETRE PRINCEPS APOSTOLORUM ORA PRO NOBIS. 

Die zweite von i7o5 mit der Inschrift: s. lucius britannorum rex. quot 

DEDERO SONITUS TOTIES SANCTISSIME LUCI IN TE TER SANCTUM GLORIFICABO DEUM. 
IN TEMPESTATE TU FULMINA, FULGURA ET IGNES HAC PROCUL EX PATRIA ME RESO- 
NANTE FUGA. Damach: reverendissimum capitulum werdinense me fieri fecit 
A. d. i7o5. 

Die dritte i854 umgegossen. 

Die beiden Uhrglocken (unzugänglich) tragen die Inschriften: reverendus d. 

JOHANES DE GRONINGA ABBAS HUIUS MONASTERII ME FIERI FECIT A. l537. — Die 

zweite: wilhelmus hachman fecit i574. 

349 



102 



KREIS ESSEN 



Klemens» 
kirche 



Luciuskirche 



Geschichte 



KLEMENSKIRCHE. Schuncken S. 54. — Flügge S. 3io. —Jacobs S.3i. 

Von Abt Wigger am Bomerberge begonnen, unter Abt Reinher vollendet und 
957 durch Erzbischof Bruno von Köln eingeweiht (Bucelinus II, 3io, 3ii. — Cod. 
Boruss. 578, Bl. 20 •. — Overham p. i37). Im J. i8i5 abgebrochen. * 

LUCIUSKIRCHE. Jacobs S. 32. — Flügge S. 3oo mit Rekonstruktions- 
zeichnung. 

Die Kirche wurde imter Abt Werinbert (983 — 1002) begonnen, unter Abt Gero 
von Friemersheim (io5o — io63) im J. io53 vollendet und durch Erzbischof Anno ein- 
geweiht (Overham p. i83. — Schuncken S. 68). Cod. Boruss. 578 Bl. 20«: Werim- 
bertas (i5.) postquam consenuisset prima novae parochialis ecclesiae prope Werthinam 
versus plagam aquilonarem, nunc Nyenkirchen dictae, extruendae iecit fundamenta 




Fig. 46. Werden. Thorbnu des Abteigebäudes. 

sed morte praeventus quae exorsus fuerat successoribus suis consummenda reliquit, 
atque tandem a Gerone, 20. abbate, absoluta sunt. — Bl. 21*: Gero de Vrimersheim, 
20. abbas, . . absolvit structuram parrochialis ecclesiae Newkirchen, quam in honorem 
S. Lucii regii Britanniae per S. Annonem 2. arch. Colon, dedicari curavit. 

Der mittlere Teil der Kirche ist schon vor dem 1 6. Jh. einmal eingestürzt, bei 
dem Umbau wurden die drei Schiffe in ein einziges Langhaus verwandelt. In den 
J. i775 — i78o zum letzten Male restauriert. Nach 1806 vom Fiskus verkauft und zu 
einem Wohnhause eingerichtet. Neuerdings wieder von der katholischen Gemeinde 
angekauft. 
Baubeschreibung Dje Kapcllc, deren wichtigste Teile, in Bauten des letzten Jahrhunderts ver- 

steckt, noch erhalten sind, war eine hochinteressante dreischiffige Pfeilerbasilika mit 
Westturm. Dem Turm trat eine als Nische gewölbte Vorhalle vor. Im Erdgeschoss 
wie im ersten Stockwerk mächtige Gratgewölbe mit schw erfüll igen Schildbögen und 
Eckkonsolen. Der östliche Abschluss der Kirche bestand in einer grossen mittleren 



35o 



WERDEN 



io3 



Luciusicirchc 



Nikolai, 
kupelle 



Abtei' 
gebäude 
Gcichichte 



Apsis mit zwei seitlichen, nur in die Mauerstärke gebrochenen Conchen. Die Chor- 
partie zeigte im unteren Stockwerk eine Gliederung durch Nischen, im oberen durch 
rundbogige Blenden, welche durch einfache Pilaster mit rohen Schuppenkapitälen ge- 
trennt waren. Baugeschichtlich steht die Kirche dem durch die älteren Bauten von 
Essen, Werden, durch Meschede und Helmstädt vertretenen Typus nahe. Genaue 
Aufnahmen wird das Effmannsche Werk bringen. 

NIKOLAIKAPELLE. Flügge S. 3oi. — Jacobs S. 64. 

Am Markt nördlich von der Kirche errichtet und io47 eingeweiht. Cod. Boruss. 
fol. 578 Bl. 21": Geroldus construxit capellam s. Nicolai iuxta forum Werthinense, 
quam Hermannus IL dictus nobilis archiepiscopus in honorem s. Nicolai ep. 5. mensis 

Decembr. a. io47 consecravit, nunc ab omni divino officio desolata Visuntur 

ibidem in gradibus ante adytum capellae eis forum ab utraque parte duo leones con- 
gestis quadratis saxeis recumbantes, collocati forte ab ipso Geroldo in perpetuam illius 
memoriam. Im J. i8o6 bei der Anlage der Chaussee abgerissen. 

ABTEIGEBÄUDE. Die alten Klostergebäude, nach den Bränden von iii9, 
unter Abt Gerhard von Grafschap (1228 — 1282) und 1256 wiederhergestellt, wurden 
unter Abt Johannes V. (i5i7 — i54o) bedeutend erweitert (Xanten, Stiftsarchiv, Fels, 
Sammelbd. V, p. 38i: iacta fundamenta variis et heroicis structuris araplissime com- 
plevit. — Bücelinus II, p. 32 1. — 

OvERHAM p. 44o. — SCHUNKEN 

S. i58). Ausserdem baute er die 
Bibliothek, einen grossen Teil des 
Kreuzganges, das dormitorium und 
das abteiliche Haus ,in area' gänz- 
lich neu. 

Die alten Gebäude wurden 
in der Mitte des 18. Jh. gänzlich 

abgebrochen. Der Neubau begann um i745, i755 war der eine Hauptflügel vollendet, 
i764 der zweite, Abt Bernhard IL (i78o — 1798) führte i785 den Bau zu Ende und 
fügte i794 noch den Thorbau hinzu. Im J. 181 1 (Flügge S. 3i3) wurde die Abtei 
zur Strafanstalt umgestaltet 

Die ehemalige Prälatur, die Residenz des Abtes, bildet eine ganz regelmässige Beschreibung 
Anlage, die sich im Süden der Abteikirche um den rechtwinkligen Hof mit dem ehe- 
maligen Kreuzgange legt (Grundriss bei Flügge, Ergänzungsheft I, zu S. 48o). Der 
frei in der Verlängerung der Hauptaxe gelegene Thorbau (Fig. 46), der erst nach- 
träglich durch angefügte festungsartige Gebäude mit der eigendichen Residenz ver- 
bunden worden ist, ist zweistöckig und dreiteilig und zeigt nach der äusseren Auffahrt 
zu eine zierliche, aber etwas kleinlich wirkende Gliederung durch Säulenstellungen, 
Architrav und Attika, Darüber die Inschrift: reaeDIfICato aMpLIato eXorna- 
toqVe prIVs VtVt oportet CoenobIo (i785) VestIbVLVM hoC beLLo propIVs 
saeVIente bernardVs abbas ereXIt (i794). Die Rückseite des Thorbaues zeigt 
im Unterstock drei offene Bogen, denen je zwei in jedem der niederen Seitenflügel 
entsprechen, der Mittelbau zeigt ein gebrochenes Dach mit gedrücktem Giebel. 

Der dreistöckigen Fa<;^ade des Hauptbaues treten in der üblichen Weise zwei 
kürzere zweistöckige Flügel zur Seite. Die Wirkung des Mittelteils ist jetzt beeinträch- 
tigt durch die quer durch den Hof gezogene neue Mauer. Dem Hauptbau tritt ein 
schmaler Risalit vor, in dessen geschwungenem Giebel jetzt das preussische Wappen 
prangt I>er Portalbau wird getragen von zwei Säulen, zur Seite der Freitreppe hübsche 




Fig. 47. Werden. Romanisches Relief im Abteigebäiide. 



35 1 



lo4 



KREIS ESSEN 



Abtel- 
gebäudc 



Kastell 
Geschichte 



Abbruch 



Rokokofüllungen mit Festons. Darauf gesetzt ein romanisches Relief, 5o cm hoch, 
1,55 m lang, einen Löwen hinter einem Hirsch herjagend darstellend (Fig. 47. — aus'm 
Weerth, Taf. XXIX, 7). Über dem Portal die Inschrift: pro DeI honore posterIs 
hanC aLaM erIgI feCIt benedictus dei gratia s. r. i. abbas werdinesis et helm- 
stadiensis (i755). Über dem Portal des rechten Seitenflügels: reverendissimus 

ET ILLUSTRISSIMUS. D. BENEDICTUS SACRI ROMANI IMPERII ABBAS WERDINENSIS ET 

HELMSTADiENSis HANC ALAM EXTRUXiT ANNO DOMINI |||||||. Über dem Portal des 
linken Seitenflügels: InDe ab VMbILICo perfeCIt opVs reverendissimus et illü- 

STRISSIMUS D. D. ANSELMUS S. ROM. IMP. ABBAS WERDINENSIS ET HELMSTADIENSIS (l764). 

Eine vierte Inschrifttafel hinter dem Hauptbau eingemauert: qVI sVperIs fa- 
VentIbVs feLICIter a fVnDaMentIs InCepIt (i783), Is et feLICIter eVeXIt 
In aLtVM, praesVL bernarDVs (i785). 

Die Keller unter dem Hauptflügel und das Refektorium überspannt mit schweren 
Gratgewölben, im Keller mit Säulen, im Refektorium mit achtseitigem Pfeiler (die 
Zahl i746 tragend). Reste der Pfeiler vom Kreuzgange noch nach dem Innenhof, 
ebenso in den Isolierstationen des ersten Stockwerkes. 

KASTELL. Ein Schloss befand sich schon zu Werden im J. I2i4 (Overham 
p. 248, 243), es war dies die arx antiquior, dicta »Voer* (Schuncken S. 94). Im J. i3oo 
wird junckherm Sobbens torne tho Werden zerstört (Lev. v. Northoffs Chronik: 
Seibertz, Quellen I, S. 3i). 

Das neue Schloss errichtete Herzog Adolph von Kleve (i394 — 1448). Gert 
VAN der Schuren (Clevische Chronik ed. Schölten S. i37) nennt es ausdrücklich 
dat ny slott to Werdden (vgl. Chronicon de genealogia: Seibertz, Quellen III, S. 36 1). 
Das Schloss wurde als Brückenbefestigung ausgebaut von Herzog Johann II. im 
J. i479 (Overham p. 4i9. — Schuncken S. i5o). Die neue Ruhrbrücke wurde i545 
erbaut, i633 durch die Flut zerstört (Geck, AbteikirOhe S. 6). 

Das Kastell war der interessanteste und architektonisch bedeutendste Bau Herzog 
Adolphs (gute Ansicht bei Braun u. Hogenberg, s. o. S. 78). - Nachdem es seit 
Ende des i8.Jh. als Armenhaus, Gefängnis, Lazareth gedient, musste es i847 den 
Bauten der Wieseschen Fabrik weichen (Grundriss bei Flügge S. 3ii). Genaue 
Zeichnung in Düsseldorf, Kgl. Reg., Akten gen. I, i, Fach 24, i3. 



^ 



352 



KREIS ESSEN KARTE 



io5 



^l^rd 



iVaffenscheid 




353 



I. Ortsregister. 



(Die stärtcereii ZifTern bexeichnen die Stelle, wo aber den Ort im Ziuammenhiinge gehandelt wird.) 



Seite 

Altenessen 15 

Baldeney 61 

Borbeck 2, 3, 61 

Borbeck, Schloss 62 

Boxm Order bei Kettwig 66 

Bredeney 63 

Broich, Unterherrschaft 1 

Bromberg 65 

Buer 15 

Essen 1, 2, 3, 9 

Frintrop 3 

Frintroper Höhe 15 

Grenzwehren 1, 63 

Haus auf dem Berge = Schellenberg ... 68 

Heisingen 63 

Heisingen, Haus 63 

Helene und Amalie, Zeche 15 

Hinninghofer Höhen 66 

Isenberg 64 

Isenberg, Schloss 64 

Kattenturm bei Kettwig 66 

Kettwig 1, 66 



Seite 

Kimmeskamp, Haus 63 

Landert, auf der, Haus 63 

Landwehr 63 

Landwehr, untere 63 

Lipper heiderdamm 15 

Luttelnau, Burg 66 

Meisenburg 66 

Oefte, Haus 66 

Rellinghausen 67 

Römerstrassen 15 

Römerstrasse, alte 15 

Schellenbeig, Schloss 68 

Scheppen, Haus il 

Sonnenschein bei Kettwig 66 

Steele 1, 2, 71 

Steele, Schloss 72 

Stoppenbezg 3, 72 

Tälchen bei Bredeney 63 

Vitinghoff, Haus 65 

Werden 1, 2, 15, 76 

Werden, KasteU 104 

Wcsterholt 16 



Fig. 


1. 


Fig. 


2. 


Fi«. 


3. 


Fig. 


4. 


Fig. 


5. 


Fig. 


6. 



Fig. 7. 
Fig. 8. 



II. Abbildungen im Text 

Seite 
Fig. 9. Essen, Längsschn. d. Münsterkirche 28 
Fig. 10. Essen, Vorhalle der Münsterkirche 29 
Fig. 11. Essen, Grundriss der Münsterkirche 
mit Vorhalle, Johanniskirche und 

Kreuzgang 30 

Fig. 12. Essen, Kruzifix in der Vorhalle der 

Münsterkirche 31 

Fig. 13. Essen, Kreuzgang an der Münster- 
kirche 32 

Fig. 14. Essen, Römisches Kompositkapitäl 

im Westbau 33 



Seite 

Essen im 16. Jahrhundert .... 9 
Essen, Ansicht der Münsterkirche 

mit der Johanniskirche 16 

Essen, Grundriss der Münsterkirche 19 

Essen, Querschn. durch d. Westbau 21 

Essen, Grundriss der Krypta ... 22 

Essen, Innenansicht der Kr3rpta . 23 
Essen, Blick auf den Hochchor der 

Münsterkirche 26 

Essen, Querschnitt durch den Hoch- 
chor der Münsterkirche 27 



355 



io8 



KREIS ESSEN 



Seite 
Fig. 15. Essen, Alfridsarkophag in der 

Münsterkirche 34 

Fig. 16. Essen, Holzfigur des h. Kosmas . 35 
Fig. 17. Essen, Reste der Wandgemälde im 

Westbau 36 

Fig. 18. Essen, Daniel und Gabriel, Wand- 
gemälde aus dem Westbau .... 37 
Fig. 19. Essen, Porträt einer Äbtissin aus 

dem Westbau 38 

Fig. 20. Essen, Deckenmalereien im Chor 

der Münsterkirche 39 

Fig. 2 1 . Essen, W^andgemälde aus dem Hoch- 
chor der Münsterkirche 40 

Fig. 22. Essen, Siebenarmiger Leuchter mit 

Details 41 

Fig. 23. Essen, Rückengravierung des ersten 

Mathildenkreuzes 44- 

Fig. 24. Essen, Madonnenstatue a. Goldblech 47 
Fig. 25. Essen, Armreliquiare und Pracht- 
schwert aus der Schatzkammer. . 48 
Fig. 26. Essen, Kopfreliquiar des h. Marsus 49 
Fig. 27. Essen, Grundriss der Marktkirche 57 
Fig. 28. Borbeck, Ansicht des Schlosses 62 
Fig. 29. Schellenberg, Ansicht des alten 

Schlosses von Norden 69 

Fig. 30. Schellenberg, Grundriss d. Schlosses 69 
Fig. 31. Schellenberg, Pavillon vom J. 1674 70 



Seite 
Fig. 32. Stoppenberg, Südansicht der 

Stiftskirche 73 

Fig. 33. Stoppenberg, Grundriss der Stifts- 
kirche 74 

Fig. 34. Stoppenberg, Längsschnitt d. Stifts- 
kirche 75 

Fig. 35. Stoppenberg, Ostansicht der Stifts- 
kirche • 75 

Fig. 36. Werden, Nordwestansicht der 

Abteikirche 81 

Fig. 37. Werden, Innenansicht der Grabes- 
kirche 84 

Fig. 38. Werden, Grundriss der Kr3rpta und 

der Grabeskirche 85 

Fig. 39. Werden, Grundriss der Abteikirche 87 
Fig. 40. Werden, Querschnitt durch das 

KreuzschifT der Abteikirche .... 89 
Fig. 41. Werden, Romanische Reliefs hinter 

dem Hochaltar 94 

Fig. 42. Werden, Grabstein des Abtes Anton 

Grimhold 95 

Fig. 43. Werden, Elfenbeinpyxis 98 

Fig. 44. Werden, Reisekelch des h. Ludger 99 
Fig. 45. Werden, Deckel d. Reliquienkastens 100 
Fig. 46. Werden, Thorbau d. Abteigebäudes 102 
Fig. 47. Werden, Romanisches Relief im 

Abteigebäude 103 



III. Tafeln. 



Seite 
Taf. I. Essen, Goldschmiedearbeiten aus 

dem Schatz der Münsterkirche . 43 
Taf. II. Essen, Goldschmiedearbeiten aus 

dem Schatz der Münsterkirche . 47 



Seile 
Taf. III. Werden, Längsschnitt durch die 

Abteikirche 91 

Taf. IV. Werden, Chor der Abteikirche . 95 



H^ 



356 



Nachträge und Berichtigungen zum zweiten Bande. 



S. 12. BELLINGHOVEN. Zur Geschichte des Schlosses: Fahne, Geschichte 
der Kölnischen Geschlechter II, S. 6, 211. 

S. i9. DIERSFORDT. Die Bilder aus der Geschichte von Eros und Psyche 
sind wahrscheinlich nach Kompositionen von Luffitte mit dem Druckverfahren Dufoun 
um 1810 hergestellt. 

S. 22. DREVENACK. Fahne, Denkmale und Ahnentafeln des Geschlechtes 
Mumm I, S. 57 erwähnt eine handschriftl. Notiz A. v. Dorths (t i695): Von alters 
ist mehr nicht den eine capelle gewesen, übriges sampt thurm ist nach der hand 
daran gebaut. Uffen chor hinderorts dem altar im mittelglass imago crucifixi et Marie. 
Ebendaselbst S. 65 Grabdenkmäler der Mumm und Schwarzenstein erwähnt. 

S. 22. EMMERICH, v. Kamptz, Die Provinzial- und statutarischen Rechte 
in der Preussischen Monarchie, Berlin 1828, III, S. 57. 

S. 25. Über die kleine vorgeschichtliche Sammlung im Gymnasium vgl. Korre- 
spondenzblatt des Gesamtvereins XXXVII, S. 61. 

S. 3i. Ein Grabstein von Richwin v. d. Sande in der Aldegundiskirche bei 
Fahne, Denkmale und Ahnentafeln des Geschlechts Mumm I, S. 29, ZZ^ 47. 

S. 32. Über die Münsterkirche S. Martin noch Kugler, Geschichte der Bau- 
kunst II, S. 3i7. — Springer, Die Baukunst des christlichen Mittelalters Taf. VIIL 
II — 13. Über die Krypta Otte, Geschichte der romanischen Baukunst S. i99. 

S. 44. Das hölzerne Kruzifix erwähnt im Katalog der Ausstellung kunstgewerb- 
licher Altertümer in Düsseldorf 1880, S. i5i, Nr. 6o9. Die Madonnenstatuette S. 49 
ebendaselbst S. i7i, Nr. 668. 

S. 58. EMPEL. Vgl. Fahne, Geschichte der Kölnischen, Jülichischen und 
Bergischen Geschlechter I, S. 186; II, S. 69. 

S.67. RÖCHELTEN, v. Kamptz, Die Provinzial- und statutarischen Rechte 
in der Preussischen Monarchie, Berlin 1827, III, S. 58 2. — Rive, Über das Bauem- 
güterwesen S. 349. — Über die Abteikirche auch Kinkel im Kunstblatt i846, S. l59. 

S. 78. HUETH. Die Geschichte des Schlosses ausführlich von J. J. Sluyter 
in der Rheinisch -Westf^ischen Volkszeitung i889, Nr. 23. 

S. 93. REES. V. Kamptz, Die Provinzial- und statutarischen Rechte in der 
Preussischen Monarchie III, S. 72. — D. A. C. Borheck, Bibliothek für die Ge- 
schichte, Erdkunde und Staatskunde . . . des niederrhein. Deutschlands I, 1801, Nr. 8. 

S. io3. RINGEN BERG. Zur Geschichte derer von Spaen: Fahne, Denk- 
male und Ahnentafeln in Rheinland und Westfalen III, S. 87. Zu den Handschriftl. 
Quellen: Im Archiv zu Schloss Anholt: Lehnsregesten von i4o2 an. 

357 



l lO NACHTRÄGE UND BERICHTIGUNGEN 

S. ui. WESEL. Justiz -Punkten der Stadt Wesel, so von Ihro Churfürstl. 
Durchlaucht zu Brandenburg .... a. 6. Nov. 1682 publiziert worden, Wesel i644. — 
Voyage fait en 181 3 et 181 4 dans le pays entre Meuse et Rhin, Paris 1818, p. 224. 

S. 112. Zur Geschichte der Schillschen Offiziere: Wöchentliche Nachrichten i8o9, 
Nr. 4o. — Zeitschrift des Düsseldorfer Geschichts Vereins 1882, Nr. 2, S. 16. 

S. Ii5. Zu den Handschriftl. Quellen: In der Kgl. Staatsbibliothek zu München: 
Privilegien der Stadt Wesel von 1277 ab in der Redinghoven sehen Sammlung, Cod. 
germ. 22 13, Bd. XXII, p. i3o. — Über das Stadtarchiv auch Wd. Zs. I, S. 394. 

S. 116. Zu dem Verzeichnis der Ansichten und Pläne hinzuzufügen: 10«. Ab- 
riss, eigentlicher auch gründtlicher Bericht von der Eroberung der Stadt Wesel den 
i9. Aug. 1629 durch Herrn von Dyden, Stich von G. Köler, Nürnberg. — 29*. An- 
sicht der Stadt Wesel und von deren Umgebung, i4 x 24 cm, um 1680, bez.: j. peeters 
DELiN. G. bouttats FEG. — 35 u. 36. Zwei Pläne mit Darstellungen der Belagerungen 
von i757 u. i758 bei du Bois, Camps topographiques de la campagne de MDCCLVII, 
en Westphalie, Haag l76o, pl. i und 56. — 37. Plan der Vestung Wesel vom J. i76o, 
36X22 cm. 

S. II 9. Die ehemaligen Inschriften der herzoglichen Grabmäler bei Geleniüs, 
Farragines XI, p. 24o (Köln, Stadtarchiv) und bei Redinghoven, Cod. germ. 221 3, 
Bd. XVII, p. 283 (München, Staatsbibliothek). 

S. 120. Die grüne und die rote Kasel der Dominikanerkirche im Katalog der 
Ausstellung kunstgewerblicher Altertümer in Düsseldorf 1880, Nr. 544 u. 545. 

S. 122. Matenakirche. Deutung des Namens in der Rheinisch -Westfälischen 
Volkszeitung i889, Nr. 33. 

S. i37. Die sämtlichen Grabsteine der Willibrordikirche sind nach Erscheinen 
der ,Kunstdenkmäler des Kreises Rees* sorgsam publiciert bei Hillenkamp, Inschriften 
und Denkmäler der Willibrotxiikirche in Wesel, Wesel i893. 

S. i5o. In der Beschreibung des Gerichtsbildes gehört die Inschrift: swaer 
NIET VALSELiCK u. s. w. ZU dem Engel und nicht zu dem hinter ihm stehenden Mönche. 

S. i73. DUISBURG. Der Verfasser verdankt verschiedene Mitteilungen und 
Nachträge zur Geschichte der Duisburger Denkmäler der Güte des Herrn Professor 
AvERDUNK in Duisburg, der in einer seit Jahren vorbereiteten »Geschichte der Stadt 
Duisburg bis zum Schluss des dreissigj ährigen Krieges* die Entwickelung der Stadt 
im Zusammenhange zu behandeln gedenkt. Das Werk soll binnen Jahresfrist er- 
scheinen. Die Benutzung der Wassenberg sehen Chronik wurde durch das liebens- 
würdige Entgegenkommen des Herrn Staatsarchivars Dr. Th. Ilgen zu Münster i. W. 
ermöglicht, der seine, für die Ausgabe in den deutschen Städtechroniken angefertigte 
Abschrift der Originalhandschrift dem Verfasser zur Verfügung stellte. Der ältere 
Teil des Stadtarchives, geordnet von Dr. Kleine i835 — 1838, vervollständigt durch 
Professor Averdunk, wird im Gymnasialgebäude verwahrt, nur die neueren Sachen 
im Rathause. Stadtrechnungen sind von i35o an vorhanden. 

S. i74. Auch die von Dr. Wilms ausgegrabenen Urnen befinden sich im Besitz 
des Gymnasiums. Z. 5 v. u. lies: und bis nach Neudorf hin. 

S. i75. Die Beguinenkirche gehörte zu dem S. 188 genannten Kloster Mons 
S. Elisabethae. Die Urkunde von i4i9 bezieht sich auf Franziskanerinnen in dem 
S. i89 genannten Katharinenkloster, dem späteren Universitätsgebäude. 

S. i78. Eine Kirche in Duisburg ohne nähere Bezeichnung schon erwähnt in 
dem Heberegister der Abtei Prüm vom J. 893 (Beyer, UB. zur Geschichte der mittel- 
rheinischen Territorien I, Nr. i35). 

358 



NACHTRÄGE UND BERICHTIGUNGEN III 

S. 182. Z. 10 V. u. lies 1426 anstatt i42o. 

S. i85. Die Inschrift am Epitaph des Gerardus Mercator auf Schiefer. 

S. 188. Die Stadtmauer besteht aus drei an verschiedenen Stellen noch sicht- 
baren Bestandteilen. Den möglicherweise noch dem 12. Jh. angehörigen Unterteil 
bildet eine i,7o — 2,20 m hohe Mauer aus Bruchsteinen. Der zweite etwa 2,7o m hohe 
Teil besteht aus Tuflfquadem, der letzte Teil aus dem i5. u. 16. Jh. ist ebenso wie 
alle späteren Ausbesserungen in Backstein ausgeführt. 

S. l93. BROICH. Zu den Handschriftl. Quellen: In der Staatsbibliothek zu 
München: Chronik der Herrschaft Broich in Annalenform, ausführlich und wichtig, 
in der Redinghoven sehen Sammlung, Cod. germ. 22 13, Bd. XIII, Bl. 374«, LXXVI, 
Bl. i79". — Consultatio iuris super qualitate feudali antiquissimae et celeberrimae 
olim Romanorum arcis et speculae Bruchterorum ad Ruram, Schloss Broich, ebenda 
Bd. XIII, B1.383». 

S. i94. Z. 7 V. u. lies B und C anstatt B und B. Z. 2 v. u. lies Limburg an- 
statt Lottum. 

S. i99. Z. 2 u. i4 lies i5S5 statt i589. Z. 7 lies 246—296 statt 246, 296. Z. 22 
statt zwei lies drei steinerne Bogen. 

S. 2o4. Z. i3 lies i755 sUtt i775. 

S. 265. ESSEN. Gegen die HuMANNsche Datierung der älteren Essener Ba- 
silika wenden sich Effmann in der Deutschen Bauzeitung i89o, Nr. 93, und v. Bezold 
im Centralblatt der Bauverwaltung i89i, S. 128. 

S. 328. Eine Entgegnung auf die Ausführungen von H. Graf bringt ein Auf- 
satz von G. Dehio, Zwei Probleme zur Geschichte der Anfänge des romanischen 
Baustils: Repertorium für Kunstwissenschaft XII, S. 2i7, 226. 



^ 



359 



Gesamtregister zum zweiten Bande. 



Vorbemerkung. Das Register zerfällt in die folgenden 13 Hauptabteilungen: 
I. Römische Reste. VII. Werke der Plastik, 

II. Germanische und fränkische | VIII. Goldschmiedearbeiten. 

Reste. IX. Glocken. 

III. Kirchliche Architektur. X. Paramcnte. 

IV. Profanarchitektur. XI. Inschriften. 

V. Ausstattung der Kirchen. * XII. Künstlerverzeichnis. 

VI. Werke der Malerei. XIII. Klösterliche Niederlassungen. 

Überall ist die am unteren Rande der Seite befindliche durchlaufende Ziffer 
angegeben. 

Abkürzungen: Ch. Chor, T. Turm, ug. umgebaut, ag. abgebrochen, n. e. nicht erhalten, 
z. zerstört, G. Gemälde, bar. barock, g. gothisch, K. Kelch, M. Monstranz, Gib. Ciborium. Ein Abb. 
oder Taf. hinter den Ortsnamen bedeutet, dass von dem genannten Werke eine Abbildung oder 
eine Tafel gegeben ist. 



I. Römische Reste. 

I. Städte, Lager, Kastelle, Warten. ' bom 222. Hamminkeln 18. Hochclten 66. 

Aspel 11. Borbeck (?) 309. Dierefordt 17. ! Schcrmbeck 17, 105. Spellen 238. Stynim 

Dinslaken (?) 208. Fluiren (Lippermünd) 17, ' ^^^' ^^"'^^ ^^^• 

117. Gahlen (?) 217. Haldem 63. Hochelten] 4. Gräber und Grabfunde. 

66. Mehr (?) 87. Schermbeck 105. Steeger 
Burgwart (Abb.) 106. Wesel 117. 



2. Grenzwehren (vgl. II, 2 und IV, 8). 
Hochelten 66. Hünxe 229. Schermbeck 
107. Stynim 203. 

3. Römerstrassen. 

Aspel 11. Bislich 18. Bocholt 11. Brede- 

ney (?) 311. Diersfordt 17. Duisburg 175. 

Emmerich 25. Eppinghoven 215. Fluiren 18. 

Gahlen 218. Haffen 61. Haldem 63. Ham- 



Bruckhees 15. Diersfordt 17. Dinslaken 208. 
Eppinghoven 215. Gahlen 217. Hochelten 66. 
Mehrum 234. Spellen 238. Vra-sselt 110. 



5. Skulpturen 

(die Inschriften vgl. unten XI, 1), 
Emmerich (?) 25. Mehrum 234. 

6. Münzfunde. 

Duisburg 175. Emmerich 25. Haffen 61. 
Mehrhoog 87. Spellen 238. Vrasselt 110. 



IL Germanische und fränkische Reste. 

I. Befestigungen und Wallburgen. ; „üthum 81. Katterbergsköppcl 231. Loikum 

Eppinghoven 215. Gahlen 217. Gartrop (Abb.) 84. Schult am Berge vgl. Hünxe. Schulte 

(Abb.) 219. Hohloeken 218. Hünxe (Abb.) 229. | Voss 238. Seh wenumshof vgl. Loikum. Wesel 117. 

8 

36i 



1x4 



GESAMTREGISTER ZUM ZWEITEN BANDE 



2. Grenzwehren 
(vgl. I, 2 und unten Landwehren IV, 8). 

Bredeney 311. Diersfordt 18. Drevenack 
21. Duisburg 175. Gartrop 219. Hiesfeld 227. 
Hechelten 67. Isselburg 67, 81. Loikum 21, 



I 84. Mehr 18, 88. Obrighoven 21. Saam 200. 
Schermbeck 107. St>Tuin 203 Walsum 240. 

3. Gräber und Grabfunde. 

Duisburg 174, 175. Emmerich 25. Haldem63. 
I8enberg312. Kettwig 314. Rees 94. Saam 201. 



III. Kirchliche Architektur. 



I. Bauwerke bis zum Schluss des 
9. Jahrhunderts. 

Essen, Alfridsbasilika 268. Werden, Grabes- 
kirche (Abb.) 332. 

2. Bauwerke des romanischen und 
des Übergangsstiles. 

A. Einschiffige Bauten. 
Saam (Abb.) 201. 

B. Pfeilerbasiliken. 

Bislich (ug.) 15. Emmerich, Münsterkirche 
(ug., Abb.) 32. Essen, Münsterkirche (ug., Abb.) 
269, Marktkirche (Abb.) 305. Hochelten (ug., 
Abb.) 67. Meiderich (ag.) 236. Rees (ag.) 95. 
Stoppenberg (Abb.) 321. Werden, Abteikirche 
(Abb., Taf., ug.) 332, Luciuskirche 350. 

C. Säulenbasiliken. 

Hünxe (ug.) 232. Wesel, Willibrordikirche 
(ag.) 128. 

D. Romanische Krypten. 

Emmerich, Münsterkirche (Abb.) 35, 38. 
Essen, Münsterkirche (Abb.) 270. Werden, Ab- 
teikirche (Abb.) 334. 

E. Romanische Kapellen. 
Werden, Klemenskirche, Nikolaikap. (ag.)351. 

F. Reste romanischer Bauten. 
Brünen (T.) 17. Götterwickersham (T.) 222. 
Haldem (T.) 63. ReUinghausen (T.) 315. Spellen 
(T.) 239. Wesel, WiUibrordikirche (Fund.) 128. 

3. Gothische Bauwerke. 

A. Fünfschiffige Kirchen. 
Wesel, Willibrordikirche (Abb.) 125. 

B. Dreischiffige Kirchen. 

a) mit Pfeilern. 
Beeck 207. Bienen 14. Duisburg (Abb.) 
182. Emmerich, Aldegundiskirche (Abb.) 25. 
Essen, Abteikirche (Abb.) 268. Essen, Johannis- 
kirche (Abb.) 303. Haldem (ug.) 63. 



Hambom (Abb.) 223. Holten 228. Hünxe 232. 
Mehr 88. Mülheim a. d. Ruhr 199. Nieder- 
elten 91. Spellen 239. Wesel, Fraterherren- 
kirche 120, Matenakirche 125. 

b) mit Säulen. 
Dinslaken (Abb) 208. Millingen 89. 

C. Zweischiffige Kirchen. 
Brünen 17. Drevenack 21. Gahlen 218. 

Haffen 61. Hamminkeln 65. Loikum 86. Scherm- 
beck 107. Wertherbruch 111. 

D. Einschiffige Kirchen. 
Bredeney 311. Domick (ug.) 20. Duisburg, 

Minoritenkirche (Abb.) 176. Emmerich, Münster- 
kirche (ug., Abb.) 32. Eppinghoven 215. Hies- 
feld 227. Marienthal 87. Praest 92. Wesel, 
Dominikanerkirche 119, NikolauskapcUe 123, 
Johanniterkirche 138. 

E. Hallenkirchen. 
Dinslaken (Abb.) 208. Essen, Johanniskirche 

(Abb.) 303. 

F. Klosteranlagen. 

Emmerich 52. Essen 306. Hambom 226. 
ReUinghausen 315. Saam 202. Steele 320. 
Stoppenberg 3^1. Werden (Abb.) 350. 

G. Reste gothischer Bauten. 
Kettwig (T.) 314. 

H. Wegkreuze, Kalvarienberge, 
Stationen. 
Dinslaken 211. Wesel 153. 

4. Kirchen des i6., i7. u. i8.Jh. 

Dinslaken (1649) 211. Duisburg (1728) 175, 
(1780) 175. Emmerich, Evang. K. (1715) 51. 
Essen 306. Hüthum (18. Jh.) 80. Kettwig (1720) 
314. Mülheim a. d. Ruhr 199. Rees, Evang. K. 
(1624) 98. ReUinghausen (1707, 1775) 316. 
Ringenberg (17. Jh.) 102. Schermbeck, Ref. K. 
110. Vrasselt 110. 



362 



GESAMTREGISTER ZUM ZWEITEN BANDE 



Il5 



I. Romanische Burgen und feste 
Häuser. 

Aspel (uff.) 11. Drevenack (z.) 22. Isen- 
berg (z.) 312. Luttelnau 314. 

2. Gothische Burgen und feste 
Häuser. 

Baldeney (u^.) 309. Broich (Abb., Ta«.) 193. 
Dicrsfordt (Vorburg) 18. Dinslaken (Abb.) 213. 
Empel (ug.) 58. Groin (ag.) 61. Heisingen 
(ug.) 312. Holten (ug.) 228. Hueth (ug., Abb.) 
79. Isselburg (ag.) 82. Krudcnbuiig (ug.) 83. 
Mehrum (ug.) 234. Ruhrort (ag.) 238. Schellen- 
berg (Abb.) 316. Schermbeck (ug.) 110. Schwar- 
zenstein (ug.) 83. Sonsfeld (ag.) 65. Wenge 
(z.) 21. Werden (ag.) 352. Wesel (Abb.) 148. 
W^ohnung (ug., Abb.) 216. 

3. Schlösser der Renaissance und 
Barockzeit. 
Aspcl 11. Avcrsforth (1677) 62. Bären- 
kamp 214. Bellinghoven (Abb.) 12. Borbeck 
(1744, Abb.) 310. Broich (ug., Abb., Taf.) 193. 
Bruckhees (1680) 16. Diersfordt (18. Jh.) 18. 
Empel (ug., 1570, Abb.) 59. Gartrop (1675) 
219. Holten 229. Offenberg (ag.) 93. Ringen- 
berg (1661, Abb.) 103. Scheppen 319. Steele 
(1699, ag.) 320. Styrum (1658, ug., Abb.) 204. 
Wesel 152. 



IV. Profanarchitektur. 

4. Schlosskapellen. 



Aspel (ag.) 11. Diersfordt (1775) 19. Gar- 
trop (1698) 220. 

5. Befestigungen, Thore, Türme. 
Dinslaken 212. Duisburg 188, 359. Emme- 
rich (Abb.) 53. Isselbuig (Abb.) 82. Rees 
(Abb.) 101. Rellinghausen 316. Wesel (Abb.), 
Berliner Thor, Klever Thor, 140. 

6. Rathäuser. 
Emmerich (15. Jh.) 54. Essen (1878) 306. 
Rees (15. Jh., Abb.) 99. Wesel (1396, Abb.) 148. 

7. Wohnhäuser. 



Emmerich 
Wesel 152. 

B. 



A. Gothische. 
(Abb.) 56. Rellinghauflcn 315. 



Der Renaissance und des 17. u. 18. Jh. 

Duisburg 189. Emmerich (Abb.) 56. Köch- 
elten 78. Mülheim a. d. Ruhr (Abb.) 200. Rees 
98. Wesel 152. 

8. Landwehren. 
Duisburg 175. Emmerich 57. Empel 61. 
Rees 57, 102. Wesel 117. 

9. Bauernhäuser. 
Hünxe (Abb.) 233. Mehr 89. MiUingen 91. 



V. Ausstattung der Kirchen. 



I. Altäre. 
A. Steinerne Altäre oder ältere steinerne 
Mensen. 
Werden, Abteikirche 341, 342. 

B. Schnitzaltäre. 
Dinslaken (Taf.) 209. Essen, MOnsterkirche 
279. Rees (ag.) 96. Wesel (Taf.) 121. 

C. Altäre allein mit Gemälden. 
Haldem (Taf.) 63. 

D. Altaraufsätze der Barocke und des 
Rokoko. 
Bienen 14. Dinslaken 210. Emmerich, Alde- 
gundiskirche 28, Münsterkirche 41. Essen, Jo- 
hanniskirche 304. Hambom 224. Hochelten 
72. Praeat92. Saam 202. Steele 320. Werden 
Abteikirchc (Taf.) 341, 342. 



2. Sakramentshäuschen und 
Tabernakel. 
Bislich 15. Domick 20. Duisburg 184. 
Gahlen 218. MiUingen (Abb.) 89. Saam 203. 
Spellen 239. 

3. Lettner. 
Wesel 136. 

4. Chorstühle. 
Duisburg, Minoritenkirche (15. Jh.) 178, Sal- 
vatorkirche (15. Jh.) 184. Emmerich, Aldegundis- 
kirche (1450) 29, Münsterkirche (1486, Abb.) 
42. Essen, Münsterkirche (1699) 304. Ham- 
bom 225. Hochelten (bar.) 72. Marienthal 
(15. Jh.) 87. Praest (1523) 92. Ruhrort (1483) 
237. Werden, Abteikirche (1700) 342. Wesel, 
Dominikanerkirchc (Rok.) 119, Fraterherren- 
kirche (1500) 121. 

8* 



363 



ii6 



GESAMTREGISTER ZUM ZWEITEN BANDE 



5. Taufsteine. 

A. Becken mit vier Eckköpfen. 
Hambom 225. Loikum 86. Rellinghausen 
315. Stoppenberg 323. 

B. Romanische unbestimmter Form. 
Röchelten 72. 

C. Spätgothische. 
Bienen 14. Dinslaken 210. Domick 20. Duis- 
burg 184. Emmerich (Bronze) 43. Essen 304. 
Haffen 62. Hambom 225. Millingen 90. Praest 92. 

6. Kanzeln. 
Dinslaken (1723) 211. Duisburg (1664) 184. 
Emmerich (bar.) 51. Kettwig (18. Jh.) 314. 
Mehr (16. Jh.) 88. Werden (bar.) 342. Wesel 
(Rok.) 119. 

7. Orgeln und Orgelbühnen. 
Wesel 136. 

8. Kronleuchter. 

Bislich 15. Dinslaken 211. Emmerich 51. 
Gahlen218. Hiesfeld 227. HUnxe 232. Millingen 
90. Spellen 239. 

9. Standleuchter. 
Emmerich 44, 46. Essen (Abb.) 288. Marien- 
thal 87. Rees 97. Vrasselt 111. Wesel 121. 

10. Reliquienschreine. 
Essen, Münsterkirche (n. e.) 301. Werden, 
Abteikirche (n. e.) 344, 346. 



II. Schmiedeeiserne Arbeiten. 

A. Kerzenhalter. 
Emmerich 52. Hochelten 73. Saam 203. 

B. Andere Arbeiten. 
Emmerich (Krahn) 44. 

12. Grabdenkmäler und Epitaphien. 
Borbeck (1598) 309. Dinslaken (18. Jh.) 
211. Duisburg, Salvatorkirche (16.— 18. Jh.) 185. 
Emmerich, Aldegundiskirche (1436, 1514, 1593) 
31, Münsterkirche (1433, 1519, 1585) 45. Essen, 
Münsterkirche (9.— 10. Jh., 14. Jh., Abb., 1614) 
282, 283, (17. Jh.) 288, (16. Jh.) 290. Hambom 
227. Hiesfeld 227. Hünxe (1716) 232. Millingen 
(16. Jh.) 90. Rellinghausen (11. Jh , z.) 315. 
Ringenberg (17., 18. Jh.) 103. Scheppen (18. Jh.) 

319. Schermbeck (1645) 109. Steele (1776) 

320. Werden, Abteikirche (1517, Abb., 17., 
18. Jh.) 343, (9. Jh.) 344. Wesel, WiUibrordi- 
kirche (1590) 119, (1699) 121, (18. Jh.) 124, 
(1574, 1555, 1576 u. a.) 137. 

i3. Memoriensteine. 
Drevenack 21. Essen 282. Mehr 88. 

i4. Bodenbelag. 
Emmerich, Münsterkirche 39. Werden, Abtei- 
kirche 334. 



VI. Werke der Malerei. 



I. Wandmalerei. 
Diersfordt 19, 357. Duisburg (16. Jh., Abb.) 
185. Emmerich (12., 14. Jh.) 45. Essen, Münster- 
kirche (11., 13., 14. Jh., Abb.) 283. Haffen 
(15. Jh., Abb.) 62. Hamminkeln 65. Hiesfeld 
i27. Praest 92. Werden, Abteikirche (13. Jh., 
n. e.) 343. Wesel, WUlibrordikirche (16. Jh.) 
137, (15. Jh.) 139. 

2. Tafelgemälde (vgl. v, 1, c). 
Bislich 15. Broich 197. Bruckhees 16. 



j Diersfordt 19. Dinslaken (Taf.) 209. Emmerich 
31, 46, 51 (Taf.), 55. Essen 287, 288. Gar- 
trop 221. Haldem (Taf.) 63. Hambom (17., 
18. Jh.) 225. Hueth 80. Hüthum 80. Rees 
98, 99, 101. Rellinghausen 316. Schermbeck 
(Abb.) 109. Werden 344. Wesel 119, 121, 150. 
151, 153. Wohnung (16.— 18. Jh.) 217. 

3. Glasmalereien. 
Dinslaken 211. 



VII. Werke der Plastik. 



1. Steinskulpturen. i 

Empel 60. Hochelten (Abb.) 73. Marien- i 

thal 87. Werden, Abteikirche 342, 352. Wesel, j 

WUlibrordikirche 137, 153. , 



2. Holzskulpturen. 
A. Altäre (s. o. V, 1, B). 
B. Einzelfigurcn. 
Borbeck (15. Jh.) 309. Dinslaken (14., 15. Jh., 



364 



GESAMTREGISTER ZUM ZWEITEN BANDE 



Il7 



Abb., Taf.) 210, (1507) 211, 212. Domick (15., 

16. Jh.) 20. Duisburg, Minoritenkirchc (15., 

17. Jh.) 178, Salvatorkirche (15. Jh.) 184. Emme- 
rich, Aldegundiskirche (15., 16. Jh., Abb.) 30, 
Münsterkirche (11., 15., 16. Jh., Abb.) 44, 
Christophsthor .16. Jh.) 54. Eppinghoven (16. Jh.) 
215. Essen, MOnsterkirche (14., 15., 16. Jh., 
Abb.) 277, 282, 283, 290, (Rathaus) 306. Ham- 
bom (15. Jh.) 225. Hochelten (Relief um 1500) 
78. Hüthum (15. Jh.) 80. Isselbiu-g (um 1500) 
82. Marienthal {U., 15. Jh.) 87. Rees (14.. 
16. Jh., Abb.) 96. Saam (14., 15. Jh.) 203. 
Vrasselt (15. Jh.) 111. Werden, Abteikirche 



15., 18. Jh.) 342. Wesel, Dominikanerkirche 
(15. Jh.) 119, Fraterherrenkirche (15. Jh.) 121. 

3. Bronze- und Kupferarbeiten 
(vgl. o. V, 8. Kronleuchter). 
A. Lavabokcssel. 
Bislich 15. Dinslaken 211. Praest 92. 
Werden 348. Wesel 122. 

B. Andere Arbeiten. 
Duisburg (Kerzenhalter) 184. Essen (Leuch- 
ter, Abb.) 288. Werden (Kreuz) 345 

4. Elfenbeinarbeiten. • 
Werden (Py-xis, Kasten, Abb.) 345, 346. 



VIII. Goldschmiedearbeiten. 



1. Bis zum J. i25o. 
Emmerich, Münsterkirche ( Willi brordi -Arche, 

Taf., Abb., 9.— 15. Jh.) 46. Essen, Münster- 
kirche i Vortragskreuze, Taf., Abb., 10. — 11. Jh., 
Buchdeckel, Madonnenstatue, Abb., Prachtschwert, 
Rel., Kästchen, Abb.) 291—297, (Schrein, Evan- 
geliar, n. e.) 300. Haffen (K.) 62. RcUing- 
hausen (Kreuz, n. e.) 316. Werden, Abteikirche 
(K., Abb., Trinkgefäss) 345, 346. 

2. Von i25o — i55o. 

Emmerich, Aldegundiskirche (M., Gib., K.) 
31, Münsterkirche (Kalvarienbeig, Statuetten, Rel., 



Kästchen, K., Abb.) 49. Essen, Münsterkirche 
(Rel., M., K., Ostensorien, Kreuz, Abb.) 298 bis 
300, Gertrudenkirche (M., K., 13.— 16. Jh.) 304. 
Haffen (M.) 62. Haldem (M.^ 64. Hochelten 
(Rel., Agraffen, M., K., Kreuze, Taf., Abb.) 73. 
Millingen (Gib.) 90. Rees (Gib., M., K.) 97. 
Werden, Abteikirche (Rel., Kreuz) 347. Wesel, 
Dominikanerkirche ^K.) 119. 

3. Später als i55o. 

Eppinghoven [M.) 215. Essen, Münsterkirche 



(Rel., 17., 18. Jh.) 300. 
kirche (K.) 122. 



Wesel, Fraterherren- 



IX. Glocken. 



13. Jh. Essen 301. 

14. Jh. Eppinghoven 216. Stoppenberg 324. 
1337, Emmerich 32. 

1404. Rees 98. 

1429. Millingen 90. 

1434. Emmerich (2) 51. 

1453. Holten (2) 228. 

1458. Bceck 207. Bislich 15. Walsum 241. 

1467. Duisburg 187. 

1472. Brüncn 17. 

1473. Niederelten 91. 
1483. Rees 98. 
1490. Hiesfdd 228. 
1498. Emmerich (2) 32. 
1601. Beeck 207. 

1507. Duisburg 176. 

1508. Emmerich 51. 

1509. Millingen (2) 90. 



1512. Niederelten 91. 

1520. Drevenack 21. Eppinghoven 216. Hies- 

feld 228. Hünxe 233. 
1522. Holten 228. 
1525. Essen 301. 
1537. Werden 349. 
1544. Domick 21. 
1546. Essen 301. 
1561. Rees 100. 
1563. Rees 101. 
1574. Werden 349. 
1600. Essen 301. 
1623. Drevenack 21. 
1633. Praest 92. 
1638. Hambom 225. 

1641. Gahlen 218. Rees 98. 

1642. Götterwickcrsham 222. 
1646. Rees 98. 



365 



ii8 



GESAMTREGISTER ZUM ZWEITEN BANDE 



1654. Dinslaken 211. 

1658. Werden (2) 349. 

1673. Haldern (3) 64. 

1674. Werden \2) 349. 

1693. Hamminkeln 65. 

1694. Praest 93. Stoppenber^ (2) 324. 
1696. MUlingen 90. 

1703. Wesel 125. 

1705. Duisburg 175. Werden 349. 

1715. Duisburg 175. 

1723. Götterwickcrsham 222. 

1731. «Loikum 86. 

1744. Schermbeck 109. 



1748. Werden (2) 349. 

1765. Duisburg 187. 

1766. Schermbeck 110. 
1770. Hünxe 233. 
1773. Loikum 86. 
1777. Bislich 15. 

1781. Isselburg 82. 

1782. Domick 21. Rees 98. 
I 1783. Domick 21. 

I 1785. Dinslaken 3) 211. 
I 1787. Essen (3) 304. 
I 1789. Rees (2) 98. 
I 1792. Stoppenberg 324. 



X. Paramente. 

I. Kasein, Kapellen, Chormäntel. ; berg 324. Werden -,9., 15., 16. Jh.) 348. Wesel 

Bislich (1500) 15. Emmerich (1500, 16., | (15. Jh.) 120, (15., 17. Jh.) 122. 
17. Jh.) 50. Essen (1520) 301. Hambom (16. Jh.^ 2. Gobelins. 

225. Rees (16., 17. Jh.) 98. Saam 203. Stoppen- | Hueth U^.Jh.) 80. Wohnung 217. 



XL Inschriften. 



I. Römische. 



Spellcn 239. 

2. Inschriften vom J. 3oo— 9oo 

(vgl. Memoriensteine V, 13). 
Emmerich (9. Jh.) 47, 49. Essen 282. Wer- 
den (9. Jh.) 344, 345. 

3. Romanische (9oo — i25o). 
Duisburg (um 1000) 187. Emmerich, Münster- 
kirche il2 Jh.) 39. Essen, Münsterkirche (1051) 
272, (um 1000) 288, 292. 293, 294, 295, 301, 
(um 1070) 330. Rees (1040; 95. Rcllinghausen 
(1011, um 1050) 315, 316. Werden, Abtei- 
kirche (10. Jh.) 345. 

4. Gothische (i25o — i5oo). 
Dinslaken (1421, 1426 211. Duisburg (1415) 
179, (1445, 1467) 187. Emmerich (1483) 26, 



(1486) 43, (15. Jh.) 54. Essen, Münsterkirche 
(um 1400) 297, (14., 15. Jh.) 298, 299, (1643) 
300, (1360) 303, (1525) 303. Meiderich (1384) 
235. Rees (1458) 95. Wesel /1406) 119, (1418) 
139, (1390) 150. 

5. Spätere. 
Bienen (16. Jh.) 14. Borbeck (1744) 311. 
Bredcney (1777) 311. Dinslaken (1652, 1681) 
212. Emmerich (16. Jh.) 50, (1596, 1692) 51, 
(1525, 1697) 52. Empel (1570) 59. Gartrop 
(1698) 221. Heisingen 312. Hochelten (1671) 
70, (1667) 78. Isselburg (1624) 81. Kettwig 
(1720, 1785) 314. Rees (1600) 102. Schellen- 
berg (1670, 1674) 318, 319. Schermbeck (1704) 
lOQ. Werden (18. Jh.) 352, 353. Wesel (1501) 
121, (1612) 127, (1506) 130, (1663) 139, (1722; 
147, (1578) 151. 



XII. Künstlerverzeichnis. 



I. Architekten und Steinmetzen. 
Adler. Werden 331, Wesel 127. 
Bayerschen, Amt. Wesel 141. 
Benoit. Sterkrade 240. 
Bergau. Wesel 127. 



de Bodt, Jean. Wesel 142, 145. 
Conraet. Wesel 148. 
Cruze, Johann. Wesel 138. 
Cuno. Emmerich 36, Rees 99. 
Dupuy. Wesel 142. 



366 



GESAMTREGISTER ZUM ZWEITEN BANDE 



Il9 



FelderhoflF. Werden 331. 

Flüg^ge. Harabom 224, Wesel 127. 

Freudenberg. Sterkrade 240. 

Gcliss. Wesel 126, 148. 

Gelsing, Theodor. Emmerich 36, Hochcltcn 70. 

Giersberg. Wesel 127. 

Grevenbroeck. Duisburg 179. 

Haller, Johannes. Duisburg 178. 

Hammelman, Hermann. Wesel 140. 

Hammer. Sterkrade 240. 

Hanemann. Bislich 15. 

Hartel, August. Mülheim a. d. Ruhr 200. 

HiHenkamp. Wesel 127. 

von Jülich, Berndt Wesel 142. 

Klehmet. Werden 331. 

Kompütt, Johann. Wesel 141. 

Kruttge. Werden 331. 

Krüger. Borbeck 309, Sterkrade 240. 

von Lassaux. Werden 331. 

van der Leen, Arnold. Emmerich 51. 

Lehmgrübncr. Wesel 127. 

Martin. Essen 266. 

Mecum. Wesel 127. 

Mertens. Sterkrade 240, Wesel 127. 

Niedieck. Werden 331. 

Nienburg. Werden 331. 

van Nieveit, Abraham. Wesel 141. 

Oppermann. Werden 331. 

Otter. Wesel 127, 150. 

van Pasqualin, Johann. Wesel 141. 

Persius. Werden 331. 

Pickel, Kaspar. Isselburg 81. 

Prinzhausen. Werden 331. 

Rincklake, August Essen 304, Isselburg 81, 

Steele 320. 
Schröder. Wesel 1^7. 
Senz. Werden 331. 
Spillner. Werden 331. 
Statz, Vincenz. Borbeck 309. 
Stüler. Emmerich 36. 
Sültcnfuss, W. Spellen 239. 
Vauban. Wesel 142. 
Wiethasc. Haltern 63, Ruhrort 237, Spellen 

239, Walsum 241. 
Zindel. Essen 306, Hambom 224. 

2. Bildhauer. 

Dollar, Georg. Essen 304. 
ther Heyden, Diedrich. Wesel 136. 
Langenbcrg. Bislich 15. 

Meister von Emmerich. Emmerich (Abb.) 30, 
Hüthum 80. 



3. Maler. 
Aschenbroich. Dinslaken 209. 
Bartels, J. A. Broich 197. 
Bosch, Hieronymus. Wohnung 217. 
de Bruyn, Bartholomäus. Essen 279. 
Büchtemann. Haffen 62. 
Büskens. Steele 320. 
Dünwegge, Heinrich. Recs 98, Schermbeck 109, 

Wesel 150. 
Fuscus, Bartholomäus. Werden 342. 
Jansens. Steele 320. 
Jodoci, Johannes. Werden 342. 
Joest, Jan. Rees 99. 
von Lorenwert, Arndt. Wesel 125. 
Mintrop. Werden 342. 
te Peerdt. Wesel 151. 
Pesne, Antoine. Diersfordt 19. 
Rousseau, J. J. Wesel 151. 
Rubens. Emmerich 31, Hambom 224, 225 
Stummel. Essen 285. 
! Tüsshaus. Sleele 320. 
Ziesenis, J. G. Wesel 153. 

Niederrheinische Meister. 
Bislich 15. Emmerich (Taf.) 55. Rees 99 
Wesel 121, 150. 

Niederländische Meister. 
Dinslaken (Taf.j 209. Emmerich 31, 51. 
Hüthum 80. Rees 99. Wesel 151. 

Westfälische Meister. 
Haldem (Taf.) 63. Rees 99. Schermbeck 
^Abb.t 108. 

4. Gold- und Kunstschmiede. 
Gillis, Sibrecht. Wesel 151. 

5. Glockengiesser. 
de Borch, Antonius. Rees (1561) 100. 
Fuchs, Carl Engelbert und Peter Henrich. Werden 

(1748) 349. 
de Grave, Jan Albert. Götterwickersham (1723) 

222. 
Hachmann, Wilhelm. Rees (1565) 101, Werden 

(1574) 349. 
Hatyseren (?), Segewinus. Niederelten (1512) 91. 
Hellingh, Simon. Praest (1633) 92. 
Jan van Andernach. Duisburg ^1507) 176. 
Johannes von Dortmund. Beeck (1458) 207, 

Brilnen ^472) 17, Duisburg (^1467) 187, 

Walsum (1458) 241. 
Jullien, Joseph. Drevenack (1623) 21. 
Neelmann, Johann. Essen (1600) 301. 



367 



I20 



GESAMTREGISTER ZUM ZWEITEN BANDE 



Paris, Anthon. Werden (1658) 349. 

Petit, Alexius. Dornick (1782, 83) 21. 

Petit, Alexiu« und Söhne. Dinslaken (3, 1785) 211. 

Petit, Alexius et Petrus. Duisburg (1765) 187. 

Petit, Everardiis. Stoppenberg 324. 

Petit, Henricus und Everardus. Essen (1787) 304. 

Petit, Johann und Johann Sohn. Schermbeck 

(1744) 109. 
Philippsen, Johann. Rees (1641) 98. 
Potgeiter, Claes. Holten (1453) 228. 
Schweys, Johann. Duisburg (1715) 175, Loikum 

(1731) 86, Wesel (1703) 125. 
Spicker, Hermann. Bislich (1777) 15. 
Teckel, Rutger. Haldern (1673) 65. 
a Trier, Peter I. Rees (1641) 98, (1646) 98. 



van Trier, Peter II. Haldem (1673) 65, Millingen 
(1696) 90. 

van Trier, Johann Peter und jlendrik. Dinslaken 
(1654) 211. 

Voigt, Christian. Rees (1789) 98. 

Voigt, Christian et Rötgerus. Hünxe (1770) 233, 
Loikum (1773) 86. 

Voigt, G. Isselbuix (1781) 82, Schermbeck 
(1766) 110. 

Westcrhuis, Wolterus. Drevenack ■ 1520) 21, 
Hiesfeld (1520 228, Millingen (1509) 90. 

de Wou, Gerhardus. Beeck (1501) 207, Emme- 
rich (1498) 32, Hiesfeld (1490) 228, Nieder- 
sten (1473) 91, Rees (1483^. 98. 



XIII. Klösterliche Niederlassungen. 

(Da in die Statistik zunächst nur die architektonisch bemerkenswerten Ansiedelungen Aufnahme gefunden haben, 
so macht das vorliegende Verzeichnis keinen Anspruch auf Vollständigkeit.) 



I. Augustiner. 
Dinslaken 212. Emmerich 52. Marienthal 
86. Wesel 139. 

2. Beguinen. 
Duisburg 175, 358. Wesel 140. 

3. Cistercienser. 
Duisburg^ 188. Eppinghoven 216. Saam 
201. Schiedenhorst 110. Sterkrade 240. 

4. Deutschordenshäuscr. 
Duisburg 178. 

5. Dominikaner. 
Wesel 118. 

6. Franziskaner. 

Duisburg 188. Emmerich 52. Niederelten 91. 
Rees 99. 



7. Fraterherren. 
Wesel 120. 

8. Jesuiten. 
Emmerich 52. 

9. Johanniter. 
Walsum 241. Wesel 138. 

IG. Kapuziner. 
E.ssen 306. 

1 1. Karthäuser. 
Wesel 139. 

12. Kreuzherren. 
Duisburg 188. Emmerich 52. 

i3. Minoriten. 
Duisburg 176. 

i4. Prämonstratenser. 
Hambom 223. Wesel 139. 



««r^^^' 



368 



Papier von J. W. Zanders in B.Gladbach. 

Lichtdrucke von B. KÜHLEN in M.Gladbach. 

Phototypien von Meisenbach, Riffarth & Co. in München. 

Autotypien von Angerer &. Göschl in Wien. 

Druck von L. Schwann in Düsseldorf.